Iran
جمهوری اسلامی ايران

Dschomhūrī-ye Eslāmī-ye Īrān
Islamische Republik Iran

Flagge des Iran
Wappen des Iran
Flagge Wappen
Wahlspruch: استقلال آزادی جمهوری اسلامی

Esteqlāl, Āzādī, Dschomhūrī-ye Eslāmī
(pers. für „Unabhängigkeit, Freiheit, Islamische Republik“)

Amtssprache Persisch
Hauptstadt Teheran (Tehran)
Staatsform Islamische Republik
Staatsoberhaupt de jure: Zwölfter Imam Muhammad al-Mahdi
de facto: Oberster Rechtsgelehrter Ajatollah Seyyed Alī Chāmene'ī
Regierungschef Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad
Fläche 1.648.195 km²
Einwohnerzahl 74.761.000 [1]
Bevölkerungsdichte 44,9 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Gesamt (nominal)
  • Gesamt (PPP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (PPP)
2010
  • 407.382 Mrd. US$[2]
  • 888.355 Mrd. US$[3]
  • 5.449 US$
  • 11.882 US$
Human Development Index 0,782 (70.)[4]
Währung 1 Iranischer Rial = 100 Dinars
Nationalhymne Soroud-e Melli-ye Dschomhuri-ye Eslami-e Iran
Zeitzone UTC+3,5 / UTC+4,5 (März-September)
Kfz-Kennzeichen IR
Internet-TLD .ir
Telefonvorwahl +98
Iran on the globe (Afro-Eurasia centered).svg
Iran in its region.svg

Iran (Persien, persisch ‏ايرانĪrān Zum Anhören bitte klicken! [iːˈrɔːn]/, dt. Land der Arier) ist ein Staat in Vorderasien (Westasien). Mit rund 75 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.648.195 Quadratkilometern zählt er zu den 20 bevölkerungsreichsten und größten Staaten der Welt.

Inhaltsverzeichnis

Landesname

Seit frühester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Iran (eine Abkürzung des mittelpersischen Eran Schahr) bezeichnet. Die altiranische Form dieses Namens, Aryānām Xšaθra, bedeutet „Land der Arier“.

Die im Abendland bis ins 20. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Persien geht auf Pars (bzw. Parsa/Perser),[5] das Kernland der Achämeniden zurück, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Von den Griechen Persis genannt, bezeichnete es im Wesentlichen die heutige Provinz Fars um Schiraz. Von ihr leitet sich auch der Name فارسی (Farsi) („Persisch“) für die persische Sprache ab.

Seit einigen Jahren wird in der deutschen Nachrichtensendung Tagesschau der Name „Iran“ auch ohne Artikel benutzt. Im Deutschen sind sowohl die Form mit, als auch die Form ohne Artikel gebräuchlich. Der geographische Begriff Iran bezieht sich auf das gesamte iranische Hochland.

Geographie

Topografie
Dasht-e Kavir Wüste: Satelliten-Foto
Irannight.jpg
Landschaft in der Provinz Fars
Landschaft in Mazandaran
Schneebedeckter Damavand
Hauptartikel: Geographie des Iran

Der heutige Iran hieß in der Antike und bis etwa 1935 Persien. Der Iran grenzt an sieben Staaten: im Westen und Nordwesten an den Irak (Grenzlinie 1609 Kilometer), die Türkei (511 Kilometer), Aserbaidschan (759 Kilometer) und Armenien (48 Kilometer), im Nordosten und Osten an Turkmenistan (1205 Kilometer sowie im Osten und Südosten an Afghanistan (945 Kilometer) und Pakistan (978 Kilometer). Des Weiteren hat der Iran zwei Wassergrenzen im Norden (765 Kilometer) und Süden (2045 Kilometer).

Der nördlichste Punkt des Irans liegt auf 39° 47′ nördlicher Breite und befindet sich in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Palma de Mallorca (Spanien). Der südlichste Punkt liegt auf 25° nördlicher Breite und befindet sich in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Doha (Katar). Der westlichste Punkt liegt auf 44° 02′ östlicher Länge und damit in etwa auf selber Länge wie Bagdad (Irak). Der östlichste Punkt liegt auf 63° 20′ östlicher Länge und damit ungefähr auf selber Länge wie Herat (Afghanistan).

Der Iran ist ein ausgesprochenes Gebirgsland. Das Klima ist dadurch meist weniger heiß, als von der geografischen Breite zu her erwarten. Geologisch wird das Land durch mehrere fast parallele, nach Südosten streichende Gebirgsketten gegliedert, die im Zagros- und Kuhrud-Gebirge mehrmals über 4.000 m erreichen. Östlich dieser von fruchtbaren Tälern und Hochebenen durchzogenen Gebirge liegen die großen Wüsten Dasht-e-Kavir und Dasht-e-Lut, nahe der Landesmitte auch ausgedehnte Salzpfannen. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten und der vermutlich noch anhaltenden Gebirgsbildung treten im Iran häufig Erdbeben auf. Die Situation ist vergleichbar mit der Bebenhäufigkeit in der Türkei und an der US-Westküste, wo die sich langsam verschiebenden Erdplatten ebenfalls merklichen Druck in der oberen Erdkruste bewirken.

Der höchste Berg im Iran ist der 5.671 m hohe Damavand (Demawend, Dēmāwend) im Elburs-Gebirge auf 35,9° nördlicher Breite – ein erloschener, gletscherbedeckter Vulkan nordöstlich der Hauptstadt Teheran, von deren nördlichen Vororten er bereits erkennbar ist. Zum nur 60 Kilometer entfernten Kaspischen Meer hat er fast 6.000 m Höhenunterschied, ein Anstieg, der nicht einmal in den chilenischen Anden zu finden ist.

Im Norden grenzt der Iran auf einer Länge von 756 Kilometer an das Kaspische Meer, den größten See der Erde. Im Süden und Südwesten hat das Land eine 2045 Kilometerlange Küste zum Golf von Oman und zum Persischen Golf, die voneinander durch die Straße von Hormuz getrennt sind. An dieser für die Erdölrouten wichtigen Meeresenge bei Bandar Abbas und der Insel Qeshm – auf der das namensgebende Hormoz liegt – beträgt die Entfernung nach Arabien (Oman und Vereinigte Arabische Emirate) kaum 50 Kilometer.

Klima

Das Klima im Iran ist sehr vielfältig. Es überwiegen aride Klimaverhältnisse, doch treten regional – insbesondere im Norden (Kaspisches Meer) und an einigen Gebirgswänden – jährliche Niederschläge bis über 2.000 mm auf. Am trockensten sind die Salzseen im Landesinnern, während es in den Küstengebieten an den südlichen Küsten nachts auch zur Bildung von Nebel kommen kann.

Klimatische Grunddaten für ausgewählte Provinzhauptstädte im iranischen Kalenderjahr 1383 (März 2004 – März 2005)
Stadt Durchschnittstemperatur / Jahresniederschläge
Ardabil 9,4 °C / 344 mm
Bandar Abbas 26,9 °C / 203 mm
Isfahan 16,5 °C / 146 mm
Kerman 16,6 °C / 155 mm
Mashad 15,5 °C / 290 mm
Rascht 17,8 °C / 2.276 mm
Sari 17,7 °C / 1.066 mm
Teheran 18,0 °C / 316 mm
Yazd 19,8 °C / 63 mm

Vegetation

53 % der Landesfläche des Iran sind Wüstengebiet (Dasht-e Kavir im Norden, Dasht-e Lut im Süden), 27 % Weideland, 9 % Ackerland (75.620 Quadratkilometer sind bewässert), 11 % Wald.


Die Wälder sind zumeist übernutzt, zwischen Elburs-Gebirge und Kaspischem Meer finden sich aber großflächige Urwälder der Buche, die sich in dieser Ausdehnung nur im äußersten Osten des Buchenareals erhalten haben.[6] Diese sommergrünen, an Baumarten besonders reichen Laubmischwälder, die durch eine Vielzahl von nur hier vorkommenden, sogenannten endemischen Baumspezies (z.B. Parrotia caspica) gekennzeichnet sind, werden biogeographisch als „Hyrcanische Wälder“ bezeichnet. Besondere Bedeutung erlangen die Hyrcanischen Wälder als vielfach unterschätzter „hot spot“ im Rahmen des CBD-Prozesses (Convention of Biological Diversity). Im Rahmen des sog. Parrotia-Projektes (2001) des Iran, des Bundesamtes für Naturschutz und der Michael Succow Stiftung sollen die Hyrcanischen Wälder als Weltnaturerbe der Unesco anerkannt und nach einem Konzept zum Schutz und zur Nutzung der Kaspischen Wälder nachhaltig geschützt werden[7]

Tierwelt

Die Tierwelt im Iran ist sehr vielfältig und spiegelt die verschiedenen Vegetationszonen des Landes wider. Zur Großtierfauna zählen Steppen- und Halbwüstenbewohner wie Gazellen und Halbesel ebenso, wie Wildschafe und Wildziegen als typische Gebirgstiere. In den Wäldern des Landes kommen Rothirsche vor. Einige Braunbären, Geparden und Leoparden halten sich noch in entlegenen Gegenden, Tiger und Löwen wurden im Iran dagegen ausgerottet. Der Iran verfügt über mehrere Schutzgebiete, wie das Arasbaran-Schutzgebiet, das Touran-Schutzgebiet, den Golestan-Nationalpark und den Kavir-Nationalpark. Eine Population des Mesopotamischen Damhirschs, der in freier Wildbahn ausgestorben war, wurde auf einer Insel im Urmiasee angesiedelt.

Bevölkerung

Ethnien

Bevölkerungsdichte

Zur ethnischen Zusammensetzung des Iran gibt es widersprüchliche Angaben. Das World Factbook der CIA nennt 51 % Perser, 24 % Aserbaidschaner, 8 % Gilaker und Mazandaraner, 7 % Kurden, 3 % Araber, 2 % Luren, 2 % Belutschen, 2 % Turkmenen und 1 % sonstige Ethnien.[8] Zu letzteren gehören unter anderem christliche Armenier, Assyrer, Georgier sowie Juden.

Das Länderprofil Iran der Library of Congress geht dagegen von deutlich höheren Bevölkerungsanteilen der Perser (65 %) und Luren (6 %), aber von nur 16 % Aserbaidschanern aus, außerdem von 7 % Kurden, 2 % Arabern, 2 % Belutschen, 1 % Turkmenen, 1 % in Stammesverbänden lebenden Turkvölkern wie den Kaschgai und weniger als 1 % sonstigen Ethnien wie Armeniern, Assyrern und Georgiern aus.[9] Einige kleinere iranischsprachige Bevölkerungsgruppen wie die in der Küstenregion des Kaspischen Meeres lebenden Gilaker, Mazandaraner und Talyschen werden anscheinend zu den Persern gerechnet.

Daneben leben im Iran zahlreiche Flüchtlinge: zwei Millionen aus Afghanistan und 203.000 aus dem Irak. 20.000 Iraner befinden sich als Flüchtlinge im benachbarten Irak.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Iraner beträgt 71,14 Jahre, wobei sie bei den Frauen mit 72,72 höher als bei den Männern (69,65) liegt. Das Durchschnittsalter beträgt bei Frauen 27,2 Jahre, bei Männern 26,8 Jahre. Das Gesamtdurchschnittsalter beträgt damit 27 Jahre. 70 % der Bevölkerung sind unter 25 Jahre alt. Der derzeitige Bevölkerungszuwachs beträgt etwa 0,88 %. Die durchschnittliche Anzahl an Kindern je Frau fiel von 2,2 im Jahr 2000 auf ca. 1,7 im Jahr 2007, ein für den islamischen Kulturkreis sehr niedriger Wert. Nach Berechnung der Pennsylvania State University könnte der Wert sogar bei 0,66 Kindern pro Frau liegen, was der bei weitem niedrigste Wert der Welt wäre.[10]

Sprachen

Amtssprache des Iran ist Persisch, lokal فارسی (Fārsī) genannt. Sie ist eine indogermanische Sprache und zugleich die wichtigste unter allen iranischen Sprachen, die gemeinsam mit den indoarischen Sprachen den ostindogermanischen Sprachast „Indoiranische Sprachen“ bilden. Persisch ist zwar die einzige Amtssprache im Iran und wird von mehr als der Hälfte der iranischen Bevölkerung als Muttersprache gesprochen, sie ist jedoch nicht die alleinige Landessprache. Das CIA World Factbook beziffert die Zahl der Sprecher des Persischen und einiger anderer iranischer Sprachen (dazu gehören z. B. Mazandaranisch, Gilaki, Talisch) mit 58 %. Nach derselben Quelle sprechen 27 % der Bevölkerung Turksprachen – darunter ist die mit Abstand am weitesten verbreitete das Aserbaidschanische, daneben auch Turkmenisch und Kaschgaisch –, weiterhin 9 % eine der kurdischen Sprachen, 2 % Lurisch sowie jeweils 1 % Belutschisch und Arabisch. Sonstige Sprachen werden von 2 % gesprochen.[11]

Mehrdad Izady gibt in seiner Sprachenkarte des Iran für das Jahr 2004 folgende Sprecherzahlen an: Persisch 63,3 %, Aserbaidschanisch 13 %, Kurdisch 7 %, Gilaki 3,6 %, Mazandaranisch 3 %, Belutschisch 2,5 %, Arabisch 1,8 %, Turkmenisch 1,4 %, Kaschgaisch 1,4 %, Sonstige 3 %.[12] Daneben existieren weitere, teilweise deutlich abweichende Zahlenangaben. Insgesamt werden im Iran 77 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Religion

Insgesamt bekennen sich 98 % der Bevölkerung zum Islam (89 % Schiiten und 9 % Sunniten).[13] Der zwölfer-schiitische Islam ist Staatsreligion. Die größte religiöse Minderheit stellen die im Iran entrechteten Bahai mit 150.000 bis 500.000 Anhängern, wobei meist 300.000 angegeben wird.[14] Seit 1979 ist vermutlich über die Hälfte aufgrund der massiven Repressionen ins Ausland geflohen.

