Berliner Karneval

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Berliner Karneval bis 1961

Der Berliner Karneval hat eine lange und trotzdem fast unbekannte Tradition aufzuweisen, was auch damit zusammenhängt, dass das karnevalistisch versierte Rheinland Anfang des neunzehnten Jahrhunderts an Preußen fiel.

Aber bereits 1430 feierten Großfamilien und Ratsherren in der Stadt so genannte "Fastelawende" und schon im 15. Jahrhundert wurde das so genannte Zampern (Umzüge und Tanzveranstaltungen) durch Zuwanderer aus der Lausitz in Berlin bekannt gemacht und eingeführt.[1]

Da die Berliner es ab da an schon heftig trieben wurde im Jahre 1629 das erste Verbot der Mummenschänze, Komödien sowie Gauklerspiele ausgesprochen. Ab dem Jahre 1659 wurden weitestgehend auch noch die Maskenumzüge der Berliner Handwerker verboten - hauptsächlich weil die Handwerker bis zu acht Tage "blau" machten, um richtig zu feiern.

Im Jahre 1743 wurden im Berliner Opernhaus die Karneval-Redouten eingeführt. Diese Festlichkeiten sind in der Überlieferung bekannt geblieben, weil dort jeweils bis zu 2000 Gäste durchgefüttert wurden. Eine gehörige Anzahl an Speisen sind an solchen Abenden aufgetischt worden: 300 Ochsenzungen, 100 gebratene Hasen, 200 Kalbs- und Wildbraten, 200 Torten, 6 Scheffel Bonbon, 1 Zentner Schokolade, 200 Baumkuchen, 1800 Butterbrote und ca. 400 Flaschen Sekt. Auch wurde an solchen Tagen der "Berliner Pfannkuchen" gereicht, wozu in Alt Berlin ein Fastnachtspunsch mit Zukunftsdeutung aus dem Kaffeesatz und Karten gehörten.

Auch die Preußischen Könige wie zum Beispiel Friedrich I. und Friedrich II. (beide 18. Jahrhundert) führten bei Hofe Masken-Redouten (Spiel- oder Tanzveranstaltungen) ein, die jedoch eher selten mit Umzügen verbunden wurden. Jedes Frühjahr feierte Friedrich der Große (Alte Fritz) in Berlin mit der so genannten hohen Gesellschaft den herkömmlichen Karneval.

Im Jahre 1815 wurde das Rheinland preußisch und wieder kamen Zuwanderer nach Berlin, die ihre Karnevalsbräuche mitbrachten.

So gründeten sich schon 1870 die ersten Rheinländischen Karnevalsklubs in Berlin. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs hatten die Karnevalsvereine von allen Schichten der Gesellschaft großen Zulauf und erfreuten so die Bevölkerung von Berlin.

Geschichte des Karnevals in Berlin ab 1990

2007

1990 schlossen sich die West- und Ostberliner Karnevalsverbände im Landesverband Berliner Karneval e.V. unter den damaligen Präsidenten Wolfgang Roeb (West) und dessen Vizepräsidenten Wilfried Kupsch (Ost) zusammen und nahmen damit, wenn man so will, die Wiedervereinigung vorweg. Auf der karnevalistischen Ebene gab es gegenüber der politischen kaum Probleme bei der Zusammenlegung von "Ost"- und "West"-Karneval, da man in beiden Teilen Berlin den gleichen traditionellen deutschen Karneval feierte und die jeweils herrschenden politischen Obrigkeiten auf das närrischste auf den Arm nahm. Jedoch gab es auch kleine Unterschiede im Durchführen der Veranstaltungen. Während man in westlichen Berlin eher den Prunk-/Sitzungskarneval zelebrierte, wurde im östlichen Teil der heutigen bundesdeutschen Hauptstadt eher der volkstümliche Karneval gepflegt.

Karnevalsumzug in Berlin

Der Karnevalsumzug in Berlin ist nicht erst eine Erfindung der Neuzeit bzw. eine Erfindung der Rheinländer, die nach der Wiedervereinigung bedingt durch den Regierungsumzug nach Berlin gezogen sind. Denn nachweislich gab es schon vorher Karnevalumzüge in Berlin, jedoch sind diese Traditionen durch Faktoren wie den Mauerbau und Wegfall der Sponsoren immer wieder im Keim erstickt worden.

Auch die ersten zarten Anfänge nach der Wiedervereinigung 1992 mit dem Start eines Autokorsos wurden nicht weitergeführt, weil sich die Stadt weigerte, die Straßenreinigungskosten zu übernehmen und sich nicht genügend Sponsoren beteiligten.

Der nächste Versuch wurde 1995 gestartet, jetzt schon mit wesentlich größerem Aufwand. Jedoch auch dieser Versuch scheiterte an fehlenden Sponsoren, die die hohen Kosten der Stadtreinigung übernehmen sollten.

Im Jahre 2000 gab es die nächsten Aktion, die zur Folge hatte, dass sich ein Verein gründete, der speziell die Aufgabe "Aufstellung des Karnevalumzuges 2001" hatte. Dieser Verein schaffte es, alle Interessierten (Vereine, Sponsoren, Medien und die Stadt Berlin) an einen Tisch zu bringen.

Somit gab es im Jahre 2001 den ersten Karnevalsumzug nach der Wiedervereinigung durch die Stadt Berlin. Jährlich lockt nun der Berliner Karnevalsumzug, der an historisch bedeutsamen Bauten vorbei durch Mitte führt, fast 750.000 Besucher an seine Strecke.

