Acker-Rettich
Acker-Rettich oder Hederich
Raphanus raphanistrum

Raphanus raphanistrum

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
Gattung: Rettiche (Raphanus)
Art: Acker-Rettich oder Hederich
Wissenschaftlicher Name
Raphanus raphanistrum
L.

Acker-Rettich (Raphanus raphanistrum), auch Hederich oder Wilder Rettich genannt, ist eine Pflanzen-Art aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Trotz seines Namens bildet er keine verdickte Wurzel.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Es handelt sich um eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 30 cm und 60 cm erreicht und meist aufrecht, manchmal auch aufsteigend wächst. Die Wurzeln sind nicht, wie es bei anderen Rettich-Arten der Fall ist, fleischig verdickt. Die Laubblätter sind im Umriss oval bis eiförmig, aber leierförmig fiederschnittig, wobei der Endlappen deutlich größer ist als die seitlichen Lappen. Die unteren Blätter, insbesondere die Grundblätter sind gestielt, die oberen Blätter dagegen eher sitzend und ungeteilt.

Die Blüten stehen in blattlosen endständigen Blütenständen. Die Kronblätter sind hellgelb oder weiß mit violetten Adern. Als Früchte werden tief eingeschnürte Gliederschoten gebildet.

Ökologie

Der Acker-Hederich ist einjährig, sommerannuell, wird 30-60 cm hoch und wurzelt bis 1 m tief. Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“, sie stehen in Trauben. Die Blütenkronblätter sind weiß (so überwiegend im Süden unseres Gebietes) oder hellgelb mit violetten Adern (=Strichsaftmalen) und hoher UV-Reflexion (so im Norden und Osten und besonders auf Sand). Schwebfliegen bevorzugen eindeutig die gelben Formen. Der aufrecht stehende Kelch verdeckt den zuckerreichen (55 %) Nektar. Die Art ist eine Bienenweide und selbststeril. Früchte sind zwischen den Samen eingeschnürte Schoten (Gliederfrüchte), die in einsamige, nussartige Teilfrüchte zerfallen. Es findet Selbstausbreitung und Menschenausbreitung statt. Die Samen sind ölreich (40-45 %).

Verbreitung und Standort

Heimat: Mittelmeerraum, heute weltweit verschleppt. Kulturbegleiter seit dem Neolithikum (Archaeophyt). Man findet den Acker-Hederich häufig in Unkrautfluren der Äcker und besonders der Getreidefelder, auch an Schuttplätzen. Er wird auch als Gründüngung gesät. Er bevorzugt kalkarme Böden, Säurezeiger, Mäßigwärmezeiger, Frischezeiger.

Verwendung

Die Samen können zur Herstellung von Senf verwendet werden. Das Samenöl kann für Speise- und technische Zwecke verwendet werden.

In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass die Blätter des Acker-Rettichs (die Teil traditioneller, lokaler Mittelmeerdiäten sind) sowohl eine potentiell anti-Diabetes, als auch eine stimmungsaufhellende Wirkung (Serotonin reuptake inhibitor) besitzen.[1]

Sonstiges

Der Acker-Rettich kann nicht als Vorfahre des Kulturrettichs betrachtet werden, sondern ist lediglich mit ihm verwandt.

Ökologische Zeigerwerte

Zeigerwerte nach Ellenberg für Acker-Rettich:
L6 Halbschatten- bis Halblichtpflanze
T5 Mäßigwärmezeiger
K3 ozeanisch bis subozeanisch
F5 Frischezeiger
R4 Mäßigsäure- bis Säurezeiger
N6 stickstoffreiche bis mäßig stickstoffreiche Standorte anzeigend
S0 nicht salzertragend

Leb Therophyt, sommergrün
Soz Aperetalia

Abbildungen

Literatur

  • Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas, ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 6. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2005, ISBN 3-494-01397-7
  • Margot Spohn/ Marianne Golte-Bechtle: Was Blüht den da? Enzyklopädie, Kosmosverlag, 2005
  • E.Oberdorfer : Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Ulmer-Verlag, 2001, ISBN 3-8001-3131-5
  • Schmeil-Fitschen, interaktiv, Quelle & Meyer-Verlag, ISBN 3-494-01368-3

Weblinks

 Commons: Raphanus raphanistrum – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Verbreitungskarte:

Referenzen

  1. Pharmacological Research 52 (2005) Understanding local Mediterranean diets: A multidisciplinary pharmacological and ethnobotanical approach hier online zuletzt eingesehen August 2009

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