Berliner Verteidigung
Berliner Verteidigung
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Züge 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Sf6
ECO-Codes C62 und C66
Benannt nach Berliner Schachschule
Älteste Quelle Paul Rudolph von Bilguer: Das Zweispringerspiel im Nachzuge, 1839


Die Berliner Verteidigung ist eine Variante in der Spanischen Partie, einer Eröffnung im Schach.

Die Verteidigung wurde bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts theoretisch in der Berliner Schachschule untersucht, erhielt auch von dort ihren Namen. Sie wurde besonders populär in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sie von Spielern wie Adolf Anderssen, Johannes Hermann Zukertort oder Emanuel Lasker angewandt wurde. Sie verlor im 20. Jahrhundert enorm an Bedeutung, gelangte aber im 21. Jahrhundert zu neuer Blüte, nachdem Wladimir Kramnik mit ihr in seinem Weltmeisterschaftskampf 2000 gegen Garri Kasparow mehrere Partien zum Ausgleich für Schwarz geführt hatte.

Sie entsteht nach den Zügen (siehe auch: Schachnotation):

1. e2-e4 e7-e5 2. Sg1-f3 Sb8-c6 3. Lf1-b5 (die „Spanische Partie“) 3. ... Sg8-f6

Nach der passiven Deckung 4. d2-d3 stellt die Springerwanderung Sc6-e7!? eine Falle. Beabsichtigt ist Se7-g6 nebst c7-c6, d7-d6, Dd8-c7, Lf8-e7, 0-0. 5. Sf3xe5? scheitert an 5. ... c7-c6 6. Se5-c4! ( 6. Lb5-c4 Dd8-a5+ verliert den Se5) d7-d6! ( 6. ... c6xb5?? 7. Sc4-d6 matt ) 7. Lb5-a4 b7-b5 .

Die Fortsetzung 4. 0-0 Sf6xe4 5. d2-d4 Lf8-e7 6. Dd1-e2 Se4-d6 7. Lb5xc6 b7xc6 8. d4xe5 Sd6-b7 wird Rio-de-Janeiro-Variante genannt. Der Springer auf b7 kann oft über c5 nach e6 gelangen.

4. 0-0 d7-d6 führt zur Steinitz-Verteidigung , wobei die dortigen Varianten mit weißer 0-0-0 vermieden werden. Diese Zugfolge wird deshalb "Verbesserte Steinitz-Verteidigung" genannt. 4. 0-0 Lf8-c5 führt zur Cordel-Verteidigung .

Die häufigste Zugfolge ist derzeit

4. 0-0 Sf6xe4 5. d2-d4 Se4-d6 6. Lb5xc6 d7xc6 7. d4xe5 Sd6-f5 8. Dd1xd8+ Ke8xd8,

wonach Schwarz zwar das Rochaderecht verloren hat, da er mit seinem König ziehen musste, aber andererseits die Damen getauscht sind, was der schwarzen Verteidigung gewisse Entlastung bietet. Die schlechtere Bauernstruktur am Damenflügel (Doppelbauer) und die weiße Bauernmajorität am Königsflügel wird durch das schwarze Läuferpaar kompensiert. Der Bauer e5 bietet zudem eine Angriffsmarke und beschränkt zugleich die Wirkung des weißen schwarzfeldrigen Läufers.

Die Berliner Verteidigung wandte Kramnik gegen Kasparow bei seinem WM-Kampf 2000 in der 1., 3., 9. und 13. Partie an. Alle diese Partien endeten mit Remis. Während des Wettkampfs wurde die Variante auch scherzhaft als Berliner Mauer bezeichnet, gegen die Weiß kein Durchkommen findet. Heute zählt sie zu den solidesten Verteidigungen im Schach überhaupt.

Durch 4. Sb1-c3 entsteht das Spanische Vierspringerspiel.

Literatur

  • Alexei Suetin: Spanisch 2. Klassisches System bis Offene Verteidigung: Klassisches System, Steinitz-Verteidigung, Berliner Verteidigung, Jänisch-Gambit, Abtauschvariante, verbesserte Steinitz-Verteidigung, Offene Verteidigung u.a.; Sportverlag, Berlin-Ost 1981

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