2. Buch Mose
Die fünf Bücher des Mose
Tora (hebr.)
Pentateuch (gr.-lat.)

Das 2. Buch Mose oder Exodus ist das zweite Buch der Bibel. Der lateinische Name Exodus leitet sich ab vom griechischen Exodos (Έξοδος, „Auszug“), womit der Auszug der Israeliten aus dem ägyptischen Exil gemeint ist.

Im Judentum heißt das Buch nach dem hebräischen Original Sefer Schemot (ספר שמות), was „Buch der Namen“ bedeutet. Der Name leitet sich von den ersten Worten des Buches Schemot („Namen“, שמות) her.

Die fünf Bücher der Tora, deren zweites das Buch „Schemot“ ist, werden auf griechisch Pentateuch genannt. Im Deutschen spricht man von den „Fünf Büchern Mose“, die den ersten Teil des Tanach, der hebräischen Bibel und des Alten Testaments der christlichen Bibel bilden.

Inhaltsverzeichnis

Übersicht

Das 2. Buch Mose besteht in seinem ersten Teil aus den Erzählungen über den Auszug der Israeliten aus Ägypten unter der Führung des Mose auf dem Weg in das durch JHWH den Israeliten versprochene Land Kanaan.

Die Erzählung beginnt mit der Geburt Moses und beschreibt aufkeimende Konflikte zwischen Israeliten und Ägyptern. Der Auszug wird den Israeliten erst gestattet, nachdem Ägypten von den Zehn Plagen heimgesucht wurde. Er führt durch das Schilfmeer, dessen Durchzug als wunderbares Handeln Gottes beschrieben wird, und weiter in die Wüste des Sinai, wo Gott am Berg Sinai Moses die Zehn Gebote offenbart.

Es folgt der Bund Gottes mit dem Volk Israel, bei dem die Rolle Aarons, des älteren Bruders Moses, an Bedeutung gewinnt. In einem Bundesbuch genannten Kodex werden in Kapitel 21 bis 24 Bundesgesetze zusammengestellt, die das Volk Israel als eine Theokratie unter Führung einer Priesterschaft einrichten. Als Zeichen dieses Bundes werden die Bundeslade, ein Holzkasten mit Steintafeln darin, auf denen die Zehn Gebote eingeschrieben sind, und ein transportabler Zelt-Tempel vom Tross als Heiligtum mitgeführt. Das Tempelzelt, dessen Konstruktion sehr detailliert beschrieben wird, stellt die erste Form des israelitischen Tempels dar.

Das 2. Buch Mose steht in engem Zusammenhang mit den anderen vier Büchern Mose, der Tora oder des Pentateuch. Zeitlich ist es dem 1. Buch Mose nachgeordnet. An das 2. Buch Mose schließen das 3. und 4. Buch Mose inhaltlich an. Das 5. Buch Mose stellt in mancher Hinsicht eine Zusammenfassung des 2. - 4. Buches dar, geht aber in seinen Lehren auch darüber hinaus.

Autorschaft

Das 2. Buch Mose selbst nennt keinen Autor. Der deutsche Name folgt der jüdischen und christlichen Tradition einer Autorschaft Moses, die den gesamten Pentateuch (die „5 Bücher Mose“) als von Mose verfasst sieht. Diese Sichtweise wird heute nur noch von orthodoxen Juden sowie einem Teil der Christen (hauptsächlich aus dem evangelikalen und/oder fundamentalistischen Spektrum) vertreten.

Die Frage der Autorschaft ist im Artikel zum Pentateuch ausführlicher behandelt.

Wichtige Aussagen und Themen

Moses mit den Gesetzestafeln
Gemälde von José de Ribera, 1638

Zentrales Thema des Buches ist der Bund Gottes mit dem Volk Israel. Mehrfach findet sich das Motiv des oder der zweifelnden Menschen, der Abfall von Gott, die Rückkehr zu Gott und die Bestrafung oder Vergebung durch Gott mit Erneuerung oder Bestätigung des geschlossenen Bundes.

Gleichzeitig ist die Rolle des Volks Israel in der Beziehung zu seinem JHWH genannten Gott von Bedeutung. Letztlich gibt das 2. Buch Mose die Rechtfertigung für den Anspruch des jüdischen Volkes auf sein Land. Gleichzeitig führt die jüdische Religion viele ihrer grundlegenden Glaubensinhalte auf Offenbarungen Gottes zurück, die im 2. Buch Mose zu finden sind.

