Antifaschistische Aktion Berlin

Die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) war eine der bekanntesten und mitgliederstärksten Antifa-Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde um 1993 gegründet und spaltete sich zehn Jahre später in zwei Gruppen auf.

Die AAB wurde zunächst unter dem Namen Antifa A&P (Agitation und Praxis) zu Beginn der 1990er Jahre gegründet und war maßgeblich an der Schaffung einer bundesweiten Organisation Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) beteiligt. Insbesondere die von ihr veranstalteten Demonstrationen zum „revolutionären 1. Mai“ erreichten für die linksradikale Szene vergleichsweise große Teilnehmerzahlen und hohe Medienpräsenz. Wegen ihres undogmatischen Vorgehens und ihres für linksradikale Verhältnisse ungewöhnlich pragmatischen Umgangs mit den Medien stand sie in der Kritik der traditionellen Autonomen, die ihr „oberflächliches Politmarketing“ vorhielten.

Die AAB betrieb eine populäre Website im Internet, www.antifa.de, die vom Verfassungsschutz als „eigene, professionelle Internet-Homepage“ mehrfach in seinen Berichten genannt wurde.

Von der AAB wurde gelegentlich militanter Antifaschismus gerechtfertigt, der auch die körperliche Gewalt gegenüber Rechtsextremen mit einschloss. Als politische Gruppe verstand sich die AAB aber explizit als nicht gewalttätig. Darüber hinaus richtet sich die AAB auch gegen die herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen und den Kapitalismus.

Vorrangiges Ziel der AAB war der Aufbau konkreter Strukturen in Berlin und dem Umland. Ein Tätigkeitsschwerpunkt lag dabei in der Jugendarbeit, der Zusammenarbeit mit kleineren Jugendgruppen in verschiedenen Berliner Stadtteilen. Zu diesen gehörten beispielsweise die Jugendantifa Marzahn (JAM), Antifa Jugend Aktion Schöneberg/Steglitz (AJAS), Antifa Jugend Aktion Kreuzberg (AJAK), Jugendantifa Friedrichshain (JAF), Antifa Süd-Ost (ASO), Antifa Jugend Aktion Potsdam (AJAP) und Antifaschistische Rote Dornen (ARD).

Nach dem Ende der AA/BO und den Debatten innerhalb der radikalen Linken um die Positionen zu dem Nahost-Konflikt spaltete sich die Gruppe im Februar 2003 in zwei etwa gleichgroße Fraktionen: Der eher „aktivistisch“ bzw. „aktionistisch“ agierenden traditionell-linksradikalen Flügel schloss sich in der Antifaschistische Linken Berlin (ALB) – heute Mitglied des Bündnisses Interventionistische Linke – zusammen. Aus dem stärker theoretisch ausgerichteten Flügel entstand zunächst die Gruppe Kritik und Praxis Berlin (KP Berlin). Nach deren Selbstauflösung im Oktober 2006 gründeten sich die beiden Nachfolgegruppen Gruppe soziale Kämpfe Berlin und Theorie.Organisation.Praxis (TOP Berlin). Letztere ist zugleich eines der Gründungsmitglieder des ums Ganze!-Bündnisses. Die Nachfolgegruppen erreichen zwar nicht die öffentliche Bedeutung der AAB, spielen aber im bundesweiten linksradikalen Diskurs weiterhin eine bedeutende Rolle.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Antifaschistische Linke Berlin — Die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) ist eine Antifagruppe in Berlin. Die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) ist eine von zwei Gruppen, die aus der Trennung der Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB) zu Beginn des Jahres 2003 hervorgegangen …   Deutsch Wikipedia

  • Antifaschistische Aktion — In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: siehe Diskussion:Antifaschismus#Lücken Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst. Der Antifaschismus ist eine politische Bewegu …   Deutsch Wikipedia

  • Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin — Logo der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin Die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin, kurz [ARAB], ist eine Gruppierung, die zu den wesentlichen Akteuren[1] des autonomen Spektrum in Berlin gehört.[2] …   Deutsch Wikipedia

  • Antifaschistische Bewegung — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern. Der Begriff Antifa ist ein etwa seit Anfang der 1980er Jahre wieder verbreitetes Akronym des Wortes Antifaschismus und… …   Deutsch Wikipedia

  • Aktion Noteingang — Die Aktion Noteingang ist eine antirassistische Initiative, die darauf zielt, auf Rassismus hinzuweisen und Solidarität einzufordern. Dazu werden Geschäfte, Lokale und Institutionen angesprochen, mit dem Aufkleber der Aktion im Eingangsbereich… …   Deutsch Wikipedia

  • Berlin 1936 — XI. Olympische Sommerspiele Teilnehmende Nationen 49 Teilnehmende Athleten 3961 (3633 Männer, 328 Frauen) Wettbewerbe …   Deutsch Wikipedia

  • Kritik und Praxis Berlin — Die Gruppe Kritik und Praxis Berlin (KP Berlin) war eine Antifa Gruppe mit Verbindung in die Antideutsche Szene. Ihrem Selbstverständnis nach war sie undogmatisch marxistisch orientiert. Kritik und Praxis Berlin hat sich offiziell am 22. Oktober… …   Deutsch Wikipedia

  • Antifa — Logo der Antifaschistischen Aktion mit roter und schwarzer Fahne Der Begriff Antifa ist ein etwa seit Anfang der 1980er Jahre wieder verbreitetes Akronym des Wortes Antifaschismus und bezeichnet vor allem im antifaschistischen Spektrum linke,… …   Deutsch Wikipedia

  • Aab — ist der Nachname von: Jaak Aab (* 1960), estnischer Politiker Vitalij Aab (* 1979), deutscher Eishockeyspieler Die Abkürzung AAB steht für: Aalborg BK, einen dänischen Fußballverein Air Assault Brigade, eine luftbewegliche Brigade der British… …   Deutsch Wikipedia

  • Erster Mai in Kreuzberg — Nicht angemeldete Demonstration am 1. Mai 2006 in Berlin Kreuzberg …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”