5. Buch Mose
Die fünf Bücher des Mose
Tora (hebr.)
Pentateuch (gr.-lat.)

Das 5. Buch Mose ist Teil der Tora. Es ist das fünfte Buch des Pentateuchs und gehört zum Alten Testament der christlichen Bibel und zum Tanach, die jüdische Bibel. Sein hebräischer Name Devarim (‏דְּבָרִים‎) bedeutet „Worte, Aussprüche“ und stammt aus dem ersten Satz des Buches (‏אֵלֶּה הַדְּבָרִיםEleh ha-Devarim für „Dies sind die Worte...“). In der rabbinischen Literatur wird das Buch auch ‏מִשְׁנֵה תוֹרָהMischne Tora („Wiederholung des Gesetzes“) genannt.

Das Buch heißt auch Deuteronomium. Diese Bezeichnung entstammt der Vulgata und ist die latinisierte Fassung der Bezeichnung der Septuaginta (Δευτερονόμιον; gr. „zweite Gesetzgebung“). Sie basiert auf der Phrase wə-chatav lo et mischne ha-Tora ha-sot (‏וְכָתַב לוֹ אֶת־מִשְׁנֵה הַתּוֹרָה הַזֹּאת‎ - Kap. 17, (Vers 18), übersetzt „er schrieb ihm eine Wiederholung (d. h. Kopie) dieses Gesetzes“, welche die Septuaginta als τὸ Δευτερονόμιον τοῦτο, „diese Wiederholung des Gesetzes“, wiedergibt. Hinter diesem Namen stehen theologische Überlegungen, die das 5. Buch Mose als zweite nach der ersten von Ex 19 bis Num 10 berichteten Gesetzgebung verstehen.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsübersicht

Das 5. Buch Mose besteht im Wesentlichen aus drei Ausführungen, die Mose kurz vor seinem Tode an die Israeliten richtete. Ort der Handlung ist die Ebene von Moab, Zeit der Handlung ist der elfte Monat im letzten Jahr der Wanderung der Israeliten durch die Wüste. Inhaltlich ist das Buch eine Fortsetzung des 2., 3. und 4. Buches Moses.

Die erste Ausführung (Kap. 1 bis 4) blickt auf die bedeutendsten Ereignisse der letzten 40 Jahre der Wüstenwanderung zurück. Der Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes wird als wichtig herausgestellt, und vor den Gefahren, den Gott der Väter zu verlassen, wird gewarnt.

Die zweite Ausführung (Kap. 5 bis 26) stellt den Hauptteil des Buches dar, und wird manchmal in zwei Teile (Kap. 5 bis 11 sowie Kap. 12 bis 26) unterteilt. Der erste Teil enthält eine Wiederholung der Zehn Gebote (mit leichten Änderungen am Text), der zweite Teil befasst sich mit Regeln, die das Leben im verheißenen Land Kanaan betreffen. Kapitel 20 enthält die Kriegsgesetze. Der Aufbau ist teilweise verwirrend und viele Aussagen, wie die Verpflichtung, nur den einen Gott zu verehren, werden sehr oft wiederholt.

Die abschließende Ausführung (Kap. 27 bis 30) befasst sich mit den Konsequenzen, die aus dem Übertreten der Gebote folgen sowie dem Lohn des Gehorsams. Mit einer Erneuerung des Bundes zwischen Gott und den Israeliten sowie der Benennung Josuas zu seinem Nachfolger schließt das Buch.

Es folgen drei kurze Anhänge:

  1. Das Lied mit dem Titel Ha'asinu (‏הַאֲזִינוּ‎, vgl. Wochenabschnitt Ha'asinu), das Mose auf Gottes Anweisung verfasst hat (Dtn 32,1-47 LUT).
  2. Segenssprüche für die Stämme Israels (Dtn 33 LUT).
  3. Der Bericht von Moses Tod (32:48-52) und Beisetzung (Dtn 34 LUT).

Im Buch Josua wird die Geschichte des Volkes Israel nach der Überquerung des Jordan weitergeführt.

Kernaussagen

Das Deuteronomium hat im Wesentlichen zwei Ziele:

Inhalt

Die Rede des Mose (1,1 - 4,43)

Das Buch beginnt mit einer sehr genauen Anleitung von Ort und Zeit, zu der Mose das Gesetz niedergeschrieben und seinem Volk vorgetragen hat: Im vierzigsten Jahr seit dem Auszug aus Ägypten, im elften Monat, am ersten Tag des Monats, jenseits des Jordan, in der Wüste Araba.

