Hermann [1]


Hermann [1]

Hermann (altdeutsch Heriman, »Heer-, Kriegsmann«), männlicher Name. Bemerkenswert:

1) H. der Cherusker, s. Arminius, S. 792.

[Hessen.] 2) H. (IV.), Landgraf von Hessen, geb. 15. Aug. 1607, gest. 4. April 1658, Sohn des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel, von Kindheit an auf einem Fuß lahm, gelehrt erzogen, war unter dem Namen des »Fütternden« Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft und schrieb: »Observationes historico-mathematicae de annis 1618–1635« (1635); »Deutsche Astrologia« (Grebenstein 1637); »Historia meteorologica« (Kassel 1651) und »Hexaemeron« (das. 1652). Nach dem Tode (1626) seines ältern Bruders, Philipp, führte er meist die Vormundschaft über seine jüngern Geschwister und residierte seit 1640 in Rotenburg, das ihm als Erbe zugefallen war.

[Köln.] 3) Graf von Wied, Kurfürst und Erzbischof von Köln, geb. 14. Jan. 1477, gest. 15. Aug. 1552, dritter Sohn des Grafen Friedrich I. von Wied, in Köln für den geistlichen Stand erzogen, nach seines Bruders Adam Tode Domherr daselbst, folgte 1515 dem Erzbischof Philipp, als welcher er 1520 Karl V. zu Aachen krönte. Anfangs Gegner der Reformation, stimmte H. auf dem Wormser Reichstag 1521 für die Acht gegen Luther und publizierte in seinem Lande das Wormser Edikt, erklärte sich auch noch 1530 zu Augsburg gegen Luthers Lehre und verfolgte ihre Anhänger in der Diözese Paderborn, wo er 1532 Bischof wurde. Nach dem unbefriedigten Versuch einer katholischen Reform auf einer Synode seiner Kirchenprovinz 1536 trat er in Beziehungen zu den Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen und zu Melanchthon, und als die konziliatorischen Verhandlungen zu Worms und Regensburg gescheitert waren, berief er Bucer, Melanchthon u. a. nach Köln, die 1543 einen Reformationsentwurf ausarbeiteten, der, von den weltlichen Ständen und einem Teil des Klerus angenommen, eingeführt werden sollte. Aber auf die Appellation der Mehrheit der kölnischen Geistlichkeit erhob Karl V. Einspruch, der Papst Paul III. setzte 1546 H. ab und ernannte den Grafen Adolf von Schaumburg zum Erzbischof, für den der Ausgang des Schmalkaldischen Krieges entschied. H. legte im Februar 1547 freiwillig sein Amt nieder und zog sich nach Wied zurück. Vgl. Varrentrapp, H. von Wied und sein Reformationsversuch in Köln (Leipz. 1878).

[Luxemburg.] 4) H. von Lützelburg (Luxemburg), Graf von Salm, gest. 28. Sept. 1088 bei der Belagerung von Kochem, wurde während der Abwesenheit Heinrichs IV. (s. d., S. 94) in Italien 1081 in Ochsenfurt von den Sachsen und Schwaben zum Gegenkönig gewählt und vom Mainzer Erzbischof Siegfried 26. Dez. in Goslar gekrönt. An seinem Plan eines Heereszuges nach Italien wurde er aber durch den Tod seines Hauptanhängers, Otto v. Nordheim, verhindert und 1085 zur Flucht nach Dänemark genötigt. 1086 schlug er mit Herzog Welf den Kaiser bei Würzburg, verlor aber bald allen Einfluß und mußte sich 1088 in seine Erblande zurückziehen.

[Sachsen.] 5) Herzog von Sachsen, der Begründer des sächsischen Herzogshauses, das Spätere das Billungische nennen, Kaiser Ottos I. getreuer Gehilfe bei der Bekämpfung der unterelbischen Slawen und von diesem mit der Markgrafschaft gegen die Dänen, Wagrier und Obotriten, später, nach 950, auch mit der herzoglichen Gewalt in Sachsen betraut, starb 27. März 973 in Quedlinburg. Sein Geschlecht erlosch 1106 mit Herzog Magnus (s. d.). Die ausgedehnten Billungschen Güter im heutigen Hannover und Holstein fielen an Lothar von Supplinburg, den nachmaligen Kaiser, dann an die mit den Billungen verschwägerten Welfen und Askanier. Vgl. Wedekind, H., Herzog von Sachsen (Lüneb. 1817).

[Sachsen-Thüringen.] 6) H. I., Pfalzgraf von Sachsen und Landgraf von Thüringen, zweiter Sohn Ludwigs des Eisernen und der Judith, zog 1180 mit seinem Bruder Ludwig gegen Heinrich den Löwen, ward bei Weißensee 11. Mai 1180 gefangen und erst 1181, um beim Kaiser einen billigen Frieden auszuwirken, wieder freigegeben. Nach dem Tode seines Bruders Ludwig III. (1190) folgte er diesem in der Landgrafschaft Thüringen und verlegte seine Residenz von der Neuenburg an der Unstrut oberhalb Freyburg auf die Wartburg. Kaiser Heinrichs VI. Absichten auf Thüringen energisch bekämpfend, ergriff er in den Kriegen nach Heinrichs Tod (1198–1208) bald für Philipp von Schwaben, bald für Otto IV. von Braunschweig Partei. Als aber Otto mit dem Papst Innozenz III. zerfallen war, versammelte er 1211 eine Anzahl Fürsten in Nürnberg und veranlaßte sie zu dem Beschluß, den gebannten Otto abzusetzen und Friedrich II. zu wählen. Deshalb erhoben sich die Sachsen, bemächtigten sich der Städte Mühlhausen und Nordhausen, und da sich viele seiner Vasallen gegen ihn auflehnten, konnte ihn nur Friedrichs II. schnelles Einrücken in Deutschland retten. Kunstliebend und den Minnesingern zugezählt, lebt er in der Sage als Veranstalter des Wartburgkriegs (s. d.). H. starb 25. April 1217 in Gotha und wurde zu Reinhardsbrunn begraben. Durch seine Tochter erster Ehe, Jutta, Gemahlin des Markgrafen Dietrich von Meißen, wurde er Großvater Heinrichs des Erlauchten von Meißen. Mit seiner zweiten Gemahlin, Sophie, einer Tochter des Herzogs Otto von Bayern, zeugte er Ludwig, seinen Nachfolger in der Regierung und Gemahl der heil. Elisabeth, Heinrich Raspe, Ludwigs Nachfolger und Gegenkönig Friedrichs II., und zwei Töchter. – Sein Enkel Hermann II., der jüngere, Sohn Ludwigs des Frommen und der heil. Elisabeth, folgte 1227 seinem Vater unter der Vormundschaft seines Oheims Heinrich Raspe; er starb kinderlos 1241.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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