Royal Dutch Shell


Royal Dutch Shell
Royal Dutch Shell plc (engl.)
Koninklijke Nederlandse Shell N. V. (niederl.)
Royal Dutch Shell.svg
Rechtsform plc
ISIN GB00B03MLX29
Gründung 1907[1]
Sitz London, Vereinigtes Königreich (Hauptverwaltung in Den Haag, Niederlande)[2]
Leitung Peter Voser CEO
Mitarbeiter 97.000 (2010)[3]
Umsatz 368 Mrd. USD (2010)[4]
Produkte Öl, Gas und Petrochemie
Website www.shell.com
Größte Unternehmen der Welt 2005 nach Umsatz
Größte Unternehmen der Welt 2005 nach Gewinn

Die Royal Dutch Shell plc (Kurz: RDS) ist das weltweit größte Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen und war im Juli 2009 das nach Umsatz weltweit größte Unternehmen überhaupt [5]. Im Jahr darauf wurden sie jedoch nach deutlichen Umsatzeinbußen von Wal-Mart auf den zweiten Rang verwiesen [6]. Der Konzern ist in mehr als 140 Ländern aktiv. Weltweit beschäftigt Shell rund 112.000 Mitarbeiter. Etwa eine Million Anleger investieren in ca. fünf Milliarden Aktien. Das Unternehmen ist als Royal Dutch Shell plc in das Handelsregister in London eingetragen. Die Hauptverwaltung befindet sich in Den Haag.[2]

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgeschichte

Struktur der Großkonzerne in der Erdölbranche
Entwicklung des Shell-Pecten durch fortgesetzte Stilisierung (ab Mitte der 1930er Jahre bis heute)

Die Marke und Unternehmensgruppe Shell geht zurück auf die Gründung eines Kuriositätengeschäfts im Jahre 1833 im Londoner Eastend durch Marcus Samuel, einen orthodoxen Juden. Ein Großteil seines Handels basierte auf dekorativen Muscheln (engl.: „Shell“), die zur Ornamentierung, für Schachteln oder als Sammlerobjekte im Viktorianischen England beliebt waren und aus Fernost von ihm importiert wurden.

Seine zwei Söhne, der gleichnamige Marcus Samuel, 1. Viscount Bearsted sowie Samuel Samuel, führten das Geschäft fort. Der Muschelimport wurde zu einem Import-Export-Handel weiter entwickelt, der sich zum Transport von Kerosin zu Beleuchtungszwecken wandelte. Schließlich kam es 1890 zur Entscheidung, Tankschiffe zum Öltransport unter dem Firmennamen The Shell Transport and Trading Company p.l.c. (London) zu bauen. Dieses Transportgewerbe wurde im weiteren ergänzt durch Förderung (Öl-Quellen-Fund in Borneo, 1897) und Raffinierung von Öl. Marcus Samuel jun. behielt den etablierten Firmennamen des Vaters aus Sentimentalität bei.[7] Ferner verwendete er aus Tradition die Kammmuschel als Logo.

Im Jahr 1907[1] schloss Henri Deterding die N.V. Koninklijke Nederlandse Petroleum Maatschappij in Den Haag mit M. Samuels Firma zusammen. Die Besitzanteile lagen bei 60:40 für Deterding. Beide Unternehmen bündelten ihr Geschäft, blieben aber einzeln bestehen. Das niederländische Unternehmen wurde zur Royal Dutch Petroleum Company umbenannt. Im Juli 2005 wurden beide Unternehmen zur Royal Dutch Shell plc vereinigt, einer Aktiengesellschaft nach englischem Recht, die an den Börsen in London, Amsterdam und New York kotiert ist. Der Unternehmenssitz ist in Den Haag.

Zu den Großaktionären des Unternehmens gehört unter anderem das niederländische Königshaus.[8][9]

Wirtschaftliche Situation

2005 erwirtschaftete Shell einen Gewinn von 25,3 Milliarden US-Dollar, der Umsatz betrug 379 Mrd. US-Dollar.