Dann erzählt Mose, wie Gott das Volk aufgefordert hatte, nun den Jordan zu überschreiten und das Land Kanaan, das Gott seinem Volk als Besitz versprochen hat, zu erobern und zu bevölkern. Er erwähnt noch einmal eine der Grundlagen des Gesetzes, das durch ihn vermittelt wurde: Die Ältesten und Richter unter dem Volk sollen ihre Entscheidungen ohne Ansehen der Person fällen, sowohl für Israeliten als auch für Fremde.

Weil aber das Volk Gott nicht vertrauen wollte und vor den Amoritern, deren Land sie erobern sollten, Angst hatte, wurde Gott zornig und schwor: „Kein einziger von diesen Männern, von dieser verdorbenen Generation, soll das prächtige Land sehen, von dem ihr wisst: Ich habe geschworen, es euren Vätern zu geben.“ (Dtn 1,35 EU) So sollte das Volk Israel vierzig Jahre durch die Wüste ziehen, bis von der Generation, die damals zusammen mit Mose aus Ägypten ausgezogen war, keiner mehr lebte, außer Kaleb und Josua. Auch Mose sollte das gelobte Land nicht mehr betreten können.

Die Reiche Sihons und Ogs

Es folgt ein Rückblick auf die Reise des Volkes durch die Wüste, an deren Ende die Eroberung des Ostjordanlandes folgt. Dabei werden die Heere von Sihon, dem König von Heschbon und von Og, dem König des Baschan geschlagen. Die unterworfenen Völker werden auf Geheiß Gottes dem Untergang geweiht: „Damals eroberten wir alle seine Städte. Wir weihten die ganze männliche Bevölkerung, die Frauen, die Kinder und die Greise der Vernichtung; keinen ließen wir überleben.“ (Dtn 2,34 EU)

Es folgen Anweisungen zur Eroberung des Westjordanlandes, des heutigen Israel. Mose darf vom Gipfel des Berges Nebo ins gelobte Land hinübersehen. Er selbst wird es nicht mehr betreten dürfen, Josua wird das Volk im Krieg führen.

Als Abschluss der Rede des Mose folgt im vierten Kapitel eine erneute Mahnung, die Rechtsvorschriften des Gesetzes zu halten. Dazu gehört ganz besonders, keine Götter von den besiegten Völkern anzubeten oder sich sonstige Götzenbilder zu machen. Diese Warnung, zusammen mit der Aufforderung, Gottes Gebot zu achten, wird im ganzen Buch vielfach wiederholt. Mose trägt dem Volk auch auf, die Zehn Gebote, die ihm der Herr übergeben hat, an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Sollte das Volk die Vorschriften übertreten, droht der Herr mit schweren Strafen bis hin zur Vertreibung aus dem Land Israel.

Der erste Teil des Buches endet mit der Liste der Asylstädte im Ostjordanland.

Die Verkündigung des Gesetzes (4,44 - 28,68)

Der zweite Teil des Buches enthält nun konkrete Rechtsvorschriften, die Mose dem Volk vorgelegt hat. Die Form der Verkündigung ist die eines Bundesschlusses, das heißt einer freiwilligen Verpflichtung auf das Gesetz durch das Volk. Damit soll das Gesetz ein Vertrag zwischen Gott und seinem Volk werden und nicht nur eine von Gott bestimmte weltfremde Vorschrift.

Ausschnitt aus den Zehn Geboten

Zunächst folgt eine Wiederholung der Zehn Gebote (Dtn 5,6-20 EU). Dieser Abschnitt ist, bis auf eine etwas andere Formulierung beim Sabbatgebot, weitgehend identisch mit Ex 20,2-18 EU. Es folgt ein Einschub der erzählt, wie das Volk Mose als seinen Mittler bei Gott einsetzt, da es sich am Horeb[1] davor gefürchtet hatte, selbst Gott gegenüberzutreten. So soll Mose den Israeliten das Gebot, das der Herr ihm auf dem Horeb gibt, verkünden.

Die eigentliche Verkündigung der Vorschriften beginnt mit einem Abschnitt, der verlangt das Gesetz auf dem Herzen geschrieben und um das Handgelenk gebunden zu haben[2]. Gott wird danach erneut ganz deutlich als der einzige Gott Israels herausgehoben und an die Zeichen erinnert, die in Ägypten geschehen sind, weil der Pharao Mose nicht glauben wollte.

