Abfallsauganlage

Bei einer Abfallsauganlage (auch Müllsauganlage) wird der Abfall in Mehrfamilienhäusern in Einwurfschächte und in Einzelhausgebieten in Eingabestellen im Freien eingeworfen und über ein öffentliches Rohrleitungsnetz mit Unterdruck pneumatisch zu einer Sammelstelle befördert, von der er mit Fahrzeugen zur Deponie transportiert wird. Die erste Abfallsauganlage kam 1967 in Stockholm zum Einsatz. Die erste Anlage in der Bundesrepublik Deutschland wurde 1972 im Olympiadorf in München durch die deutsche Tochtergesellschaft der schwedischen Firma Centralsug gebaut und in Betrieb genommen.

1973 wurden Abfallsauganlagen in Bonn-Tannenbusch (eingeweiht 1973, stillgelegt seit 1. Januar 2010) und in Heidelberg-Emmertsgrund (eingeweiht am 3. Oktober 1973, stillgelegt seit etwa 2004) in Betrieb genommen. In West-Berlin gibt es in der Schlangenbader Straße eine Müllsauganlage (eingeweiht 1982, Schließung seit 2007 diskutiert).

Abfallsauganlage in Bonn-Tannenbusch

Diese Anlage ist seit 1. Januar 2010 stillgelegt. Sie diente seit Beginn der 70er Jahre bis zu 12.000 Einwohnern des Stadtteils Bonn-(Neu-)Tannenbusch zur unproblematischen und sauberen Müllentsorgung.

Sie war die größte Müllabsauganlage der Welt. 1991 trat in Deutschland die Verpackungsverordnung in Kraft. Nach der dadurch erfolgten Einführung der Gelben Tonnen bzw. der gelben Müllsäcke für Verpackungsmüll sollte die Tannenbuscher Anlage nur noch der Erfassung des sogenannten Restmülls dienen.

Während der ca. 40 Jahre ihres Betriebszeitraums wurden mit dieser Abfallsauganlage ca. 50.000 Tonnen Hausmüll entsorgt. Mit einer Transportgeschwindigkeit von ca. 90 km/h gelangten Müllbeutel oder auch loser Abfall in eine Sammelstelle im Gewerbegebiet "Hohe Straße". Von dort aus führte der Transportweg per Container und Lkw weiter zur Müllverbrennungsanlage in Bonn-Endenich.

Missbrauch und Beschädigungen haben diese Form der Abfallentsorgung jedoch zunehmend teuer und wenig umweltgerecht werden lassen. Selbst Sondermüll und Schlachtabfälle aus Privathaushalten gelangten in die Anlage und mussten mit großem Aufwand geborgen werden. Zudem beschädigten ebenfalls fälschlich eingeworfene schwere Gegenstände die unterirdischen Rohrleitungen und rissen Löcher in deren Wände.

Diese Schäden konnten meist nicht zeitnah erkannt und behoben werden, so dass an verschiedenen Stellen durch den Betrieb des Sauggebläses große Mengen Erdreich eingesaugt wurde. Die dadurch entstandenen Hohlräume unter der Erdoberfläche verursachten bisweilen Schäden auf darüberliegenden Fahrbahnen und anderen Flächen. Die Gefahr eines Einbruchs, welcher Gebäude- oder sogar Personenschäden nach sich ziehen könnte, veranlasste die verantwortlichen Stellen, den Betrieb der Tannenbuscher Abfallsauganlage einzustellen.

Die Schließung mehrerer Einfüllschächte erfolgte bereits vorzeitig, die letzten zum Jahreswechsel 2009/2010. Ein Rückbau der Anlage ist geplant.[1] Der Rückbau der Anlage, also das Verfüllen der Rohrleitungen und der Abriss der 150 Einfüllstationen, wird voraussichtlich 4 Millionen Euro kosten.

Einzelnachweise

  1. Tannenbusch: Künftig konventionelle Müllabfuhr. Abgerufen am 18. April 2010.

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