Im Christentum gilt der Auszug aus Ägypten als wichtigstes Bild für den Abschied von der Sklaverei der Sünden, der unter der Führung Christi möglich wird.

Zentrale Ereignisse sind:

Anmerkungen zum Gottesnamen: Die Aussprache des Gottesnamen ist nicht klar überliefert, da das hebräische ursprünglich nur aus Konsonanten bestand. Die genaue Konsonantenfolge nach dem hebräischen Text ist JHWH. Aus Ehrfurcht vor Gott sprachen die Juden den Gottesnamen JHWH selten aus und benutzten lieber die Bezeichnung Adonai (hebr: mein Herr).

Inhaltliche Zusammenfassung

Die Israeliten in Ägypten und Mose Geburt und Auftrag (Kapitel 1-4)

Die Israeliten leben als Landarbeiter und Sklaven in Ägypten und sind im Wesentlichen rechtlos. Der Säugling einer levitischen israelitischen Familie wird in einem Schilfkorb im Nil ausgesetzt, um ihn vor der vom Pharao angeordneten Tötung der männlichen israelitischen Kinder zu bewahren. Er wird von einer Tochter des Pharao gefunden und aus Mitleid unter dem Namen Mose adoptiert. Zum Stillen wird gerade seine leibliche Mutter als Amme bestimmt.

Mose wächst unter den Ägyptern auf, fühlt sich aber als Hebräer. Nachdem er einen Ägypter erschlagen hat, der einen Hebräer bedrohte, flieht er aus dem Land, und heiratet Zippora, die Tochter des midianitischen Priesters Jetro. Hier offenbart sich ihm JHWH im brennenden Dornbusch, der Gott Israels, und teilt Mose seinen Rettungsplan für das Volk Israel mit: Mose soll nach Ägypten zurückkehren, die Israeliten von dort herausführen, und sein älterer Bruder Aaron soll sein Sprecher sein.

Mose und Aaron vor dem Pharao: Die Zehn Plagen (Kapitel 5-13)

Der Bitte Moses und Aarons, die Israeliten ziehen zu lassen, begegnet der Pharao mit einer Erhöhung der Zwangsarbeit. Daraufhin sucht Gott die Ägypter zuerst durch neun Plagen heim, um den Pharao zum Ziehenlassen der Israeliten zu bewegen:

  1. Das Nilwasser wird zu Blut;
  2. Frösche wimmeln im Land;
  3. Mücken plagen Mensch und Tier;
  4. Stechfliegen plagen Mensch und Tier;
  5. Eine Seuche rafft das Vieh dahin;
  6. Bei Mensch und Vieh brechen Geschwüre auf;
  7. Hagelstürme verwüsten das Land;
  8. Heuschrecken fressen das Land kahl;
  9. Drei Tage herrscht Dunkelheit im Land;

Obwohl von den immer bedrohlicher werdenden Plagen erschrocken, gewährt der Pharao den Auszug der Israeliten nicht. Das Volk der Kinder Israels wird von den Plagen verschont.

Erst die letzte, zehnte Plage, der Tod aller männlichen Erstgeborenen der Ägypter, überzeugt den Pharao, die Israeliten ziehen zu lassen. Das jüdische Pessachfest, dessen Vorschriften Gott Mose am Vorabend des Auszugs offenbart, erinnert an das Verschonen der Erstgeborenen der Israeliten.

Verfolgung der Israeliten und Durchquerung des Roten Meeres (Kapitel 13-15)

Die Israeliten brechen von Sukkot zum Schilfmeer (dem Roten Meer oder einem nahe gelegenen See) auf und werden vom ägyptischen Heer verfolgt, da der Pharao die Erlaubnis zum Auszug bereut. Der Furcht der Israeliten begegnet ihr Gott mit der Trockenlegung des Schilfmeeres, wodurch ihnen ein Fluchtweg eröffnet wird. Die verfolgenden Ägypter ertrinken in den wieder einfallenden Wassermassen. Es folgt ein Lobgesang der Geretteten.