Daneben gibt es Orientchristen, deren Zahl nach der Revolution jedoch stark zurückgegangen ist. Heute gibt es wohl noch etwa 280.000. Zu 90 % sind die Christen im Iran Anhänger der armenisch-apostolischen Kirche, 20.000 bis maximal 40.000 assyrische Christen, etwa 3.000 Mitglieder der Chaldäisch-Katholischen Kirche und wenige Protestanten. Nach Schätzungen gibt es etwa 25.000 Juden, 30.000 Anhänger des Zoroastrismus und einige tausend Mandäer.

Anhänger von Religionen wie dem Christentum, Bahai und dem Judentum gelten als Bürger zweiter Klasse und erfahren gesellschaftliche Benachteiligungen, vor allem in der Ausbildung und im Beruf.[15]

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Iran

Der Staat Iran wurde bis ins 20. Jahrhundert im offiziellen Sprachgebrauch Europas und Amerikas als Persien bezeichnet und stellt das historische Kernland des alten Persiens dar, welches sich auf ein größeres Gebiet erstreckte. Die geographische Lage zwischen dem Kaukasus im Norden, der Arabischen Halbinsel im Süden, Indien und China im Osten und Mesopotamien und Syrien im Westen ließen das Land zum Schauplatz einer wechselvollen Geschichte werden.

Im persischen Großraum führt die Geschichte vom Reich der Elamiter und der Meder zum Perserreich der Achämeniden (Kyros II. der Große bis Dareios III.) über Alexander den Großen zu den Parthern und Sassaniden.

Seit dem Mittelalter folgten auf das islamische Kalifat, welches das Sassanidenreich beerbte (siehe Islamische Expansion), verschiedene einheimisch-persische, mongolische und türkische Dynastien bis zu den Safawiden, Kadscharen, Pahlewis und dem heutigen Staat des Iran.

Reza Schah Pahlavi

Der Iran trat als Monarchie mit einem Schah als Oberhaupt und bald auch mit einer eigenen, freien Regierung in die Neuzeit ein. Russland bzw. die Sowjetunion versuchten, den Norden des Iran unter ihre Kontrolle zu bringen und unterstützten 1920 die Gründung der iranischen Sowjetrepublik. Mit Reza Schah Pahlavi (Reza Chan) begann 1921 unter dem Einfluss von Großbritannien und Irland eine politische Neuorientierung Persiens in Richtung Westen. Dabei nahm der Kontakt zwischen Herrscher und Volk immer mehr ab. Die Unzufriedenheit im Land stieg. Die Wut konzentrierte sich zunächst auf das Vereinigte Königreich.

Ein Zweckbündnis mit Deutschland und das erstarkte Selbstverständnis des neugeordneten Staates veranlassten den Schah, die internationale Staatengemeinschaft aufzufordern, das seitens der Briten hartnäckig als Persia bezeichnete Land mit „Iran“ zu benennen. Durch den mit dem Öl verknüpften Reichtum entwickelte sich der Iran zur Regionalmacht. Am 24. August 1941 besetzten britische und sowjetische Truppen im Rahmen der anglo-sowjetischen Invasion den neutralen Iran. Reza Schah musste auf britischen und sowjetischen Druck hin abdanken. Seine Nachfolge trat sein ältester Sohn Mohammad Reza Pahlavi an.

Teheran-Konferenz 1943, v.li.: Stalin, Roosevelt, Churchill

Vom 28. November bis zum 1. Dezember 1943 fand in Teheran die Konferenz der drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1951, unter der Regierung Hossein Alas, zu einer Verstaatlichung der Ölindustrie. Auslöser war die britische Anglo-Iranian Oil Company, die das Ölgeschäft im Iran beherrschte und die sich in Verhandlungen strikt weigerte, ihre Gewinne aus dem Ölgeschäft zur Hälfte mit dem iranischen Staat zu teilen. In der Folge kam es zum internationalen Boykott des iranischen Öls, allen voran durch die USA und das Vereinigte Königreich, was zu einer internationalen Krise, der Abadan-Krise, und im Iran zu einer Wirtschaftskrise und zum Staatsdefizit führte. Trotz dieser Ereignisse wählte das Parlament Mohammad Mossadegh ein weiteres Mal zum Premierminister des Landes. Es war zu Spannungen zwischen dem Schah und Mossadegh gekommen, was den Schah veranlasste, auf dem Höhepunkt der Krise im August 1953 das Land zu verlassen. Wenig später wurde Mossadegh durch die Operation Ajax gestürzt, eine Aktion der US-Regierung unter Eisenhower durch Kermit Roosevelt (Junior) und Monty Woodhouse mit Hilfe der CIA. Bereits 1946 hatten die USA dem Schah geholfen die durch eine Abspaltung vom Iran entstandene und von der Sowjetunion unterstützte kurdische Republik Mahabad zu zerschlagen.

Schah Mohammad Reza Pahlavi und Schahbanu Farah Pahlavi, 1977

Monarchistische Kräfte unter Führung des Generals Fazlollah Zahedi verhafteten Mossadegh. Der Schah kehrte wieder in den Iran zurück. Die damalige Regierung, mit Zahedi als Premierminister, begann neue Verhandlungen mit einem internationalen Konsortium von Ölgesellschaften. Die Verhandlungen dauerten mehrere Jahre. Am Ende stand ein Abkommen, das bis zur ersten Ölkrise Bestand haben sollte.

Chomeinis Ankunft am 1. Februar 1979

Schah Mohammad Reza Pahlavi (1941–1979) leitete ab 1963 mit der „Weißen Revolution“ umfangreiche wirtschaftliche, politische und soziale Reformen ein. Mit den steigenden Öleinnahmen konnte ein Industrialisierungsprogramm aufgelegt werden, das den Iran in wenigen Jahren von einem Entwicklungsland zu einem aufstrebenden Industriestaat machte. Industrialisierung und gesellschaftliche Modernisierung führten von Beginn an zu Spannungen mit den konservativen Teilen der schiitischen Geistlichkeit. Insbesondere Ayatollah Chomeini sprach sich bereits 1963 gegen das Reformprogramm aus. Neben der islamistischen Opposition der Fedajin-e Islam bildete sich eine Linke Guerillabewegung im Iran, die das Land mit „bewaffnetem Kampf“ verändern wollte. Die 1977 erfolgte Liberalisierung der politischen Diskussion durch eine Politik des offenen politischen Raumes führte zu gewaltsamen Demonstrationen mit Mord- und Brandanschlägen, die das Land in seinen Grundfesten erschütterten. Nach der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979, auf der der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing, Präsident Jimmy Carter aus den USA, Premierminister James Callaghan aus dem Vereinigten Königreich und Bundeskanzler Helmut Schmidt beschlossen hatten, den Schah nicht mehr zu unterstützen und das Gespräch mit Ayatollah Ruhollah Chomeini zu suchen, verließ Mohammad Reza Pahlavi den Iran. Die islamische Revolution hatte begonnen.

Ayatollah Chomeini kehrte am 1. Februar 1979 aus dem französischen Exil zurück. Rasch etablierte er sich als oberste politische Autorität und begann aus der ehemals konstitutionellen Monarchie eine „Islamische Republik“ zu formen, u.a. durch sukzessive und gewaltsame Ausschaltung aller anderen revolutionären Gruppen. Seine Politik war von einer antiwestlichen Linie geprägt und schreckte auch nicht von Terror und Massenhinrichtungen zurück. Mit zahlreichen ehemaligen Anhängern - so seinem designierten Nachfolger Großajatollah Hossein Ali Montazeri - kam es darüber zum Bruch.

Mohammad Chātamī

Von 1980 bis 1988 befand sich das Land in einem Krieg (Erster Golfkrieg), nachdem der Irak das Land angegriffen hatte. Die anhaltende internationale Isolation des Iran lockerte sich zeitweise Ende der 1990er Jahre. Mit dem überraschenden Wahlsieg Mohammad Chātemīs bei den Präsidentschaftswahlen 1997 etablierte sich die politische Bewegung islamischer Reformer im iranischen Parlament. So gelang es Chatemi zu Beginn seiner Amtszeit, eine Liberalisierung der nationalen Presse durchzusetzen. Die systemkritischen Stimmen bekamen dadurch ein öffentliches Organ, um ihrem Reformwillen Nachdruck zu verleihen.

Das Aufleben der Pressefreiheit dauerte nicht sehr lange an. Der Wächterrat machte die Gesetze mit Verweis auf Unverträglichkeit mit dem Islam rückgängig und blockierte fortan nahezu alle Reformversuche des Parlaments. Seitdem sehen sich die Reformer mit großen Vertrauensverlusten in den reformwilligen Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Die Enttäuschung über die Ohnmacht des Parlaments führte bei den letzten Kommunalwahlen (2003) zu sehr geringer Wahlbeteiligung (Landesschnitt 36 %, in Teheran 25 %) und zu einem klaren Sieg der konservativen Kräfte.

Bei den Präsidentschaftswahlen am 17. Juni 2005 trat vorerst das parlamentarische Ende der Reformer ein, zumal Chātemī nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren durfte. Durch die Wahl des erzkonservativen Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten im Jahr 2005 und seine konfrontative Außen- sowie repressive Innenpolitik nahm die internationale Isolation erneut zu. Insbesondere seine Wiederwahl im Jahr 2009, die von zahlreichen Manipulationsvorwürfen begleitet wurde, führte zu massiven Protesten, die trotz gewaltsamer Niederschlagung auch friedlicher Demonstrationen vor allem gegen Ende 2009 weiter zunahmen.[16][17] Dabei steht der volksnah auftretende und Subsidien verteilende Ahmadinedschad mit noch radikaleren, radikal-orthodoxen religiösen Gruppen um die einflussreichen, eschatologischen Geistlichen Dschannati, Yazdi und Ahmad Khatami in Konflikt, die es mehrfach - auch mit Hilfe des Parlaments - erreichen konnten, Minister und Vertraute Ahmadinedschads zum Rücktritt zu zwingen. Andere Minister sind gegen den Willen des Präsidenten mit Unterstützung radikal-orthodoxer Kreise weiter im Amt, wollen aber können nicht ihre von Ahmadinedschad gestützten Staatssekretäre entlassen.[18][19] Diese Geistlichen werfen dem Präsidenten vor, einen national-islamischen Kurs, statt eine islamischen Kurs zu verfolgen. Schüler dieser orthodoxen Geistlichen (Haghani-Schule in Ghom) besetzen zahlreiche Schlüsselposition im iranischen Militär und Geheimdienst. Resultat der Konflikte sind Drohungen gegen den Präsidenten[20] und Radikalisierungen von Justiz, Exekutive und Legislative. So rufen Parlamentsabgeordnete 2011 zum Tod der unterlegenen, jedoch systemtreuen Oppositionskadidaten Mussawi und Karroubi bei den Präsidentschaftswahlen 2009 auf,[21] beide stehen - weltweit kritisiert - unter offiziell nicht zugegebenen und illegalem Hausarrest - zusammen mit ihren Ehefrauen.[22] Der systemtreue ehemalige Präsident Rafsandschānī verlor den einflussreichen Posten als Vorsitzender des Expertenrat an einen greisen Haghani-Vertreter. Die Vertrauten und Kinder des ehemals als Richelieu der Iranischen Revolution bezeichneten Milliardärs[23] werden Objekt von mobbenden, gewaltsamen Basiji-Ausschreitungen auf der Straße. Ein weiteres Resultat dieser Radikalisierung ist eine zunehmende internationale wirtschaftliche und politische Isolation, die in dem Einfrieren der Privatvermögen und Reiseverbot und weiterer Sanktionen[24][25] für zahlreicher hochrangiger iranische Militärs, Polizisten und Richter sowie Staatsanwälte durch die Europäische Gemeinschaft im April 2011 münden. Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer sieht neben Vorzeichen für eine weiterer Verschärfung von politischen Sanktionen auch privatwirtschaftlich gefällte Entscheidungen - insbesondere im Bankenbereich -, die solche Sanktionen bereits antizipieren.[26]

Politik

Regierungssystem des Iran – Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten
Hauptartikel: Politisches System des Iran

Freedom House bewertet das politische System des Iran im Jahr 2010 als „nicht frei“, mit großen Mängeln in den Bereichen der politischen Rechte, der Bürgerrechte[27] und der Pressefreiheit.[28] Im Demokratieindex von 2010 wird es als „autoritäres Regime“ eingestuft, wobei der mangelhafte Wahlprozess und die fehlende Akzeptanz der gesellschaftlichen Pluralität besonders negativ auffallen.[29] Im Korruptionswahrnehmungsindex belegte der Iran im Jahr 2009 Platz 168 von 180.[30] Der gegenwärtige Verteidigungsminister Ahmad Vahidi wird von der Argentinischen Justiz und von Interpol wegen Mordes gesucht, so wie der ehemalige Geheimdienstminister Ali Fallahian.

