Kreis Bomst

Der Kreis Bomst am Westrand der preußischen Provinz Posen (bzw. nach 1922 in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen) bestand in der Zeit von 1815 bis 1938.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Gebiet um die westpolnische Stadt Babimost (Bomst) gehörte von 1319 bis 1339 vorübergehend zur Mark Brandenburg bzw. zum schlesischen Herzogtum Glogau, um dann für rund 450 Jahre zum Königreich Polen zu gehören. Nach der Zweiten Teilung Polens kam es von 1793 bis 1807 vorübergehend zur preußischen Provinz Südpreußen und nach dem Frieden von Tilsit 1807 an das Herzogtum Warschau.

Verwaltungsgeschichte

Nach dem Wiener Kongress fiel das Gebiet um Bomst am 15. Mai 1815 erneut an das Königreich Preußen.

Im Zuge der allgemeinen Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat wurde zum 1. Januar 1818 ein Kreis Bomst neu festgelegt.

Sitz des Landratsamtes wurde die Stadt Wollstein.

Als Teil der Provinz Posen wurde der Kreis Bomst am 18. Januar 1871 gleichzeitig Teil des neu gegründeten Deutschen Reichs, wogegen die polnischen Abgeordneten im neuen Reichstag am 1. April 1871 protestierten.

Am 27. Dezember 1918 begann in der Provinz Posen der Großpolnische Aufstand der polnischen Bevölkerungsmehrheit gegen die deutsche Herrschaft, und bereits Anfang Januar 1919 waren die östlichen zwei Drittel des Kreisgebietes unter polnischer Kontrolle (die Kreisstadt Wollstein ab dem 5. Januar 1919, Bomst war vom 25. Januar bis zum 12. Februar 1919 nur vorübergehend von polnischen Truppen besetzt).

Am 16. Februar 1919 beendete ein Waffenstillstand die polnisch-deutschen Kämpfe, und am 28. Juni 1919 trat die deutsche Regierung mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags die östlichen zwei Drittel des Kreises Bomst (740 km²) auch offiziell an das neu gegründete Polen ab, die zum neuen polnischen Powiat Wolsztyn wurden.

Der bei Deutschland verbliebene westliche Restteil des Kreises Bomst (297 km²) wurde ab dem 27. Februar 1919 zunächst vom brandenburgischen Kreis Züllichau-Schwiebus mitverwaltet.

Ab dem 20. November 1919 wurde der Kreis Bomst von Schneidemühl aus verwaltet und gehörte zur 1922 neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen.

Am 1. Oktober 1938 wurde der Kreis Bomst aufgelöst, der nördliche Teil mit Bomst und Unruhstadt kam zum brandenburgischen Kreis Züllichau-Schwiebus, der südliche Teil zum niederschlesischen Kreis Grünberg.

Landräte

Kommunale Gliederung

1818 bis 1919

Der Kreis Bomst gliederte sich in sechs Stadtgemeinden, die restlichen Ortschaften waren in Polizeidistrikten zusammengefasst.

Der Kreis Bomst bestand am 1. Januar 1908 aus:

  • sechs Stadtgemeinden (Bomst, Kopnitz, Rakwitz, Rothenburg an der Obra, Unruhstadt und Wollstein)
  • 105 Landgemeinden und
  • 37 Gutsbezirken.

1919 bis 1938

Der verkleinerte Kreis Bomst bestand ab 1919 aus zwei Stadtgemeinden (Bomst und Unruhstadt) und 26 Landgemeinden.

Größe

Der Kreis Bomst hatte bis 1919 eine Fläche von 1037 km², danach 297 km².

Bevölkerung

Der Kreis Bomst hatte im Jahre 1905 58.714 Einwohner. Davon waren 51 % Deutsche und 49 % Polen.

Auch im bei Deutschland verbliebenen Rest des Kreises Bomst gab es eine polnische Minderheit, die Kreisstadt Bomst hatte im Jahr 1939 zu 30 % polnische Einwohner.

Ortschaften

Liste der Ortschaften im Kreis Bomst mit mehr als 1000 Einwohnern (1910):

polnischer Name deutscher Name (1815-1945) *** ab 1919 polnisch
Babimost Bomst
Kargowa Unruhstadt
Kaszczor Altkloster ***
Kębłowo Kiebel ***
Mochy Mauche
1939-43 Deutschendorf
***
Nowe Kramsko Neu Kramzig
1937-45 Kleistdorf
Obra Obra
1939-43 Klosterwiese
***
Rakoniewice Rakwitz ***
Rostarzewo Rostarzewo
1886-98 Rostarschewo
1898-1919 Rothenburg an der Obra
***
Wolsztyn Wollstein ***

Siehe auch

Literatur

  • Martin Sprungala: Die Geschichte der Posener Kreise und kreisfreien Städte, Bad Bevensen 2007.
  • Martin Sprungala: Historisches Ortsverzeichnis der Provinz Posen und der Wojewodschaft Poznan (Posen), Bad Bevensen 2007.

Weblinks


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