Königreich Neapel
Regno di Napoli
Königreich Neapel
Flag of the Kingdom of the Two Sicilies (1738).svg
Coat of arms of the Kingdom of the Two Sicilies.svg
Amtssprache Latein, Französisch, Italienisch
Hauptstadt Neapel
Staatsform Monarchie
Unabhängigkeit 1282 bis 1860
Italia Regno di Napoli locator.svg

Das Königreich Neapel war ein Staat in Süditalien. Es existierte von 1282 bis 1860 und war dabei lange Zeit unter der gleichen Herrschaft wie das Königreich Sizilien.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

1139 eroberten Normannen die Stadt Neapel von dem byzantinischen dux Sergius VII. und gliederten sie in das von Roger II. gegründete Königreich Sizilien ein. Durch die Heirat der Erbtochter Rogers II., Konstanze, mit dem Staufer Heinrich VI. (1186) kamen Sizilien und Süditalien mit Neapel an die Staufer, und Neapel erlebte unter Kaiser Friedrich II. 1220 bis 1250 seine Glanzzeit. Er errichtete einen streng zentralistisch regierten Beamtenstaat, der nach seinem Tod aber rasch zerfiel. Die letzten Staufer, Manfred und Konradin, erlagen den Angriffen Karls I. von Anjou. Nach der sizilianischen Vesper (1282) fiel Sizilien an Aragón, während in Neapel die Anjou herrschten. Diese Teilung des Königreichs Sizilien war die Geburtsstunde des eigenständigen Königreichs Neapel. Die Monarchen der zwei entstandenen Königreiche nannten sich weiterhin beide Könige von Sizilien. Der Begriff Königreich Neapel ist eine moderne Umschreibung für das festländische Reich um es von dem Inselkönigreich unterscheiden zu können.

Unter dem Haus Anjou

Weil der süditalienische Normannenstaat direktes Lehen des Papstes war, stand es in einer engeren Beziehung zu Rom als andere europäische Reiche. Auch deshalb kam Neapel (und Sizilien) eine besondere Rolle im Verlauf des großen abendländischen Schismas zu. Dies um so mehr, als dass es zwei Prätendenten gab, die jeweils von einer päpstlichen Fraktion unterstützt wurden. Als drei Jahre nach Ausbruch der Kirchenspaltung (1381) Königin Johanna gefangen gesetzt und wenig später ermordet wurde, gab es zwei Anwärter auf die neapolitanische Krone. Einer war Karl von Durazzo, Graf von Gravina, ein Cousin zweiten Grades der verstorbenen Johanna, der andere war Ludwig, Herzog von Anjou, Sohn von König Johann II. von Frankreich. Letzteren hatte Johanna einige Jahre vor ihrem Ableben adoptiert und zu ihrem Nachfolger bestimmt. Während Karl vom römischen Papst unterstützt und gekrönt wurde, war es Klemens (VII.), der Ludwig von Anjou mit einem päpstlichen Heer unterstützte und nach Süditalien schickte nachdem er ihn in Avignon zum König von Neapel gekrönt hatte. Die beiden Prätendenten hatten ihrerseits Nachfolger, die sich auch nach Beendigung des Schismas über Recht- und Unrechtmäßigkeit des jeweiligen Gegners stritten. Weil Ludwig von Anjou und seine Nachfolger bis auf kurze Zeitspannen nie in Neapel residierten, bezeichnet man sie in der Forschung als „Titularkönige“.

Unter dem Haus Aragón

1442 konnte König Alfons V. von Aragón Sizilien und Neapel wieder in einem Reich vereinigen. Nach seinem Tod bekam sein Bruder Johann von Aragón Sizilien und sein unehelicher Sohn Ferdinand I. Neapel. Ferdinands Sohn Alfons II. wurde am 23. Januar 1495 zur Abdankung gezwungen, weil der französische König, Karl VIII., als Lehnsherr der ausgestorbenen Anjou-Prinzen, nun seinerseits Neapel beanspruchte und das Königreich von Februar bis Juli 1495 regierte. Kurz nachdem Karl VIII. die Stadt wieder verlassen hatte, eroberte Ferdinand II., Alfons' Sohn, sein Erbe. Mit seinem Tod (1496) brach ein neuer Kampf um Neapel aus. Diesmal war es kein französischer Prinz, sondern der König von Sizilien (Ferdinand, der Katholische von Aragón), der 1501 in Neapel einfiel, den dortigen König (Friedrich) vertrieb und das Reich seinem eigenen zuführte.

Unter den Habsburgern

Neapel blieb mit Sizilien vereint. Beide Königreiche waren fortan Nebenländer der spanischen Krone. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde Süditalien 1707 von Österreich besetzt. In den Friedensschlüssen von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) erhielt Österreich das Königreich Neapel und Sardinien, Sizilien ging an das Herzogtum Savoyen.
Einige Jahre später (1720), nach einem von Großbritannien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden abgewehrten spanischen Angriff auf Sizilien und Sardinien, erhielt Österreich Sizilien im Austausch gegen das ärmere Sardinien von Savoyen, sodass die beiden Reiche wieder vereint waren.

Unter den Bourbonen und Napoléon

FIAV historical.svg Flagge des Königreiches Neapel von 1811 bis 1815

Im Präliminarfrieden von Wien musste Kaiser Karl 1735 Neapel und Sizilien an die spanischen Bourbonen als Sekundogenitur abtreten. Zunächst regierte der spanische Kronprinz als Karl VII. Als dieser 1759 als Karl III. den spanischen Thron bestieg, folgte ihm sein zweiter Sohn Ferdinand IV. als König von Neapel und Sizilien. Im Zeitalter der französischen Revolution wurde in Neapel die Parthenopäische Republik ausgerufen und dem König blieb nur Sizilien. 1806 setzte Napoléon Bonaparte seinen Bruder Joseph, zwei Jahre später seinen Schwager Murat als Könige von Neapel ein, während Ferdinand immer noch in Sizilien residierte.

Ende des Staates

Nach dem Wiener Kongress wurde Ferdinand von Bourbon-Sizilien am 8. Dezember 1816 zu Ferdinand I., König beider Sizilien, proklamiert. Das Königreich beider Sizilien blieb bis 1860 (Sizilien bis Mai, Neapel bis September) ein unabhängiger Staat. Im Oktober 1860 wurde er durch die Truppen Garibaldis dem Königreich Sardinien angeschlossen und der italienische Staat entstand.

Siehe auch

Literatur

  • Pietro Colletta, John A. Davis: The history of the kingdom of Naples. From the accession of Charles of Bourbon to the death of Ferdinand I. 2 Bände, Tauris, London 2009, ISBN 978-1-84511-881-5.
  • John A. Davis: Naples and Napoleon. Southern Italy and the European revolutions (1780–1860). Oxford University Press, Oxford 2006, ISBN 0-19-820755-7.
  • Girolamo Imbruglia: Naples in the Eighteenth Century. The Birth and Death of a Nation State. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-63166-2.
  • Jörg Reimann: Neapel und Sizilien 1450 bis 1650. Politik, Wirtschaft, Bevölkerung und Kultur. Kovac, Hamburg 2005, ISBN 3-8300-1886-X.

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