Regierungssystem

Seit der islamischen Revolution von 1979 und der Ablösung der Monarchie geht nach der herrschenden iranische Staatsdoktrin die Staatsgewalt nicht vom Volk aus, sondern wird allein religiös legitimiert. Die oberste Staatsgewalt kommt dem Führer (persisch "Rahbar") zu, der im deutschen Sprachgebrauch auch Revolutionsführer, geistlicher Führer oder oberster Rechtsgelehrter genannt wird. In dessen Abwesenheit vertritt ein Rat religiöser Amtsträger den Rahbar. Der Revolutionsführer, seit 1989 Seyyed Alī Chāmene'ī, hat uneingeschränkte Macht. Er ernennt die obersten Richter (allesamt Geistliche) und ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Er wird vom Expertenrat auf Lebenszeit gewählt. Dieser wird wiederum alle acht Jahre vom Volk gewählt, wobei der Wächterrat die Kandidaten genehmigen muss.

Nach Artikel 57 der iranischen Verfassung wird die staatliche Gewalt, also Legislative, Exekutive und Judikative, dem Führer unterstellt. Alle drei Gewalten sind somit nicht autonom in ihren Entscheidungen, sondern abhängig vom Rahbar. In der politischen Ordnung der Islamischen Republik ist die Meinung des geistlichen Revolutionsführers in allen Fragen ausschlaggebend.[31]

Der Regierungschef des Iran ist der Präsident (seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad). Er wird in allgemeinen Wahlen für eine vierjährige Amtszeit bestimmt. Der Präsident ernennt die Mitglieder des Kabinetts und steht diesem auch vor. Er koordiniert die Regierungsarbeit und legt dem Parlament die Regierungsvorlagen vor. Die Mitglieder des vom Präsidenten ernannten Kabinetts müssen wiederum vom Parlament bestätigt werden. Das Parlament kann diese durch ein Misstrauensvotum wieder absetzen, wie im Februar 2011 den Verkehrsminister Behbahani,[32] oder den Vize-Minister für Erdöl, Ali Kordan, im November 2008. Die Macht von Präsident, Regierung und Parlament ist jedoch stark beschränkt, denn alle zu wählenden Kandidaten und alle Gesetze müssen vom Wächterrat bestätigt werden. Zudem hat in allen Fragen das letzte Wort der Revolutionsführer.

Laut Artikel 5 der Verfassung von 1979 ist der Imam Muhammad al-Mahdi das eigentliche Staatsoberhaupt des Iran.[33] Muhammad al-Mahdi spielt in der schiitischen Religion eine zentrale Rolle und soll bei seiner Wiederankunft das „Goldene Zeitalter des Islam“ ankündigen.

Oberste Rechtsgelehrte
Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Ruhollah Mousavi Chomeini 3. Dezember 1979 3. Juni 1989
2 Ali Chamene'i 4. Juni 1989 amtierend
Staatspräsidenten
Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Abū l-Hasan Banīsadr 4. Februar 1980 22. Juni 1981
2 Mohammad Alī Radschāʾī 2. August 1981 30. August 1981
3 Seyyed Alī Chāmene'ī 13. Oktober 1981 3. August 1989
4 Akbar Hāschemī Rafsandschānī 3. August 1989 2. August 1997
5 Mohammad Chātemī 2. August 1997 3. August 2005
6 Mahmūd Ahmadī-Nežād 6. August 2005 amtierend
Premierminister (Amt 1989 abgeschafft)
Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Mehdi Basargan 5. Februar 1979 6. November 1979
2 Mohammad Alī Radschāʾī 12. August 1980 4. August 1981
3 Mohammad Javad Bahonar 4. August 1981 30. August 1981
4 Mohammed Reza Mahdavi-Kani 2. September 1981 31. Oktober 1981
5 Mir Hossein Moussavi 31. Oktober 1981 3. August 1989

Gesetzgebung

Das iranische Einkammer-Parlament (Islamischer Konsultativrat; persisch Majles-e Shura-ye Eslami) besteht aus 290 Abgeordneten, die in allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen für eine 4-jährige Amtszeit gewählt werden. Wegen der Auswahl des Wächterrates wird das Parlament (außer von 2000–2003) von den islamisch-konservativen Kräften dominiert.

Der Wächterrat besteht aus sechs Geistlichen und sechs weltlichen Rechtswissenschaftlern. Die Geistlichen werden vom Revolutionsführer ernannt. Ihre Aufgabe ist es, jedes Gesetz auf seine Konformität mit den islamischen Prinzipien hin zu überprüfen. Die Juristen werden vom Obersten Richter, dem Chef der Judikative ernannt. Ihre Aufgabe ist es, die Verfassungskonformität legislativer Akte zu überprüfen. Der Oberste Richter seinerseits wird vom Revolutionsführer ernannt. Der Wächterrat ist befugt, jedes Gesetz abzulehnen oder im Nachhinein für ungültig zu erklären, und Kandidaten die Teilnahme an der Wahl für das Parlament und das Präsidentenamt zu verweigern. Der Wächterrat entscheidet per einfacher Mehrheit. Bei gleichen Stimmanteilen hat der Revolutionsführer das letzte Wort.

Wahlen

Präsidentschaftswahlen

Der Wahlkampf für die iranischen Präsidentschaftswahlen des Jahres 2005 wurde im Fernsehen, im Radio, auf Plakaten und auf Redeveranstaltungen geführt und in den Medien von Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī dominiert. Der ehemalige Präsident des Iran (1989–1997) verfügte über erheblichen Rückhalt in Kreisen der Wirtschaft und des Klerus. Er genoss den Ruf des Pragmatikers, der für den wirtschaftlichen Aufschwung der 1990er mitverantwortlich war, konnte sich jedoch im ersten Wahlgang nicht eindeutig durchsetzen. Sein Stimmanteil (amtlich: 21,13 %) lag gegenüber dem Mahmud Ahmadinedschads (amtlich: 19,43 %) überraschend geringfügig im Vorteil. Da er die absolute Mehrheit verfehlte, wurde eine Stichwahl angesetzt, die Ahmadinedschad mit einem Erdrutschsieg (61,69 % gegenüber 35,93 %) gewann.

Mit Ahmadinedschad war ein Wechsel im politischen Stil verbunden. Rafsandschānīs Familie wurde in der Bevölkerung mit der grassierenden Korruption in Verbindung gebracht, die Verbindung in den Klerus hinein als Verfilzung notiert. Ahmadinedschad agierte hier mit dem Ruf, in den 1990ern als Provinzgouverneur und seit 2003 Bürgermeister von Teheran erfolgreich unabhängig von politisch religiösen Establishment agiert zu haben. Sein bürgerlicher Lebensstil wurde Teil des Wahlkampfs. Stimmen erhielt er insbesondere in den unteren Schichten der Bevölkerung, die sich vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt sahen und auf dem Land. Die fehlende Verortung im Klerus kompensierte Ahmadinedschad durch Aussagen, mit denen er sich als religiöser Hardliner profilierte.

Die Islamisierung der Gesellschaft, Kleiderordnungspflicht für Frauen, erhebliche Einschnitte der Presse- und Meinungsfreiheit, sowie diplomatische Konfrontationen im Atomstreit, einer fortwährenden Konfrontation mit Israel, den USA unter George W. Bush und Europa (Holocaustleugnung) wurden hier programmatische Positionen des Wahlkampfs vom Präsidentschaftskandidat Mahmud Ahmadinedschad respektive der nachfolgenden Regierung. Inflation, die wachsende Auseinanderentwicklung reicher und armer Schichten, und die außenpolitische Isolation wurden die wesentlichen Diskussionsfelder der Präsidentschaftswahlen 2009, die nach dem Rückzug Mohammad Chātamīs im Wesentlichen in einer Konfrontation zwischen Mahmud Ahmadinedschad und Mir Hussein Mussawi hinausliefen. Erstmalig standen sich die Präsidentschaftskandidaten im Fernsehduell gegenüber und wurde der Staatspräsident Ahmadinedschad vom „Zentrum für strategische Forschung“, das dem Schlichtungsrat unterstellt ist, scharf angegriffen. Besonders die Opposition nutzte moderne Medien wie Internet, SMS und Telefon zur Mobilisierung ihrer Anhänger, erstmals traten auch die Ehefrauen der Kandidaten, Zahra Rahnaward als Ehefrau des Kandidaten Mussawis und Fatemeh Karrubi vor die Öffentlichkeit und sprachen über Frauen betreffende Themen.[34] Nach dem Wahlsieg Ahmadinedschads führten Vorwürfe des Staatsputsches und der Wahlfälschung zu landesweiten Unruhen.

Kommunalwahlen

Am 15. Dezember 2006 fanden mit den Kommunalwahlen und den Wahlen zum Expertenrat die ersten Wahlen nach dem Amtsantritt Ahmadinedschads statt. Überraschend wurde mit einem Landesdurchschnitt von 65 % eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung erreicht. Bei den Kommunalwahlen 2003 lag diese mit 36 % noch auf einem historischen Tiefstand. Das Ergebnis war im gesamten Iran einheitlich: eine herbe Niederlage für die Radikalislamisten um Ahmadinedschad. Und das trotz der Kandidatenselektion durch das Ahmadinedschad-treue Innenministerium und den Wächterrat, der sich ebenfalls fest in den Händen der Islamisten befindet.

Nicht nur in den Stadt- und Gemeinderäten schnitten die Kandidaten aus dem Präsidentenlager deutlich schlechter ab als die Konservativen und vielerorts auch als die Reformer. Im 15-köpfigen Teheraner Stadtrat befinden sich auf Platz 8 und 15 die einzigen Vertreter der Radikalen. In anderen Städten war deren Ergebnis noch schlechter, selbst in der Hochburg Qom konnten sie nur 30 % der Stimmen erringen.

Auch die Wahl des Expertenrates, der den geistigen Führer des Iran einsetzt und theoretisch auch wieder absetzten kann, nahm ein enttäuschendes Ende für Ahmadinedschads Kandidaten, seinen „geistigen Ziehvater“ Mohammad Taghi Mesbah Yazdi. Dieser unterlag nach erbittert geführten Wahlkampf dem Überraschungssieger Rafsandschānī und landete selbst sogar nur auf Platz 6.

Der deutliche Wahlausgang und die hohe Wahlbeteiligung werden weltweit einvernehmlich als „Denkzettel“ für Ahmadinedschad und Aufbegehren der iranischen Gesellschaft interpretiert. So wird, vornehmlich in westlichen Zeitungen, die Hoffnung genährt, die Menschen im Iran werden sich des „Problems“ Ahmadinedschad vermittels der republikanischen und demokratischen Elemente ihrer Verfassung letztendlich selbst entledigen. Ein sanktionslastiges politisches oder sogar militärisches Eingreifen wäre demnach nicht erforderlich.

Justizsystem

Durch die Islamische Revolution ist 1979 das islamische Recht, die Scharia, als Gesetzesgrundlage wieder eingeführt worden. Da die Scharia in islamischen Ländern niemals erfolgreich kodifiziert worden ist, obliegt die Rechtspflege und Fortentwicklung der Jurisprudenz in einer Art Case Law-System, basierend auf dem iranischen Strafgesetzbuch[35] und dem iranischen Familienrecht.[36] In Bezug auf die Gewaltenteilung wirkte sich die Tätigkeit des ersten Obersten Richters nach der Revolution, Chalkali, äußerst negativ aus. Bis heute gibt es keine Gewaltenteilung im Iran, der oberste geistliche Führer hat weitreichende Befugnisse. Justizminister des Iran ist Sadegh Laridschani. Bei der Kabinettsbildung nach den umstrittenen Wahlen 2009 wurde trotz Protesten des Madschles mit den meisten Stimmen der von Interpol zur Fahndung ausgeschriebene[37] und von der argentinischen Justiz wegen Mordes gesuchte Ahmad Vahidi Verteidigungsminister der Islamischen Republik Iran.

Prozesse und Verfahren

Amnesty International kritisiert weiter die iranischen Gerichte bzw. Sondergerichte wegen Nichteinhaltung der internationalen Standards für faire Verfahren. Folter und Misshandlungen an Gefangenen sind üblich. Aufsehen erregte 2006 die Forderung der kanadischen Regierung an Deutschland, den iranischen Generalstaatsanwalt Said Mortasawi in Frankfurt auf dem Flughafen bei seinem Rückflug von Genf festnehmen zu lassen, weil ihm direkte Verwicklungen in den Mordfall der iranisch-stämmigen kanadischen Journalistin Zahra Kazemi vorgeworfen wird.[38]
Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi
Kazemi war im Teheraner Evin-Gefängnis bei Verhören u. a. mit Mortasawi zu Tode gekommen. Said Mortasawi war iranischer Vertreter bei dem in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat. Zusammen mit dem Chef des iranischen Justizapparats – Mahmud Hashemi Shahrudi – und dem Sicherheitschef des Evin-Gefängnisses, Mohammed Bachschi, gilt Mortasawi als Verantwortlicher für die Behinderung einer freien Berichterstattung im Iran und für massive Menschenrechtsverletzungen und Folter im Teheraner Evin-Gefängnis, welches schon zu Zeiten der gestürzten Schah-Regierung als Foltergefängnis galt.

