Affenberg Salem
Affenberg Salem
Vollständiger Name: Affenberg Salem
Adresse: Mendlishausen
88682 Salem
Fläche: 20 Hektar
Eröffnung: 1976
Tierarten: Berberaffen
Organisation
Bild 097 Affenberg Salem.jpg

Lausende Affen

http://www.affenberg-salem.de/
Affenberg Salem (Baden-Württemberg)
Affenberg Salem
47.7597222222229.2472222222222

Der Affenberg Salem ist ein Tierpark westlich von Salem im Bodenseekreis und zugleich Deutschlands größtes Affenfreigehege.[1] Die Hauptattraktion des über 20 Hektar großen Waldstückes sind 200 Berberaffen (Macaca sylvana), die sich dort frei bewegen und von den Besuchern mit speziell zubereitetem Popcorn gefüttert werden können. Von den Besucherzahlen des Bodenseegebietes rangiert der Affenberg Salem auf dem 5. Platz.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründer und Eigentümer des Parks ist der elsässische Baron Gilbert de Turckheim. Das erste Gehege, La Montagne des Singes, eröffnete er 1969 in Kintzheim im Elsass, das zweite 1974 im südfranzösischen Rocamadour. 1976 kam der „Affenberg Salem“ auf Pachtland des Schlosses Salem dazu. Das Konzept sieht eine Beschränkung auf eine Tierart auf großzügig dimensionierten Flächen vor. Deswegen soll sich das Verhalten der Tiere in Salem nicht von denen, die in freier Wildbahn leben, unterscheiden, mit Ausnahme des speziell zubereiteten Popcorns, das die Affen gerne von den Besuchern annehmen. 2005 wurde noch ein weiteres Affengehege in Trentham in Staffordshire (England) geschaffen. Parkdirektor und promovierter Primatologe ist seit 2006 der Zoologe Roland Hilgartner.[2]

Tierbestand

Das Heimatland der Berberaffen ist Marokko und Algerien, dort leben sie in Gebirgen in bis zu 2000 Metern Höhe. Die Tiere fühlen sich auch am Bodensee wohl, da das Klima dort dem ihrer Heimat sehr ähnelt. Die Berberaffen sind vom Aussterben bedroht. Weltweit existieren noch rund 10.000 Tiere. Eine Population kann Experten zufolge nur überleben, wenn ihr mindestens 150 Exemplare angehören.[1] Aus diesem Grund bildet der Affenberg Salem einen wichtigen Reservebestand. 1986 konnte sogar eine ganze Gruppe von Tieren wieder ins Freiland in Nordafrika ausgewildert werden.[2] Derzeit (Stand 2011) gibt es auf dem Affenberg drei Primatengruppen[1] mit über 200 Tieren[3]. Zwei haben sich entlang des Besucherpfades angesiedelt, eine dritte eher menschenscheue Gruppe hat in einem für Touristen abgesperrten Bereich ihr Streifgebiet. Ihr Verhalten kommt den Artgenossen in Nordafrika am nächsten, damit wären sie für eine Auswilderung geeignet. Berberaffen leben in gut organisierten Sozialverbänden von 60 bis 80 Tieren, sie stehen ständig in Kommunikation miteinander, stoßen verschiedenste Laute aus oder bedienen sich einer ausdrucksstarken Mimik.[4] In einer Gruppe leben bis zu 30 Weibchen.[5] Die Leitung des Affenbergs hat sich vor Jahren dafür entschieden, ihnen ein Hormonimplantat zu injizieren, das es erlaubt, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft unter den Primaten zu verringern und eine Möglichkeit der Bestandskontrolle darstellt. Am Affenberg beginnt die Brunftzeit im Oktober und dauert bis Januar/Februar. Die Tragzeit dauert im Regelfall fünfeinhalb Monate.[6]

Die Amtszeit eines Alpha-Männchens dauert im Schnitt auf dem Affenberg zwei bis fünf Jahre und hängt von dem Konkurrenzdruck ab. Wobei 2009/10 der Primat „Adonis“ von seinem fünf Jahre jüngeren Bruder „Augustus“ gestürzt wurde, nachdem „Adonis“ sich vermutlich bei einem Machtkampf einen Oberschenkelbruch zuzog und die Gruppe für einige Zeit verlassen musste.[5] Das Alpha-Weibchen ist die 1988 geborene Berberaffendame „Ragana“.[6]

Neben der Bedeutung als touristischer Anziehungspunkt genießt der Affenberg international eine hohe Reputation als Forschungsstandort. Der Salemer Affenberg hat maßgeblich dazu beigetragen, dass viele wissenschaftliche Diplom- und Doktorarbeiten über die Landesgrenzen hinaus verfasst wurden. Knapp die Hälfte von dem, was man heute über Berberaffen weiß, stammt vom Affenberg.[2] Es besteht eine Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Universität Zürich sowie mit dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.

In einer angegliederten Damwildanlage kann das Damwild beobachtet werden. Des Weiteren befindet sich eine Storchenstation in der Nähe, die rund 40 Störche zählt.[2]

Sonstiges

Der Tierpark zeichnet sich dadurch aus, dass keine trennenden Gitter oder Gräben den Besucher von den Berberaffen abschirmen. Der Besucher bewegt sich auf festen angelegten Wegen mit Holzzäunen durch den naturbelassenen Wald.[7] Die Besucher bekommen im Normalfall nur rund ein Drittel des gesamten Geländes zu sehen.[4]Die Tiere können sich in dem naturnahen Gehege wie in freier Wildbahn bewegen. Es gibt einen 600 Meter langen Rundweg. 2011 wurde ein für den Besucher gut einsehbares neues Wasserbecken für die Affen geschaffen und ein neuartiges naturkundliches Informationssystem installiert.[3] Auch in der weitläufigen Damwildanlage bewegt man sich frei unter den Tieren. Am Eingang befindet sich ein Storchenweiher, eine Brutkolonie frei fliegender Storche, die täglich zweimal gefüttert werden.

Literatur

  • Der Affenberg Salem. Selbstverlag, 1979

Weblinks

 Commons: Affenberg Salem – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Daniel Drescher: Auf einen Blick. Affenberge gibt's auch woanders. In: Schwäbische Zeitung vom 13. August 2010
  2. a b c d e Bernhard Conrads: Wie Marokko vom Affenberg profitiert. In: Südkurier vom 26. Juni 2010
  3. a b Neues Wasserbecken sorgt für Abhilfe bei Affenhitze. Die Affen auf dem Affenberg Salem freuen sich über eine neue Attraktion. In: Schwäbische Zeitung vom 18. Juni 2011
  4. a b Stefan Hilser: Affenberg-Chef führt Leser hinter den Berg. In: Südkurier vom 7. August 2010
  5. a b Daniel Drescher: Affenberg Salem. Nicht jedes Alpha-Männchen taugt zum Chef. In: Schwäbische Zeitung vom 13. August 2010
  6. a b Stefan Hilser (shi):Affenchefin Ragana darf noch einmal. In: Südkurier vom 28. September 2010
  7. Burger: Berberaffen in freier Wildbahn. In: Südkurier vom 12. April 2010

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