Durch die Wüste (Kapitel 16-18)

Von Elim am Schilfmeer brechen die Israeliten durch die Wüste Sin zum Sinai auf; in der Wüste wird der wegen Hunger murrende Wanderzug auf wunderbare Weise versorgt (Wachteln, Manna). Das beim Lager Rifidim mangelnde Wasser wird ebenfalls durch ein Gotteswunder beigebracht. Auch Kriegshandlungen gegen Amalek werden mit göttlicher Hilfe gewonnen. Hier wird Mose auch mit seiner Frau und seinen Kindern wieder vereint.

Am Sinai: Die Zehn Gebote und die Bundesgesetze (Kapitel 19-23)

Die Israeliten erreichen den Berg Sinai, den Mose erklimmt und dort seinem Gott begegnet. Gottes Absicht, mit den Israeliten einen Bund zu schließen, der sie zu seinem auserwählten, heiligen Volk macht, das er segnen wird, wird von den Israeliten freudig akzeptiert.

Nur Mose erhält die Erlaubnis, Gott auf dem Berg Sinai zu begegnen, wo die Zehn Gebote verkündet werden. Im Anschluss erfolgt eine ausführliche Gesetzgebung, die konkret das zivile Leben der Israeliten als Gottes ausgewähltem Volk regeln soll. Unter anderem das Opfern, die Sklavenhaltung und was unter Todesstrafe steht. Nach diesen Verkündigungen begibt sich Mose wieder zu den Israeliten, um ihnen die von Gott erlassenen Gesetze mitzuteilen.

Die Steintafeln der Gebote, die Bundeslade, Priesterstand und Altaropfer (Kapitel 24-31)

Mose steigt wieder auf den Berg Sinai, um von Gott die Zehn Gebote, in Stein gemeißelt, entgegenzunehmen. Zusätzlich wird der Bau der Bundeslade und des Tempelzeltes, des Heiligtums der Israeliten, sowie die dabei zu beachtenden Vorschriften bekannt gemacht. Aaron und seine Nachkommen sollen den Priesterstand der Israeliten darstellen, und Vorschriften zum Darbringen der Opfer auf dem Altar werden gegeben. Zum Schluss händigt Gott Mose die beiden von ihm eigenhändig beschriebenen Steintafeln mit den Zehn Geboten aus.

Das goldene Kalb (Kapitel 32-34)

Während Mose auf dem Berg Sinai weilt, werden die Israeliten ungeduldig und verlangen von Aaron, einen materiellen Gott zu machen, wie es in jener Zeit üblich war. Aaron sammelt Gold und stellt ein Goldenes Kalb her, welches er und die Israeliten anbeten. Gott teilt Mose den Abfall der Israeliten mit und kündigt an, sie zu töten, doch Mose bittet um Nachsicht, die Gott schließlich gewährt. Als Mose im Lager ankommt, zerbricht er im Zorn die Steintafeln und zerstört das Goldene Kalb. Die Leviten erweisen sich als Gott getreu und erhalten von Mose den Auftrag, die männlichen abtrünnigen Verwandten mit dem Schwert umzubringen. Danach begibt sich Mose wieder auf den Berg Sinai, um Gott gnädig zu stimmen. Er erhält Vergebung, neue Steintafeln sowie erneute Verheißung und weitere Vorschriften und Gesetze für die Israeliten.

Errichten der Bundeslade und des Zelttempels (Kapitel 35-40)

Nach seiner Rückkehr versammelt Mose die Israeliten, und teilt ihnen Gottes Weisungen mit. Danach werden die Bundeslade, der Zelttempel sowie der Altar errichtet und Aaron als Priester gesegnet. Diese Kapitel enthalten in weiten Teilen eine Wiederholung der in Kapitel 24-31 gegebenen Vorschriften.

Historische Genauigkeit

Das 2. Buch Mose spricht von etwa 600.000 erwachsenen Männern, die aus Ägypten auszogen, plus Frauen und Kindern. Diese Zahl wurde in der Vergangenheit unkritisch als historische Begebenheit akzeptiert. Archäologische Hinweise auf derartig große Bevölkerungsbewegungen im Sinaigebiet oder eine Einwanderung nach Kanaan liegen aber nicht vor; in Kanaan lebten zu jener Zeit nur 50.000 bis 100.000 Menschen. Viele Forscher gehen daher von einer viel kleineren Auswanderung aus, die auch noch gar nicht alle zwölf Stämme umfasste.