Im Jahr 2007 konnte Shell seinen Gewinn auf 31,3 Mrd. US-Dollar steigern, dies bedeutet ein Plus von 23 % gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz konnte auf 356 Mrd. gesteigert werden, ein Plus von 12 %.

Geschäftsbereiche

Shell Research Centre in Amsterdam

Shell ist weltweit in fünf Geschäftsbereichen aktiv:

Shell ist an Explorations- und Förderprojekten in über 45 Ländern beteiligt. Die Produktion an Erdöl, Erdgas und anderen Kohlenwasserstoffen beläuft sich auf rund 3,8 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag (ein Barrel entspricht 159 Litern). Der Anteil des Erdgases an der gesamten Kohlenwasserstoff-Förderung beträgt mittlerweile schon knapp 50 Prozent. Shell ist einer der größten Vertreiber von Kraft- und Schmierstoffen der Welt und eine der bekanntesten Marken. Pro Tag nutzen rund 25 Millionen Tankstellen-Kunden weltweit den Service von Shell.

Shell investiert auch in Erneuerbare Energien. Über die Unternehmenstochter Solar Frontier (bis 2010 Showa Shell Solar) expandiert Shell im Bereich der Photovoltaik, außerdem plant und betreibt Shell Windparks vor allem in den USA. Weiterhin soll die Erforschung und Entwicklung von Kraftstoffen aus Biomasse weiter ausgebaut werden, in diesem Segment ist Shell der weltgrößte Einkäufer und Anwender.[10] Shell engagiert sich ferner auf dem Sektor der Wasserstoffwirtschaft.

Konzernstruktur/Unternehmensbeteiligungen

Raffinerie in Hamburg-Wilhelmsburg.
Firmensitz in Den Haag
  • Royal Dutch Shell plc, Den Haag, Niederlande


    • Deutsche Shell Holding GmbH, Hamburg
      • Shell Deutschland Oil GmbH, Hamburg
        • euroShell Deutschland GmbH, Hamburg
        • CARISSA Verwaltungsgesellschaft mbH, Hamburg
        • Deutsche Gesellschaft für Tankstellen- und Parkhausinteressen mbH, Hamburg
        • IVV - Industrie-Versicherungsvermittlungs-Gesellschaft mbH, Hamburg
        • Shell Aviation Services GmbH, Hamburg
      • Shell Global Solutions (Deutschland) GmbH, Hamburg


    • Shell Chemie Beteiligungsgesellschaft mbH
    • Shell Deutschland Schmierstoff GmbH
    • Shell Direct GmbH
    • Shell Direct Services GmbH
    • Shell Energy Deutschland GmbH
    • Shell Energy Services GmbH
    • Shell Erdgas Beteiligungsgesellschaft mbH
    • Shell Erdgas Marketing GmbH & Co. KG
    • Shell Erneuerbare Energien GmbH
    • Shell Exploration et Production du Maroc GmbH
    • Shell Grundstücksgesellschaft Wesseling GmbH & Co. KG
    • Shell Verwaltungsgesellschaft für Erdgasbeteiligungen mbH


    • Shell Petroleum Development Company of Nigeria (SPDC), der größte in Nigeria tätige Erdölkonzern, ein Konsortium der Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC, 55 % der Anteile) mit der Elf Petroleum Nigeria Limited (10 %) und der Nigerian Agip Oil Company (NAOC, 5 %) unter der operativen Leitung von Shell (30 %).[11]
    • Shell Nigeria Exploration and Production Company (SNEPCO)
    • Shell Nigeria Gas (SNG)
    • Shell Nigeria Oil Products (SNOP)

Shell in Deutschland

Shell-Tankanhänger
Eine Shell-Tankstelle in der Schweiz
Shell-Tankstelle in Hennstedt, Dithmarschen

Anfänge

Royal Dutch (Shell) ist in Deutschland seit dem Jahr 1902 präsent. Bis 1947 ist die Geschichte der Shell in Deutschland die Geschichte der Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG (seit 1947 Deutsche Shell AG).

