Erststimme

Bei der deutschen Bundestagswahl und bei einigen Landtagswahlen in Deutschland wählt man mit der Erststimme (auch Wahlkreisstimme) einen Direktkandidaten in seinem Wahlkreis. Der Kandidat zieht direkt in das Parlament ein, sobald er die relative Mehrheit der Stimmen erreicht hat.

Im Gegensatz zur Zweitstimme bestimmt man damit aber nicht direkt die Stärke einer Fraktion, sondern tauscht nur einen Kandidaten von der Liste gegen den derzeitigen Wahlkreiskandidaten. Wenn mehr Kandidaten einer Partei durch die Erststimme in das Parlament gewählt werden, als der Partei prozentual durch die Zweitstimmen zustünden, entstehen zusätzliche Mandate, die Überhangmandate.

Die Gültigkeit der Erststimme bleibt von einer eventuellen Ungültigkeit der Zweitstimme unberührt (BWahlG, §39 I 4).

Kritik

Da die Erststimme bis auf das Phänomen der Überhangmandate, die auch nur bei der Bundestagswahl und einigen wenigen Landtagswahlen eine den Proporz verzerrende Wirkung haben, keine Rolle für die parteipolitische Sitzverteilung des Parlamentes hat, wird sie häufig als „wertlose“ Stimme bezeichnet, und ihre Abschaffung wird gefordert. (Bei den übrigen Landtagswahlen mit Erststimme werden Ausgleichsmandate verteilt, die die Verhältnismäßigkeit der Zweitstimmenanteile wiederherstellen). Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen einer Stichwahl, wodurch sich der Gewinner eines Wahlkreises nicht sicher sein kann, dass eine Mehrheit der Wähler ihn favorisiert, und die Wähler auf der anderen Seite antizipieren müssen, welcher Kandidat überhaupt eine Chance hat, um ihre Stimme nicht zu verschwenden und damit einem ihnen unliebsamen Kandidaten einen Vorteil zu verschaffen.

Auf der anderen Seite ist die Erststimme eine Chance für Einzelpersonen in den Deutschen Bundestag einzuziehen, ohne von einer Partei auf einer Landesliste aufgestellt worden zu sein; so wie Hans-Christian Ströbele bei der Bundestagswahl 2002.

Bei vielen Landtagswahlen – etwa in Thüringen – wird die Erststimme auch Personenstimme genannt, was von Kritikern des Bundestagswahlrechts als sinnvoller angesehen wird als die eine Rangfolge vorgaukelnde Bezeichnung Erststimme.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Erststimme – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Erststimme — Erst|stim|me 〈f. 19; bei Wahlen〉 die erste von zwei Stimmen, die ein Wähler zu vergeben hat * * * Erst|stim|me, die: Stimme, die der Wähler, die Wählerin bei den Wahlen zum Bundestag für einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin in seinem, ihrem… …   Universal-Lexikon

  • Erststimme — Erst|stim|me …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Erststimmen — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern. Bei der deutschen Bundestagswahl und bei einigen Landtagswahlen in Deutschland wählt man mit der Erststimme (auch… …   Deutsch Wikipedia

  • Personenstimme — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern. Bei der deutschen Bundestagswahl und bei einigen Landtagswahlen in Deutschland wählt man mit der Erststimme (auch… …   Deutsch Wikipedia

  • Wahlkreisstimme — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern. Bei der deutschen Bundestagswahl und bei einigen Landtagswahlen in Deutschland wählt man mit der Erststimme (auch… …   Deutsch Wikipedia

  • Bundestagswahlrecht — Das Bundestagswahlrecht regelt die Wahl der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Nach den in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 Grundgesetz (GG) festgelegten Wahlrechtsgrundsätzen ist die Wahl allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bundestagswahlgesetz — Das Bundestagswahlrecht regelt die Wahl der 598 Mitglieder des Deutschen Bundestages. Nach den in Art. 38 Grundgesetz (GG) festgelegten Wahlrechtsgrundsätzen ist die Wahl allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim. Weiterhin ist im… …   Deutsch Wikipedia

  • Bundestagswahlsystem — Das Bundestagswahlrecht regelt die Wahl der 598 Mitglieder des Deutschen Bundestages. Nach den in Art. 38 Grundgesetz (GG) festgelegten Wahlrechtsgrundsätzen ist die Wahl allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim. Weiterhin ist im… …   Deutsch Wikipedia

  • Wahl zum Deutschen Bundestag — Das Bundestagswahlrecht regelt die Wahl der 598 Mitglieder des Deutschen Bundestages. Nach den in Art. 38 Grundgesetz (GG) festgelegten Wahlrechtsgrundsätzen ist die Wahl allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim. Weiterhin ist im… …   Deutsch Wikipedia

  • Landtag Nordrhein-Westfalen — Wappen Parlamentsgebäude …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”