Kalender von Coligny
Übersicht des Kalenders
Nahaufnahme

Der Kalender von Coligny ist ein auf mehreren Bronzetafeln niedergeschriebener keltischer Kalender. Auf diesen Bronzetafeln sind auf gallisch 64 Monate verzeichnet, die die Druiden vermutlich zum Berechnen günstiger Tage für Zeremonien, Feste und politische Ereignisse benutzten. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Coligny bei Bourg-en-Bresse ausgegraben. Man meinte zunächst die ligurische Sprache zu erkennen, aber später erkannte man, dass es sich um einen gallischen Text in lateinischer Schrift handelt. Zunächst hatte man angenommen, dass es sich um einen 30-jährigen Kalender handelte, wie ihn Plinius in seiner Schrift De Naturalis beschrieben hatte und dass er aus dem 2. Jahrhundert stamme. Heute weiß man, dass der Kalender eine modernere Form darstellt und vermutlich aus der Anfangszeit der Provinz Gallien im ersten Jahrhundert stammt. Der Kalender von Coligny lässt vermuten, dass die irischen Jahrszeitenfeste Imbolc (Frühjahr), Beltane (Sommer), Lughnasadh (Herbst) und Samhain (Winter) auch in der übrigen keltischen Welt begangen wurden, da auf einem dieser Platten das mit dem Begriff „Samhain“ verwandte Wort „Samonios“zu finden ist. Fast jeder gallische Stamm war im Besitz einer solchen heiligen Zeittafel, jedoch bestanden diese meist aus Holz und sind somit nicht mehr erhalten oder die Priester (Druiden) hatten diese lediglich auswendig gelernt, da es laut Caesar für sie ein Frevel war, solch ein Wissen schriftlich festzuhalten. So war dieses Wissen der einfachen Bevölkerung verschlossen und nur den Gelehrten zugänglich, was das Ansehen der Druiden noch verstärkte. Zur Verdeutlichung dient auch die folgende Tabelle.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der Kalender beginnt mit einem ungenannten Schaltmonat und endet mit einem weiteren Schaltmonat namens „Ciallos” und ist ansonsten in 5 Jahre zu je 12 Monaten eingeteilt.

# Monatsname Julianischer Monat Anmerkung
1 SAMON[IOS] (Okt/Nov) enthält das Wort „Samos“ („Sommer“ oder „angenehm“)
2 DVMANN[OSIOS] (Nov/Dez) evtl. „Der Dunkle“
3 RIVROS (Dez/Jan) evtl. verwandt mit irisch „reo“ („Frost“)
4 ANAGANTIO[S] (Jan/Feb) evtl. „Ana+Cant“ („Ohne Gesang“);
5 OGRONIOS (Feb/Mär) evtl. „Der Eisige“;
6 CVTIOS (Mär/Apr) evtl. verwandt mit irish „cioth“ („Regen“)
  (SONNOCINGOS)   evtl. „Frühlingsanfang“
7 GIAMONIOS (Apr/Mai) evtl verwandt mit irish „geimhreadh“ („winter“)
8 SIMIVISONNA[COS] (Mai/Jun) evtl. „Mitt-Frühling“
9 EQVOS (Jun/Jul) evtl. „Pferdemonat“
10 ELEMBIV[IOS] (Jul/Aug) evtl. „Geweihtragender“;
11 EDRINI[OS] (Aug/Sep) evtl. „der Feurige“ oder „Ätherischer“;
12 CANTLOS (Sep/Okt) evtl. „Gesang“;

Bezeichnungen wie „Atenoux“, „Prinni Loudin“ und „Prinni Laget“, die im Kalender zur Bezeichnung einzelner Tage auftauchen, sind in ihrer Deutung umstritten. Eventuell bezeichnen sie Vollmond, zu- und abnehmenden Mond, andere aber wollen in ihnen Anweisungen zum Gebrauch von Loshölzern sehen.

Am dritten Tag des Monats Samonios ist der Tag „Trinox Samonis“ vermerkt, wahrscheinlich ein Festtag, der mit dem irischen Samhain verwandt ist. Weitere benannte Tage sind „DEVOR LUG“ und „BRIGIOMU“ im Dezember/Januar, die sich evtl. auf den Gott Lugos und die Göttin Brigantia beziehen, sowie „Bantaran“ am dritten Tag des Schaltmonats Ciallos und „Mapanos“ im November/Dezember, was vielleicht den Göttern Taranis und Maponos geweihte Tage meint. Die klassischen „keltischen Festtage“ der Iren wie Imbolc, Beltaine und Lughnasadh werden im Coligny Kalender jedoch nicht erwähnt.

Sonnenkalender

Es handelte sich um einen Lunisolaren Kalender, der das Tropische Jahr recht gut wiedergibt. Die Position der Sonne ließ sich damit mit einer Genauigkeit von 1,5 Tage auf 455 Jahren bestimmen. Die Position des Mondes konnte mit einer Genauigkeit von 0,8 Tagen bestimmt werden. Das Jahr war in Monate von unterschiedlicher Länge unterteilt. Monate mit 30 Tagen wurden als "Mat" ("Gut" evtl. auch "Gerade") Monate mit 29 Tagen als "Anmat" ("Ungut" oder "Ungerade") gekennzeichnet, ebenso kennzeichnete man so die einzelnen Tage (vielleicht um günstige oder ungünstige Tage für Die Weissagung oder andere Unternehmungen zu kennzeichnen). Hier wurde also der Synodische Monat von 29,5 Tagen auf diese Weise möglichst genau kompensiert. Der Beginn des Jahres erfolgte im Monat "Samonios" dem Winteranfang, siehe Megalithischer Kalender, Kalenderbeginn eventuell zu Allerseelen, Allerheiligen). Auf 4 "Mat" Monate folgten zwei "Anmat" Monate, darauf folgten weiter 4 "Anmat" und 2 "Mat" Monate. Es ergab sich dadurch eine aufsteigende und eine absteigende Jahreshälfte. Der Monat wurde in zwei Hälften von 15 und 15/14 Tagen geteilt, die kürzere Hälfte lag immer am Ende. Eventuell gehörten die fünf Jahre und zwei Schaltmonate des Kalenders ursprünglich zu einem 9-Jahreszyklus in dem weitere Ungenauigkeiten zum Mondkalender ausgeglichen werden konnten.

siehe auch Steinzeitkalender, Kalender

Literatur

  • Joseph Monard: Histoire du calendrier Gaulois, Burillier, Vannes 1999, ISBN 2-912616-01-8.
  • Le calendrier celtique de Coligny: Les calendriers Luni-solaires antiques - F. Dupuy-Pacherand & G.A. Mathis - Revue Atlantis N°247 Juillet/Août 1968
  • Hans-Rudolf Hitz: Der gallo-lateinische Mond- und Sonnenkalender von Coligny, Juris, Dietikon 1991, ISBN 3-260-05308-5
  • Miranda J. Green: Die Druiden. Die Welt der keltischen Magie

Weblinks


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