Bieten

Das Bieten oder Laubbieten ist ein im Tiroler und im Bayerischen Voralpenraum verbreitetes Kartenspiel. Es galt früher als das Spiel der Flösser und der Säumer. Die Besonderheit am Bieten ist sein Wettspiel-Charakter. Der Spieler hat die Möglichkeit, falls er auch nur im Besitz einer schlechten Figur ist, durch geschicktes Bieten (bluffen) seine Gegner zu zum Aussteigen zu bewegen.

Inhaltsverzeichnis

Spielmaterial

Es wird mit dem deutschen Blatt (siehe Spielkarte) gespielt und kann als Vorstufe zum Perlaggen gesehen werden. Üblicherweise spielen es zwei bis fünf Personen. Aus dem 36 Blatt umfassenden Kartendeck werden Eichel-6er, Gras-6er und Herz-6er aussortiert. Lediglich der Schellen-6er, der auch den Namen Weli trägt, wird im Spiel belassen.

Regeln

Beim Bieten gibt es 5 Figuren, welche jeder Spieler im Laufe einer Runde (ob am Zug oder nicht) bieten kann:

  • Laub - Das höchste Grün
  • Rot - Das höchste Herz
  • Gleich - zwei oder mehrere Karten gleichen Ranges
  • Hanger/Hengst - zwei oder mehrere karten mit aufeinanderfolgendem Rang
  • Spiel - Der Stich in der letzten, dritten bzw. vierten Runde


Der Geber mischt die Karten und gibt sie dem Spieler zu seiner Rechten zum Abheben. Dann teilt er jedem Spieler vier Karten aus (pro Runde zwei). Es gibt auch eine Variante mit drei Karten. Der Spieler links vom Geber beginnt mit dem Auswerfen einer Karte. Die restlichen Spieler folgen. Die höhere Karte mit derselben Farbe der zuerst ausgespielten sticht. Derjenige der gestochen hat wirft aus usw. Bis alle Runden vorbei sind. Die Karten der Stiche bleiben offen auf dem Tisch vor dem jeweiligen Spieler liegen.

Im Laufe dieser Spielrunden hat jeder Spieler, wenn er an der Reihe ist, das Recht eine Figur zu bieten. Voraussetzung ist, dass er diese Figur auch besitzt (Ausnahme "Spiel" - siehe unten). Dies geschieht zum Beispiel mit den Worten "I biet mein Herz". Die restlichen Spieler haben nun folgende Möglichkeiten


Das Gebot gut lassen:

("Is guad")

wenn man die Figur nicht besitzt oder man glaubt, dass seine Figur zu niedrig ist
Das Gebot halten:

("I schau Dein Herz")

wenn man die Figur besitzt und glaubt, dass seine Figur höher ist
Drei Bieten:

("3 auf Dei Herz")

wenn man die Figur besitzt und glaubt, dass seine Figur höher ist, oder um zu bluffen Darauf muß der Erstbietende oder auch jeder andere spieler wiederum antworten, ob er dieses Gebot gut läßt oder hält


Wird das Gebot gutgelassen, erhält der Bietende einen Punkt, egal ob er tatsächlich die höchste Figur hat oder nicht.

Wurde das Gebot gehalten, erhält der Spieler mit der höchsten Figur 2 Punkte, unabhängig davon, ob er oder ein anderer Mitspieler das Gebot gehalten hat. Wurde "Drei" Geboten gibt es 3 Punkte für die höchste Figur.

Wird eine oder mehrere Figuren im Laufe der Runde nicht geboten bekommt der Spieler der die höchste Figur hat, automatisch einen Punkt dafür. In einer Variante bekommt der Spieler, falls er den Weli besitzt automatisch einen Punkt.

Treten zwei gleich große Figuren auf (z.B. zweimal zwei Zehner als Gleich) auf, und die Figur wurde gehalten, gewinnt die Figur mit dem Laub, vor der Figur mit dem Herz, die mit dem Herz vor den anderen Farben. Eine andere Variante ist, das kein Spieler einen Punkt erhält.

Eine Besonderheit stellt das "Spiel" dar. Jeder Spieler kann zu jederzeit "Ein Spiel" bieten, weil man ja am Anfang nicht weiß, wer die letzt Runde sticht. Wurde in der letzten Runde jedoch die erste Karte ausgelegt, können nur noch die Spieler bieten, welche die gleiche Farbe haben.

Es gewinnt der Spieler der als erster eine vereinbarte Punktzahl erreicht. Wenn sich ein Spieler dieser Zahl nähert darf er nur mehr so viel bieten sodass sein Stand diese Zahl nicht überschreiten (ugs. überbieten) würde. Im Bayerischen Inntal z.B. 11 Punkte, bei 10 Punkte ist man "gespannt" und darf nicht mehr bieten (allerdings Gebote halten). Andernfalls werden ihm je nach Variante 2 Punkte abgezogen oder er erhält keine Punkte.

Ähnlich wie beim Schafkopf vgl. Schafkopf-Sprache verfügt "Bieten" über eine eigene, für Außenstehende nicht immer völlig verständliche Sprache.


Sprache beim Laubbieten
Ausdruck beim Bieten Bedeutung
"Di Grian" Ich biete auf Laub/Grün
"Di roatn" Ich biete auf Rot/Herz
"schaugn" Ich halte das Gebot
"guad" Ich halte das Gebot nicht, Gebot stehen lassen
"Drei drauf" dreie


Es sei bemerkt dass die Regeln besonders der Punkt des Weli nach Örtlichkeit und Stammtisch variieren.

Literatur

  • Hubert Auer: Watten, Bieten und Perlaggen. Deuticke, 1999, ISBN 3852234336
  • Hugo Kastner, Gerald Kador Folkvord: Die große Humboldtenzyklopädie der Kartenspiele. Humboldt, Baden-Baden 2005, ISBN 3-89994-058-X

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