Der Narrenruf der Berliner ist Hei-Jo, abgeleitet von Heiterkeit und Jokus.[2]

Alleine 2006 nahmen 22 Vereine mit etwa 4000 aktiven Karnevalisten, 50 Festwagen, 15 Musikzügen und vielen Fußgruppen am Berliner Karnevalsumzug, der vom Potsdamer Platz zum Schlossplatz bzw. zum Roten Rathaus führte, teil. In den Jahren 1998 bis heute (Stand 2010) zieht sich der Umzug durch die Budapesterstr. zum Kurfürstendamm. Als Abschluss des Umzuges fand in der Universal Hall eine große Karnevalsparty statt.

Am 11. November 2011 fand um 11:11 Uhr erstmals der Karneval der Empörtenin Berlin statt. Berliner Bürger, nicht organisiert in Karnevalsvereinen zeigten mit ihren Kostümen, Gesten und Gesängen ihre Empörung.[3]

Vereine im Berliner Karneval Stand 2010

  • Berliner Ehrengarde Grün-Weiß-Rot von 2008 e.V.
  • Narrengilde Berlin
  • Carneval Club Berlin
  • Carneval Club Lichtenberg
  • Carnevals Club Friedrichshain
  • Harlekins Berlin
  • Karnevals Club Spandau
  • Karnevals-Zug Berlin e.V.
  • Charlottenburger KG Blau-Gelb
  • KG Blaue Garde Britz
  • Berlin-Neuköllner KG "Fidele Rixdorfer"
  • Berliner Carneval Club
  • Berliner Carneval Verein
  • KG Fröhliche Elf e.V.
  • Original Champs Berlin e.V.
  • KG Narrenkappe Berlin
  • KG "Rote Funken Berlin"
  • Prinzengarde der Stadt Berlin
  • Rheinische KG zu Berlin
  • Spandauer Jecken 04
  • Stadtgarde Rot-Gold Berlin
  • Tanz-Sport-Gruppe Rixdorf
  • Verein der Aachener zu Berlin
  • Erster Karnevalsstammtisch Berlin-Wilmersdorf O.U.T. e.V.

Einzelnachweise

  1. http://www.karnevals-zug-berlin.de/munue-links/chronik.html
  2. http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4048973,00.html
  3. http://bewegung.taz.de/termine/karneval-der-empoerten-occupyberlin

Weblinks

 Commons: Berliner Karneval – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Festkomitee Berliner Karneval — Das Festkomitee Berliner Karneval (FBK) ist als Dachorganisation im Berliner Karneval besonders als Kommunikationsportal der Vereine sowie für Meinungsvertretung gegenüber der höchsten Dachorganisation des Bund deutscher Karneval e.V. (BdK e.V.)… …   Deutsch Wikipedia

  • Karneval der Kulturen — in Berlin Der Karneval der Kulturen ist ein multikulturelles Fest in Berlin, das seit 1996 alljährlich um das Pfingstwochenende herum im Stadtteil Kreuzberg gefeiert wird. Organisator ist die Werkstatt der Kulturen in Berlin. Bei den Umzügen, den …   Deutsch Wikipedia

  • Karneval — Harlekin Als Karneval, Fastnacht oder Fasching (auch fünfte Jahreszeit) bezeichnet man verschiedene Bräuche, um die Zeit vor dem Aschermittwoch in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude zu feiern. Diese Bräuche haben sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Karneval, Fastnacht oder Fasching — Harlekin Als Karneval, Fastnacht oder Fasching (auch fünfte Jahreszeit) bezeichnet man verschiedene Bräuche, um die Zeit vor dem Aschermittwoch in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude zu feiern. Diese Bräuche haben sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Berliner Ballen — Berliner Pfannkuchen mit Pflaumenmus Mit Konfitüre gefüllte Berliner, daneben Faschingsbrezeln Berliner Pfannkuchen sind schwimmend in Fett ausgebackene …   Deutsch Wikipedia

  • Berliner Pfannkuchen — Ein Berliner Pfannkuchen ist ein etwa faustgroßes Gebäck, das schwimmend in Fett ausgebacken wird und aus süßem Hefeteig mit einer Füllung aus Konfitüre besteht. Zur Füllung wird neben anderen Varianten traditionell Erdbeerkonfitüre oder… …   Deutsch Wikipedia

  • Karneval, Fastnacht und Fasching — Harlekin Als Karneval, Fastnacht, Fasnacht oder Fasching (auch: Fünfte Jahreszeit) bezeichnet man verschiedene Bräuche, mit denen die Zeit vor dem Aschermittwoch in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude gefeiert wird.… …   Deutsch Wikipedia

  • Berliner (pastry) — A Berliner Pfannkuchen (also called Berliner Ballen, Berliner, or Bismarck) is a predominantly German and Central European doughnut made from sweet yeast dough fried in fat or oil, with a marmalade or jam filling and usually icing, powdered sugar …   Wikipedia

  • Karneval Erotica — KitKatClub Berlin Der KitKatClub in Berlin ist ein Techno Club, der für ungewöhnliche sexuelle Freizügigkeit bekannt ist. Die Türpolitik des Clubs gilt als sehr streng. Der Dresscode ist laut Eigenaussage „geschlechtsbewusst“; Fetisch Kostüme und …   Deutsch Wikipedia

  • Karneval Erotika — KitKatClub Berlin Der KitKatClub in Berlin ist ein Techno Club, der für ungewöhnliche sexuelle Freizügigkeit bekannt ist. Die Türpolitik des Clubs gilt als sehr streng. Der Dresscode ist laut Eigenaussage „geschlechtsbewusst“; Fetisch Kostüme und …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”