Kapitel 7 trägt in der Einheitsübersetzung die Überschrift „Israel und die Völker des Landes“. Darin wird dem Volk Israel deutlich gemacht, dass die Völker, die der Herr vor ihm vertreiben wird, ausgemerzt und vernichtet werden müssen. Es ist verboten, sich mit den geschlagenen Völkern einzulassen oder gar ihre Söhne und Töchter den eigenen zu geben. Indirekt wird das Verbot damit begründet, dass das Risiko groß ist, dass Israel auch die Brauchtümer und den Polytheismus der Fremden annehmen könnte. Weil Israel das Gebot nicht sehr genau nehmen wird, wird der Götzendienst später, zur Zeit der Könige von Israel, auch wieder Einzug nehmen.

Es folgt ein Rückblick auf die Verkündigung der Zehn Gebote am Horeb. Gott ist nicht bestechlich, kennt kein Ansehen der Person und verschafft auch Fremden ihr Recht. „- auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen.“ (Dtn 10,19 EU)

Um nicht der Versuchung der fremden Götter zu verfallen, ist es auch notwendig, die Altäre und Kultstätten dieser Gottheiten zu zerstören. Für den Gott der Israeliten wird es nur eine Kultstätte geben, die Er bestimmen wird. Dies wird zunächst noch das Zelt sein, das das Volk auf der Reise begleitet hat, später wird der Tempel des Herrn auf dem Zion in Jerusalem erbaut werden. Nur dort dürfen dem Herrn Schlachtopfer dargebracht werden. Das Schlachten und verzehren von Tieren ist jedoch überall gestattet, verboten ist hingegen der Verzehr des Blutes getöteter Tiere - damals vermutete man im Blut die Lebenskraft und damit die Seele der Tiere, weshalb andere Kulturen ebendieses Blut während der Opferung tranken. Schlacht- und Brandopfer und die restlichen Abgaben, die den Zehnten ausmachen, sowie die Erstlinge von allem Vieh, sollen zum Zelt des Herrn gebracht werden.

Anstiftung zum Abfall von Gott und zur Anbetung von fremden Gottheiten wird mit Steinigen des Verführers bestraft. Sollte eine ganze Stadt vom Herrn abfallen, wird sie gnadenlos vernichtet.

Danach lesen wir über Speisevorschriften, besonders darüber, welche Tiere verzehrt werden dürfen und welche nicht. Die Kategorisierung erfolgt einer heute nicht mehr direkt nachvollziehbaren Logik wonach nur Tiere gegessen werden dürfen, die gespaltene Klauen haben und Wiederkäuer sind, wobei sich letzteres Kriterium auf reine Beobachtung stützt und der heutigen wissenschaftlichen Betrachtung nicht standhält. Fische und Vögel dürfen im Allgemeinen auch verspeist werden, die meisten fleischfressenden Vögel jedoch nicht. Der Verzehr von Aas und von Aasfressern ist auf jeden Fall verboten.

Der Zehnte Teil der Ernte des Jahres gehört Gott und den Leviten, die den Dienst am Altar verrichten. Auch sollen Arme mit Pfandleihen oder Almosen unterstützt werden, wenn es nötig ist.

Nach den Bestimmungen für das Wochenfest und das Laubhüttenfest folgen Vorschriften zum rechten Gerichtsverfahren. So soll jemand nur zum Tod verurteilt werden können, wenn mindestens zwei Zeugen gegen ihn auftreten.

Weitere Gesetze finden sich fast unverändert auch in modernen Rechtsstaaten: Grenzverrückung und die Verwendung von zweierlei Gewichten ist verboten, genauso wie eine falsche Aussage vor Gericht, von Menschenraub versteht sich das von selbst.

Kapitel 20 (Dtn 20 EU) enthält die sogenannten Kriegsgesetze. Der Abschnitt beginnt erneut mit der Bekräftigung, dass der Herr mit seinem Volk in den Krieg ziehen wird und sich dieses daher nicht vor größeren und stärkeren Feinden fürchten soll. Das Aufgebot zum Krieg gilt grundsätzlich allen Männern des Volkes; ausgenommen sind Männer, die gerade ein Haus gebaut, einen Weinberg angelegt, oder sich gerade verlobt aber noch nicht geheiratet haben. Diese dürfen nach Hause zurückkehren. Nicht zum Kampf antreten soll auch einer, der sich fürchtet. Wieder wird das Volk ermahnt, die aktuellen Einwohner des Landes Kanaan keinesfalls zu verschonen und der Vernichtung zu weihen. Die Einwohner von weiter entfernten Städten dürfen hingegen versklavt und ihre Frauen geheiratet werden.