Haftanstalten

Das Evin-Gefängnis gilt neben dem Ghasar-Gefängnis und dem Towhid-Gefängnis schon seit der Regierungszeit von Schah Mohammad Reza Pahlavi aber auch nach dessen Sturz unter der religiösen Führung Chomeinis und Chamene'is als Foltergefängnis.[39] Nach Aussage der ehemaligen Insassin Marina Nemat, die über zwei Jahre im Evin-Gefängnis einsaß, überlebten von ihren Zellengenossinnen im Trakt 246 keine die Haftzeit.[40] Während der Haftzeit von Nemat war – nach ihren Angaben – der Trakt, der in Schah-Zeiten mit 50 Personen belegt war, mit 650 Frauen belegt.[40] Im Kahrisak-Gefängnis südlich von Teheran starben während der Wahlunruhen 2009 drei Menschen. Staatsoberhaupt Chamenei verurteilte die Übergriffe von Sicherheitskräften[41]und ließ das Gefängnis schließen[42]. Ein Untersuchungsbericht einer Sonderkommission des iranischen Parlamentes berichtete, dass die Einlieferung von Demonstranten in das zur Bestrafung von Drogengroßhändlern und Kriminellen vorgesehen Gefängnis unrechtmäßig gewesen sei[43] . Gegen zwei Gefängniswärter wurde später die Todesstrafe verhängt, neun weitere wurden vom Dienst suspendiert oder zu Gefängnisstrafen verurteilt[44] Zu den Suspendierten gehörte auch der damalige Generalstaatsanwalt Teherans, Saeed Mortazavi[45]. Die zur Todesstrafe verurteilten Wärter wurden später von den Angehörigen der Opfer von der Todesstrafe begnadigt, wie es im iranischen Rechtssystem möglich ist.[46]

Todesstrafe

Üblicherweise werden die meisten Todesurteile in islamischen Staaten nach der Scharia traditionell durch teils öffentliche Enthauptung am Morgen bei aufgehender Sonne ausgeführt. Weiter sind auch Steinigungen, Erhängen oder öffentliches Auspeitschen, auch für Personen unter 18 Jahren, als Strafen für Vergewaltigung, Mord, Drogenhandel und Gotteslästerung üblich. Für Apostasie im Islam ist nach wie vor die Todesstrafe vorgesehen. Einige Todesurteile werden auf internationalen Druck hin nicht mehr vollstreckt. Im Iran wurden 2005 94 Menschen hingerichtet, darunter acht Minderjährige. Im Jahre 2009 wurden nach Angaben von Amnesty International 388 Personen hingerichtet.[47] Allein 112 Todesurteile seien zwischen der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni und der zweiten Amtseinführung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad am 5. August vollstreckt worden.[48] Der stellvertretende Außenminister Hassan Ghaschghavi machte 2010 deutlich, dass das islamistische System an der Hinrichtungspraxis festhalten will: „Wir leben in einem islamischen Land und wir handeln nach den Regeln des Korans. Selbst wenn wir hunderttausend Menschen exekutieren müssen, werden wir mit der Durchsetzung dieser Regeln fortfahren.“[49] Im Januar 2011 wurde die aus dem Iran stammende Niederländerin Sahra Bahrami durch Erhängen hingerichtet.[50]

Straftatbestände

Homosexualität widerspricht laut iranischer Rechtsprechung dem Islam, wobei laut internationalen Menschenrechtsorganisationen für Homosexualität alleine keine Todesurteile ausgesprochen wurden. Für Homosexualität in Verbindung mit Vergewaltigung wurden in letzter Zeit aber Todesurteile verhängt. Aufgrund einer Fatwa von Ajatollah Chomeini sind im Gegensatz zu anderen islamischen Ländern geschlechtsangleichende Maßnahmen sowie der anschließende Wechsel des juristischen Geschlechts im Iran erlaubt. Die Meldung von zwei Jugendlichen, die im Juli 2005 wegen homosexueller Handlungen hingerichtet wurden, sorgte weltweit für Aufsehen und wurde wegen des internationalen Entsetzens nachträglich von iranischen Behörden so erweitert, dass die beiden einen weiteren, unbekannten Dreizehnjährigen vergewaltigt haben sollen.

Massenhinrichtungen

Amnesty International wirft der Iranischen Führung vor, täglich mehr als zwei Menschen hinzurichten und spricht von einem Tötungsrausch im Iran seit Jahresanfang 2011.[51] Oppositionsgruppen beschreiben menschenunwürdige Zustände in iranischen Haftanstalten, so der Haftanstalt Vakilabad in der nordöstlichen Stadt Maschad.[52] In dem Zuchthaus ist es zu Massenhinrichtungen gekommen; die Haftbedingungen - darunter schwere Folterungen - wurden in einem Bericht des UN-Generalsekretärs am 14. März 2011 beschrieben.[53] Zu Exekutionen ist es auch in den Gefängnissen von Birjand und Taibad gekommen.[54] Menschenrechtsaktivisten in Maschhad werfen Ermittlungsbeamten körperliche Misshandlungen und schwere Folter in Haftanstalten vor, um von Häftlingen Geständnisse zu erlangen, die dann bei ihrer Verurteilung oft der einzige Schuldbeweis seien.[54] Der Europäische Rat nennt namentlich zahlreiche Richter und Berufungsrichter - u.a. der Revolutionsgerichte in Teheran (Abteilungen 15, 26 und 28) und Maschad - auf Sanktionslisten und wirft diesen summarische Todesurteile en masse ohne faire Anhörungsverfahren vor. Verantwortlich genannt und sanktioniert werden die Richter Abdolghassem Salavati, Ahmad Zargar, Ali-Akbar Yasaghi, Hassan Haddad, Mohammad Soltani, Ali-Akbar Heydarifar, Mohammad Moghisseh sowie die - teil ehemaligen - Staats- und Generalstaatsanwälte Ghorban-Ali Dorri-Nadjafabadi, Abbas Jafari-Dolatabadi, Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, Said Mortasawi und Amir Mortazavi.

Hinrichtung Minderjähriger

Laut Scharia sind Jungen ab 15 Jahren und Mädchen schon ab neun Jahren volljährig und voll strafmündig. Das Mindestheiratsalter und damit auch die Straffähigkeit wurde im Iran im Mai 2002 vom Schlichtungsrat für Mädchen auf 13 und für Jungen auf 15 Jahre bestimmt.[55] Immer wieder werfen Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International[56] dem Iran vor, zum Tatzeitpunkt Minderjährige zum Tode zu verurteilen und zum Teil hinzurichten. Die Todesurteile sind häufig das Ergebnis überhasteter Prozesse und widersprechen selbst den strafprozessualen Regeln der Scharia. So wurde in der Stadt Neka ein sechzehnjähriges Mädchen wegen angeblich unkeuschen Verhaltens von dem Richter Hadji Rajai verurteilt und nach der von diesem betriebenen Bestätigung aus Teheran hingerichtet, obwohl die Hinrichtung als Verstoß gegen den vom Iran unterschriebenen Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte einen völkerrechtswidrigen Akt darstellt. Der Westdeutsche Rundfunk nannte 2007 sechs weitere Minderjährige, die wegen des gleichen Vergehens von einem Todesurteil bedroht sind.[57] Die Wiener Zeitung warf dem wahlkämpfenden Präsidenten des Iran – Mahmoud Ahmadinejad – vor, die Hinrichtung der zum Tatzeitpunkt 17-jährigen Delara Darabi 2009 als Wahlkampfmittel zu benutzen. Auch diese Hinrichtung war nach iranischem und islamischem Recht illegal.[58]

Für das Jahr 2006 stellte Amnesty International fest: „Im Berichtsjahr wurden mindestens 177 Menschen hingerichtet, mindestens drei von ihnen waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat und ein weiterer am Tag der Hinrichtung noch nicht 18 Jahre alt. Ein Mann und eine Frau wurden Berichten zufolge zu Tode gesteinigt. Gerichte verhängten nach wie vor grausame Strafen wie die Amputation von Gliedmaßen, die Prügelstrafe und das Ausstechen der Augen.“[59]

Für das Jahr 2007 stellte Amnesty International für den Iran fest: „Die Zahl der Hinrichtungen stieg massiv an und belief sich […] auf mindestens 335 Menschen […] es wurden mindestens sieben Personen hingerichtet, die zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt waren. Mindestens 75 weitere minderjährige Straftäter befanden sich nach wie vor in Todeszellen.“[60]

Für das Jahr 2008 stellte Amnesty International für den Iran fest: „Mindestens 346 Menschen, darunter acht jugendliche Straftäter wurden hingerichtet. Zwei Männer starben durch Steinigung.“[61]

Menschenrechte

Anhänger Mostafa Moins bei einer Kundgebung für Menschenrechte 2005

1997 bestand mit der Wahl von Präsident Mohammed Chatami Hoffnung auf Besserung der Menschenrechtslage. So konnten sich in der Folge auch diverse Nichtregierungsorganisationen gründen. Die Bemühungen erfuhren schließlich durch die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahre 2003 an die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi internationale Beachtung.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet jedoch noch immer von massiven Menschenrechtsverletzungen in großer Zahl, unter anderem von 73 Toten und mehreren Hundert Verletzten bei Übergriffen von Polizei- und Sicherheitskräften bei drei öffentlichen Kundgebungen 2005.

Der Bericht[53] des Menschrechtsrates der Vereinten Nationen (UN), der vom UN-Sicherheitsrat aufgefordert worden war, die Situation der Menschenrechte im Iran zu untersuchen, spricht Ende März 2011 von unveränderten und zahlreichen Feldern von Verletzungen grundlegender Menschenrechte im Iran. Genannt werden

  • steigende Anzahl von Hinrichtungen
  • Amputationen
  • willkürliche Verhaftungen
  • unfaire und ungerechte Gerichtsverfahren
  • Foltervorwürfe
  • Misshandlungen von Menschenrechtsaktivisten, Rechtsanwälten, Journalisten sowie Oppositionellen.

Die Regierung des Iran wird vom UNO-Sicherheitsrat aufgefordert, nationale Gesetzgebung zu überprüfen, insbesondere den Strafrechtskatalog und das Minderjährigen-Recht, um eine Kongruenz mit internationalem Recht herzustellen. Weiterhin wird der Iran aufgefordert, Todesstrafen und andere Formen der Bestrafung zu unterlassen, soweit sie internationalem Recht widersprechen.

Status der Minderheiten

Nichtmuslimische religiöse Minderheiten (inklusive der rechtlich anerkannten Zoroastrier, Juden und Christen) werden im Iran seit der Revolution systematisch benachteiligt. Insbesondere zeigt das die Verfolgung der Bahai, welche die größte religiöse Minderheit stellen und als Apostaten gelten. Von der Regierung werden die Bahai zu Erzfeinden des Schiitentums und des Nationalstolzes stilisiert und dienen immer wieder als Sündenböcke, die instrumentalisiert werden, um die emotionale Unterstützung der Massen zu gewinnen. Ebenso wird die Verfolgung der Sufi (islamische Mystiker) von Seiten der Regierung toleriert bzw. unterstützt.[62] Die Anzahl von Iranern mit jüdischem Glauben hat sich seit 30 Jahren auf ein Viertel vermindert, obwohl die jüdische Minderheit seit 1906 im Parlament vertreten ist. Von den tolerierten Minderheiten, den sogenannten Religionen des Buches, werden regelmäßig Ergebenheitsadressen an die religiöse Staatsführung abverlangt. In dem vom christlichen Missions- und Hilfswerk Open Doors veröffentlichten Weltverfolgungsindex für Christen rangiert der Iran auf den zweiten Platz hinter Nordkorea.[63]

Weiterhin werden Aufstände der Kurden mit massiven militärischen Sanktionen beantwortet, bei denen zahlreiche Zivilisten umkamen.[39] Führende kurdische Politiker wurden durch Bombenanschläge – so beim Mykonos-Attentat – im Ausland ermordet. Es deuten zahlreiche Hinweise darauf, das diese durch die iranische Regierung gesteuert wurden.[64] Weiter wird von einem kurdischen Oppositionellen im Iran berichtet, der im Juli 2005 von Sicherheitskräften getötet und anschließend mit einem Jeep durch die Straßen der Stadt geschleift wurde. Daraufhin kam es zu Aufständen unter der kurdischen Bevölkerung, die wiederum zu 21 Todesopfern und über 190 Verhaftungen führten.

Politische Verfolgung

Angehörige von verschiedenen oppositionellen politische Gruppierungen, darunter auch die linksreligiöse Modschahedin-e Chalgh sind von Todesurteilen und Folter bedroht.[39] Gewaltfreie politische Forderungen, so auch die vom verstorbenen Chomeini-Antipoden Husain Borudscherdi vorgetragene Forderung nach traditionell schiitischer Trennung von Staat und Religion sowie nach Gewaltenteilung, werden mit Haft und Folter – auch gegen Manifestationen – beantwortet, so im Falle des international bekannten Hossein Kazemeyni Borudscherdi. Seit der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste nach den iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 – die größten Massenproteste seit der Islamischen Revolution 1979 – kommt es zur verschärften Verfolgung Oppositioneller, besonders durch die allgegenwärtige islamische Bassidschi-Miliz, welche einen Teil der iranischen Revolutionsgarde stellen.