1980 betrieb Shell in Westdeutschland 2.795 Tankstellen (Marktanteil: 10,8 Prozent), davon 1.422 mit Selbstbedienung.

2002 wird das Downstream-Geschäft (Raffinerien, Logistik, Tankstellen) der RWE Dea in ein Joint-Venture mit Shell unter dem Namen Shell & DEA Oil GmbH eingebracht, zum 1. Juli 2002 vollständig durch Shell übernommen und Ende 2003 dann in Shell Deutschland Oil GmbH umbenannt.

Im August 2002 werden ca. 40 Tankstellen nach der Fusion aus kartellrechtlichen Gründen an die Westfalen AG abgegeben, weitere an Classic und Q1. Von 2004 an werden die meisten DEA-Tankstellen in Shell umgeflaggt. Eine DEA-Tankstelle gibt es noch in Haltern am See. Durch diese Verwendung sichert sich Shell das Markenrecht an DEA.

Gegenwart

Shell in Deutschland, vertreten durch Dr. Peter Blauwhoff (CEO), Klaus Bortel (CFO), Dr. Peter Seifried (COO) und Amrin Senger (HR), ist in den Geschäftsfeldern Mineralölverarbeitung und -vertrieb, Exploration & Produktion von Erdgas und Erdöl, Erdgas-Marketing, Chemie sowie Erneuerbare Energien aktiv. Die Forschungsaktivitäten sind in Shell Global Solutions integriert, dem weltweiten Shell Forschungsverbund.

Mit den Aktivitäten in Deutschland erwirtschaftete Shell im Jahr 2004 einen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro Einschließlich der Tochter- und Enkelgesellschaften beschäftigt Shell in Deutschland rund 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Shell in Deutschland betreibt drei eigene Raffinerien und ist außerdem an zwei weiteren beteiligt. Mit einer Raffineriekapazität von 35,3 Millionen Tonnen ist das Unternehmen der führende Raffineriebetreiber in Deutschland.

Mit einem flächendeckenden Netz von rund 2.200 Tankstellen (inkl. Markenhandelsstationen) ist Shell bundesweit vertreten. Heizöl und andere Mineralölprodukte werden deutschlandweit über ein Netz von Niederlassungen und Markenhändlern verkauft, unter anderem über das Tochterunternehmen Shell Direct GmbH.

Der Bedarf an Erdgas steigt stetig, da sich immer mehr Haushalte und gewerbliche Verbraucher für Erdgas entscheiden. Shell betreibt das Erdgasgeschäft in Deutschland im Wesentlichen durch die Shell Energy Deutschland (Erdgasmarketing; Sitz in Hamburg). Zu den Kunden zählen Stadtwerke, regionale Erdgasverteiler und Industriebetriebe. Insgesamt ist Shell mit rund 15 Prozent am deutschen Erdgasmarkt beteiligt. Die fünfzigprozentige Beteiligung an der BEB Transport und Speicher Service, über die Shell zuvor ebenfalls ein Teil ihres Erdgasgeschäfts abwickelte, wurde mit Wirkung per 1. Juli 2008 an die niederländische Gasunie verkauft.[12]

Shell hat Anfang 2006 sein Solargeschäft auf Siliziumbasis in Deutschland veräußert. Laut einer Shell-Pressemeldung vom 2. Februar 2006 hat sich Shell dazu entschieden, Produktion, Vertrieb, Marketing sowie die entsprechende F&E von Solarzellen auf Siliziumbasis an die Solarworld AG, Bonn, zu verkaufen. Shell stellte pro Jahr Silizium-basierte Solarzellen mit einer Gesamtleistung von etwa 80 Megawatt her. Die Produktionsstätten in den USA (in den Staaten Washington und Kalifornien) sowie in Deutschland gehen an Solarworld über. Solarworld übernimmt auch die insgesamt 579 Mitarbeiter, die in diesem Bereich tätig sind.

