Tochtergesellschaft

Eine Tochtergesellschaft (auch: Tochterunternehmen) ist ein rechtlich eigenständiges, aber wirtschaftlich unselbstständiges Unternehmen, das von der Muttergesellschaft (kurz: Mutter; auch: Mutterunternehmen) kontrolliert wird. Das Verhältnis zur Mutter wird oft über sogenannte Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge geregelt.

Der Rat der Europäischen Union hat in der RL 90/435/EWG („Mutter-Tochter-Richtlinie“) eine Tochtergesellschaft definiert. In Deutschland können nur körperschaftssteuerpflichtige Gesellschaften, also Kapitalgesellschaften, Gesellschaften i.S.d. Richtlinie sein. Seit 1. Januar 2009 liegt eine Tochtergesellschaft vor, sobald von einer Muttergesellschaft 10 % ihrer Anteile gehalten werden.

Das Kapital der Tochtergesellschaft ist in der Regel mehrheitlich im Besitz der Muttergesellschaft. Handelt es sich bei der Tochtergesellschaft um eine Aktiengesellschaft, hält die Mutter in der Regel die Aktienmehrheit. Bei einer Tochter-GmbH hält die Muttergesellschaft entsprechend in der Regel die Mehrheit des Stammkapitals.

Im Gegensatz zu einem Joint Venture wird eine Tochtergesellschaft von einer Gesellschaft, der Mutter, gesteuert. Sind 100 % des Kapitals im Besitz der Muttergesellschaft, spricht man oft von einer hundertprozentigen Tochter. Schwestergesellschaften sind Tochtergesellschaften, die untereinander abhängig sind, wenn Unternehmen maßgeblich an ihrem Kapital beteiligt sind (verbunden durch Kapital).

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Meist wird eine Tochtergesellschaft gegründet, wenn ein Unternehmen glaubt, dass eine Sparte nicht (mehr) zum eigentlichen Kerngeschäft gehört. Durch die Ausgründung hält die Muttergesellschaft die Kontrolle weiterhin in der Hand, wirtschaftliche Probleme der Tochter schlagen aber nicht mit voller Härte auf die Mutter zurück. Auch werden die wirtschaftlichen Transaktionen zwischen der Tochter und der Mutter für alle Beteiligten deutlicher erkennbar. Oft hält sich die Muttergesellschaft auch die Option offen, die Mehrheit an der Tochter zu verkaufen, zum Beispiel um eventuell bestehende wirtschaftliche Risiken zu streuen.

Selbstverständlich ist nicht nur die eigenständige Gründung, sondern auch der Kauf einer Tochtergesellschaft möglich. In diesem Fall spricht man von Affiliation.

Beispiele

Vor einigen Jahren haben beispielsweise viele Großkonzerne in Deutschland ihre IT-Abteilungen in eigenständige Töchter ausgegliedert. Ein prominentes Beispiel ist die Gründung von Infineon durch Siemens. Hierbei sollten die stark schwankenden Umsätze und Gewinne im Halbleitermarkt vom Einzelergebnis der Mutter Siemens entkoppelt werden.

Ist der Mehrheitseigner einer Gesellschaft selbst keine Gesellschaft, spricht man nicht von einer Tochtergesellschaft. So ist die Deutsche Bahn AG keine Tochtergesellschaft der Bundesrepublik Deutschland.

Schachtelgesellschaft

Ist eine Kapitalgesellschaft an einer anderen Kapitalgesellschaft mit mindestens 25 % beteiligt, hält sie eine „Schachtel“ oder ist an einer sog. Schachtelgesellschaft beteiligt. Der Anteilswert an einer Schachtelgesellschaft unterliegt bei der Muttergesellschaft unter bestimmten Voraussetzungen nicht nochmals der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. Damit wird vermieden, dass Kapital und Ertrag der Tochtergesellschaft doppelt besteuert wird.

Siehe auch


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  • Tochtergesellschaft — Tọch·ter·ge·sell·schaft die; ein Betrieb oder eine Firma, die zu einer größeren (Mutter)Gesellschaft gehören und von ihr abhängig sind …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Tochtergesellschaft — von einer ⇡ Muttergesellschaft abhängige Kapitalgesellschaft, überwiegend GmbH oder AG, deren Kapital zu großem Teil, meist 100 Prozent, im Besitz der herrschenden Gesellschaft ist. Steuerliche Behandlung: ⇡ Organgesellschaft. Vgl. auch ⇡… …   Lexikon der Economics

  • Tochtergesellschaft — Tọch|ter|ge|sell|schaft (Wirtschaft) …   Die deutsche Rechtschreibung

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