Anicia Iuliana
Anicia Iuliana (Zuordnung unsicher).

Anicia Iuliana (* um 460; † vor 530) war eine einflussreiche römische Aristokratin während der ausgehenden Spätantike.

Obwohl ein Großteil des gewaltigen Grundbesitzes ihrer Familie in der westlichen Reichshälfte lag, wurde Iuliana in Konstantinopel geboren. Sie war von kaiserlichem Geblüt: Nicht nur war ihr Vater Olybrius 472 bis zu seinem frühen Tod einige Monate lang Kaiser des Westreiches gewesen, sondern ihre Mutter Placidia war zudem die Tochter des Kaisers Valentinian III., und Iulianas Urgroßvater war der oströmische Kaiser Theodosius II.. 479 sollte sie nach dem Willen des damaligen Kaisers Zeno den Goten Theoderich den Großen heiraten, doch die Ehe kam nicht zustande. Stattdessen wurde sie die Gemahlin des mächtigen Generals Areobindus, der 512 fast zum Gegenkaiser in Ostrom ausgerufen worden wäre, und ihr Sohn Olybrius (491 Konsul) heiratete Eirene, eine Nichte des Kaisers Anastasios I. Wie es von einer Aristokratin ihres Ranges erwartet wurde, agierte Iuliana als Mäzenin der Künste und Wissenschaften, zudem ließ sie zahlreiche öffentliche Bauten und Kirchen errichten. Besonders in Konstantinopel übertraf sie in dieser Hinsicht manchen Kaiser. Die prächtige, von ihr finanzierte (aber heute bis auf wenige Reste zerstörte) Polyeuktoskirche war bis zum Bau der neuen Hagia Sophia durch Justinian I. der größte Sakralbau in der Hauptstadt.

Iuliana trug den hohen Ehrentitel patricia und als einzige Frau ihrer Zeit die Bezeichnung nobilissima, die nur Kaisertöchtern zustand, und kann als Beispiel dafür dienen, dass die spätrömische Senatsaristokratie auch nach der Reichsteilung von 395 ein Bindeglied zwischen Ost und West darstellte. Sie gehörte (wie ihr Zeitgenosse Boëthius oder später Gregor der Große) zum Adelsgeschlecht der Anicii, das seine Wurzeln bis in die Römische Republik zurückführte. Zugleich entstammte sie, wie erwähnt, der valentinianisch-theodosianischen Dynastie, die von 364 bis 455 (Westrom) bzw. 457 (Ostrom) die Kaiser gestellt hatte. Iuliana zählte somit zu den reichsten und einflussreichsten Frauen ihrer Zeit. Sie starb in den ersten Regierungsjahren Justinians, den sie aufgrund seiner Herkunft aus einer einfachen Bauernfamilie wohl nicht als ebenbürtig ansah.

Literatur

  • Carmelo Cappizzi: Anicia Giuliana (462 ca. – 530 ca.). Ricerche sulla sua famiglia e la sua vita. In: Rivista di studi bizantini e neoellenici. NS 5, 1968, ISSN 0557-1367, S. 191–226.
  • John Martindale: The Prosopography of the Later Roman Empire II. Cambridge 1980, S. 635f.
  • Hanna-Riitta Toivanen: The Church of St. Polyeuktos, Archaeology and Texts. In: Acta Byzantina Fennica. NS 2, 2003–2004 (2005), ISSN 1458-7017, S. 127–149.

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