Samowar
Samowar, 19. Jahrhundert

Ein Samowar (russisch самовар [səmɐˈvar] anhören?/i; само samo – „selbst“, вар war – „kocht“; wörtlich „Selbstkocher“) ist eine ursprünglich russische Teemaschine bzw. Wasserkocher. Samoware sind meist recht groß und oft kunstvoll verziert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Verbreitung

Erste schriftliche Erwähnungen des Samowars finden sich in den 1730er Jahren.[1]

Der klassische russische Samowar wird vorwiegend in der Stadt Tula hergestellt. Auch in der Türkei, in Iran und in Zentralasien ist diese Art des Teekochens verbreitet.

Redensart

Wenn man etwas Überflüssiges tut, trägt man in Russland keine Eulen nach Athen, sondern fährt mit dem eigenen Samowar nach Tula.

Funktionsweise und Teezubereitung

Familienporträt in Russland (1844) mit dem Samowar

Den größten Teil eines Samowares stellt der metallene, meist kupferne Wasserkessel dar, an dessen unteren seitlichen Rand sich ein Ablasshahn befindet, unter den man ein Teeglas zum Befüllen stellen kann. Ursprünglich wurde ein Samowar mit Holzkohle oder Petroleum beheizt, modernere Modelle funktionieren jedoch meist mit elektrischen Heizelementen ähnlich derer heutiger Wasserkocher.

Die mit Brennstoffen beheizten Samoware haben im Inneren des Wasserkessels eine Röhre, in welcher die Verbrennung erfolgt. Die Zufuhr der Verbrennungsluft erfolgt über eine Lochblende unter dem Kessel. Über die Rohrwandung wird die Wärme an das die Röhre umgebende Wasser abgegeben. Gleichzeitig sorgt die senkrechte Röhre für den für eine gute Verbrennung nötigen Kamineffekt. Das obere Ende der Röhre durchstößt den Deckel des Wasserkessels mittig von unten. Zum Anheizen des Samowars wird auf das obere Rohrende eine Verlängerung aufgesetzt, um den Kamineffekt noch zu erhöhen. Ist das Wasser fertig gekocht, wird die Rohrverlängerung durch den sogenannten „Komfort“ ersetzt.[2] Hierbei handelt es sich um einen Aufsatz, der an seiner Seite kleine Öffnungen hat, aus denen die noch heiße Verbrennungsluft (oberhalb des Kesseldeckels) austreten kann. Darauf kann eine kleine separate Kanne gesetzt werden, in der dann der eigentliche Tee (meist Schwarztee) zubereitet wird.

Genaugenommen wird in dieser Kanne jedoch kein servierfertiger Tee zubereitet, sondern es wird mit einer großen Menge an Teeblättern und wenig Wasser ein Teekonzentrat hergestellt. Den trinkbaren Tee erhält man erst, indem man eine kleine Menge Teekonzentrat mit dem kochenden Wasser aus dem Samowar verdünnt, in etwa im Verhältnis von 1:3 bis 1:10. Das heiße Teeglas kann dann in einem metallenen Halter, dem Podstakannik, gefahrlos in der Hand gehalten oder in fahrenden Zügen auf den Tisch gestellt werden.

Bilder

  • Historische Samoware auf sowjetischen Briefmarken (1989)

Einzelnachweise

  1. Norbert P. Franz (Hrsg.): Lexikon der russischen Kultur. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2002. S. 390.
  2. Ausführliche Beschreibung von Historie, Typen und Benutzung

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Samowar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Samowar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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