Annalise Wagner

Annalise Wagner (* 19. Juni 1903 in Neustrelitz; † 26. Juni 1986 ebenda) war eine deutsche Heimatforscherin, Buchhändlerin und Schriftstellerin. Sie galt zu Lebzeiten als Kapazität für alle historischen Fragen über Mecklenburg-Strelitz und hatte sich darüber als Autodidaktin ein umfangreiches Wissen angeeignet.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Annalise Wagner wurde als drittes von fünf Kindern des Neustrelitzer Druckereibesitzers und Verlegers Otto Wagner (1866–1934) und dessen Frau Ella, geb. Bade, in Neustrelitz geboren und verlebte hier Kindheit und Jugend. Sie besuchte das Lyzeum ihrer Heimatstadt, absolvierte eine Lehre im väterlichen Betrieb und arbeitete 1919–1927 in Angestelltenverhältnissen in Hamburg, Berlin, München und Leipzig, wo sie in freien Stunden das Kulturleben genoss. 1928–1929 besuchte sie die Buchhändlerlehranstalt Leipzig und kehrte 1930 in den väterlichen Betrieb nach Neustrelitz zurück.

1934 erbte Annalise Wagner mit dem Tod ihres Vaters dessen Buchhandlung mit Antiquariat, die sie bis in die 1950er Jahre hinein betrieb. Schon in dieser Zeit begann sie, heimatkundliche Schriften über Mecklenburg-Strelitz zu sammeln und eigene Texte zu verfassen. 1945–1948 beteiligte sie sich an der Aufbauarbeit in Neustrelitz, besonders auf sozialem und kulturellem Gebiet, geriet dabei jedoch mehrfach mit den neuen Machthabern in Konflikt und musste nach anhaltenden Repressalien in den 1950ern ihre Buchhandlung schließen.

1956 wurde sie Alleinerbin des Neustrelitzer Bibliothekars und Heimatforschers Walter Karbe und gründete am 6. Dezember 1956, wenige Wochen nach Karbes Tod, mit dessen Nachlass und den eigenen Sammlungen das private Karbe-Wagner-Archiv in Neustrelitz. Annalise Wagner war fortan Bibliothekarin und Archivarin in eigener Sache, zeitweilig auch Stadtarchivarin von Neustrelitz und Mitarbeiterin des Bezirksmuseums Waren. 1973 schenkte sie Wohnhaus, Grundstück und Archiv an die Stadt Neustrelitz. Im Wohnhaus in der Schloßstraße, in dem Annalise Wagner auch weiterhin wohnte und wo sie 1986 schließlich vereinsamt starb, wurde daraufhin das erste Neustrelitzer Stadtmuseum eingerichtet. Das Karbe-Wagner-Archiv besteht bis heute als öffentlich zugängliche, regionalkundliche Forschungsstätte in Trägerschaft der Stadt Neustrelitz.

Ehrungen

1973 erhielt Annalise Wagner die Ehrenbürgerschaft ihrer Vaterstadt Neustrelitz. Auf Grundlage ihres Testaments errichtete die Stadt Neubrandenburg 1991 die Annalise-Wagner-Stiftung, die seit 1992 in jährlicher Folge literarische Arbeiten mit Bezug zur Region Mecklenburg-Strelitz oder von Verfassern aus dieser Region mit dem Annalise-Wagner-Preis ehrt. Außerdem wurden aus Mitteln der Stiftung zwei Jugendpreise (1999), ein Stipendium (2001) und ab 2003 an junge Historiker „lobende Anerkennungen“ vergeben. Die Stadt Neustrelitz ehrt den Preisträger seit 2006 zusätzlich durch eine Annalise-Wagner-Medaille.

Werke

Erste Veröffentlichungen datieren in die frühen 1930er Jahre, darunter auch lyrische Werke:

  • Gedichte. O. Wagner, Neustrelitz 1931
  • Erlebnis. O. Wagner, Neustrelitz 1931

In der Folgezeit, vor allem ab den 1950ern, verfasste Annalise Wagner mehr als 200 Aufsätze zu Themen südostmecklenburgischer Geschichte und Kultur und gab eine Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs heraus, in der zwischen 1966 und 1987 neunzehn Hefte erschienen und die seither vom Regionalmuseum Neubrandenburg fortgesetzt wird. Das Karbe-Wagner-Archiv knüpft seit 2003 mit einer Neuen Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs an die alte publizistische Tradition an.

Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs

  • Heft 1: Aus dem Leben und Werk südostmecklenburgischer Heimatforscher.
  • Heft 2: Aus dem alten Neustrelitz. Erzählbilder aus der Zeit 1730–1875. 1967
  • Heft 3: Heimatkundliche Wanderungen: Kleinseenplatte Neustrelitz. 1968
  • Heft 4/5: Beiträge zur Theatergeschichte von Neustrelitz Teil 1 und 2. 1969
  • Heft 6: Aus dem alten Neubrandenburg Teil 1. 1970
  • Heft 7: Spuk – Schatzgräber. Riesen – Zwerge: Sagen aus Südostmecklenburg. 1970
  • Heft 8: Unterhaltsame Volkskunde. 1971
  • Heft 9: Aus dem alten Neubrandenburg Teil 2. 1971
  • Heft 10: Aus dem alten Neubrandenburg Teil 3. 1972
  • Heft 11: Anekdoten und Geschichten aus dem ehemaligen Land Mecklenburg-Strelitz. 1972
  • Heft 12: Aus dem alten Neubrandenburg Teil 4. 1973
  • Heft 13: Die Teufelsmühle und andere Sagen. 1973

Weiterführende Informationen

Hauptliteratur

  • Karbe-Wagner-Archiv (Hrsg.): Neue Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs. Band 1. Thomas Helms Verlag, 2003, ISBN 3-935749-13-9

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wagner (Familienname) — Wagner ist ein deutscher Familienname. Herkunft und Bedeutung Berufsname vom Beruf des Wagners (Wagenmachers). Varianten Im niederdeutschen Raum verbreitete Varianten sind Wegner und Wegener. Daneben gibt es noch die Varianten Wahner, Wehner und… …   Deutsch Wikipedia

  • Karbe-Wagner-Archiv — Das Karbe Wagner Archiv (kurz: KWA) ist eine heimatkundliche Sammlung in Neustrelitz, die eine Präsenzbibliothek mit einigen ergänzenden Materialsammlungen und einzelnen Nachlässen darstellt. Sammlungsschwerpunkte sind die Stadtgeschichte von… …   Deutsch Wikipedia

  • Walter Karbe — (Hermann Wilhelm) Walter Karbe (* 9. April 1877 in Trechwitz; † 25. Oktober 1956 in Neustrelitz) war einer der bedeutendsten Heimatforscher im Stargarder Land – „seinen besten Schüler“ nannte ihn einst Richard Wossidlo. Karbe entdeckte den… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Wag — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Bahnhof Neustrelitz — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Strelitz Alt — Strelitz, umgangssprachlich auch Altstrelitz oder Strelitz Alt genannt, war eine mecklenburgische Landstadt und von 1701 bis 1712[1] Hauptresidenz der Herzöge von Mecklenburg Strelitz.[2] Sie wurde 1931 nach Neustrelitz eingemeindet und trägt… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Persönlichkeiten der Stadt Neustrelitz — Inhaltsverzeichnis 1 Bürgermeister 2 Ehrenbürger 3 Söhne und Töchter der Stadt …   Deutsch Wikipedia

  • Neustrelitz — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Schloss Neustrelitz — Das Schloss Neustrelitz auf einer Postkarte von 1912 Das Schloss Neustrelitz in Neustrelitz war Hauptresidenz des (Teil ) Herzogtums Mecklenburg Strelitz, Sitz der (Groß ) Herzoglichen Familie und nach 1918 Sitz des Landtags des gleichnamigen… …   Deutsch Wikipedia

  • Carl Werner Reinhold — (Carl) Werner Reinhold, auch: (Karl) Werner Reinhold, Carolus Guernherus Reinhold, Pseud.: Hilarius Satyr (* 23. November 1806 in Woldegk; † 21. Mai 1863 in Landsberg (Warthe)) war ein deutscher Schriftsteller und Chronist. Inhaltsverzeichnis 1… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”