Querprofile

Querprofile (cross-sections, transverse sections; profils en travers; sezioni trasversale), Querschnitte, senkrecht zur Bahnachse, zur Achse der Straße, des Wasserlaufs oder eines Bauwerks gedachte Schnitte. Sie geben im Verein mit dem Längenschnitt (s.d.) ein vollständiges Bild von den Veränderungen, die das Gelände aus Anlaß des Baues der Bahn, der Straße oder der Verlegung und Regelung eines Wasserlaufs zu erfahren hat, und bringen die auszuführenden Kunstbauten mit zur Darstellung. Die Abmessungen eines jeden Bauwerks sind durch Längen- und Querschnitte vollkommen bestimmt.

Im Eisenbahnbau dienen die Q. zur Aufnahme des Geländes, zur Ausarbeitung des Bauentwurfs, sie sind ferner wichtige Grundlagen für die Bauausführung, für die Abrechnung und für die Bahnunterhaltung.

Um genaue Kenntnis des Geländes im Baubereich zu erhalten, wird in jedem im Längenschnitt festgelegten und im Gelände ausgepflockten Punkt ein Q. aufgenommen. Im ebenen Gelände erfolgt diese Aufnahme am raschesten mit Meßband und Nivellierinstrument, bei größeren Höhenunterschieden mit Wag- und Setzlatte. Bei der zeichnerischen Darstellung der so aufgenommenen Q. wird nebst der Geländeoberfläche die Bezeichnung des Punktes, in dem die Aufnahme erfolgte, seine nivellierte Höhe in der Bahnachse sowie eine Vergleichsebene (Horizont) eingetragen. Sind die Q. wie vor beschrieben aufgenommen und aufgetragen, so können sie zur Ausarbeitung von Schichtenplänen dienen.

Bei der Ausarbeitung des Bauentwurfs werden die Q. durch genaue Einzeichnung des Kunstkörpers vervollständigt. Aus den Q. ist dann zu ersehen, welche Kronenbreite der Bahnkörper erhalten soll, nach welcher Neigung die Damm- und Einschnittsböschungen auszuführen sein werden, auf welche Tiefe die Bahngräben auszuheben sind, kurz jede Veränderung, die das Gelände aus Anlaß des Bahnbaues erfahren soll, muß aus den Q. zu erkennen sein. Sind die Q. so ausgefertigt, dann dienen sie zur Ermittlung der einzelnen Arbeitsgattungen und Arbeitsmengen, deren Kenntnis für die Erstellung des Kostenanschlags (s.d.) erforderlich ist. Die Q. sind der wichtigste Behelf bei Ermittlung der zu leistenden Erdbewegung (s. Erdarbeiten). Für die Bauausführung selbst sind die Q. ebenfalls nicht zu entbehren. Sie dienen als Grundlage für die Aussteckung der Lattenprofile und für die Bauabrechnung. Es kann jederzeit durch Aufnahme der Arbeitsfortschritt in den Q. ersichtlich gemacht werden, wonach die dem Bauunternehmer zu leistende Abschlagszahlung ermittelt wird.

Ist endlich der Bau vollendet, so erfolgt eine neuerliche Aufnahme der Q., um die tatsächliche Ausführung festzulegen. Alle Abweichungen vom Bauentwurf finden dann in der Zeichnung Ausdruck und man kann vergleichen, inwieweit die Annahmen tatsächlich zugetroffen haben oder nicht. Solche Aufschlüsse sind sowohl für die Unterhaltung der Bahn, als auch für spätere Entwurfsarbeiten sehr wertvoll. Die wiederholte Aufnahme der Q., die durchschnittlich 15 m voneinander entfernt sind, erfordert viel Zeit und Mühe, ist aber nicht zu umgehen.

In der Regel werden die Q. im Maßstab 1 : 100 aufgetragen, nur bei größeren Bauwerken geht man der Übersichtlichkeit wegen auf 1 : 200.

Pollak.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

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