Von August 2005 bis November 2009[13] hielt Shell Deutschland Oil (Dr. Peter Seifried, Klaus Bortel, Amrin Senger) eine Minderheitsbeteiligung an der CHOREN Industries GmbH, Freiberg. Mit diesem Engagement stellten Shell und CHOREN die Weichen für den Bau der weltweit ersten kommerziellen Anlage für die Umwandlung von Biomasse in hochwertigen synthetischen Kraftstoff (BtL-Kraftstoff unter der Marke „SunFuel“. Diese relativ kleine Anlage wurde 2009 fertiggestellt.

Dr. Josef Waltl wurde im Jahr 2006 zum Vorsitzenden des MWV Deutschland (Mineralölwirtschaftsverband e. V.) bestellt.

Shell in Österreich

Anfänge

Der Shell-Konzern begann bereits in den 1920er-Jahren in Österreich Fuß zu fassen. Die Shell Petroleum AG wurde 1924 als Tochterfirma der damaligen Royal Dutch Shell gegründet.[14] Aktiv wurde Shell in Österreich aber bereits 1923 durch Zusammenarbeiten mit der 1886 gegründeten Aktiengesellschaft der Wien-Floridsdorfer Mineralölfabrik, Eigentümerin der seit 1864 örtlich bestehenden „Fabrik für Petroleumprodukte“. Jene AG befand sich damals durch mittelbare Folgen des Ersten Weltkrieges – allen voran einer unterbrochenen Rohgüterversorgung aus Galizien – in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Royal Dutch Shell sicherte damals dessen Weiterbestand durch die Lieferung von Rohöl aus Rumänien, wo sich der Ölmultikonzern zuvor bereits eingekauft hatte. Dieser Handelsbeziehung folgte schließlich 1929 der vollständige Aufkauf und die Umtaufung jenes Betriebes in Aktiengesellschaft der Shell-Floridsdorfer Mineralölfabrik. Im Zuge der regionalen Expansion wurde außerdem mit der Erschließung von Öl in Österreich begonnen. Zu diesem Zweck wurde bereits 1935 von der Bataafsche Petroleum Maatschappij N.V., einer damaligen Tochter der Royal Dutch Shell, zusammen mit der Socony-Vacuum Oil, einem Vorgängerkonzern des heutigen Exxon Mobil, die immer noch bestehende Rohölgewinnungs Aktiengesellschaft (RAG) gegründet.

Zweiter Weltkrieg

Als 1938 der Anschluss Österreichs an Deutschland erfolgte, kam es zwangsläufig zu einer rechtlichen Eingliederung der österreichischen Shell-Unternehmen in den deutschen Konzern. Während des Krieges zählte die Shell-Raffinerie in Floridsdorf zur strategisch wichtigen Infrastruktur. Obwohl sie deshalb verstärkt Ziel alliierter Bombardements wurde, konnte ihr Betrieb vergleichsweise lange – bis ins Frühjahr 1945[15] – aufrechterhalten werden. Möglich wurde dies durch den Einsatz von schätzungsweise 250 ungarischen jüdischen Zwangsarbeitern, die zu diesem Zweck von der SS in einem Floridsdorfer Arbeitslager gefangengehalten wurden.[16][17].

Die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgende Besatzung Österreichs hatte für die Industrie zunächst weitreichende Folgen. Aufgrund des Beschlusses der Potsdamer Konferenz vom 1. August 1945 dazu ermächtigt, sich ehemaliges deutsches Eigentum der eigenen Besatzungszone einzuverleiben, übernahm die Sowjetunion 1946 im Rahmen der USIA zahlreiche österreichische Betriebe. Dabei inbegriffen war auch die Erdölindustrie des Ostens, sie wurde einer neu gegründeten, eigennützigen „Sowjetischen Mineralöl-Verwaltung“, kurz SMV, einverleibt.[18]

Shell Austria

Da Royal Dutch Shell im Osten Österreichs nach dem Krieg der sowjetischen Verstaatlichung im Osten machtlos gegenüber war, begann man stattdessen im nicht zur sowjetischen Besatzungszone gehörenden Westen Österreichs mit dem Wiederaufbau der österreichischen Tochter – nunmehr unter dem Namen Shell Austria AG [14].

