Bad Simple English

Bad Simple English ist eine im deutschsprachigen Raum entstandene abwertende Bezeichnung für ein einfaches und fehlerhaftes Englisch („bad“ = engl. für schlecht), das sowohl in der Wissenschaft als auch in der Geschäftswelt als Mittel der Kommunikation Einzug gehalten hat; seltenere Bezeichnungen sind „International Broken English“ und „Bad Silly English“.

Bad Simple English wird als mündliche und schriftliche Kommunikationssprache zwischen Menschen verwendet, die Englisch als Fremdsprache sprechen und oft keine gemeinsame Muttersprache haben. Sie verwenden ein einfaches und in der Praxis oft fehlerhaftes Englisch als Verkehrssprache (Lingua Franca). Ähnliche Entwicklungen zu einer vereinfachten Verkehrssprache gab es schon früher (siehe Pidginsprachen). Während diese aber oft auf ein bestimmtes Areal oder eine Volksgruppe beschränkt waren, dehnt sich die Verwendung von Englisch aufgrund der Globalisierung stetig aus.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff

Bad Simple English zeichnet sich durch einfache sprachliche Ausdrucksweisen und semantische, stilistische oder grammatische Mängel aus, die die Kommunikation durch schlechte Verständlichkeit und die größere Gefahr von Missverständnissen erschweren. Die Abkürzung „BSE“, die an den Rinderwahn erinnert, soll andeuten, dass es sich nicht um eine planvolle Vereinfachung handelt, wie etwa die Plansprachen Simple English und Basic English als erste Stufe des Spracherwerbs, sondern um eine Sprachkrankheit [1]. Der Begriff ist insbesondere im deutschsprachigen Raum verbreitet.

Nachteilige Auswirkungen

Während englische Sprachwissenschaftler überwiegend die negativen Rückwirkungen der so neu entstandenen Begriffe auf die eigene Landessprache beklagen und auf Reinhaltung ihrer englischen Muttersprache drängen, warnen internationale Sprachwissenschaftler vor der zunehmenden Verarmung der Muttersprachen der Nutzer von „Bad Simple English“. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, beim Gespräch mit englischen Muttersprachlern rhetorisch im Nachteil zu sein, was insbesondere in Geschäftsbeziehungen unvorteilhaft sein kann. Merkmale von Bad Simple English sind unter anderem ein stark vereinfachtes und reduziertes Ausdruckssystem, welches über weniger Facetten zur Beschreibung von Details verfügt. Zudem werden im Grunde festgelegte Wortbedeutungen oftmals in völlig anderem, teils neuem oder falschem Zusammenhang verwendet, was zu neuen Wortschöpfungen führen kann. Die falsche Verwendung von Begriffen kann jedoch auch zu nicht unerheblichen Missverständnissen führen. Ein Beispiel hierfür ist die oft missverständliche Deutung des englischen Ausdrucks „must not“: der inhaltliche Verbotscharakter „nicht dürfen“ wird im deutschsprachigen Raum oft nicht wahrgenommen und als „nicht müssen“ verstanden.

Dazu kommt, dass sich Nicht-Muttersprachler bei der Benutzung von Englisch in ihrer Rhetorik und Ausdrucksform beschränkt fühlen. Dies beschreibt zum Beispiel der Berliner Romanist Jürgen Trabant: „Ich bin dann einfach nicht so gut. Mir fehlt mein Instrumentarium.“ Wer Englisch nicht gut beherrsche, benutze einfache Wendungen. Dadurch simplifizieren sich auch seine Sätze, so dass er „allzu schlicht, wenn nicht gar blamabel inkompetent“ wirkt. [2]

Kritik der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellte am 17. Januar 2002 in Berlin ein Memorandum vor, das sie gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder und Sprachwissenschaftlern erarbeitet hatte. Wenn immer mehr Bürger auf Gebieten wie Gentechnik oder Globalisierung nur noch „Bahnhof“ verstünden, sei der „demokratische Diskurs“ in Gefahr, so Professor Christian Meier, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der Historiker sieht eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft der Sprachkenntnisse“ aufkommen. Die Frage laute: Können diese Themen hinreichend öffentlich erörtert werden, wenn alle fachinternen Debatten ausschließlich auf Englisch ablaufen? Meist handle es sich um „BSE“, also „bad simple English“. Dieses verdränge an Universitäten überall auf der Welt zunehmend die jeweilige Muttersprache. Das Akademiemitglied Peter Eisenberg, Germanistikprofessor an der Universität Potsdam, erklärte, ganze Wissenschaftszweige würden in Deutschland und weltweit nur noch auf Englisch betrieben. Deutsche Universitäten würden dies oft fälschlich als Indiz für eine Modernisierung begreifen. Er empfahl den Wissenschaftlern mehr Selbstbewusstsein und den bewussten Gebrauch des Deutschen. Durch die Ausgrenzung in der Wissenschaft werde die deutsche Sprache in innovativen Bereichen nicht weiterentwickelt. [3]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Krystian Woznicki: Schlechtes Englisch. BSE, Engleutsch oder Denglisch: Sprachpflege im linguistischen Dschungel der Globalisierung, Telepolis vom 25. März 2006
  2. Spiegel-Titel-Geschichte: „Rettet dem Deutsch! – Die Verlotterung der Sprache“. Mathias Schreiber: Deutsch for sale. Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor. Auffälligstes Symptom der dramatischen Verlotterung ist die Mode, fast alles angelsächsisch „aufzupeppen“. Aber es gibt eine Gegenbewegung. Der Spiegel Nr. 40 vom 2. Oktober 2006, S. 182–198; S. 194f.
  3. Sprachwächter - An den Unis grassiert „BSE“ - Dass „bad simple English“ (BSE) an den Hochschulen Deutsch verdrängt, bereitet den Sprachhütern allerdings Kopfzerbrechen. SPIEGEL ONLINE, UniSPIEGEL vom 17. Januar 2002

Literatur

  • Christian Meier (Hrsg.): Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch. Hrsg. von Christian Meier im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu Darmstadt. Göttingen: Wallstein Verlag, 1999, 112 S., ISBN 3-89244-341-6
  • Uwe Pörksen (Hrsg.): Die Wissenschaft spricht Englisch? Versuch einer Standortbestimmung. Göttingen: Wallstein-Verlag, 2005, 114 S., ISBN 3-89244-978-3 (Heftreihe „Valerio“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Band Nr. 1, 2005)

Weblinks


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