Meinungsfreiheit

Informations- und Redefreiheit sind im Iran nicht gegeben. Journalisten, Weblogger, Menschenrechtsaktivisten und Oppositionelle müssen mit Repressalien, Verhaftung und sogar Folter rechnen.[65][66] Im Sommer 2007 verschlechterten sich die Bedingungen für die Pressefreiheit erheblich. Zeitungen wurden verboten und Journalisten verhaftet. Die reformorientierte Zeitschrift Sharq wurde wegen eines Interviews mit der in Kanada im Exil lebenden lesbischen Schriftstellerin Saghi Qahraman verboten.[67] Beobachter sehen einen direkten Zusammenhang mit schlechten Umfrageergebnissen für den amtierenden Staatspräsidenten Ahmadinedschad.

Ohne gültiges Journalistenvisum sind für Ausländern journalistische Tätigkeiten im Iran untersagt. Die Deutsche Botschaft in Teheran rät Journalisten von einer Einreise mit nur einem Touristenvisa dringend ab, da „die iranischen Behörden eine sehr weit gefasste Definition von „journalistischen Tätigkeiten“ verwenden können.“ Gesprächs- und Interviewtermine müssen über eine staatlich zugelassene Agentur arrangiert werden.[68]

Außenpolitik

Die außenpolitische Beziehungen des Iran sind vor allem durch die internationale Isolation gegenüber dem Staat nach der Islamischen Revolution von 1979 geprägt. Diese wurde meist von den USA vorangetrieben, etwa durch die Unterstützung des Irak im Iranisch-Irakischen Krieg oder durch die Forderung nach Sanktionen aufgrund des jüngsten iranischen Atomprogramms. Seit dem Amtsantritt von Präsident Ahmadinedschad sind insgesamt fünf Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen den Iran verabschiedet worden.[69]

Der Iran hat nach 1979 sowohl sämtliche politische als auch die wirtschaftlichen Kontakte zu Israel abgebrochen. In einer Rede vom 26. Oktober 2005 hat der iranische Präsident Ahmadinedschad die Vernichtung Israels gefordert, ein in der UN-Geschichte einmaliger Vorgang, der von den meisten UN-Staaten einhellig verurteilt wurde. Zuerst in den Medien als „Israel muss von der Landkarte getilgt werden“ zitiert, lautet die fragliche Stelle wörtlich übersetzt: {{Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss aus den Annalen der Geschichte [safha-yi rozgar] verschwinden.}}[70]

Nachdem am 29. Mai 2007 in Bagdad die ersten diplomatischen Gespräche zwischen dem Iran und den USA seit der Islamischen Revolution stattgefunden hatten, verband sich damit die Hoffnung auf eine allmähliche Entspannung der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Hauptsächlich war es in den Unterhandlungen zwischen den Botschaftern Ryan Crocker und Hassan Kasemi um ein Sicherheitskonzept für den Irak gegangen. Das Verhältnis zwischen dem Iran und „dem Westen“ hat sich allerdings seit der mit Fälschungsvorwürfen überschatteten iranischen Präsidentschaftswahl 2009 stark abgekühlt. US-Präsident Barack Obama hat dem Iran zum Neujahrsfest 2010 einen „Neubeginn“ der Beziehungen vorgeschlagen. „Die Islamische Republik Iran solle wieder ihren rechtmäßigen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnehmen“, so Obama in der Video-Botschaft zum iranischen Neujahrsfest Nouruz.[71]

Mitgliedschaften des Iran in internationalen Organisationen

Isolation

Durch seine Politik der ballistischen und vermuteten atomaren Aufrüstung, sowie durch die massiven Verletzungen grundlegender Menschen- und Minderheitenrechte gerät der Iran in zunehmende internationale Isolation, die mit massiven wirtschaftlichen Konsequenzen für die Bevölkerung verbunden ist. Geldtransfers in und aus dem Iran gestalten sich zunehmend kompliziert bis unmöglich[72] Institutionen, Banken, Firmen, Universitäten, Regierungsstellen und auch Einzelpersonen sind auf Sanktionslisten der Vereinten Nationen, der Europäischen Gemeinschaft[24][25] sowie der USA aufgelistet, für welche ein teils totales Handels- bzw. Reiseverbot besteht. Darunter fällt auch der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi in seiner Funktion als ehemaliger Leiter der Iranischen Atomenergieorganisation sowie Minister für Atomenergie im Kabinett Ahmadinedschad II.[73]

Drogenkriminalität

Iran ist durch seine Nachbarschaft zu Afghanistan eines der Transitländer für Opium- bzw. Heroinschmuggel. Der Weltdrogenbericht 2010 sagt aus, dass in Afghanistan 89 % der Weltproduktion an Opium erzeugt werden – mit einem signifikanten Anstieg nach Beginn der ISAF-Mission (Verdoppelung). Mehr als 37 % der in Afghanistan produzierten Opiate werden über die sogenannte „Balkan-Route“ über Iran, die Türkei und die europäischen Balkanstaaten transportiert. Iran und die Türkei beschlagnahmten 50 % des insgesamt weltweit beschlagnahmten Heroins. Auch Pakistan, das sowohl Ziel- wie Transitland des Drogenhandels ist, beschlagnahmte 2008 7,3 Tonnen – im Produktionsland Afghanistan wurden nur 479 kg beschlagnahmt. Iran hat 1845 Kilometer Grenzen zu Afghanistan und Pakistan und setzt 12.000 Grenzsoldaten und Anti-Drogen Polizisten ein.[74] Die UNODC sagt in ihrem Jahresbericht 2010, dass die zunehmenden Beschlagnahmungen von Drogen dem iranischen Einsatz zu verdanken sei. Die iranischen Behörden haben in den letzten fünf Jahren 700 Millionen Dollar in die Bekämpfung des Drogenhandels investiert, eine Erhöhung um das 17fache im Vergleich zu Vorgängerregierungen.[75] Entsprechend seiner Rolle als Transitland ist der Konsum von Opium, bzw. Heroin in Iran hoch, verglichen mit anderen Nachbarländern Afghanistans aber noch niedrig: 14 t bei geschätzten 391.000 Süchtigen. Im ebenfalls an Afghanistan grenzenden Pakistan geht man von 19 t bei geschätzten 500.000 Süchtigen aus. In den Ländern der russischen Föderation werden sogar 70 t verbraucht, das sind 21 % des weltweiten Konsums. Unter den Nationalitäten der verhafteten Drogenhändler sind die Iraner unter der Minderheit der „anderen“ vertreten.[74]

Ahndung

In Iran reichen die Strafen für den Konsum, Verkauf oder Besitz illegaler Drogen (auch Alkohol) – von Ermahnungen, Geldstrafen und Auspeitschungen bei Konsum über Gefängnis bis zur Todesstrafe für Drogenhandel. Der Anteil der wegen Drogendelikten Inhaftierten in Iran liegt bei 60 % der Gefängnisinsassen, berichtet UNODC Iran.[76] Unter der Zahl der im Iran Hingerichteten nehmen die wegen Drogenhandels Verurteilten zusammen mit Sexualstraftätern die Mehrheit ein. Parallel zum Anstieg der Drogendelikte stieg auch die Anzahl der Gerichte in Iran – das zeigen die statistischen Jahrbücher des Landes.

Das iranische Anti-Drogen-Gesetz von 1988 wurde 1997 den veränderten Bedingungen eines internationalen Drogenhandels angepasst. Erstmalig kann nach diesem Gesetz das Prinzip „Therapie statt Strafe“ angewendet werden. 2001 wurde ein neues Anti-Drogengesetz entworfen, das aber trotz Überarbeitung 2004 bisher nicht vom Parlament verabschiedet wurde. Mittlerweile wurde ein Gesetzentwurf zur Entkriminalisierung des Drogenkonsums eingebracht (2005). Drogenkriminalität fällt in Iran in die Zuständigkeit der Revolutionsgerichte.[77] Iran arbeitet mit der UNODC seit 2004 mit einem gemeinsamen Trainingsprogramm zur Aus- und Weiterbildung von Richtern zusammen.

Vorfälle

Am 21. Januar 2011 veröffentlichte die Zeitung „Die Welt“ einen Artikel in dem sie mit Bezug auf eine lancierte Depesche eines US-amerikanischen Botschaftsangestellten in Baku behauptet, iranische Regierungsbehörden seien maßgeblich am Drogenhandel beteiligt und Iran würde damit seine von den wirtschaftlichen Sanktionen geplagten Devisenbestände auffüllen. Möglich wäre auch, dass sich die Revolutionsgarden und andere staatliche Institutionen Geld für einen möglichen Machtkampf nach Ableben des Revolutionsführers Ayatollah Chamenei beschaffen wollten. Dafür würden sie den europäischen Markt überfluten.[78] Die Behauptungen der Zeitung werden vom Weltdrogenbericht der UNODC nicht bestätigt. Eine Erhöhung der über eine der nördlichen Routen geschmuggelten Menge an Drogen wurde nicht festgestellt, auch gibt es im Weltdrogenbericht keinen Hinweis auf Beteiligung staatlicher Stellen. Die „Nordroute“ des Drogenschmuggels beliefert überwiegend den Markt der Russischen Föderation, der der größte der Welt ist. Die Erhöhung der gehandelten Mengen werden von UNODC auf die Instabilität der Region nach dem Zusammenbruch der UDSSR zurückgeführt. Konkret wird der Verdacht geäußert, dass die große Bevölkerungsgruppe der Azeris in Iran die Drogenhändler hervorbringt, die nach Azerbaidschan schmuggeln.

Rehabilitation und Behandlung

Die UNODC arbeitet an verschiedenen Programmen zur Behandlung und Rehabilitation der Drogenabhängigen in Iran mit. Dazu gehören Therapieprogramme in speziellen Einrichtungen ebenso wie Substitutionsprogramme mit Methadon und Buprenorphine (150000 Patienten).[79] und Rückfallprophylaxe mit Naltrexon.[80] Inhalt der Programme sind die gängigen Bestandteile wie psychologische Behandlung, Sozialarbeit, Familienberatung und der Besuch von Selbsthilfegruppen wie die Narcotics Anonymus, die in Iran sehr erfolgreich arbeiten.[81] und insgesamt 150000 Betroffene betreuen.[82] Es gibt derzeit 700 privat geführte Behandlungseinrichtungen für Drogenabhängige. Universitäts- und psychiatrische Kliniken behandeln ebenfalls Suchtkranke. Auch die „Anonymen Alkoholiker“ sind in Iran tätig, veröffentlichen jedoch keine Zahlen für Iran.

Prävention

Die Präventionsprogramme der Regierung beinhalten sowohl Aufklärung über Medien und Veranstaltungen als auch psychosoziale Bestandteile wie lebenspraktische und „soft skills“ Trainings, besonders für Jugendliche und weibliche Gefängnisinsassen, als auch die Schulung von Multiplikatoren und Stärkung nachbarschaftlicher Gemeinschaften.[83]

Provinzen

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Irans
  1. Teheran und Alborz
  2. Qom
  3. Markazi
  4. Qazvin
  5. Gilan
  6. Ardabil
  7. Zandschan
  8. Ost-Aserbaidschan
  9. West-Aserbaidschan
  10. Kordestan
  11. Hamadan
  12. Kermanschah
  13. Ilam
  14. Lorestan
  15. Chuzestan
  1. Tschahar Mahal und Bachtiyari
  2. Kohkiluyeh und Buyer Ahmad
  3. Buschehr
  4. Fars
  5. Hormozgān
  6. Sistan und Belutschistan
  7. Kerman
  8. Yazd
  9. Esfahan
  10. Semnan
  11. Mazandaran
  12. Golestan
  13. Nord-Chorasan
  14. Razavi-Chorasan
  15. Süd-Chorasan

IranNumbered.png

Der Iran ist in 31 Provinzen, welche Ostans (Persisch: ostān, Plural ostānhā) genannt werden, unterteilt. Jeder Provinzverwaltung steht ein Gouverneur, der Ostandar (Persisch: ostāndār) genannt wird, vor. Dieser wird vom Innenminister mit Zustimmung des Kabinetts ernannt.

Die Provinzen untergliedern sich weiter in Verwaltungsbezirke (vergleichbar etwa einem deutschen Landkreis) welche Schahrestan (Persisch: schahrestān, Plural: schahrestānhā) genannt werden.

Verwaltungsbezirke wiederum werden in Bezirke, welche Bakschs (Persisch: baksch) genannt werden, unterteilt.

Im Jahr 2006 gab es im Iran 30 Ostans, 336 Schahrestans, 889 Bakschs, 1016 Städte und 2400 Dörfer.[84] Am 23. Juni 2010 wurde aus dem nordwestlichen Teil der Provinz Teheran die neue Provinz Alborz geschaffen.

Zu den größten Städten zählen Teheran (Stadt 7,1 Mio.; Ballungsraum 12 Mio.), Maschhad (2,3 Mio.), Isfahan (1,5 Mio.), Karadsch (1,4 Mio.), Täbris (1,4 Mio.), Schiraz (1,2 Mio.), Qom (1,0 Mio.), Ahwaz (850.000) und Kermānschāh (770.000).

