Anstalt für Kabelkommunikation

Die Anstalt für Kabelkommunikation, Anstalt des öffentlichen Rechts in Ludwigshafen am Rhein, in Kurzform genannt AKK-Sendezentrale (kurz: AKK) war die "Wiege" des deutschen privaten Rundfunks. Später firmierte die AKK auch unter AKK-Sendezentrale GmbH, AKK Sendezentrale GmbH & Co. KG und AKK TV-Übertragung GmbH & Co. KG.

Unternehmen

Die am 15. Juni 1982 gegründete AKK war als Anstalt des öffentlichen Rechts zugleich Lizenz- und Überwachungsbehörde sowie Sendezentrale und Produktionsbetrieb für privat veranstaltetes Fernsehen und Radio. Grundlage bildete ein Gesetz über den Versuch mit Breitbandkabel zur Einführung und Erprobung des privaten Rundfunks, welches maßgeblich von Helmut Kohl und Leo Kirch vorangetrieben wurde. Das Vorhaben förderte der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel, der in der Anfangszeit oft vor Ort war und den Rundfunkbetrieb verfolgte.

Die AKK hatte bis zu 160 festangestellte Mitarbeiter und wurde durch bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft geführt, u. a. Peter Boenisch, Claus Detjen, Rainer Sura.

Politiker anderer Bundesländer versuchten, die Programmveranstalter abzuwerben. Die AKK-Sendezentrale stellte später den Fernsehsendebetrieb mangels Aufträgen endgültig ein. In der Folge wurden die intakten Anlagen entsorgt und Massenentlassungen vorgenommen. Zwischenzeitlich war in mobile Übertragungstechnik sowie in den hoch defizitären Ladenfunk AKK Businessradio investiert worden. Das AKK Businessradio hatte ein breiten Kundenstamm, unter anderem die Metro Gruppe.

Ein Medienunternehmen aus Ulm bekundete die Absicht, die AKK zu übernehmen, den Fernsehbereich auszubauen und langfristig zu investieren. Trotz Protest verkaufte das Land Rheinland-Pfalz die AKK für eine einen symbolischen Preis an ein anderes Ladenfunkunternehmen aus einem anderen Bundesland. Der Verkauf war verbunden mit Zahlungen des Landes Rheinland-Pfalz in zweistelliger Millionenhöhe. Nahezu alle Arbeitsplätze gingen verloren, ebenso der Standort und der größte Teil der stationären Technik, welche 1983–1984 für über 23 Millionen DM eingebaut und in den folgenden Jahren regelmäßig ergänzt und erweitert wurde. Kurz nach dem Verkauf begann Demontage und Abtransport ausgesuchter Teile der stationären technischen Einrichtungen.

Aus den Resten ist die AKK TV-Übertragung GmbH & Co. KG entstanden. Zu den Kunden der heutigen AKK gehören praktisch alle Fernsehanbieter in Deutschland und im angrenzendem Ausland.

Sendebetrieb

Der Sendebetrieb wurde am 1. Januar 1984 um 0:00 Uhr aufgenommen. Zunächst wurden im Kabelpilotprojekt Vorderpfalz 24 Fernsehkanäle und eine große Menge neuer Hörfunkkanäle empfangbar. Mit der Zeit kamen bundesweite Sendungen der AKK hinzu.

Zu den ersten Fernsehkunden der AKK gehörten:

  • PKS (Programmgesellschaft für Kabel und Satellit, seit dem 1. Januar 1985 Sat.1)
  • Movie Channel 1 ((Kinokanal von Artur Brauner und wurde im Mai 1985 eingestellt))
  • Music Box (Musikprogramm, später Tele 5)
  • ZDF-2 (zeitversetztes ZDF-Satellitenprogramm)
  • EINS PLUS
  • ZDF-Musikkanal (später 3sat)
  • SWF – Der schlaue Kanal
  • Bürgerservice (heute K3 Kulturkanal)
  • Sonderkanal für Einzelanbieter
  • Der Offene Kanal

Im Radiobereich gab es zunächst vier Anbieter/Anbietergemeinschaften sowie Radio Kolibri (der erste private deutsche Radio- und Fernsehsender) und der Offene Kanal. Aus den vier Anbietergemeinschaften entstand der Radioanbieter RPR. Die AKK wurde 1992 in eine GmbH & Co. KG überführt.

Zu den letzten Fernsehanbietern gehörte STAR1, der erste private türkische Fernsehsender. STAR1 war in der Türkei sehr beliebt, westlich ausgelegt und wurde mittels unzähliger Relaissender und Satellit in der gesamten Türkei verbreitet. Bald kam der türkische Sender TeleOn hinzu, ebenso aus der AKK für die Türkei. Die unzensierten, westlich orientierten Nachrichten im Stil von CNN galten als glaubwürdig und neutral. Beispielsweise kam das Wort Kurde in den Nachrichten vor, während es bei der TRT noch Berg-Türken hieß. Die Zuschauerquote reichte bis 98%, und der staatliche Rundfunk TRT bekam ernste Probleme. Zu dieser Zeit wurden technische Einrichtungen in Istanbul gelegentlich durch städtische Müllfahzeuge gerammt, und der stellvertretende türkische Geschäftsführer kam unter ungeklärten Umständen ums Leben. Der türkische Staat bewirkte schließlich die Einstellung des Sendebetriebs aus der AKK.

Weblinks

Webpräsenz der AKK TV-Übertragung GmbH


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