1955 kam es aufgrund der durch den Staatsvertrag nun wirksam gewordenen Verstaatlichungsgesetze von 1946 und 1947 zur Überführung der durch die SMV beschlagnahmten Erdölindustrie in den Besitz der Republik Österreich und zur Entstehung der Österreichischen Mineralölverwaltung [19]. Im Wiener Memorandum vom 10. Mai 1955, einem multilateralen Abkommen mit den westlichen Besatzungsmächten verpflichtete sich die Republik Österreich jedoch, jene verstaatlichten heimischen Erdölkonzerne, die vor Kriegsbeginn in französischer, kanadischer, amerikanischer oder niederländisch-englischer Hand waren, zurückzugeben. Damit wurde neben Mobil Oil und anderen Ölmultis auch die österreichische Shell wieder vollständig rehabilitiert.[20][21]

Bis 1970 betrieb Shell Austria die Raffinerie Floridsdorf, dann wurde diese stillgelegt und man übersiedelte 1971 in das Ölhafen-Industriegebiet der Wiener Lobau, wo sich bis heute das österreichische Hauptwerk und -lager befindet.

Kritik

Nigeria: Finanzierung von Bürgerkrieg und Waffenhandel, Kooperation mit Militärregimen

In den 1950er Jahren begann Shell in Nigeria im Lebensraum des Volkes der Ogoni gegen deren Willen mit der Ölförderung.[22] Durch die daraus resultierte massive Umweltverschmutzung [23] wurden die Ogoni ihrer Lebensgrundlage beraubt, was zu Tausenden von Toten führte. Der renommierte Ogoni-Schriftsteller Ken Saro-Wiwa schrieb das Buch „Flammen der Hölle“ (Anspielung auf das Abfackeln von Erdgas), in dem er die Schandtaten des Ölkonzerns öffentlich machen wollte und gründete die MOSOP (Movement for the Survival of the Ogoni People). 1990 schaltete der Konzern gegen Proteste im Dorf Umuechem die umstrittene Mobile Polizeieinheit ein, dabei wurden achtzig Menschen getötet und 495 Häuser zerstört. Bei Massenprotesten 1993 kam es zu Unruhen, die Regierung General Abachas ließ darauf hin 2000 Menschen hinrichten, geschätzte 80.000 Personen wurden vertrieben.[24] 1995 wurden Saro-Wiwa und acht weitere MOSOP-Führer in einem offensichtlichen Scheinprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet. Weder zahlreiche Appelle und Proteste von Menschenrechtsorganisationen, Staats- und Regierungschefs anderer Länder, noch stille Diplomatie von internationalen Organisationen wie der EU, der UNO oder der Organisation Afrikanischer Staaten konnten die nigerianische Regierung zu einer Begnadigung der Verurteilten bewegen.

Neuen Aufschluss über die katastrophale Situation der Menschen im Ölland Nigeria gibt die englische Ausgabe von „National Geographics“ vom Februar 2007. Trotz eines Verbotes durch den Federal High Court of Nigeria 2005 wurden 2006 noch über 3,5 Mio. Tonnen Kohlenwasserstoffe, vor allem Erdgas, von der Shell Petroleum Development Company (SPDC) Tag und Nacht abgefackelt. Die Möglichkeit einer Einhaltung des gesetzlichen Verbotes ab 2008 wurde von Shell bisher nicht bestätigt, das Gesetz angefochten. [25] Aus diesem Anlass musste Shell 2005 den „Public Eye Award“ in seiner ursprünglichen Form als Negativ-Preis entgegennehmen.

