Luftschiffhalle Orly

Luftschiffhalle Orly

Die Luftschiffhalle Orly in der französischen Gemeinde Orly, südlich von Paris, war eine in den Jahren 1921 bis 1923 geplante und erbaute Luftschiffhalle. Die vom Tragwerksplaner Eugène Freyssinet entworfene, hintereinander gestaffelte parabolische und gerippte Tonnenschale aus Stahlbeton gilt als Meilenstein in der Geschichte des Betonbaus.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Beschreibung

Vorgabe für die Planungen Freyssinets war, dass eine Kugel mit einem Durchmesser von 50 Metern durchgängig durch die Halle manövriert werden konnte. Dafür erwies sich eine parabolförmige Bogenkonstruktion als geeignet, die überdies bei den riesigen Ausmaßen genug Widerstand gegen seitliche Winde bieten musste.

Die Formen für die parabolischen Bögen wurden mit Hilfe von Kiefernplanken gesetzt. In die Formen goss man den Beton, der mit Stahl verstärkt wurde. Sobald ein Bogen fertig gegossen war, konnte die Form versetzt werden, um den nächsten Bogen zu errichten. Die aus Holz gezimmerten Rahmen wurden mit einem ausgeklügelten Netz an Kabeln und Bändern zusammengehalten, um die Spannung während der Bauphase zu gewährleisten. Um Kosten zu sparen, verzichtete Freyssinet auf die Konstruktion von Nebengebäuden und implementierte alle wichtigen Bereiche in der Halle selbst.

Auf diese Weise entstanden auf dem Flugplatz von Orly zwei Hangars mit je 300 Meter Länge, 59 Meter lichter Höhe und einer Stützweite von 91 Meter.[1] Die Querschnittshöhen variierten von 3,00 bis 5,40 Meter und die Plattendicke betrug 9 Zentimeter. Für den Beton verwendete man eine Mischung aus 350 Kilogramm Zement und 1000 Kilogramm Sand und Kies. Die Halle trug an ihren äußersten Bereichen des Bogens ab einer Höhe von 20 Metern Fenster aus speziell verstärktem gelbem Glas, um einerseits Licht in die Halle zu lassen, anderseits die Luftschiffe vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen.

Die Halle wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs durch amerikanische Luftstreitkräfte zerstört.

Literatur

  • Donald Langmead, Christine Garnaut: Encyclopedia of Architectural and Engineering Feats. ABC-Clio 2001, ISBN 978-1576071120, S. 8 f.
  • Günter Günschel: Große Konstrukteure 1. Verlag Ullstein, Berlin 1966, S. 49–51, 57–65.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schweizerische Bauzeitung, Band 81/82, 22. September 1923, S. 154–155

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