Militär

Wappen des iranischen Verteidigungsministeriums
Hauptartikel: Streitkräfte des Iran

Das iranische Militär befindet sich nach wie vor in einer Aufbauphase, in der das Land versucht, die Verluste durch den ersten Golfkrieg wieder auszugleichen. US-Schätzungen gehen davon aus, dass der Irak in den acht Kriegsjahren zwischen 20 und 40 % der iranischen Militärkapazität vernichtete, sowohl Soldaten als auch Material. Was die Mannschaftsstärke betrifft, ist der Prozess der Wiederherstellung der Schlagkraft weitgehend abgeschlossen, ähnliches dürfte auch für bodengebundene Waffensysteme gelten, bei denen es dem Land heute vor allem um Modernisierung und weniger um zahlenmäßige Aufrüstung geht. Noch nicht ausgeglichen sind die kriegsbedingten Materialverluste der Luftwaffe, wie auch bei den größeren Überwassereinheiten der Marine. In diesen Bereichen ist der Iran für ein Land seiner Größe unterbewaffnet. Neben den Kriegsverlusten sind vor allem die Ausfuhrbeschränkungen zahlreicher Staaten der Grund für diesen Zustand. Ein Großteil der vorhandenen Waffensysteme stammt aus US-Waffenhilfen vor 1979 und in neuerer Zeit aus Waffengeschäften mit Russland und der Volksrepublik China.

Seit 2005 ist der Iran zusammen mit Indien, Pakistan und der Mongolei Beobachter bei der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO).

Wirtschaft

Die iranische Wirtschaft unterliegt zum größten Teil der staatlichen Kontrolle. In privater Hand befinden sich ausschließlich kleinere Betriebe.

Wichtigste Wirtschaftssparte sind die reichen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen im Iran. Weitere wichtige Wirtschaftssparten sind die Textilindustrie, die Landwirtschaft und die Zement- und Baustoff-Produktion.

Der Iran hat eine arbeitsfähige Bevölkerung von 23,68 Millionen Menschen, die aber zum größten Teil mangelhaft ausgebildet ist. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 15 % (Stand 2007). Laut Bundeszentrale für Politische Bildung liegt sie inoffiziell bei über 50 % einschließlich verdeckter Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Der Dienstleistungssektor bietet 45 % der Arbeitsplätze, wobei der Staat einen sehr großen Verwaltungsapparat betreibt. Die Landwirtschaft bietet 30 % und die Industrie 25 %.

Wirtschaftsform

Im theokratischen Staat Iran sind weite Teile der Wirtschaft verstaatlicht. Dazu zählen z. B. bis auf wenige Ausnahmen die Banken. Allgemein wird die kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft als Kommandowirtschaft bezeichnet, in der die politischen Machtzentren versuchen die Marktwirtschaft zu steuern. Eine Konsequenz sei die enorme Korruption. Laut dem Bericht von Transparency International aus dem Jahr 2010 belegt der Iran unter 178 gelisteten Ländern Platz 146 und befindet sich mit einer Punktzahl von 2,2 gleichauf mit Ländern wie Kamerun, Jemen oder Haiti.[85] Unabhängige Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen werden nicht zugelassen und politisch verfolgt. Fehlende zivilgesellschaftliche Strukturen und die theokratische Kontrolle der Medien verhindern eine Kontrolle wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Geprägt ist die Wirtschaft in Teilen noch durch die Kriegswirtschaft aus dem Ersten Golfkrieg. Import und Export verlaufen in großen Teilen informell (Schmuggel).[86][87][88][89]

Wirtschaftszahlen

Wachstum des BIP (Bruttoinlandsprodukts)
in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008* 2009* 2010** 2011**
BIP (real) 7,2 5,1 4,7 5,9 7,8 2,3 1,8 3,0 3,2
Quelle:bfai[90] *Schätzung **Prognose


Staatsverschuldung in % des BIP
Jahr 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
 % 27 28,9 25,3 17,2 19,7 16,8 16,2
Quelle: indexmundi/CiA factbook[91]


Entwicklung der Inflationsrate
(in % gegenüber dem Vorjahr)
Jahr 2007 2008 2009 2010
Inflation 18,4 25,4 10,3 8,5*
Quelle: bfai[92] *geschätzt
Entwicklung des Außenhandels
(in Mrd US$ und in % gegenüber dem Vorjahr)
06/07 07/08 08/09
Mrd.US$  % gg. Vj. Mrd.US$  % gg. Vj. Mrd.US$  % gg. Vj.
Einfuhr 50,0 + 16,3 58,2 + 16,4 68,5 + 17,7
Ausfuhr 76,2 + 18,5 97,7 + 28,2 100,6 + 3,0
Saldo + 26,2 + 39,5 + 32,1
Quelle:bfai[93]

Subventionsreformen

In der zweiten Jahreshälfte 2010 begann die iranische Regierung mit der Umsetzung einer lange geplanten Reform von Subventionen auf Energiepreise, Getreide, Brot und öffentlichen Personenverkehr.Der IWF attestierte Iran dazu gute Startbedingungen beim Rückgang der Inflation von über 30% auf 10% ab September 2009. Im ersten Jahr der Reformen wurden $ 60 Milliarden an Subventionen zurückgefahren, 15% des Bruttoinlandproduktes. Grund für die Reform sind die steigenden Energiepreise auf dem Weltmarkt, bei künstlich niedrig gehalten Preisen im Inland, was dazu führte, dass Iran zu einem der größten Energieverschwender wurde, während gleichzeitig Haushalte mit niedrigem Einkommen von den Subventionen kaum profitierten. Der IWF nennt eine Summe von durchschnittlich $ 4000 jährlicher Subventionen für einen vierköpfigen Haushalt, wobei es aber einen großen Teil Iraner gibt, deren Jahreseinkommen unter $ 4000 liegt. Man verspricht sich also sowohl einen sparsameren Umgang mit Energie, als auch die Entwicklung energiesparender Technologien, z.B. in der iranischen Autoproduktion und mehr soziale Gerechtigkeit, durch Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte, sowie erhöhte Staatseinnahmen durch mehr Exportkapazitäten bei Öl und Gas. Insgesamt gehen 30% des durch die gestrichenen Subventionen eingesparten Geldes direkt an die Bürger zurück, 20% werden an die Industrie zur Entwicklung von Energiesparmaßnahmen gezahlt, der Rest verbleibt zum Ausgleich der erhöhten Energiepreise im Staatshaushalt. Es sind 93% der iranischen Bürger für die Direktzahlungen registriert. Pro Person eines Haushaltes werden ca. $80 alle zwei Monate ausgezahlt. Der IWF zog im Juni eine positive Zwischenbilanz der Reformen: trotz der bis um das 20fache erhöhten Energiepreise stieg die Inflationsrate maßvoll auf 14,2% im Mai 2011. Es wird eine vorübergehende Abschwächung des Wirtschaftswachstums und ebenso vorübergehender Anstieg der Inflationsrate erwartet, der IWF konstatiert aber jetzt schon mehr soziale Gerechtigkeit und geringeren Energieverbrauch.[94] [95] [96]

Arbeitsmarkt

Neben der hohen Arbeitslosigkeit ist Kinderarbeit und die Beschäftigung von Billiglohnarbeitern vor allem aus Afghanistan verbreitet. Für die Beschäftigten gibt es keine gewerkschaftliche Vertretung. Besonders Billiglohnarbeiter sind starken Repressionen ausgesetzt.[97][98]

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt trotz zahlreicher Gebirge und Wüsten 10 % der Landesfläche, wobei ein Drittel künstlich bewässert wird. Die Landwirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber des Landes. Wichtige Produkte sind Pistazien, Weizen, Reis, Zucker, Baumwolle, Früchte, Nüsse, Datteln, Wolle und Kaviar. Seit der Revolution von 1979 wurde der Anbau von Weintrauben wegen des islamischen Alkoholverbots auf den 200.000 Hektar Rebfläche fast vollständig auf Tafeltrauben und Rosinen umgestellt. Bei Rosinen ist der Iran inzwischen nach der Türkei der zweitgrößte Exporteur der Welt.

Energie

Der Iran besaß im Jahr 2005 eine Kraftwerksleistung von 41.000 Megawatt. Um das geförderte Erdöl für den Export verfügbar zu haben, ist der Bau von ca. 20 Kernkraftwerken geplant. Zudem ist der Bau von Anlagen für die Produktion von Kernbrennstoffen vorgesehen.

Erdöl

Der Iran stand 2010 mit rund 203,2 Mio. Tonnen gefördertem Erdöl [99] an vierter Stelle der ölfördernden Länder . Das Land verfügt über bekannte Erdölreserven von etwa 18 Mrd. Tonnen (136 Mrd. Barrel) und damit die drittgrößten Erdölreserven weltweit. Der Iran gehört mit zu den Ländern, die in der so genannten strategischen Ellipse liegen.

Berge von Alborz über dem Neubaugebiet von Elahiyeh.

Nachdem die islamische Revolution 1979 die Ölförderung fast zum Erliegen gebracht und die zweite Ölkrise nach 1974 ausgelöst hatte, fördert das Land heute im Durchschnitt täglich 4,245 Mio. Barrel Erdöl (ungefähr 645 Mio. Liter). Das bedeutet eine Steigerung von 0,9% gegenüber 2009. Davon entfallen (2010) 1,799 Mio. Barrel (ungefähr 286 Mio. Liter täglich) auf den Eigenbedarf (eine Steigerung von 1% gegenüber 2009) die restlichen 246 Mio. Barrel (jährlich 89,79 Mrd. Barrel) werden exportiert.[100] Von den weltweit bekannten, mit modernen Techniken förderbaren Erdöl-Reserven befinden sich 10–11 % (je nach Quelle 125 bis 135 Milliarden Barrel) auf dem iranischen Staatsgebiet. Der Iran könnte somit seine derzeitige Förderung das ganze 21. Jahrhundert beibehalten, theoretisch sogar noch steigern.

Der Staat verbraucht selbst 1,8 Millionen Barrel Öl pro Tag, eine Verdreifachung seines heimischen Verbrauchs seit 1980.Das Land hat seit dem Jahr 2000 seine Raffineriekapazitäten von 1,6 Mio. Barrel täglich auf 1,86 Mio. Barrel täglich gesteigert. [101]


Nach einer Meldung der Islamic Republic News Agency (IRNA) wurde am 17. Februar 2008 die Iranische Ölbörse (Kürzel IOB) mit Sitz auf der Insel Kisch eröffnet, welche das Erdöl in Petroeuro anstelle der bislang üblichen Petrodollar handeln solle. Statt in Euro werden die Preise allerdings überwiegend in der Landeswährung Rial berechnet. Der Euro ist inzwischen eine stabilere Preisbasis als der US-Dollar, doch dürfte sich dieser Wechsel auch politisch gegen die USA richten, die seit dem Sturz des Schah als Staatsfeind gelten.

Ölfelder

Die wichtigsten iranischen Erdölfelder – gezählt in bpd (Barrels per day) nach dem Kenntnisstand 2005 – sind:[102]

Wichtigste iranische Ölfelder zu Lande (onshore)
Lage bbl/d
Ahwaz-Asmari 700.000
Gachsaran 560.000
Marun 520.000
Bangestan (soll auf über 550,000 steigen) ca. 245.000
AghaJari 200.000
Karanj-Parsi 200.000
Rag-e-Safid 180.000
BibiHakimeh 130.000
Pazanan 70.000
Wichtigste iranische Ölfelder im Schelfgebiet (offshore)
Lage bbl/d
Dorood 130.000
Salman 130.000
Abuzar 125.000
Sirri A&E 95.000
Soroush/Nowruz 60.000

Erdgas

Im Jahr 2005 nahm der Iran mit ca. 80 Mrd. m³ gefördertem Erdgas den siebten Platz der weltweiten Erdgasförderung ein.

Mit geschätzten 27 Billionen m³ Erdgasvorräten steht der Iran an zweiter Stelle der weltweiten Erdgasreserven.

Die jährliche Förderung von Erdgas betrug im Jahre 2003 79 Mrd. m³. Davon wurden 72,4 Mrd. m³ (fast 92 %) für den Eigenbedarf des Iran benötigt, womit das Land neuntgrößter Erdgasverbraucher der Welt ist.

Die iranische Erdgasindustrie befindet sich jedoch noch nicht auf demselben Entwicklungsstand wie die der Konkurrenten in der Golfregion (z. B. Katar) und ist noch im Aufbau. Etwa 62 % der bekannten Lagerstätten sind noch nicht erschlossen, wofür ein Zeithorizont von 25 Jahren geplant ist. Zwar gibt es bereits einige Gasexporte aus dem Iran in die Nachbarländer (vor allem in die Türkei), doch ist der Iran wegen seiner Importe aus Turkmenistan derzeit noch ein Nettogasimporteur.