Die folgenden Abschnitte enthalten in kurzer Form wieder Gesetze des täglichen Lebens: Gefundenes Gut soll zurückgegeben werden; Hatte der Bruder ein Unfall mit dem Ochsenkarren, soll ihm beigestanden werden; Männer sollen keine Frauenkleider tragen und umgekehrt; An Dachterrassen sollen Geländer angebracht werden; Am Gewand sollen Quasten getragen werden.

Deuteronomium enthält einige sehr detaillierte Gesetze zum Ehebruch. Grundsätzlich wird dieser mit dem Tod beider Beteiligter bestraft[3]. Wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, soll er sterben, sie darf am Leben bleiben, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass sie hätte um Hilfe rufen können. Beschuldigt einer seine Frau, nicht jungfräulich in die Ehe gekommen zu sein, sollen die Eltern der Frau als Beweisstück für das Gegenteil ihr Hochzeitskleid vorlegen. Anderenfalls sei sie zu steinigen. (Dtn 22,13–21 EU) Es war wohl Brauch, dieses nach der Hochzeitsnacht den Eltern der Braut mit den Blutspuren zu übergeben.[4]

Weitere Gesetze bestimmen die Bedingungen für die Aufnahme in die Versammlung des Herrn, die Reinheit des Heerlagers[5], ein Verbot zur Auslieferung von Flüchtlingen und die sakrale Prostitution. Dazu ein Verbot, von Brüdern Zinsen zu verlangen oder gewisse lebenswichtige Dinge wie Mühlsteine als Pfand zu nehmen. Der Lohn eines Tagelöhners soll noch vor dem Sonnenuntergang bezahlt werden. Die sogenannte Sippenhaft ist verboten und an Acker im Weinberg soll keine Nachlese gehalten werden - diese Früchte sind für die Armen bestimmt.

In einer gebetsförmigen Überleitung werden die wichtigsten Gesetze im Kapitel 27 noch einmal zusammengefasst. Kapitel 28 enthält dann Fluch und Segen für Gehorsam beziehungsweise Ungehorsam gegenüber dem Gebot Gottes.

3Gesegnet bist du in der Stadt, gesegnet bist du auf dem Land. 4Gesegnet ist die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Ackers und die Frucht deines Viehs, die Kälber, Lämmer und Zicklein. 5Gesegnet ist dein Korb und dein Backtrog. 6Gesegnet bist du, wenn du heimkehrst, gesegnet bist du, wenn du ausziehst. (Dtn 28,3-6 EU)

16Verflucht bist du in der Stadt, verflucht bist du auf dem Land. 17Verflucht ist dein Korb und dein Backtrog. 18Verflucht ist die Frucht deines Leibes und die Frucht deines Ackers, die Kälber, Lämmer und Zicklein. 19Verflucht bist du, wenn du heimkehrst, verflucht bist du, wenn du ausziehst. (Dtn 28,16-19 EU)

Zum Fluch folgt auch eine lange Liste von Verwünschungen, die dem Volk widerfahren werden, wenn es sich nicht an die Gesetze hält. Auffallend ist, dass dieser Abschnitt viermal so lang ist, wie der Abschnitt mit den Segenswünschen.

Die letzten Verfügungen des Mose (28,69 - 32,52)

Der letzte Teil des Buches enthält noch einmal einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Reise des Volkes Israel. Noch einmal wird der Bund mit Gott bekräftigt und die Strafen erwähnt. Beim Abfall wird es dem Land gleich ergehen wie Sodom und Gomorra und das Volk wird aus dem Land vertrieben werden, wie es später bei babylonischen Exil geschehen wird. Nach der Androhung dieser schweren Strafen folgt allerdings gleich auch die Verheißung, wieder nach Hause zurückkehren zu können, wenn die Fehler bereut werden.