Rapider Bevölkerungszuwachs, innenpolitische Probleme und ethnische Konflikte sowie soziale und wirtschaftliche Nöte verursachen weiter Unruhen in den Ölfördergebieten. Wesentlicher Streitpunkt ist die gerechte Verteilung der Öleinnahmen durch die nigerianische Zentralregierung und die Verwendung der Gelder in den Regionen und auf lokalen Ebenen.[26]

Im Jahr 1996 reichten Familienmitglieder von Ken Saro-Wiwa Klage wegen Menschenrechtsverletzungen gegen Shell in den USA ein. 1998 wies ein US-Bundesrichter die Klage zurück, das Berufsgericht nahm den Fall im September 2008 wieder auf und verwies sie an den Obersten Gerichtshof in New York.[27] Dieses verkündete am 26. März 2001 die Aufnahme des Verfahrens, das bis heute anhängig ist und im Februar 2010 erneut verschoben wurde.[28]

Im Dezember 2010 wurden durch die von Wikileaks veröffentlichte diplomatische Korrespondenz neue Hinweise bekannt, dass „Shell alle für seine Geschäfte relevanten Ministerien in Nigeria unterwandert“ hat. Shell bezeichnete die Berichte daraufhin als unwahr und wird sie nicht weiter kommentieren.[29][30]

Brent Spar

Shell geriet 1995 in die Kritik, als es die Erdölplattform „Brent Spar“ im Atlantik versenken wollte. Kritiker wie Greenpeace befürchteten schwere Umweltschäden, da die Plattform massiv mit gefährlichen Giftstoffen belastet gewesen sein sollte. Zahlreiche Organisationen riefen 1995 sogar zu einem Boykott gegen Shell auf. Aufgrund des großen öffentlichen Drucks ließ Shell von seinen Plänen ab und entschloss sich, die Brent Spar an Land zu demontieren.

Irland

In Irland plant Shell (in Kooperation mit StatoilHydro und Marathon) gegen den Willen der örtlichen Bevölkerung die Errichtung einer an Land gebauten Raffinerie für Erdgas aus dem Atlantik. Die Bewohner der abgelegenen Gegend befürchten die Zerstörung ihrer Umwelt und ihrer Lebensgrundlagen. Eine Gruppe führt unter dem Namen Shell to sea den Widerstand gegen das Projekt. Im Mai 2007 wurde dem Anwohner und Aktivisten Willie Corduff für seinen Einsatz der Goldman Environmental Prize verliehen.[31]