Staudammbau

Iran entwickelte sich zu einem großen Staudammbauer. 157 Dämme wurden gebaut, 84 befinden sich im Bau oder Planung, vor der Islamischen Revolution gab es nur 13 Staudämme im Land.[103] Abgesehen von der Produktion von Elektrizität, die dann wiederum mehr Öl für den Export freigibt, will das Land damit die fortschreitende Wasserknappheit handhaben.[104][105] Das größte Projekt ist der Bakhtiari Staudamm in der Provinz Lorestan im Südwesten Irans, im Zagros Gebirge. Er soll der größte doppelbögige Staudamm der Welt werden, mit einer Höhe von 315 Metern. Bedingt durch seine schwierige geographische Lage ist es nicht notwendig Menschen dafür umzusiedeln.[106]

Export: Iran hat im Mai 2011 den Zuschlag für ein Staudammprojekt( „Shah and Aroos“ )in Afghanistan, Provinz Kabul, bekommen, die Kapazität soll 7,5 Millionen Kubikmeter erreichen, geplant ist eine Bauzeit von 3,5 Jahren. An Arbeitskräften will Iran 25% stellen, der Rest soll von lokalen Arbeitskräften geleistet werden.[107] [108]

Kritik: Das Sivand Staudamm Projekt gefährdet nach Meinung von Kritikern u.a. das Weltkulturerbe des Grabes von Kyros dem Großen bei Pasargadae. Es liegt wenige Kilometer vom Stausee entfernt und es wird eine Gefährdung durch Feuchtigkeit befürchtet. [109] Urmiasee (auch Urumijeh-See, Orumiyeh-See): Der stark salzhaltige(30%) Urumijeh See im Nordwesten Irans ist mit 5200 Quadratkilometern der größte Binnensee im Mittleren Osten. Je nach Jahreszeit leben hier viele Pelikane und Flamingos, die sich von dem im See beheimateten Salzkrebsen ernähren. Der seit 1976 als Biosphärenreservat der Unesco klassifizierte See ist von fortschreitender Austrocknung bedroht. Umweltschützer machen dafür u.a. die zahlreichen Staudämme im Umland verantwortlich, die den Zufluss zum See verhindern.[110] Die iranische Regierung hat 900Mio$ für die Rettung des Sees freigegeben, der See soll geflutet werden.[111] [112]

Automobilindustrie

2010 nahm Iran in der weltweiten Rangliste der Automobilproduzierenden Industrie mit 1599454 produzierten Fahrzeugen den 16 Platz ein.[113]Produziert wurden 1376000 PKWs und 232440 kommerzielle Fahrzeuge. Für 2011 wird ein Anstieg auf 1,65-1,7 Millionen Fahrzeuge erwartet.[114]In der Automobilindustrie sind 500000 Menschen beschäftigt, damit ist die Branche der zweitgrößte Arbeitgeber nach der Ölindustrie und Iran der größte Automobilproduzent im Mittleren Osten.[115]Die beiden größten Automobilhersteller sind die staatliche SAIPA – derzeitig im Privatisierungsprozeß [116]- und Iran Khodro. Die IKCO produziert neben einheimischen Modellen wie Dena und Runna, in Lizenz Modelle von Peugeot[117]SAIPA hat die IKCO im Jahr 2010 das erste Mal in der Rangfolge überholt.Nach Ansicht des Business Monitor International's Iran Autos Report, wird sich die Belastbarkeit der iranischen Automobilindustrie erst in den nächsten Jahren zeigen, wenn der einheimische Markt gesättigt ist und Iran zunehmend auf dem internationalen Markt agiert, denn bisher sei der Produktionsanstieg noch überwiegend auf die Unterstützung der Regierung zurückzuführen.[118] 12,64% der zugelassenen Kraftfahrzeuge werden mit Gas betrieben.Iran liegt damit weltweit an fünfter Stelle der Nutzung von gasbetriebenen Kraftfahrzeugen.[119]. Der schwedische LKW-Produzent Scania eröffnete in 2011 eine neue Produktionslinie in Qazvin und löst damit Daimler-Chrysler ab, das seine Geschäftskontakte mit Iran abgebrochen hat.[120]

Atomprogramm

Hauptartikel: Iranisches Atomprogramm

17. Juni 2005: Auf der politischen Agenda des neu gewählten Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad steht unter anderem der Punkt: eine Abwendung von diplomatischen Eingeständnissen in internationalen Verhandlungen (Atomstreit), etc.

4. Februar 2006: Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel fordert den Iran auf der 42. Münchner Sicherheitskonferenz nachdrücklich zum Einlenken im Atomstreit auf. „[...] der Iran hat mutwillig die roten Linien überschritten“, warf Merkel Teheran vor. Es gebe die „berechtigte Befürchtung“, dass sein Atomprogramm nicht der friedlichen Nutzung, sondern militärischen Optionen diene: „Wir wollen und müssen die Entwicklung iranischer Nuklearwaffen verhindern.“ Das Land dürfe eine mögliche Überweisung des Konflikts in den UNO-Sicherheitsrat nicht zum Anlass nehmen, die Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft abzubrechen. Es handele sich nicht um eine Provokation – vielmehr sei der Sicherheitsrat der legitime Ort zur Lösung des Konflikts. Merkel unterstrich auch die Bedeutung der Rolle Russlands. Je breiter die internationale Übereinstimmung sei, desto eher sei ein Einlenken der iranischen Führung möglich. An die Adresse des bei der Konferenz anwesenden iranischen Vize-Außenministers Abbas Araghtschi sagte Merkel, es fehle auch eine klare Stellungnahme zu den Äußerungen von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zum Existenzrecht Israels. Gerade von Deutschland könne der Iran in dieser Frage „nicht die geringste Toleranz erwarten“ ([25]).

März/April 2006: Die Regierung will den hohen Eigenbedarf an Erdgas durch ein eigenes Atomprogramm reduzieren. Viele Staaten fürchten jedoch, dass die islamistische Regierung damit auch die Entwicklung der Atombombe vorantreiben werde (siehe IAEO und UNO-Sicherheitsrat, März/April 2006).

31. Juli 2006: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet eine moderatere Resolution, welche dem Iran bis zum 31. August 2006 Zeit lässt, das Programm zur Urananreicherung zu unterbrechen, ansonsten müsse das Land sich auf wirtschaftliche und diplomatische Sanktionen gefasst machen. Der Iran ging postwendend hinsichtlich der geplanten Maßnahmen auf Konfrontationskurs, indem er mitteilte, dass die Maßnahme Verhandlungen über ein Anreizbündel, welches im Juni 2006 dem Land offeriert wurde, erschwere. Dieses Bündel sollte dem Iran eine Aussetzung der Uran- Anreicherung schmackhaft machen.[121]

Die iranische Führung ließ am 6. August 2006 verlauten, dass sie, im Widerspruch zur jüngsten Resolution des UN-Sicherheitsrats die Arbeiten zur Urananreicherung bei Bedarf ausweiten will. „Wir werden unsere Atomtechnologie fortentwickeln, wann immer es notwendig sein wird,“ sagte der Chefunterhändler des Iran Laridschani in Teheran.[122]

Der angesehene US-Enthüllungsjournalist Seymour Hersh erhebt am 19. November 2006 schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung. Diese solle bewusst Informationen des CIA zurückhalten, die belegten, dass keinerlei Beweise für Nutzung des Atomprogramms zu militärischen Zwecken vorliege. Laut Hersh spielt die US-Regierung die Geheimdienst-Erkenntnisse herunter, um an ihrer harten Politik gegen Teheran weiterhin festhalten zu können.[123]

In einem Interview mit der Zeitung „Jungle World“ im Februar 2011 bestätigte der frühere, außenpolitisch mit dem iranischen Atomprogramm direkt befasste iranische Diplomat Abolfazl Eslami im Wesentlichen die Vorwürfe gegen die iranische Führung, Atomwaffen anzustreben:

„[Ich] konnte mir nicht vorstellen, dass sie an einer Atombombe arbeiten. Aber als sie den Vorschlag (erg.: der EU-Troika) zurückwiesen, wurde mir klar, dass sie wirklich genau das tun. Sie wollen keine Nuklearanlage für das iranische Volk, wie sie offiziell immer behauptet haben. Zivile Nuklearanlagen sind nur ein Vorwand, um an Nuklearwaffen zu kommen. Wir iranischen Diplomaten waren uns dessen anschließend vollständig bewusst. Deshalb habe ich dann auch die NPT-Sektion der UN verlassen. Ich ging dann als Botschaftsberater nach Tokio.[124]

Am 21. August 2010 wurde der Reaktor des Kernkraftwerk Buschehr trotz heftiger Proteste der westlichen Welt erstmals bestückt. Am 4. September 2011 wurde es erstmals an das Stromnetz angeschlossen.[125]

Außenhandel

2008/2009 exportierte der Iran Güter im Wert von 101,3 Milliarden US-Dollar. Die größten Export-Partner waren 2009 China (16,6 %), Japan (12,3 %), Indien (10,2 %), Südkorea (7,3 %) und Türkei (4,5 %).[126] Das wichtigste Exportgut ist Erdöl. Der hohe Erdölpreis erlaubt dem Iran Quersubventionen seiner Industrie und Staatskasse.

Der Import betrug 2008/2009 70,2 Milliarden US-Dollar. Die größten Importpartner waren 2009 die Vereinigten Arabischen Emirate (14,7 %), China (13,8 %), Deutschland (9,5 %), Südkorea (7,5 %) und Italien (5,2 %).[126]

Gegen den Iran wurden verschiedene Embargos verhängt. Für die Länder der Europäischen Union sind die Beschränkungen der Verordnung (EG) Nr. 423/2007 einschlägig.[127]

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 84,78 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 97,71 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 3,9 % des BIP.[128]

Die Staatsverschuldung betrug 2010 16,2% eines BIP von 818,,7 Milliarden $[128]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Kultur

Siehe auch: Persischer Garten
Siehe auch: Perserteppich
Iranische Kinospielfilmproduktion[130]
Jahr Anzahl
1975 68
1985 42
1995 k.A.
2005 26

Literatur

Persien, hierbei insbesondere das südliche Fars, weist in der Dichtkunst zahlreiche Berühmtheiten auf, von denen Firdausi, Hafis und Saadi einige der bekanntesten sind. In der Neuzeit gewann die Prosa in der persischen Literatur zunehmende Bedeutung, so beispielsweise mit den Werken Sadeqh Hedayats, der erhebliche und teils wegweisende Neuerungen sowohl im Stil als auch im Bereich der Themenwahl vornahm. Außerhalb des Rahmens der klassischen persischen Poesie entwickelten sich in der Dichtkunst im zwanzigsten Jahrhundert neue Richtungen, zu denen insbesondere das Neue Persische Gedicht (Sche'r-e Nou) und das Weiße Gedicht (Sche'r-e Sepid) zu zählen sind. Eine unübliche Kunstform wählte in jüngerer Zeit die im französischen Exil lebende Comic- Autorin Marjane Satrapi, die im autobiographischen Werk Persepolis von ihrer Kindheit und Jugend während der islamischen Revolution erzählt sowie in Sticheleien Gespräche unter Frauen ihrer Familie aufzeichnete.

Die heute vorliegende, vorislamische Literatur reicht bis zu den dem Religionsstifter Zarathustra zugeschriebenen Hymnen, den Gathas, sowie den Yashts zurück. Es existieren Werke in verschiedenen alten iranischen Sprachen. Hierzu gehören insbesondere avestische sowie mittelpersische Arbeiten, welche zu einem großen Teil zoroastrische Themen, jedoch auch unter anderem historische und manichäische Inhalte behandeln.

Feste

Zu den bekanntesten Festen zählen No’ruz (wörtlich „No=neu, Ruz=Tag“), Sizdah-Be-Dar (Sizdah=dreizehn) sowie Schabe Yaldaa / Shabe Jalda (Schab=Nacht -e- Yaldaa=Geburt), welche in einer engen Verbindung mit der persischen Mythologie stehen.

Küche

Hauptartikel: Persische Küche

Beispiele typischer Gerichte der persischen Küche sind Khoreshteh Fesendjan (Hähnchen in einer Walnuss- und Granatapfel-Soße) und Shirin Polo (süßer Basmatireis mit Berberitzen, Orangenschalen, Pistazien und Mandeln).

Medien

Teheran ist das Medienzentrum des Landes. Hier erscheinen die wichtigsten Tageszeitungen (Jumhori-yi Islami, Resalat, Kayhan, Akhbar, Ettelā'āt), darunter auch einige englischsprachige (Tehran Times, Kayhan International, Iran Daily, Iran News) sowie die Literatur- und Kunstzeitschrift Nafeh. Sämtliche Zeitungen und auch die staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender unterliegen staatlicher Zensur.

Zusätzlich gibt es über 30 persischsprachige Fernsehsender aus dem bei Los Angeles liegenden San Fernando Valley, Kalifornien, die über Satellit oder Internet im Iran empfangen werden können.

Sport

Dizin, das Skigebiet im Elburs-Gebirge
Miniaturmalerei zu Chaugan (Polo), 16. Jahrhundert, Tabris

Die Sportart Polo entstand im alten Iran und erreichte mit der Zeit den Rang eines Nationalsports. Das im Persischen als „Chaugán“ bekannte Spiel war bereits im achämenidischen Persien beliebt und findet in der iranischen Literatur vielfach Erwähnung.[131] Auch bei der Entwicklung des Spiels Schach spielte Persien eine wichtige Rolle. Über Indien gelangte das Spiel nach Persien, wo es modifiziert wurde. Durch die Islamisierung Persiens kam das Schachspiel durch die Araber schließlich nach Europa. Der Name des Spiels bezieht sich in der deutschen Sprache auf das persische Wort „Schah“, welches als „König“ übersetzt werden kann.

