AT-4 Spigot
AT-4 Spigot

9M111 AT-4 Spigot.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Panzerabwehrrakete
Hersteller: Konstruktionsbüro KBP
Entwicklung: 1962
Technische Daten
Länge: 1,03 m
Durchmesser: 120 mm
Gefechtsgewicht: 11,5 kg
Spannweite: 369 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 186 m/s
Reichweite: 70-2000 m
Ausstattung
Zielortung: SACLOS via Draht
Gefechtskopf: 2,5 kg Hohlladung
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Die AT-4 ist eine Panzerabwehrlenkwaffe aus sowjetischer Produktion. Die Nato-Kurzbezeichnung lautet Spigot, die russische Fagot. Außerdem ist in der russischen Armee die Typenbezeichnung 9M111 geläufig.

Das Waffensystem wurde ab 1962 parallel mit der AT-5 Spandrel entwickelt. Während die AT-5 als schwerere Rakete für das Abfeuern von Fahrzeugen aus gedacht war, sollte die AT-4 als tragbare Panzerabwehrwaffe für die Infanterie eingesetzt werden und die 9M14 Maljutka ablösen. Entwickler beider Systeme war das Tulaer Entwicklungsbüro KBP. 1973 war diese Phase abgeschlossen und die AT-4 wurde an die Sowjetarmee ausgeliefert.

Technik

Die Abschussvorrichtung besteht aus einem Dreibein, einer Führungsschiene und der Zielvorrichtung. Der Schütze visiert aus einer liegenden Position. Das Dreibein erlaubt ein vertikales Schwenken um +/- 20 Grad. Die optische Zielvorrichtung bietet eine zehnfache Vergrößerung, aber nur ein vergleichsweise kleines Sichtfeld. Die Rakete selbst befindet sich in einem röhrenförmigen Behälter, der sowohl für den Transport als auch für das Abfeuern der Waffe verwendet wird.

Die Rakete wird beim Abschuss zunächst per Gasdruck auf eine Geschwindigkeit von 80 Metern pro Sekunde beschleunigt. Dann zündet der Festtreibstoff und bringt den Flugkörper auf 186 m/s. Die maximale Bekämpfungsreichweite legt die Rakete innerhalb von elf Sekunden zurück.

Die Zielerfassung funktioniert über ein infrarotgesteuertes SACLOS-System: Der Schütze muss das Ziel weiter anvisieren, wobei die Zielvorrichtung die Rakete über einen nachgeschleppten Draht und mit Hilfe einer Infrarotquelle am Heck des Geschosses ins Ziel lenkt. Auf diese Weise können auch fahrende Ziele mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometer pro Stunde bekämpft werden.

Einsatz

Entsprechend der operativen Doktrin der Truppen des Warschauer Pakts verfügte jedes Bataillon der Motorisierten Infanterie über zwei oder drei Gruppen mit AT-4. Sie bestanden jeweils aus zwei Trupps. Jeder dieser Trupps bestand aus drei Mann, neben dem Schützen, der die Abschussvorrichtung und das zugehörige Dreibein mit sich führte, zwei Mann mit jeweils zwei Transport- und Abschussbehältern für je eine AT-4. Zur Unterstützung ihrer AT-4-Gruppen verfügte jedes Bataillon über einen Radpanzer mit acht weiteren Raketen. Ein geübter Trupp kann bis zu drei Raketen pro Minute abfeuern.

Darüber hinaus gibt es Startvorrichtungen, mit denen die AT-4 auch von den gepanzerten Fahrzeugen BMP-1, BMP-2 und BMD eingesetzt werden kann.

Die AT-4 wird von den ehemaligen Angehörigen der Warschauer Vertragsstaaten eingesetzt, darüber hinaus von Syrien und ehemals vom Irak. Insgesamt sollen rund 25 Länder über das Waffensystem verfügen.

Versionen

Nach ihrer Einführung wurde die AT-4 mehrfach überarbeitet. Folgende Modelle sind bekannt:

  • AT-4A: Ursprungsversion
  • AT-4B: Reichweitenerhöhung auf 2.500 Meter durch stärkeren Antrieb, stärkerer Gefechtskopf (Durchschlag: 460 mm RHA)
  • AT-4C: Tandemhohlladung zum Bekämpfen von Reaktivpanzerung (Durchschlag: 600 mm RHA mit reaktiver Panzerung)

Die Abschussvorrichtungen wurden für die jeweils neuen Raketentypen umgebaut. Außerdem gibt es Versionen, die auch die AT-5 verschießen können, sowie seit Anfang der 1990er Jahre eine Zielvorrichtung mit Nachtsichtgerät (Zielerfassung auf bis zu 2500 Meter).

Inzwischen gilt die AT-4 als veraltet. Als Nachfolgemodell für den Einsatz von Fahrzeugen aus wird die AT-14 Spriggan bei den russischen Streitkräften eingeführt. Als tragbares Waffensystem ist die AT-13 Saxhorn-2 der Nachfolger der AT-4.

Ein vergleichbares System westlicher Bauart ist die MILAN.


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