Bethanien (Berlin)
Das Bethanien am Mariannenplatz
Blick vom Luisenstädtischen Kanal auf die Westseite des Krankenhauses, 19. Jahrhundert
Detailansicht der Fassade
Krankenhaus Bethanien, Postkarte (um 1912)

Das Bethanien am Mariannenplatz im Berliner Ortsteil Kreuzberg (SO 36) war ein Diakonissen-Krankenhaus und dient heute als Künstlerhaus, das von kulturellen, künstlerischen und sozialen Einrichtungen und selbstorganisierten Initiativen genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Diakonissen-Krankenhaus

Das Diakonissen-Krankenhaus wurde von Theodor Stein nach Plänen des Architekten Ludwig Persius als schlichter Bau im Rundbogenstil entworfen und in den Jahren 1845 bis 1847 auf dem Köpenicker Feld in Berlin errichtet; für die markante Portalsituation ließen sich Persius und Stein möglicherweise vom Herzogspalast im italienischen Urbino inspirieren. In den Jahrzehnten nach der Eröffnung wurde das Bethanien zu einem Krankenhauskomplex mit vielen Nebengebäuden in einer parkartigen Grünanlage nach Plänen des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné erweitert.

In den Revolutionsjahren 1848/1849 arbeitete Theodor Fontane im Krankenhaus als Apotheker. Die original erhaltene Fontane Apotheke liegt im Erdgeschoss der Nordost-Ecke des Hauptgebäudes.

In den Jahren 1929/1930 wurden durch die Architektensozietät Carl Mohr und Paul Weidner umfangreiche Umbauarbeiten und Erweiterungen geplant und realisiert, wie Unterlagen aus dem Architekturmuseum der TU Berlin zeigen.[1]

Stilllegung und Besetzung

Im Jahr 1970 erfolgte die Stilllegung des Krankenhauses, ein Abriss konnte aber durch Bürgerinitiativen verhindert werden. Das Bethanien wurde daraufhin unter Denkmalschutz[2] gestellt und vom Land Berlin gekauft. Seitdem wird es von sozialen Einrichtungen und selbstorganisierten Initiativen genutzt.

Das Bethanien erlangte im Jahr 1971 größere Bekanntheit durch die Besetzung des ehemaligen Schwesternwohnheims Martha-Maria-Haus – ein Nebengebäude auf dem Gelände des Bethanien. Die Besetzer benannten das Haus in „Georg-von-Rauch-Haus“ um. Mit dem Berliner Senat einigten sie sich auf eine legale Nutzung als Jugendwohnprojekt. Am 19. April 1972 gab es eine Razzia im Rauch-Haus. Davon singt die Band Ton Steine Scherben in ihrem Lied Rauch-Haus-Song. 2006 feierte das Georg-von-Rauch-Haus seinen 35. Geburtstag als „Jugend- und Kulturzentrum Kreuzberg e. V.“

Künstlerhaus Bethanien

1973 beschloss der Berliner Senat, im Hauptgebäude das „Künstlerhaus Bethanien“ einzurichten. Heute arbeiten auf dem Bethanien-Gelände rund 25 soziale und kulturelle Einrichtungen. Im Hauptgebäude befinden sich die Druckwerkstatt des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin, die Ausstellungsräume des Kulturamtes Friedrichshain-Kreuzberg (Kunstraum Kreuzberg/Bethanien) und die Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg. Im Juni 2010 ist die Künstlerhaus Bethanien GmbH, die ebenfalls seit 1973 im Bethanien gearbeitet hat, mit ihrem internationalen Atelier- und Ausstellungsprogramm aus dem Hauptgebäude in die Kohlfurter Straße 41–43 in Kreuzberg umgezogen. Seit 2002 befindet sich im Südflügel des Hauptgebäudes die NewYorck im Bethanien mit ihren Projekten. In den Nebengebäuden befinden sich die Arbeiterwohlfahrt Kreuzberg, Teile des Jugendamtes Friedrichshain-Kreuzberg, das Pestalozzi-Fröbel-Haus und weitere Jugend- und Sozialeinrichtungen.

Privatisierungsbestrebungen, Besetzung und Bürgerbegehren

Am 11. Juni 2005 besetzte eine Gruppe ehemaliger Bewohner und Unterstützer des Hausprojektes „Yorck59“, das wenige Tage zuvor nach 17 Jahren geräumt worden war, zwei Etagen im linken Seitenflügel des Bethanien. Diese wurden bis Ende 2004 vom Sozialamt genutzt und standen seitdem leer. Die Besetzer benannten das Projekt in Anknüpfung an ihr ehemaliges Hausprojekt New Yorck59. Während die Besetzer in der einen Etage wohnen, wird die andere selbst organisierten Projekten zur Verfügung gestellt und für Veranstaltungen genutzt. Durch diese Besetzung und ein Bürgerbegehren der „Initiative Zukunft Bethanien“ (IZB) wurde der Ende 2002 durch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg beschlossene Verkauf des Bethanien an einen Privatinvestor gestoppt. Nach dem Willen des Bezirkes sollte im Bethanien ein „Internationales Kulturelles Gründerzentrum“ errichtet werden.

Die IZB setzt diesem ein Konzept eines „offenen sozialen, kulturellen, künstlerischen und politischen Zentrums von unten“ entgegen. Es gelang der IZB, die notwendigen 5000 Unterschriften für das Bürgerbegehren zu sammeln. Die BVV hat im September 2006 einem mit der IZB ausgehandelten Kompromiss zugestimmt und damit wesentliche Forderungen des Bürgerbegehrens übernommen. Damit verblieb das Bethanien vorerst in öffentlicher Hand und die Weichen für eine Entwicklung hin zu einem offenen Zentrum sind gestellt: „Die gegenwärtigen Nutzer und die Öffentlichkeit sollen die Möglichkeit haben, sich an der weiteren Entwicklung des Bethanien zu einem offenen kulturellen, künstlerischen, politischen und sozialen Zentrum zu beteiligen.“[3]

Seit 1. Mai 2009 bewirtschaftet die Gesellschaft für StadtEntwicklung (GSE gGmbH) das Hauptgebäude des Bethanien und beteiligt die Mieter in Beiräten an der Weiterentwicklung des Gebäudes: Zum einen der Südflügel des Gebäudes (u. a. NewYorck im Bethanien, Kita-Nord) und zum anderen Haupt- und Nordflügel (u. a. Druckwerkstatt des BBK, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Materialien im Architekturmuseum der TU Berlin
  2. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  3. Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin vom 4. September 2006 (PDF-Datei; 17 kB)
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