Deutschland

Im Süden von Köln plant Shell seine beiden Industriebetriebe der Rheinland Raffinerie in Köln-Godorf und im benachbarten Wesseling durch ihr Pipeline-Projekt Connect zu verbinden.[32] Verschiedene Trassen stehen zur Auswahl, doch Shell befürwortet diejenige, die zweimal unter dem Rhein geführt werden muss und anschließend ein Naturschutzgebiet nach FFH-Richtlinien, einen gerade erst geschaffenen Retentionsraum gegen Hochwasser und durch den Hochwasserdamm führt. Derzeit prüft die Bezirksregierung in einem Raumordnungsverfahren die Auswirkungen des Pipelinebaus. Das vier Kilometer lange Betonrohr soll einen Innendurchmesser von zwei Metern haben, in dem vier Leitungen verlaufen – zwei für Gasöle, und jeweils eins für Hydrowax und Telekommunikationskabel.[33][34]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Shell in Deutschland: Unternehmensgeschichte, zuletzt abgerufen am 5. Mai 2009
  2. a b Royal Dutch Shell: Investor contacts
  3. http://www.annualreportandform20f.shell.com/2010/businessreview/ourbusinesses/selectedfinancialdata.php?cat=b Seite 4
  4. http://www.annualreportandform20f.shell.com/2010/businessreview/ourbusinesses/selectedfinancialdata.php?cat=b Seite 5
  5. spiegel.de: Chinesen rücken in die Top-Liga auf. Die 500 Umsatzstärksten Unternehmen 2009…
  6. Fortune Global 500 - 07/2010
  7. http://www.weizmann.ac.il/ICS/booklet/15/pdf/bob.pdf Bob Weintraub, Negev Academic College of Engineering, Beersheva
  8. Artikel auf stern.de vom 23. März 2004, abgerufen am 4. Juni 2010
  9. Artikel auf welt.de vom 12. September 2009, abgerufen am 4. Juni 2010
  10. Tim Webb (17. März 2009): Biofuels, not wind and solar power are Shell's energy future (Englisch). The Guardian. Abgerufen am 20. März 2009.
  11. http://www.shell.com/home/content/nigeria/about_shell/who_we_are/companies/companies.html Shell Nigeria Companies
  12. ExxonMobil und Shell verkaufen deutsches Erdgastransport Geschäft
  13. chorem.com: Pressemitteilung vom 5. November 2009
  14. a b shell.com: Historie der Shell Austria, 28. August 2006
  15. fp.tsn.at: Zeitleiste Österreich, Abs. 1945, 28. August 2006
  16. cmht.com: Zwangsarbeits-Fälle bei Royal Dutch Shell, Abs. Shell Austria AG, 28. August 2006
  17. grg21oe.at: Befreiung KZ Mauthausen, Abs. Nebenlager des KZ Mauthausen in Floridsdorf, 28. August 2006
  18. aeiou.at: Deutsches Eigentum in Österreich, 28. August 2006
  19. aeiou.at: Erdöl in Österreich, 28. August 2006
  20. ooe.kpoe.at: Die Entwicklung der Verstaatlichten bis Anfang der 80er Jahre, 28. August 2006
  21. SPE Vienna Basin Section: Upstream Oil and gas companies: RAG, Abs. History, abgerufen am 7. März 2007
  22. Im kritischen Überblick: Rüdiger Hahn: Das Fallbeispiel der Ölindustrie in Nigeria in: Multinationale Unternehmen und die Base of the Pyramid, Gabler, Wiesbaden (ISBN 978-3-8349-1643-3), S. 178-187 und Richard Boele, Heike Fabig, David Wheeler: Shell, Nigeria and the Ogoni in: Sustainable Development 9(3), S. 121-135
  23. Alexander Göbel: Die "vergessene Ölpest" im Nigerdelta. auf: tagesschau.de 12. Juni 2010
  24. "Some Things Never Change", The Guardian, 8. November 2000; zitiert nach Schwarzbuch Markenfirmen
  25. http://www.shell.com/static/nigeria/downloads/pdfs/2006_shell_nigeria_report.pdf Shell Nigeria Report 2006
  26. Sebastian Bräuer: Eine interne Studie stellt fest: Die Produktion des Energiekonzerns im Nigerdelta ist bedroht. Geld, das Shell für Entwicklungsprojekte ausgibt, verschärft gewalttätige Konflikte. In: DIE ZEIT. Nr. 27/2006 vom 28. Juni 2006
  27. The Guardian, Kurzmeldung, 27. September 2009; zitiert nach Schwarzbuch Markenfirmen
  28. Royal Dutch Shell PLC: Dutch Court Adjourns Shell Nigeria Lawsuit Until Summer (10. Feb 2010)
  29. FTD.de, 2010: Neue Wikileaks-Enthüllungen. Shells Kontakte und Mugabes Geschäfte in Financial Times Deutschland vom 9. Dezember 2010, abgerufen am 9. Dezember 2010.
  30. Wikileaks Cable Viewer: 09ABUJA1907, 09ABUJA259, abgerufen am 9. Dezember 2010.
  31. Küste in Brand: Im Westen Irlands baut ein Konsortium um Shell eine Hochdruckpipeline für Gasvorkommen … In: Junge Welt. 5. Juni 2008
  32. [Pipeline, Experten suchen Blindgänger.] ksta.de vom 6. Mai 2011
  33. [Pipeline durch den Rhein, Pipeline genehmigt.] Kölnische Rundschau vom 19. Juni 2008
  34. [Pipeline, Mysteriöses Flatterband.] Rhein-Sieg-Anzeiger vom 28. April 2011

Weblinks

 Commons: Royal Dutch Shell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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