Philipp V. (Frankreich)


Philipp V. (Frankreich)

Philipp V., genannt der Lange (frz.: Philippe V le Long; * 17. November 1293; † 3. Januar 1322 Abtei Longchamp), aus der Dynastie der Kapetinger war von 1317 bis 1322 König von Frankreich und (als Philipp II.) König von Navarra.

König Philipp V. von Frankreich wird gekrönt. Links daneben wird die Szene von seinem jung verstorbenen Neffen Johann I. beobachtet. Darstellung aus den Grandes Chroniques de France, 14. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Philipp V. war der zweite Sohn von König Philipp IV. dem Schönen von Frankreich († 1314) und dessen Gemahlin Königin Johanna I. von Navarra († 1305). Er wurde 1307 mit der Pfalzgräfin Johanna II. von Burgund verheiratet womit er als deren Ehemann die Regentschaft in der Franche-Comté übernahm, 1311 erhielt er die Grafschaft Poitou als eigene Apanage verliehen. Philipps Frau wurde 1314 von seiner Schwester Isabella des Ehebruchs beschuldigt und in der Burg Dourdan eingesperrt, doch konnte sie das Parlament von ihrer Unschuld überzeugen und wieder zu ihrem Mann zurückkehren.

Regentschaft

Im Sommer 1316 verstarb überraschend Philipps älterer Bruder König Ludwig X. der Zänker und hinterließ eine problematische Erbfolge. Denn er hatte nur eine Tochter und eine hochschwangere Frau zurückgelassen. Philipp war zu diesem Zeitpunkt in Lyon um die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes nach dem Tod des Papstes Clemens V. zu leiten. Er ließ darauf die versammelten Kardinäle einsperren und traf im Juli 1316 in Paris ein, wo er von den Großen des Königreiches als Regent des verwaisten Thrones anerkannt wurde. Damit verdrängte er den dreiköpfigen Regentschaftsrat um seine Onkel Karl von Valois, Ludwig von Évreux und seinen jüngeren Bruder Karl von La Marche, den der König noch vor seinem Tod eingesetzt hatte und der besonders von Karl von Valois dominiert wurde. Ludwig von Évreux wurde mit der Verleihung der Pairswürde entschädigt und Karl von La Marche entwickelte keinen größeren Ehrgeiz. Die Kardinäle in Lyon konnten sich unterdessen aus ihrer Gefangenschaft lösen, indem sie sich auf Johannes XXII. einigten.

Die noch nicht gefestigte Regierung Philipps versuchten sogleich mehrere unzufriedene Adlige für eigene Interessen zu nutzen. Im Artois schürte der dort abgesetzte Graf Robert von Beaumont, ein Cousin von Philipps Frau, für Unruhe was Philipp dazu nötigte ein Heer unter Gaucher von Châtillon gegen ihn ins Feld zu führen der den Grafen gefangen nehmen konnte. Zusätzlich bedrängte der Herzog Odo IV. von Burgund den Regenten mit den Rechten beider Nichte Johanna, die auch eine potentielle Erbin der Königskrone werden konnte.

Am 13. November 1316 gebar die Königinwitwe den neuen König Johann I. für den Philipp weiterhin die Regentschaft führen sollte, doch der König starb bereits wieder am 19. November.

Herrschaft

Philipp ließ sich am 9. Januar 1317 in Reims zum König salben und krönen. Er war der erste König der Kapetingerdynastie der nicht unmittelbar seinem Vater nachfolgte, was die dynastische Krise der Kapetinger verdeutlichte. Von seinem älteren Bruder blieb lediglich die Tochter Johanna zurück, die nachdem Tod Johanns I. in das Blickfeld der Nachfolge rückte und ihrem zukünftigen Ehemann so die Krone Frankreichs in die Ehe hätte bringen können. Doch Johanna war noch unmündig und Philipp berief unmittelbar nach seiner Krönung eine Versammlung von Adligen, Prälaten und Vertretern der Stadt und Universität Paris (Generalstände, Februar 1317) ein, welche die Lex Salica als alleingültiges Nachfolgegesetz anerkannte, wonach Frauen von der Erbfolge auf den französischen Thron ausgeschlossen wurden. Mit Johannas Vormund, Herzog Odo IV. von Burgund, einigte sich Philipp erst im März 1318 um andere noch umstrittene Erbregelungen. Johanna sollte die Grafschaft Champagne nach Philipps eigenem Tod übernehmen, im Königreich Navarra aber sollte ihr nur im Falle des Aussterbens von Philipps männlichen Nachfolgern der Erbgang erlaubt werden.

