Bahkauv
Eine Brunnenstatue in Aachen erinnert heute wieder an die Sage von dem Bahkauv
Ursprünglicher Bahkauv-Brunnen, 1904 nach einem Entwurf von Karl Krauß errichtet, im II. Weltkrieg eingeschmolzen

Bahkauv (aus Bachkalb, auch Badekalb) ist eine Sagengestalt aus der Stadt Aachen. Es soll einem großen Kalb mit scharfen Zähnen und schuppigem Fell ähneln.

Es soll nachts betrunkene Männer erschrecken und sie auffordern, es auf ihren Schultern zu tragen, sodass die Männer es schwer haben, heimzugehen. Flehten oder beteten die betrunkenen Männer, so wurde das Gewicht des Bahkauvs schwerer. Fluchten oder schimpften sie, dann wurde die Last leichter.

Frauen und Kinder belästigt das Bahkauv aber nie. Ihm zu Ehren errichteten die Aachener eine 1904 von Prof. Karl Kraus geschaffene Brunnenanlage am Büchel (auch Kolbert genannt), wo es der Sage nach gewohnt haben soll. Diese wurde 1942 eingeschmolzen, doch gibt es seit 1967 dort eine moderne Brunnenanlage von Kurt-Wolf von Borries, welche das Bahkauv zeigt. Das Wasser kommt allerdings nicht aus dem Maul, sondern aus Düsen im Schwanz des Tieres.

Einer angeblich aus dem 17. Jahrhundert stammenden Sage zufolge soll das Bachkalb irgendwann einmal als ein Straßenräuber in Verkleidung enttarnt worden sein. Als das Untier einmal versehentlich einen kräftigen Schmied anfiel, schleuderte dieser es zu Boden und verprügelte es, bis aus dem Kostüm ein vor Schmerzen jammernder Torwächter kroch, der seine berufliche Stellung dazu genutzt hatte, in der Nacht unerkannt und ohne Verdacht zu erregen betrunkene Passanten auszurauben. Angeblich ist dieses Ereignis in den Stadtchroniken vermerkt, doch findet sich die Stelle nirgends. Die Geschichte vom Bachkalb ist hier mit einer im Rheinland weit verbreiteten Wandersage verschmolzen, nach welcher ein beherzter Bauer oder Schmied das aufhockende Ungeheuer (etwa den Hackestüpp in Düren-Merzenich oder der Sürthgens Mossel in Bergstein) als einen gewöhnlichen Straßenräuber enttarnt.

Angeblich soll Pippin der Jüngere, der Vater von Karl dem Großen, gegen das Bahkauv gekämpft haben. Diese Behauptung findet sich seit dem 19. Jahrhundert mit schöner Regelmäßigkeit in den Aachener Sagensammlungen und scheint eine Erfindung von lokalpatriotischen Heimatdichtern aus Aachen zu sein, die angesichts der vielen spukenden Kälber in den verschiedenen Teilen des Rheinlandes und Siegerlandes darum bemüht waren, dieses Untier speziell für ihre Stadt in Beschlag zu nehmen und der Sage eine unzulässige historische Tiefe zu verleihen.

Mythengeschichtlich ist das Bachkalb eine interessante Figur, denn im Rheinland gibt es zahlreiche Sagen über dämonische Wesen, die in der Nacht an einem Bach hocken, einsamen oder betrunkenen Wanderern auflauern und ihnen auf den Rücken springen. In der Gegend um Aachen und Düren sind dies vornehmlich zwei Unholde - einmal der Werwolf, der hier Stüpp heißt, und eben das Kalb. Hinter diesem Spukwesen, das übrigens kein Gespenst ist, sondern ein sehr körperhafter Unhold, verbirgt sich vermutlich ein Wiedergänger, d. h. ein Verstorbener, der aus dem Jenseits bzw. aus dem Grab zurückkehrt, um die Lebenden zu plagen. Insgesamt gehören der Bachstüpp und das Bachkalb (im Grenzgebiet zu den Niederlanden auch "Grachtkalb" genannt), zur Klasse der unter dem Namen Aufhocker bekannten Spuk- und Plagewesen. Warum eine Transformation des untoten Wanderleichnams in ein Tier stattgefunden hat, ist eine von der Sagenforschung noch ungelöste Frage.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Kremer: Wo das Grauen lauert. Erschröckliche Geschichten von Blutsauger und kopflosen Reitern, von Werwölfe und Wiedergänger an Inde, Erft und Rur. PeKaDe-Verlag, Düren 2003, ISBN 3-929928-01-9 (kommentierte Sagensammlung aus dem westlichen Rheinland).

Weblinks

 Commons: Bahkauv – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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