Literatur

Allgemeines

  • Watson E. Mills: Exodus. Bibliographies for Biblical Research 2. Mellen Biblical Press, Lewiston NY u.a. 2001 ISBN 0-7734-2447-4
  • Das erste und zweite Buch Mose, konkordante Übersetzung, Pforzheim 1993, ISBN 3-88475-015-1

Kommentare

  • Christoph Dohmen: Exodus 19-40. Herders theologischer Kommentar zum Alten Testament. Bd. 2. Herder, Freiburg i.Br. u.a. 2004 ISBN 3-451-26805-1 Inhaltsverzeichnis
  • Cornelis Houtman: Exodus. 4 Bde. Historical Commentary on the Old Testament 3. Transl. from the Dutch. 1993-2002.
  • William H. C. Propp: Exodus 1 - 18. A New Translation with Introduction and Commentary. The Anchor Bible 2. Doubleday, New York u.a. 1999 ISBN 0-385-14804-6
  • Athalya Brenner (Hrsg.): Exodus to Deuteronomy. A Feminist Companion to the Bible. The Feminist Companion to the Bible 2,5. Academic Press, Sheffield 2000 ISBN 1-84127-079-2
  • Jörg Meuth: Wenn Gott befreit. Bilder und Meditationen zu den Texten aus dem Buch Exodus. Aussaat-Verl., Neukirchen-Vluyn 2001 ISBN 3-7615-5146-0 (geistl. Meditation)

Einzelstudien

  • James K. Hoffmeier: Israel in Egypt. The Evidence for the Authenticity of the Exodus Tradition. Oxford Univ. Press, New York u.a. 1999 ISBN 0-19-509715-7
  • Jan Christian Gertz: Tradition und Redaktion in der Exoduserzählung. Untersuchungen zur Endredaktion des Pentateuch. FRLANT 186. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000 ISBN 3-525-53870-7
  • Martin Ravndal Hauge: The Descent from the Mountain. Narrative Patterns in Exodus 19-40. JSOTSup 323. Acad. Press, Sheffield 2001 ISBN 1-84127-177-2
  • Michael D. Oblath: The Exodus Itinerary Sites. Their Locations from the Perspective of the Biblical Sources. Studies in Biblical Literature 55. Lang, New York u.a. 2004 ISBN 0-8204-6716-2
  • Sabine Frank: Das Exodusmotiv des Alten Testaments. Religionsgeschichtliche, exegetische sowie systematisch-theologische Grundlagen und fachdidaktische Entfaltungen. Forum Theologie und Pädagogik 10. Lit-Verl., Münster 2004 ISBN 3-8258-7510-5
  • Meik Gerhards: Die Aussetzungsgeschichte des Mose. Literar- und traditionsgeschichtliche Untersuchungen zu einem Schlüsseltext des nichtpriesterlichen Tetrateuch. Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament 109. Neukirchener Verl., Neukirchen-Vluyn 2006 ISBN 3-7887-2137-5
  • Edgar Kellenberger: Die Verstockung Pharaos. Exegetische und auslegungsgeschichtliche Untersuchungen zu Exodus 1-15. Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament 171 = Folge 9, 11. Kohlhammer, Stuttgart 2006 ISBN 3-17-019418-6
  • W. F. Albright: From the Stone Age to Christianity. (2nd ed.) Doubleday/Anchor.
  • W. F. Albright: Archaeology and the Religion of Israel. (5th ed.) 1969, Doubleday/Anchor
  • Encyclopaedia Judaica, Keter Publishing, entry on „Population“, volume 13, column 866.
  • Y. Shiloh: The Population of Iron Age Palestine in the Light of a Sample Analysis of Urban Plans, Areas and Population Density. In: Bulletin of the American Schools of Oriental Research (BASOR), 1980, 239:25-35
  • Exploring Exodus: The Origins of Biblical Israel Nahum Sarna, Shocken Books, 1986 (first edition), 1996 (reprint edition), chapter 5, "Six hundred thousand men on foot".
  • Those Amazing Biblical Numbers: Taking Stock of the Armies of Ancient Israel William Sierichs, Jr.
  • The Rise of Ancient Israel : Symposium at the Smithsonian Institution October 26, 1991 by Hershel Shanks, William G. Dever, Baruch Halpern and P. Kyle McCarter, Biblical Archaeological Society, 1992.
  • Sigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion. (1937/1938)

Siehe auch

Weblinks


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