Bonner Papier

Im Bonner Papier wird erklärt, dass die beteiligten Korporationen die freiheitlich demokratische Grundordnung zu schützen hätten. Dabei postulieren sie einen Angriff von totalitären Gruppierungen und Ideologien auf diese Grundordnung. Als Mittel für diese Aufgabe werden interkorporative Gremien genannt, die auf die Hochschulpolitik, die Zusammensetzung der Studierendenparlamente und Studierendenvertretungen Einfluss nehmen soll. Zudem verpflichten sie sich zu einem jährlich im Herbst stattfindenden Verbandsgespräch.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Bei einem Verbandsgespräch von mehreren Dachverbänden von studentischen Korporationen am 23. Februar 1980 angenommenes und am 14. November 1980 durch eine Vereinbarung erweiterte Erklärung. Benannt nach Bonn, dem Ort der Beschlüsse.

Hintergrund war die Tatsache, dass in der Folge der 68er-Bewegung während der 70er bis weit in die 80er Jahre hinein linksgerichtete bis linksradikale Gruppierungen in den Studentenparlamenten und in den AStA der meisten deutschen Universitäten das Sagen hatten (siehe auch: Göttinger Mescalero). Die geringe Beteiligung der Masse der Studenten an den entsprechenden Wahlen sorgte für eine besorgniserregende Verzerrung der Verhältnisse. Besonders stieß vielen der Missbrauch der zwangsweise eingezogenen Beiträge auf, die eigentlich hochschulpolitischen Zwecken zugedacht waren und oft anderen Kanälen zugeführt wurden, was öffentlich bekannt war (siehe auch Probleme der Verfassten Studentschaft, Sozialbeitrag).

Unterschrieben haben das Bonner Papier damals 17 Korporationsverbände:

Kritik linksgerichteter Kräfte

Kritik ist an diesem Papier vor allem von linksgerichteten Kräften mehrfach geäußert worden.

Zum einen ließe die Formulierung auf eine ideologische Grundannahme schließen, welche einer Form der Totalitarismustheorie zufolge Rechtsextremismus und radikale Linke als strukturgleich begreift. Diese Auffassung wird auch vom Bundesverfassungsschutz und der Presse weitgehend geteilt.

Die Korporationen würden sich mit der Behauptung die freiheitlich demokratische Grundordnung zu verteidigen, der Aufgabe zu entziehen suchen, sich der Kritik an ihnen selbst zu stellen.

Zum anderen wird dieses Papier oft als Beweis dafür herangezogen, dass nahezu alle Korporationen zusammenarbeiten, um ihre Ziele durchzusetzen, und somit von einer Abgrenzung zwischen "rechtsextremen" und gemäßigten Studentenverbindungen eigentlich nicht gesprochen werden kann. Da die drei wegen Rechtsextremismus beobachteten Verbindungen das Papier aber nicht selbst unterschrieben haben, sondern nur durch ihre Dachverbände davon betroffen sind, kann man nicht von einer stichhaltigen Kritik reden; im Gegenteil darf bezweifelt werden, dass die drei rechtsextremen Verbindungen in Deutschland das Papier wegen seines Bekenntnisses zur freiheitlichen Demokratie selbst unterschrieben hätten.

Bedeutung

Während das Papier in den ersten Jahren nach seinem Erscheinen von korporativer Seite oft zitiert und als Erfolg interkorporativer Verständigung angesehen wurde, wird in den letzten Jahren wenig von ihm gesprochen und zum Teil eine aktuelle Bedeutung abgestritten.

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