Annie Clemmer Funk

Annie Clemmer Funk (* 12. April 1874 in Bally, Pennsylvania, USA; † 15. April 1912 auf der Titanic) war eine US-amerikanische Missionarin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Annie Funk war die Tochter von James Bechtel Funk (1845–1929), dem wohlhabenden Besitzer einer Getreidemühle und Diakon der Mennonitengemeinde von Bally, und dessen Ehefrau Susanna „Susan“ Funk, geb. Clemmer (1845–1913). Ihre Vorfahren selbst waren Emigranten aus Deutschland, die sich Ende des 18. Jahrhunderts in Bally ansiedelten. Annie war das jüngste von sechs Kindern.

Nach dem Besuch der Schule in West Chester, Pennsylvania absolvierte Funk die Mennonitenschule in Northfield (Massachusetts). Nach ihrem Abschluss begann Funk in den Ghettos von Chattanooga (Tennessee) und Paterson (New Jersey) zu arbeiten, träumte jedoch stets davon, als Missionarin tätig zu sein.

Dies wurde im Dezember 1906 Realität, als sie als erste weibliche Mennoniten-Missionarin nach Indien entsandt wurde. In Janjgir-Champa sollte sie in den kommenden Jahren arbeiten, wo sie im Juli 1907 eine Schule für 17 Mädchen eröffnete, die sie auch unterrichtete. Auch lernte sie Hindi.

Ein Telegramm, das sie Ende März 1912 erhielt, und in dem stand, dass ihre Mutter schwer erkrankt sei, veranlasste Funk die Heimreise nach Bally anzutreten. Mit dem Zug fuhr sie bis nach Bombay, buchte die Persian und erreichte auf ihr Marseille in Frankreich. Mit Zug und Schiff erreichte sie Liverpool. Ursprünglich sollte sie an Bord der Haverford nach Amerika reisen, doch auf Grund des Kohlestreiks war sie gezwungen, auf die Titanic umzubuchen. Auf der Haverford ursprünglich Erste-Klasse-Passagierin war Funk auf der Titanic nun Fahrgast der Zweiten Klasse.

Die Reise sollte für Funk zunächst etwas ganz Besonderes werden, feierte sie doch auf der Titanic ihren 38. Geburtstag. In der Nacht auf den 15. April 1912 lag sie gerade im Bett, als die Kollision mit dem Eisberg erfolgte. Zunächst ging alles gut; sie war bereits auf dem Bootsdeck und gerade dabei ein Rettungsboot zu besteigen, als eine verzweifelte Mutter mit ihren Kindern angelaufen kam. Annie Funk trat zur Seite und überließ dieser den letzten freien Platz im Boot. Ihr mitfühlendes Verhalten kostete sie in jener Nacht das Leben, als eine von wenigen Frauen der Zweiten Klasse. Ihr Leichnam, wenn geborgen, wurde nie identifiziert.

Würdigung

Im Gedenken an sie wurde die Schule in Indien, die sie gegründet hatte, in Annie Funk Memorial School umbenannt. Die an der Schule angebrachte Gedenktafel würdigt Annie C. Funks Lebenswerk mit folgenden Worten: "She was coming home on her first furlough, when death overtook her in the wreck of the steamship Titanic off the coast of Newfoundland. Her life was one of service in the spirit of the master - not to be ministered unto but to minister"[1].

Literatur

  • Sharon Yoder / Jolynn Schmucker: Annie Funk. Lived to Serve, Dared to Sacrifice, 2008, ISBN 0981656919
  • Judith B. Geller / John P. Eaton: Titanic: Women and Children First, 1998, ISBN 0393046664
  • John Ruth: Maintaining the Right Fellowship, Scottdale 1984, S. 412-414
  • Russel Krabill: They found Annie Funk's Resting Place, in: Mennonite Weekly Review, 19. Januar, 1986
  • Christena Duerksen: A Missionary on the Titanic, in: Mennonite Life, Januar 1957, S. 44 - 46
  • Artikel: Annie Clemmer Funk, in: Mennonite Encyclopedia, Band V, S. 891

Einzelnachweise

  1. Encyclopedia Titanica; eingesehen am 20. September 2008

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Annie C. Funk — Annie Clemmer Funk (* 12. April 1874 in Bally, Pennsylvania, USA; † 15. April 1912 auf der Titanic) war eine US amerikanische Missionarin. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Würdigung …   Deutsch Wikipedia

  • Annie (Vorname) — Annie ist ein weiblicher Vorname. Bekannte Namensträger Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z …   Deutsch Wikipedia

  • Funk (Familienname) — Funk ist ein deutscher Familienname. Bekannte Namensträger Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z …   Deutsch Wikipedia

  • Funk (surname) — Funk is a surname and may refer to: * Aaron Funk, Canadian electronic musician * Alan Funk, American professional wrestler * Annie Clemmer Funk (1874 1912), Mennonite missionary in India, perished with the Titanic * Casimir Funk (aka. Kazimierz… …   Wikipedia

  • Liste der Biografien/Fu — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • RMS Titanic — Die Titanic am 10. April 1912 p1 …   Deutsch Wikipedia

  • Mennoniten — sind eine evangelische Glaubensgemeinschaft, die aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit hervorgegangen ist. Der Name leitet sich von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons ab. Als täuferische Kirche sind die Mennoniten… …   Deutsch Wikipedia

  • Pasajeros a bordo del RMS Titanic — Anexo:Pasajeros a bordo del RMS Titanic Saltar a navegación, búsqueda Esta es una lista de los 2207 pasajeros a bordo del RMS Titanic, golpeado por un iceberg en el océano Atlántico mientras partía a la ciudad de Nueva York, el buque finalmente… …   Wikipedia Español

  • Anexo:Pasajeros a bordo del RMS Titanic — Esta es una lista de los 2207 pasajeros a bordo del RMS Titanic, golpeado por un iceberg en el océano Atlántico mientras se dirigía a la ciudad de Nueva York. Finalmente se hundió. Los nombres en cursiva hacen referencia a aquellas personas que… …   Wikipedia Español

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”