Fußball ist die populärste Mannschaftssportart im Iran. Die iranische Nationalmannschaft nahm an den Fußball-Weltmeisterschaften 1978 in Argentinien, 1998 in Frankreich und 2006 in Deutschland teil. Dabei schied der Iran stets in der Vorrunde aus und konnte lediglich ein Spiel gewinnen (1998: 2:1 gegen die USA). Zwei Mal errang der Iran ein Unentschieden (1978: 1:1 gegen Schottland und 2006: 1:1 gegen Angola), sechs Spiele wurden verloren (1978: 0:3 gegen die Niederlande und 1:4 gegen Peru, 1998: 0:1 gegen Jugoslawien 0:2 gegen Deutschland und 2006: 1:3 gegen Mexiko und 0:2 gegen Portugal). Dreimal gewann der Iran die Asienmeisterschaft (1968, 1972 und 1976).

Beliebt ist im Iran auch Hallenfußball (Futsal). Die iranische Nationalmannschaft gewann seit der Einführung der Asienmeisterschaft 1999 sieben Mal in Folge den Titel in Asien. Lediglich 2006 errang mit Japan eine andere Mannschaft als die iranische den asiatischen Titel. Der Iran nahm an vier der fünf bisher ausgetragenen Futsal-Weltmeisterschaften teil. Größter Erfolg der iranischen Hallenfußballer bei Weltmeisterschaften bleibt der 4. Platz bei der Futsal-WM 1992 in Hongkong. Damals unterlag der Iran Spanien im Spiel um Platz 3 mit 6:9. Bei den Turnieren 1996 (Spanien), 2000 (Guatemala) und 2004 (Taiwan) schied der Iran in der Vorrunde aus. An der WM 1989 in den Niederlanden nahm der Iran nicht teil.

Beliebte Mannschaftssportarten sind zudem Volleyball, Basketball und Wasserball. Im Volleyball gelang es dem Iran, sich sogar für die Volleyball-WM der Herren, die im Herbst 2006 in Japan stattfand, zu qualifizieren. Die Iraner schieden allerdings in der Vorrunde aus.

Wichtige und traditionelle Individualsportarten sind Ringen und Gewichtheben. Zahlreiche iranische Olympiasieger und Weltmeister zeugen von der Stärke iranischer Athleten in diesen beiden Sportarten. So hält beispielsweise der iranische Gewichtheber Hossein Rezazadeh den aktuellen Weltrekord in der +105 kg Klasse. Darüber hinaus gewann Rezazadeh bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney (2000) und Athen (2004) je eine Goldmedaille und ist somit bisher der einzige iranische Sportler, der zwei Mal Olympiasieger wurde.

Zu den erfolgreichen Sportarten gehören in jüngster Zeit darüber hinaus Taekwondo und Judo. So gewann Hadi Saei Bonehkohal in Athen als erster Iraner die olympische Goldmedaille im Taekwondo (Klasse 58–68 kg). Der iranische Judoka und Weltmeister Arash Miresmaili war dagegen die tragische Figur in Athen: Das Los bescherte dem Favoriten auf die Goldmedaille in der ersten Runde der Judowettkämpfe den israelischen Kämpfer Ehud Vaks. Da es iranischen Sportlern untersagt ist, gegen israelische Sportler anzutreten, missachtete Miresamili das Gewichtslimit in seiner Klasse absichtlich und wurde somit disqualifiziert. Nachträglich wurde er mit ca. 125.000 $ von der iranischen Regierung genauso belohnt wie die beiden Olympiasieger von Athen Rezazadeh und Saei Bonehkohal.

Die iranische Olympiamannschaft gewann in Athen zwei Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen und belegte in der inoffiziellen Nationenwertung gemeinsam mit der Slowakei den 29. Platz. Die sechs Medaillen für den Iran wurden in den Sportarten Ringen (zwei Silber- und eine Bronzemedaille), Gewichtheben (eine Goldmedaille) und Taekwondo (eine Gold- und eine Silbermedaille) errungen.

Auch wenn der Motorsport aus Kostengründen im Iran eher eine Randsportart ist, erfuhr zumindest die nationale Rallyemeisterschaft überproportional Beachtung, da die in ihrer Heimat sehr populäre Laleh Sadigh sowohl 2004 als auch 2005 gegen ihre männlichen Kontrahenten triumphieren konnte. Daraufhin wurde sie als „Ikone des Feminismus“ gefeiert.[132]

Weiterführende Literatur

  • Katajun Amirpur; Reinhard Witzke: Schauplatz Iran. Ein Report. In: Herder-Spektrum. 5535, Herder, Freiburg im Breisgau; Basel; Wien 2004, ISBN 3-451-05535-X (http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20051215 Rezension] auf der Webseite des Eurasischen Magazins.).
  • Hakan Baykal: Vom Perserreich zum Iran. 3000 Jahre Kultur und Geschichte, Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2035-3.
  • Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Portrait des Iran. München: C.H. Beck, 2006.–1. Auflage. – ISBN 3-406-54374-X
  • Eckhart Ehlers: Iran, Wissenschaftliche Länderkunden Bd. 18, Darmstadt 1980
  • Carsten Felgentreff; Hans-Joachim Bürkner; Manfred Rolfens (Hrsg.): Die Islamische Republik Iran. Eine Studienreise. In: Praxis Kultur- und Sozialgeographie. 39, Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2006, ISBN 978-3-939469-25-4 (Komplettansicht bei Google Bücher).
  • W. Bode und H.D. Knapp (Hrsg.): Schutz der Biologischen Vielfalt und integriertes Management der Kaspischen Wälder (Nordiran). [bilingual Deutsch/Farsi]. Bonn-Bad Godesberg: Bundesamt für Naturschutz, 2005. 410 S. (Naturschutz und Biologische Vielfalt; 12) ISBN 3-7843-3912-3
  • Navid Kermani: Iran. Die Revolution der Kinder. In: Beck'sche Reihe. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. 1485, C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-47625-2 (Beschreibung und Pressestimmen auf der Webseite des Autors. Vorschau bei Google Bücher.).
  • Parinas Parhisi: Frauen in der iranischen Verfassungsordnung. Zugelassene gekürzte und überarbeitete Fassung von der Dissertation „Frauenrechte im System der Verfassungs- und Rechtsordnung der Islamischen Republik Iran“ an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main von 2007. In: Beiheft zu „Verfassung und Recht in Übersee“. 24, Nomos, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-5492-5.
  • Volker Perthes: Iran. Eine politische Herausforderung. Die prekäre Balance von Vertrauen und Sicherheit. In: Edition Suhrkamp. 2572, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-12572-4 (Inhaltsverzeichnis im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek).
  • Ralf Rettig: Ursachen der sozialen Revolution im Iran. Eine komparative Analyse des Irans und Ägyptens. Zugelassene Diplomarbeit an der Universität Konstanz von 1998. (PDF-Datei im Konstanzer Online-Publikations-System).
  • Roman Laal Riahi: Der Iran von den Qajaren bis zur Islamischen Republik. Politische Kultur unter den Bedingungen asymmetrischer Interaktion. Zugelassene Dissertation an der RWTH Aachen von 2010. Der Andere Verlag, Tönning; Lübeck; Marburg 2010, ISBN 978-3-86247-053-2.
  • Bruno Schirra: Iran – Sprengstoff für Europa. Econ, Berlin März 2006. – ISBN 3-430-17957-2
  • Ray Takeyh: Hidden Iran – Paradox and Power in the Islamic Republic, New York 2006, ISBN 978-0-8050-7976-0
  • Wahied Wahdat-Hagh: Die islamische Republik Iran. Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus. Mit einem Vorwort von Ulrich Albrecht. Zugelassene Dissertation an der FU Berlin von 2003. In: Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient. 10, LIT, Münster 2003, ISBN 3-8258-6781-1.
  • Kirsten Winkler: KulturSchock Iran. Reise Know-How Verlag, 2005, ISBN 3-8317-1390-1
  • Lydia Henninger: Salam Iran - Die acht Paradiese. Books on Demand, 2011, ISBN 978-3-8423-2814-3

Nachschlagewerke und Handbücher

Weblinks

 Portal:Iran – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Iran

Wiktionary Wiktionary: Iran – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Iran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Iran – in den Nachrichten
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Iran – geographische und historische Karten
 Wikisource: Iran – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. IMF World Economy Outlook September 2011
  2. IMF World Economy Outlook September 2011
  3. IMF World Economy Outlook September 2011
  4. Human Development Index
  5. Mahmoud Rashad: Iran: Geschichte, Kultur und lebendige Traditionen – antike Stätten und islamische Kunst in Persien. Verlag DuMont, 2006, ISBN 978-3-7701-3385-7, S. 9.
  6. Bayerische Landesanstalt für Forst- und Waldwirtschaft
  7. W. Bode und H.D. Knapp (Hrsg.): Schutz der Biologischen Vielfalt und integriertes Management der Kaspischen Wälder (Nordiran). [bilingual Deutsch/Farsi]. Bonn-Bad Godesberg: Bundesamt für Naturschutz, 2005. 410 S. (Naturschutz und Biologische Vielfalt; 12) ISBN 3-7843-3912-3
  8. Central Intelligence Agency - The World Factbook: Iran (abgerufen am 4. Oktober 2011).
  9. Library of Congress - Federal Research Division: Country Profile Iran (Stand: Mai 2008).
  10. United Press International: Iran's baby bust
  11. Central Intelligence Agency - The World Factbook: Iran (abgerufen am 4. Oktober 2011). Die 1 % „Türkisch“-Sprecher, die im CIA Factbook angegeben sind, wurden im Artikel den übrigen Turksprachen zugerechnet. Das Türkeitürkische hat im Iran keine nennenswerten Sprecherzahlen.
  12. Mehrdad R. Izady: Linguistic Composition of Iran (abgerufen am 4. Oktober 2011).
  13. CIA World Factbook: Iran (englisch)
  14. Eliz Sanasarian: Religious Minorities in Iran. Cambridge 2000, S. 53
  15. Claudio Habicht: Saudi Arabien: Religionsfreiheit dauernd verletzt. In: Tages-Anzeiger. 1. Dezember 2009, abgerufen am 11. 14 2011 (deutsch).
  16. http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4941501,00.html
  17. http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article6969094.ece
  18. www.transparency-for-iran.org, 18. April 2011: Wer ist der erste Mann im Staat?
  19. Julias Blog, 17. April 2011: Khamenei setzt Geheimdienstminister wieder ein
  20. Julias Blog, 5. Mai 2011: Ahmadinejads Getreue unter Beschuss: Khameneis Lager schlägt zurück
  21. englishtogerman: Abgeordnet des Madschles rufen zum Tod für Mussawi und Karroubi auf
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  40. a b Marina Nemat: Ich bitte nicht um mein Leben. Aus dem Amerikanischen von Holger Fock und Sabine Müller. Weltbild Verlag, Augsburg 2007, 392 S. Abb., gebundene Ausgabe, 12,95 €. Das Buch wurde am 30. Juli 2007 in der Tageszeitung FAZ besprochen (Seite 31).
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  49. Birgit Cerha: Vielehe fürs Regime. In: Frankfurter Rundschau. 4. Dezember 2010, abgerufen am 29. Januar 2011.
  50. Iran richtet Niederländerin hin. In: Handelsblatt. 4. Dezember 2010, abgerufen am 29. Januar 2011.
  51. 20minuten.ch, 28. März 2011: Iran befindet sich in einem Tötungsrausch Amnesty International prangert die Todesstrafe im Iran an. Expertin Antonia Bertschinger erklärt, warum das Land derzeit so viele Menschen hinrichtet.
  52. Julias Blog, 8. April 2011: Unmenschliche Bedingungen und heimliche Hinrichtungen im Gefängnis Vakilabad
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  55. Iran Report 05/2002
  56. Amnesty International Bericht Iran (abgerufen am 21. Juli 2011
  57. WDR, 2007: anonymisierte Namen von Minderjährigen oder zum Tatzeitpunkt minderjähriger, die laut WDR-Reportage aus der Reihe die story von einem Todesurteil wegen eines angeblichen unkeuschen Verhaltens bedroht sind: Sarah X., Najmeh G., Sima B., Hajieh Exmail V., Afsaneh B., Masoumeh Azam R. Zu lebenslanger Haft wurden völkerrechtswidrig verurteilt: Zhila, 13 Jahre, Leila, 17 Jahre
  58. Wiener Zeitung, Printausgabe vom Dienstag, 5. Mai 2009: Iran: Frauen als Wahlkampf-Opfer. 23-Jährige illegal hingerichtet. Ahmadinejad in Brasilien erwartet.
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  70. Zur Diskussion dieser Aussage siehe beispielhaft: Jüdische Zeitung: Tagebuch eines angekündigte Krieges, Uni Kassel AG Friedensforschung: „Von der Landkarte tilgen“ und Bundeszentrale für politische Bildung: Die umstrittene Rede Ahmadinedschads.
  71. Obama bietet dem Iran Neuanfang an
  72. Bargeldbesorgung im Iran nicht möglich.
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  88. NZZ Online: Ahmadinejad – Opfer des eigenen Populismus. Wachsende Ausgaben und zunehmende soziale Härten in Iran [12] v. 21. Januar 2008
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  91. //http://www.indexmundi.com/g/g.aspx?v=143&c=ir&l=de]]
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  • Iran — (Eran), das große vorderasiatische Tafelland südlich des Hindukusch und des Elburz vom Indus im O. bis zum Tigris im W., gegen S. bis an den Persischen Meerbusen u. das Indische Meer reichend und 2,700,000 qkm groß, das politisch in die Länder… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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