Maroulas (Kythnos)

Maroulas (Kythnos)

Der archäologische Fundort Maroulas (griechisch Μαρουλάς (m. sg.)) in der Nähe von Loutra auf der Kykladeninsel Kythnos wird in die späte Mittelsteinzeit ins 9. bis 8. Jahrtausend v. Chr. datiert und ist damit die heute älteste bekannte Siedlung der Kykladen. Archäologische Ausgrabungen zwischen 1996 und 2005 ergaben mehrere kreisförmigen Strukturen, die wahrscheinlich als Behausung dienten sowie einige Gräber mit unversehrten menschlichen Skeletten in Hockstellung.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Siedlung ist auf einer flachen Landspitze nördlich von Loutra an der Nordostküste von Kythnos gelegen. Ursprünglich lag die 2000 m² große Siedlung etwa 30 Meter über dem Meeresspiegel, heute dagegen nur wenige Meter darüber und teilweise vom Meer erodiert.

Archäologische Ausgrabung

Im Zuge einer archäologischen Bodenbegehung entdeckte der Anthropologe Kenneth Honea im Juli 1972 die Siedlung.[1] Die erste Ausgrabung wurde 1996 unter der Leitung von Adamantios Sampson durchgeführt und zwischen 2001 und 2005 durch den Fachbereich Mediterrane Studien der Universität der Ägäis in Zusammenarbeit mit dem Ephorat für Prähistorische und Klassische Altertümer der Kykladen und der Jagiellonen-Universität Krakau fortgesetzt. Die Funde wurden 2010 veröffentlicht.

Die Bewohner von Maroulas ernährten sich überwiegend von Töpferschnecken (Helix figulina), aber auch von Muscheln und Fischen. Bemerkenswert ist der Fund von Knochen eines domestizierten Schweins. Da dieses Tier nicht zur natürlichen Fauna der Kykladen zählt muss seine Domestizierung in einem anderen Gebiet erfolgt sein. Mahlsteine und einige schüsselähnliche Reibesteine lassen die Verarbeitung von pflanzlichen Nahrungsmitteln vermuten.

Obwohl Obsidian von Milos in allen Bearbeitungsstadien von unbehandelten Rohlingen bis zu Abschlägen häufig aufgefunden wurde, verwendeten die Bewohner von Maroulas hauptsächlich den reichlich auf der Insel vorkommenden Quarz für die Werkzeugherstellung. Die Obsidianfunde sowie die Ähnlichkeit der Steinbearbeitung von Kerame auf Ikaria scheinen zu belegen, dass bereits seit dem 9. Jahrtausend v. Chr. der Austausch von Waren und Kontakten in der Ägäis existierte.

Chronologisch wird die Besiedelung von Maroulas zwischen 8600 und 7800 v. Chr. datiert, etwas früher mindestens aber zeitgleich mit der Franchthi-Höhle auf der Peloponnes und früher als die Kyklopen-Höhle auf Gioura eingeordnet.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kenneth Honea: Prehistoric Remains on the Island of Kythnos. In: Archaeological Institute of America (Hrsg.): American Journal of Archaeology. Vol. 79, Nr. 3, 1975, S. 277–279.
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