Hedin

Hedin

Hedin, 1) Adolf, schwed. Politiker und Schriftsteller, geb. 23. April 1834 im Kirchspiel Bo (Nerike), studierte seit 1851 in Upsala, wurde 1859 Journal ist. redigierte 1874–76 das linksliberale Stockholmer »Aftonblad« und vertrat seit 1870 als radikal-freihändlerisches Mitglied fast ununterbrochen Schwedens Hauptstadt in der Zweiten Reichstagskammer, wo er zu den schärfsten Gegnern der Regierung wie der Dynastie gehörte, wiederholt eine schwedisch-französische Allianz befürwortete, seiner Abneigung gegen alles Deutsche durch Reden und Anträge häufig Ausdruck verlieh und in der Unionsfrage für die separatistischen Bestrebungen der norwegischen Ultraradikalen eintrat. Von seinen zahlreichen Broschüren etc. sei »Om latin-herraväldet« (1883) hervorgehoben. Seine historischen Arbeiten »Franska revolutionens qvinnor« (1879–80), »Studier i franska revolutionens historia« (bisher 1 Bd., 1890) und »Ludvig XIV. 's tidehvarf« (1895) gelten als wenig zuverlässig. Eine Auswahl seiner »Tal och skrifter« gab Spångberg heraus (Stockh. 1904). Vgl. Spångberg, Adolf H. väktaren och forgångsmannen (Stockh. 1901).

2) Sven von, schwed. Reisender, geb. 19. Febr. 1865 in Stockholm, studierte seit 1884 in Stockholm und Upsala, später in Berlin und Halle Naturwissenschaften, besonders Geologie, unternahm bereits 1885 mit den bescheidensten Mitteln ausgedehnte Wande rungen durch Persien und Mesopotamien, wurde 1890 der schwedischen Gesandtschaft an den Schah von Persien als Sekretär beigegeben, benutzte diese Gelegenheit zu einer Besteigung des Demavend, dessen Höhe er auf 5465 m bestimmte, und zog im Winter 1891 über den Terekpaß nach Kaschgar. Mit Unterstützung des Königs Oskar II. begann er 1894 eine dreijährige Forschungsreise in Zentralasien, durchquerte das Pamirplateau, untersuchte den Gletscher Mustag ata, erforschte den See Tschil-kul und die Gebirgskette Alidschur und durchwanderte 1895 unter entsetzlichen Leiden und Verlust seiner ganzen Ausrüstung die Wüste Takla-Makan. Mit neuer Ausrüstung durchzog er 1896 dieselbe Wüste an ihrer breitesten Stelle, wandte sich zum See Lob-Nor und stellte fest, daß dessen Lage großen Veränderungen unterworfen gewesen ist, drang im August 1896 auf einem 4900 m hohen Paß über das Küenlüngebirge in das nördliche Tibet ein, wo er eine neue Gebirgskette und 23 Salzseen entdeckte, wandte sich dann wieder nordwärts nach Tsaidam und gelangte über Siningfu 15. März 1897 nach Peking, von wo er durch Nordchina und Sibirien nach Europa zurückkehrte. Eine zweite dreijährige Reise nach Zentralasien trat H. 1899 von Kaschgar aus an. Von Lailik am Jarkand-Darja fuhr er auf einer Flußfähre den Strom hinunter bis in die Nähe des Lob-Norgebietes, schlug dort sein Standquartier auf, durchzog die Wüste in südwestlicher Richtung bis nach Tschertschen, erforschte eingehend das Lob-Norgebiet und die Gebirgsketten des nördlichen Tibet, versuchte dann, als Pilger verkleidet, durch das östliche Tibet bis nach Lhassa vorzudringen, wurde aber, wenige Tagereisen davon entfernt, durch die Tibetaner gezwungen, nach Westen abzubiegen, und erreichte, nachdem er fast seine ganze Karawane infolge der furchtbaren Strapazen verloren hatte, Ende Dezember Leh in Ladakh, von wo er über den Karakorumpaß und Kaschgar in die Heimat zurückkehrte. Hier erhob ihn der König von Schweden in den Adelstand, und zahlreiche andre Auszeichnungen wurden ihm zuteil. Seine Reisen sind durch sorgfältige Routenaufnahmen und astronomische Ortsbestimmungen namentlich für die Kartographie Zentralasiens von größter Bedeutung. Außer zahlreichen Abhandlungen in geographischen Zeitschriften veröffentlichte er: »Genom Per-ien, Mesopotamien och Kaukasien« (Stockh. 1887); »General Prschevalskij's forskningsresor i Centralasien« (das. 1891); »Konung Oscars beskickning till Schahen af Persien år 1890« (das. 1889–91); »Genom Khorasan och Turkestan« (das. 1892–93, 2 Teile); »En fard genom Asien 1893–1897« (das. 1898; deutsch: »Durch Asiens Wüsten«, Leipz. 1899, 2 Bde.); »Die geographisch-wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien 1894 bis 1897« (Ergänzungsheft 131 zu »Petermanns Mitteilungen«, 1900); »Forskningar i. Lop-Nor-omradet 1895–1897« (Stockh. 1902); »Tusen mil på okända vägar« (das. 1903; deutsche Ausg.: »Im Herzen von Asien«, Leipz. 1903, 2 Bde.); »Meine letzte Reise durch Zentralasien« (Heft 5 der Sammlung »Angewandte Geographie«, Halle 1903). Die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Reise sollen in einem großen Werl von 3–4 Bänden und einem Atlas von über 100 Karten veröffentlicht werden.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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