Europäische Norm

Die Europäischen Normen (EN) sind Regeln, die von einem der drei europäischen Komitees für Standardisierung (Europäisches Komitee für Normung CEN, Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung CENELEC und Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen ETSI) ratifiziert worden sind. Alle EN-Normen sind durch einen öffentlichen Normungsprozess entstanden.

Benummerung und Bezeichnung

Grundsätzlich beginnt die Nummernvergabe bei der EN 1 („Heizöfen für flüssige Brennstoffe mit Verdampfungsbrennern und Schornsteinanschluss“). Ausnahme sind die folgenden vordefinierten Nummernbereiche.

Folgende Nummernbereiche sind vordefiniert:

  • EN 20000 bis EN 29999 veraltete Benummerung zur EN übernommener Normen der Internationalen Organisation für Normung (ISO), aus „ISO NNNN“ wurde „EN 2NNNN“, z. B. ISO 2338 = EN 22338 (aktuell: EN ISO 2338)
  • EN 40000 bis EN 44999 beziehen sich auf IT-Standards und wurden durch CEN oder CENELEC erarbeitet.
  • EN 50000 bis EN 59999 sind CENELEC-Standards.
  • EN 60000 bis EN 69999 sind CENELEC-Standards, basierend auf Normen der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) mit oder ohne Änderungen.

Da die Normen bei Bedarf aktualisiert werden (sie werden alle fünf Jahre hinsichtlich ihrer Aktualität überprüft), ist die Angabe einer Version sinnvoll. Das Entstehungsjahr wird hinter der Norm angefügt, abgetrennt durch einen Doppelpunkt. Beispiel: EN 50126:1999

Zusätzlich zu den genannten EN-Normen gibt es noch die ISO-Normen mit den Nummern ISO 1 bis 59999 und die IEC-Normen von IEC 60000 bis 79999, sowie EN-Normen außerhalb der definierten Nummernbereiche.

Wenn eine EN von einem nationalen Normungs-Institut in das nationale Regelwerk übernommen wird, erhält sie den Status einer nationalen Norm (z. B. Deutsches Institut für Normung (DIN), Austrian Standards Institute (ÖNORM), Schweizerische Normen-Vereinigung (SN)). Der Bezeichnung wird dann die länderspezifische Abkürzung vorgestellt (z. B. ÖNORM EN...), wobei die Nummer der europäischen Norm üblicherweise übernommen wird, z. B. DIN EN ISO 2338:1998 oder ÖNORM EN ISO 9001:2000.

Erarbeitung

Europäische Normungsarbeit beginnt mit einem Normungsvorschlag, der von einem Mitglied der europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC, ETSI wie z. B. dem DIN Deutsches Institut für Normung e.V. oder dem Austrian Standards Institute, von der Europäischen Kommission oder von europäischen oder internationalen Organisationen eingebracht werden darf.

Bei Bereitschaft zur nationalen Mitarbeit und einer gesicherten Finanzierung wird bei CEN und CENELEC die Arbeit an ein bestehendes Technisches Komitee vergeben oder ein neues Arbeitsgremium eingerichtet. Das Sekretariat wird jeweils von einer der nationalen Normungsorganisationen geführt.

Vom zuständigen Arbeitsgremium wird ein erstes Manuskript für einen Europäischen Norm-Entwurf erarbeitet. Diesem können im Verlauf der Beratungen weitere folgen bis ein Konsens erreicht wird. Ein im Konsens entstandener Vorschlag wird dann zum Zweck der öffentlichen Diskussion an die nationalen Normungsorganisationen gegeben.

Hierzu wird von CEN und CENELEC mit der Veröffentlichung eines Europäischen Norm-Entwurfs (prEN) in deutscher, englischer und französischer Sprache eine öffentliche Umfrage eingeleitet. Die nationalen Normungsorganisationen haben daraufhin fünf Monate Zeit, eine nationale Stellungnahme abzugeben. In Deutschland wird dazu die deutsche Sprachfassung als Entwurf einer DIN-EN-Norm veröffentlicht, zu dem innerhalb von zwei Monaten Stellungnahmen abgegeben werden können. Über die Stellungnahmen wird dann vom national zuständigen Ausschuss (Spiegelausschuss) beraten und eine nationale Stellungnahme abgegeben.

Auf Basis der nationalen Stellungnahmen erstellt das europäische Arbeitsgremium einen Schlussentwurf, der erneut in deutscher, englischer und französischer Sprache veröffentlicht wird. Über die Annahme als Europäische Norm entscheiden die nationalen Normungsorganisationen anschließend in einer zweimonatigen Schlussabstimmung. Für die Annahme sind mindestens 71 % der gewichteten Stimmen der CEN/CENELEC-Mitglieder nötig. Die Ratifizierung einer Europäischen Norm erfolgt automatisch einen Monat nach einem positiven Abstimmungsergebnis.

Übernahme

Nach der Ratifizierung muss eine Europäische Norm von den nationalen Normungsorganisationen unverändert als nationale Norm übernommen werden. Entgegenstehende nationale Normen sind zurückzuziehen, um Doppelnormung zu vermeiden. In der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die Bedingungen festgelegt, unter denen einer europäischen Norm der Status einer nationalen Norm ohne jede Änderung zu geben ist. Jede angenommene Europäische Norm wird in Deutschland mit einem nationalen Vorwort als DIN-EN-Norm veröffentlicht. Das nationale Vorwort dient dem Normanwender als zusätzliche Informationsquelle zur jeweiligen Norm und wird von dem zuständigen deutschen Spiegelgremium erstellt. Es beinhaltet beispielsweise Informationen zu wesentlichen technischen Änderungen gegenüber einer Vorgängernorm und dem nationalen Spiegelgremium. Es darf jedoch keine zusätzlichen Festlegungen zum Gegenstand der Normung enthalten.

In Österreich werden die übernommenen EN Normen als ÖNORM EN, in der Schweiz als SN EN veröffentlicht.


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