Philipps vorrangigstes Problem war der nach dem Tod seines Vaters erneut ausgebrochene Krieg in Flandern. Im Oktober 1318 gelang es Philipp sich mit Graf Robert III. von Flandern auf einen Waffenstillstand zu einigen der bis Ostern kommenden Jahres halten sollte. In mehreren Versammlungen gelang es Philipp nur bedingt die Stände auf Zahlungen von Subsidien für die kommenden Kampfhandlungen zu bewegen. Mit Hilfe seines Vertrauten Henri de Sully schaffte es der König in mehreren Ordonnanzen die Haushaltshaltung effizienter zu gestalten. Weiterhin bekämpfte er erfolgreich den Amtsmissbrauch, indem er seinen Amtsträgern wie Baillis und Seneschalle dazu nötigte ihre Ämter wieder persönlich zu führen und nicht durch Stellvertreter, womit besonders die finanziellen Lasten des Volkes vermindert wurden. Im Gegenzug mehrten diese Maßnahmen die Einnahmen des königlichen Fiskus, den Papst konnte Philipp dazu bewegen den Zehnten für zwei Jahre der Krone zu überlassen. Zum erneuten Kampf mit Flandern kam es dann doch nicht mehr, der Graf von Flandern wurde letztlich durch die Kriegsmüdigkeit der flämischen Städte zum Frieden genötigt. Im Mai 1320 leistete er in Paris dem König den Lehnseid und verzichtete auf die Aushändigung der Städte Lille, Douai und Béthune. Der Frieden wurde durch die Ehe des Erbenkels des Grafen mit einer Tochter Philipps besiegelt.

Grab von König Philipp V.

Weitere Erfolge konnte Philipp im Artois verzeichnen wo er endgültig die Rückkehr seiner Schwiegermutter Mathilde erreichte. Noch bedeutender war der am 29. Juli 1320 im Amiens geleistete Lehnseid von Philipps Schwager, König Eduard II. von England, für das Herzogtum Guyenne der lange hinausgezögert wurde. Eine Niederlage musste er aber anschließend in seinem Versuch hinnehmen, Maße, Gewicht und das Münzsystem zu vereinheitlichen. Bei der Versammlung im Oktober 1320 in Orléans legten dagegen besonders die Vertreter der Städte ihren Einspruch ein, da sie höhere Steueranforderungen durch diese Reform befürchteten.

Während eines Besuches in Poitiers 1321 ordnete Philipp die Verhaftung aller Leprösen an, nachdem er von dem Gerücht erfuhr die Leprakranken hätten eine Vergiftung aller Brunnen im Süden Frankreichs geplant. In dieser Folge kam es auch zu Übergriffen auf Juden von denen eine große Anzahl verbrannt wurden.

Philipp V. starb am 3. Januar 1322 nach einer längeren Ruhrerkrankung im Alter von 28 Jahren in der Abtei Longchamp. Die Herzbestattung erfolgte in Paris im Couvent des Cordeliers, dem Kloster der Minderen Brüder des heiligen Franziskus von Assisi, die Gebeine wurden in der Grablege der französischen Herrscher in der Abteikirche Saint-Denis beigesetzt. Da er keinen für die Nachfolge berechtigten Sohn hinterließ, folgte ihm sein jüngerer Bruder Karl der Schöne nach.

Ehe und Nachkommen

Er heiratete im Januar 1307 in Corbeil (Marne) die Pfalzgräfin Johanna von Burgund († 21. Januar 1330), eine Tochter des Pfalzgrafen Otto IV. von Burgund und dessen Ehefrau Gräfin Mathilde von Artois. Ihre Kinder waren:

  • Johanna (* 1. oder 2. Mai 1308; † 10. oder 15. August 1347), Pfalzgräfin von Burgund, Gräfin von Artois
  • Margarete (* 1309; † 9. Mai 1382), Pfalzgräfin von Burgund, Gräfin von Artois
  • Isabelle (* 1310; † 1348)
  • Blanche (* 1312; 26. April 1358 ), Nonne in Longchamps
  • Philipp (* 1313; † März 1321)
  • Ludwig (* 24. Juni 1316; † 18. Februar 1317)

Weblinks

 Commons: Philipp V. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
französische Krondomände Graf von Poitou
1311–1316/17
französische Krondomände
Johann I. der Posthume König von Frankreich
König von Navarra
Blason pays fr FranceAncien.svg Blason Royaume Navarre.svg

1317–1322
Karl IV. der Schöne

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