Francia

Francia

Francia (spr. frantscha), 1) eigentlich Francesco Raibolini, ital. Maler, Goldschmied und Bildner, geb. 1450 in Bologna, gest. daselbst 5. Jan. 1517, war ursprünglich Goldschmied und wurde 1483 Obmann der Goldschmiedsgilde, welches Amt er wiederholt (1489,1506–1508 und 1512) bekleidete. 1514 ward er Obmann der vier Künste. Von den Bentivogli zum Münzmeister bestellt und vom Papst Julius als solcher bestätigt, gewann F. bedeutenden Ruf im Stempelschnitt, Silberornament und Niello. Zwei Nielloteller von ihm befinden sich in der Akademie zu Bologna. Berühmter ist er in der Malerei, in der er durch Lorenzo Costa beeinflußt worden ist. In der Folge wirkte die Richtung Peruginos bestimmend auf ihn ein und ganz zuletzt noch das Beispiel Raffaels, der mit F. in ein freundschaftliches Verhältnis getreten war (Briefwechsel von 1508). F. besaß keine reiche Erfindungsgabe, wohl aber Sinn für heilige, empfindungsvolle Schönheit und für den Ausdruck eines zarten Seelenlebens, besonders in weiblichen Gestalten. Seine Ausführung mit ihrem glatten, firnisartigen Schmelz und ihren saubern Umrissen erinnert, besonders in den Werken seiner frühern Jahre, an sein Herauswachsen aus der Goldschmiedekunst. Bilder von ihm sind ziemlich häufig, besonders finden sich viele zu Bologna (Madonna von 1490 in der Misericordia, Madonna von 1499 in der Bentivogli-Kapelle von San Jacopo Maggiore, der tote Christus und eine Madonna in der Pinakothek, Fresken aus der Geschichte der heil. Cäcilia im Oratorio di Santa Cecilia etc.). München besitzt die Madonna im Rosenhag, Dresden die Taufe Christi von 1509 und die Anbetung der Könige, Berlin eine Madonna von 1502 und eine heilige Familie aus seiner Jugendzeit, die Nationalgalerie zu London eine Madonna, das Louvre zu Paris Christus am Kreuz mit Hiob, die Galerie zu Parma eine Kreuzabnahme. Francias Söhne Giacomo (geb. vor 1487, gest. 1557, der bedeutendere) und der jüngere Giulio (geb. 1487, gest. nach 1543) waren ebenfalls in der Art des Vaters als Maler tätig. Vgl. Williamson, Francesco Raibolini, called F. (Lond. 1901).

2) José Gaspar Rodriguez da, gewöhnlich »Dr. Francia« genannt, Diktator von Paraguay, geb. 1757 in Asuncion, gest. 20. Sept. 1840, besuchte, zum geistlichen Stand bestimmt, die Universität zu Cordoba de Tucuman, ward aber dann Advokat und ließ sich in Asuncion nieder. Zum Alkalden det Stadt ernannt, zeigte er auch in dieser Stellung strenge Rechtlichkeit. Als sich 1811 Paraguay von der spanischen Herrschaft losgerissen, wurde F. zum Sekretär der vom Kongreß ernannten Junta, 1813 zum Konsul, 1814 aber zum Diktator ernannt, zuerst für drei Jahre, 1817 für Lebenszeit. Obwohl die Verfassung des Staates republikanisch war, so führte F. doch ein absolutes Regiment und unterdrückte jede Opposition mit blutiger Grausamkeit. Besonders mißtrauisch war er gegen die Spanier, auch gegen die Geistlichkeit, wie er denn auch 1824 alle Klöster aufhob und ihre Güter einzog. Wiederholte Verschwörungen machten seine Schreckensregierung noch schonunsgsloser. Dabei widmete er aber dem Anbau des Landes besondere Sorgfalt, zwang die Grundbesitzer zu bestimmten Anpflanzungen und setzte auch die industriellen Kräfte in Bewegung, verbot jedoch alle Auswanderung und allen Handel mit dem Ausland. Fremde duldete er nur unter großer Beschränkung; so wurde A. Bonpland (s.d.), der in Sant' Anna eine Indianerkolonie zur Kultur des Tees gegründet hatte, Francias Gefangen er und die Kolonie zerstört. Erst seit er seine Herrschaft gesichert glaubte, etwa seit 1824, ward sie milder. Vgl. Bazán, El dictador F. (Madr. 1887).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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