Bornavirus
Bornavirus
3D-Modell Bornavirus
Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Mononegavirales
Familie: Bornaviridae
Gattung: Bornavirus
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA
Baltimore: Gruppe 5
Wissenschaftlicher Name
Bornavirus (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
BDV
Links
NCBI Taxonomie: 12455
NCBI Reference: U04608
ICTVdB Virus Code: 01.081.0.01.001

Das Bornavirus (engl. Borna disease virus = BDV) ist ein behülltes Virus mit einer negativsträngigen, nichtsegmentierten RNA, ss(–)RNA, der Gattung Bornavirus und damit zur Familie Bornaviridae gehörig, deren einziger Vertreter es ist.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Das Borna-Virus hat keine bekannten näheren Verwandten[1], und ist daher monotypisch in einer eigenen Familie angesiedelt. Entfernter verwandt ist es mit den Erregern von Staupe, Tollwut und Masern.

In die Hülle des Virus ist das Glykoprotein (G) eingelagert. Dieses Protein vermittelt die Bindung des Virus an die Wirtszelle und bewerkstelligt auch den Verschmelzungsvorgang (Fusion) mit der Membran der Zielzelle. Auf der Innenseite der Hülle befindet sich das Matrixprotein (M). Ferner befindet sich im Virusinneren das RNA-Genom, das mit dem Phosphoprotein (P), dem Nukleoprotein (N), der viralen Polymerase (L) und einem kleinen Protein X (p10) verbunden (assoziiert) ist. Eine Besonderheit der Bornaviren ist, dass Transkription und Genomreplikation, anders als bei den übrigen Vertretern der Mononegavirales, im Zellkern ablaufen. Das Virus nutzt die dortige Spleißmaschinerie um durch Alternatives Spleißen aus einem Vorläufertranskript drei verschiedene mRNAs zur Synthese der Proteine M,L und G herzustellen.

Geschichte

Die Hitzige Kopfkrankheit der Pferde, die durch das Bornavirus ausgelöst wird, wurde erstmals 1885 bei Kavalleriepferden in der Stadt Borna beschrieben – ein ganzes Regiment war an einer bisher unbekannten Krankheit zugrunde gegangen.[1] Diese Stadt in Sachsen ist namensgebend für das Bornavirus.

Das Virus wurde in den 1970er Jahren identifiziert.[1]

Erkrankungen

Die Borna-Krankheit befällt vor allem Pferde und Schafe. In jüngerer Zeit wurden auch Infektionen anderer Tierarten beschrieben.

Das Virus findet sich auch im menschlichen Genom, in Form von Einzelteilen, aber auch zweier Gene.[2] Es dürfte schon vor mindestens 40 Millionen Jahren aufgenommen worden sein, eine Auswirkung oder Funktion ist bisher unbekannt, und wurde in der Wissenschaft kontroversiell diskutiert.[1] Eine Beteiligung des Virus an psychiatrischen Erkrankungen des Menschen wird von einigen Medizinern vermutet, vor allem im Zusammenhang mit wiederkehrender und manischer Depression und Schizophrenie.[3][4][5] Ein hinreichender Beweis für den Zusammenhang ist derzeit nicht erbracht.[6] Nach Einschätzung der Gesellschaft für Virologie, des Berufsverbandes der Virologen im deutschsprachigen Raum, „beruht die Behauptung, dass BDV ein humanpathogenes Agens ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Fehleinschätzung von Daten und ist durch wissenschaftliche Experimente nicht belegt“. Entsprechende Behauptungen führten „zu Irritationen in der Öffentlichkeit und (bei) betroffenen Patienten und sollte(n) solange unterbleiben, bis gegebenenfalls andere verlässliche und validierte experimentelle Daten vorliegen.“[7][8] Umgekehrt könnte aber auch ein Effekt des Immunschutzes vorliegen.[1]

Literatur

  • Masayuki Horie, Tomoyuki Honda, Yoshiyuki Suzuki, Yuki Kobayashi, Takuji Daito, Tatsuo Oshida, Kazuyoshi Ikuta, Patric Jern, Takashi Gojobori, John M. Coffin, Keizo Tomonaga: Endogenous non-retroviral RNA virus elements in mammalian genomes. In: Nature. Nr. 463, 7. Januar 2010, S. 84–87, doi:110.1038/nature08695 (Rec. 2. September 2009; Acc. 17. November 2009; Department of Virology, Osaka University, Access. In: nature.com. Abgerufen am 22. Februar 2010.).
  • S. Mordrow, D. Falke, U. Truyen: Molekulare Virologie, Heidelberg Berlin, 2. Auflage 2003, ISBN 3-8274-1086-X.
  • Katrin Breitenborn: Bornavirus - Kontroverse um Humanpathogenität. In: Deutsches Ärzteblatt 104 (2007), S. 1365-8 online (PDF-Dokument; 187 kB).
  • Arbeitskreis Großtierpraxis – Gesellschaft für tierärzliche Fortbildung: BDV-Erkrankungen – nicht nur beim Pferd (PDF-Datei; 1,71 MB)
  • Roland Dieckhöfer: Zusammenfassung der Epidemiologische Untersuchungen zur equinen BDV-Infektion, der Bornaschen Krankheit beim Pferd, der Therapie und die dazugehörige aktuelle Gesetzessituation in Deutschland. Dissertation FU Berlin, 2006, urn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000002517-7 (Abstract; Volltext, ZIP-file)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e AFP, zit. n. Virus schlich sich in die menschliche DNA. In: Salzburger Nachrichten. 22. Februar 2010, Wissen/Gesundheit, S. 19 (Artikelarchiv).
  2. Cédric Feschotte: Bornavirus enters the genome. Virology. In: Nature. Nr. 463, 7. Januar 2010, S. 39–40, doi:10.1038/463039a (Access. In: nature.com. 6. Januar 2010, abgerufen am 22. Februar 2010.).
  3. Liv Bode: Borna Disease Virus - natürliche Infektion und Krankheit bei Tier und Mensch - Wissensstand und Neubewertung von Diagnostik, Pathogenese und Epidemiologie unter Einbeziehung eigener Studien. Habilitation, Robert Koch-Institut, Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin, 1999 (abstract; PDF-Dokument, 2,2 MB)
  4. Liv Bode: Dankesrede anlässlich der Verleihung des Whistleblower-Preises, 13. April 2007, online (PDF-Dokument; 1,14 MB)
  5. Hanns Ludwig: Ein offener Brief. Antwort und Anfrage zur Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie zum Thema Ist das Borna Disease Virus (BDV) ein humanpathogenes Agens? - abgerufen am 29. September 2009
  6. Peter Staeheli, Klaus Lieb: Bornavirus and psychiatric disorders - fact or fiction? J Med Microbiol 50 (2001), 579-81 online (PDF-Dokument, 50 kB)
  7. Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie zum Thema Ist das Borna Disease Virus (BDV) ein humanpathogenes Agens? - abgerufen am 29. September 2009
  8. Stellungnahme des Robert Koch-Instituts zur Einstellung der Bornavirus-Forschung im Robert Koch-Institut, 2007

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