Im Lied des Mose (Kapitel 32) findet sich eine versartige Zusammenfassung der Ereignisse in den fünf Büchern Mose. Von der Verkündigung eines neuen Namens für JHWH - „Fels“ - und vom störrischen Volk Israel wird berichtet - wie es immer wieder Gott auf die Probe gestellt und dann zurückgekehrt ist. So endet das Lied auch mit blutigen Bildern von der Vernichtung der Feinde und vom Ende der Schlacht.

Das Buch schließt mit dem Segen Mose über die zwölf Stämme Israels, jedem Stamm wird eine persönliche Segnung zuteil. Schließlich steigt Mose auf den Berg Nebo, gegenüber von Jericho, und stirbt dort. Josua, der Sohn Nuns, wird das Volk über den Jordan führen.

Betrachtungen zum Text

Das 5. Buch Mose setzt sich mit Ausnahme des Schlusses in Stil, Methode und Ausdrucksweise derart von den übrigen Büchern der Tora ab, dass sein Ursprung einer eigenständigen Schule zugeschrieben wird. Insbesondere die Tatsache, dass im Buch selbst von einem eigenständigen Gesetz gesprochen wird (Kap. 1,5 LUT; Kap. 27,3 LUT; Kap. 8,26 LUT; Kap 31,26 LUT), spricht für eine Entstehung, die separat von den vier vorhergehenden Büchern anzusetzen ist.

Daneben sind auch eine Reihe von inhaltlichen Unterschieden zwischen diesem und den drei vorhergehenden Büchern (2.–4. Buch Mose) zu beobachten: Die Gesetze zeigen einige Unterschiede, und die Rolle der Priesterschaft (Aaroniten) gegenüber der des Stammes Levi (Leviten) wird abweichend dargestellt.

Traditionelle jüdische und christliche Sichtweisen

Der Talmud behandelt die dargestellten Ungereimtheiten unter der Annahme, dass der ganze Pentateuch aus der Feder Moses entstanden sei, und kommt zu dem Schluss, dass einiges (etwa der Bericht von Moses Tod und Beisetzung) wahrscheinlich später von Moses Nachfolger Josua hinzugefügt sei.

Die Autorschaft Moses

wird von der traditionellen Lehrmeinung folgendermaßen begründet:

Abweichungen von der Tradition

Seit dem Mittelalter wurde dann auch die Möglichkeit diskutiert (z. B. von Isaak Abravanel), dass das 5. Buch Mose einen anderen Autoren als die anderen Bücher des Pentateuch habe, und später entstanden sei.

Die spätere Entstehung wird nach biblischen Quellen folgendermaßen begründet: Am Ende des 2. Buch der Könige wird von religiösen Reformen unter König Josia berichtet. Während dieser Periode findet der Hohepriester Hilkia bei Umbauarbeiten im Tempel eine Schriftrolle der Tora. Insbesondere die zentrale Rolle Jerusalems im jüdischen Kultus, die von Josias Reformen betont wurde, ist im Pentateuch nur im 5. Buch Mose zu finden (nicht namentlich, sondern als „der Ort, den der Herr erwählen wird“). Die sonst unbekannte Prophetin Hulda bestätigt die Authentizität des Buches. Hiernach wird Jerusalem Zentrum des Kultus, und die Lesung des Buches durch den König (ebenfalls nur im 5. Buch Mose zu finden) Teil der Pilgerfahrt am Laubhüttenfest.

Während die traditionelle Lehrmeinung diese verlorene Schriftrolle mit einem von Mose verfassten Text oder mit dem gesamten Pentateuch identifiziert, der nur während der Herrschaft der vorhergegangenen Jahwe-feindlichen Könige in Vergessenheit geraten war, sehen modernere Ansichten eine spätere Entstehung zur Untermauerung der politischen und religiösen Reformen als wahrscheinlicher an. Demnach wäre sie unter Federführung einer königstreuen, in religiösen Dingen der Staatsräson zuneigenden Partei der Priesterschaft unter Berücksichtigung existierender Traditionen entstanden (und von den Schreibern auch nicht als „Fälschung“, sondern als Formalisierung ihres Ritus verstanden worden).

Moderne Sichtweise

Außerhalb jüdisch-orthodoxer und christlich-fundamentalistischer Kreise wird heute fast einmütig ausgeschlossen, dass Mose das Deuteronomium verfasst hat. Zur genauen Entstehung findet man verschiedene Hypothesen, welche die Entstehung des gesamten Pentateuch behandeln. Insbesondere wird heute aus der Bedeutungsverwandtschaft zwischen einzelnen Abschnitten, z.B. (Dtn 13,2-10 EU),(Dtn 28,15-68 EU) und Abschnitten aus den Vasallenverträgen Asarhaddons mit medischen Fürsten geschlossen, dass eine Urfassung des Buches in der Zeit König Joschijas von Juda abgefasst worden sein müsse (vgl. 2. Kön. 22,8); denn es handele sich um eine förmliche Aufkündigung der Treue zum assyrischen König nach dem Tode Assurbanipals durch den Eid auf JHWH (Eckart Otto).[6]

Aus dem Vergleich mit prophetischen Büchern der Hebräischen Bibel schließen andere Forscher (Gustav Hölscher), das 5. Buch Mose sei in frühnachexilischer Zeit verfasst worden. Die Quellen, die die Schreiber bei der Verfassung der uns heute bekannten Form des Buches verwendet haben, sind jedoch zweifellos sehr viel älter.

Siehe auch

Literatur

Forschungsberichte

Wissenschaftliche Kommentare

  • Eduard Nielsen: Deuteronomium (Handbuch zum Alten Testament I,6). Tübingen: Mohr (Siebeck) 1995. ISBN 3-16-146253-X
  • Udo Rüterswörden: Das Buch Deuteronomium (Neuer Stuttgarter Kommentar: Altes Testament 4). Stuttgart: Katholisches Bibelwerk 2006. ISBN 978-3-460-07051-6
  • Carl Steuernagel: Das Deuteronomium übersetzt und erklärt (Handkommentar zum Alten Testament 1,3,1). 2., völlig umgearbeitete Auflage Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1923.
  • Timo Veijola: Das fünfte Buch Mose: Kapitel 1,1 - 16,17. (Das Alte Testament Deutsch 8,1). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2004. ISBN 3-525-51138-8

Artikel und Monographien

  • Ulrich Dahmen: Leviten und Priester im Deuteronomium: literarkritische und redaktionsgeschichtliche Studien (Bonner biblische Beiträge 110). Bodenheim: PHILO 1996. ISBN 3-8257-0039-9
  • Jan Christian Gertz: Die Gerichtsorganisation Israels im deuteronomischen Gesetz (Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments 165). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1994. ISBN 3-525-53847-2
  • Gustav Hölscher: Komposition und Ursprung des Deuteronomiums. In: Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 40 (1922), S. 161-255.
  • Norbert Lohfink: Studien zum Deuteronomium und zur deuteronomistischen Literatur 5 (Stuttgarter biblische Aufsatzbände 38). Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2005. ISBN 3-460-06381-5
  • S. Dean McBride Jr.; Wolfgang Roth: Art. Deuteronomium/Deuteronomistisches Geschichtswerk/Deuteronomistische Schule. In: Theologische Realenzyklopädie 8 (1981), S. 530-552.
  • Eckart Otto: Gottes Recht als Menschenrecht. Rechts- und literaturhistorische Studien zum Deuteronomium (Beihefte zur Zeitschrift für altorientalische und biblische Rechtsgeschichte 2). Harrassowitz, Wiesbaden 2002. ISBN 3-447-04276-1
  • Lothar Perlitt: Deuteronomium-Studien (Forschungen zum Alten Testament 8). Mohr (Siebeck), Tübingen 1994. ISBN 3-16-146154-1
  • Hans Ulrich Steymans: Deuteronomium 28 und die adê zur Thronfolgeregelung Asarhaddons: Segen und Fluch im Alten Orient und in Israel (Orbis biblicus et orientalis 145). Vandenhoeck & Ruprecht, Fribourg; Göttingen 1995. ISBN 3-525-53780-8
  • : The Date of Deuteronomy. In: The Clarendon Press (Hrsg.): Journal of Theological Studies. VII, 1906, S. 481–500. Abgerufen am 9. Juni 2011.

Weblinks

Primärtexte und spezielle Übertragungen

Anmerkungen

  1. Name des Sinai im 5. Buch Mose
  2. Daher tragen die Juden zum Gebet die Tefillin
  3. Durch Steinigung
  4. Anmerkung zu 22,15 in der Einheitsübersetzung
  5. Die nächtliche Pollution machte unrein
  6. Othmar Keel, zitiert in: http://www.uwelehnert.de/lehnert_buch/Zitate1-4_Christ.pdf S. 214 = PDF-S. 28

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