Rundfunksender Billwerder-Moorfleet

Rundfunksender Billwerder-Moorfleet
53.51911111111110.10275
Rundfunksender Billwerder-Moorfleet (Hamburg)
Rundfunksender Billwerder-Moorfleet
Rundfunksender Billwerder-Moorfleet

Inhaltsverzeichnis

Betrieb

304m - Mast für DVB-T und UKW

Am 2. Mai 1924 begann die "Nordische Rundfunk AG" (NORAG) in Hamburg-Billwerder ihren Sendebetrieb auf Mittelwelle 759 kHz (395 m) mit nur 0,7 kW Leistung.[1] Bis zur "Luzerner Wellenkonferenz von 1933"[2] zur Festlegung der Frequenzen in Europa ab 15. Januar 1934 wurde mit 2 - 10 kW auf verschiedenen Frequenzen (764, 805 und 945 kHz) gesendet.[3]

Am 1. April 1934 nahm der Rundfunksender Billwerder-Moorfleet als "Reichssender Hamburg" den Betrieb mit zwei starken 100 kW Mittelwellensendern (904 kHz) im Verbund des damaligen „Großrundfunksendernetzes“ auf.[4] Die Antenne war über einen 145 m hohen Holzturm abgespannt und ab 27. September 1938 abendlich eingeblendete englische Nachrichtensendungen konnten in Großbritannien gehört werden. 1940 wurde eine breitbandige Dreiecksflächenantenne ergänzt.

Alle Sendeanlagen blieben bis Kriegsende intakt, lediglich der Sendemast musste 1941 kriegsbedingt auf 85 m verkürzt werden. Die Teilkapitulation gegenüber den Westalliierten in Norddeutschland wurde am 4. Mai 1945 über diesen Sender verkündet beginnend mit der Ansage "This is Radio Hamburg, a station of the allied military Government".[5]

1947 sendete der NWDR weiterhin über diese Anlagen auf Mittelwelle 904 kHz bis 1949, als ein neuer 198 Meter hoher, gegen Erde abgespannter Stahlfachwerkmast mit einer Reusenantenne und einer Sendeantenne für UKW-Hörfunk auf der Spitze errichtet wurde. Am 20. Mai 1949 begann der Sendebetrieb auf UKW 89,6 MHz mit selbstgebautem 0,1 kW-Sender, der jedoch am 15. Juli 1949 durch einen Sender gleicher Leistung der Firma Lorenz abgelöst werden musste. Ende 1952 folgte die erste Ausstrahlung von Fernsehprogrammen im VHF-Bereich mit einem 10 kW-Sender.[6] 1954 war Hamburg 1 auf 88,5 MHz mit 10 kW Sendeleistung zu hören, 1958 gab es schon die drei Programme Hamburg 1 (92,1 MHz, 5 kW), Hamburg 2 (88,5 MHz, 50 kW) und Hamburg 3 (96,3 MHz, 5 kW).

Anfang 1953 wurde einer der zwei 100 kW-Mittelwellensender (von 1934!) umgebaut zu einem 20 kW Langwellensender (151 kHz mit SSB), der dann von Mitte 1953 bis Ende 1962, zuletzt mit 50 kW, in Richtung Ostblock sendete. Der Deutsche Langwellensender diente als Gegenstück zum ostdeutschen „Deutschlandsender“. Der zweite 100 kW Mittelwellensender wurde auf 971 kHz umgestellt, da gleichstarke italienische und britische Sender die alte Frequenz 904 kHz störten.

1964 wurde der Sendemast von 1949 abgebrochen und 1965 am Rundfunksender Kronshagen zur Verbesserung der UKW-Sendeleistung montiert[7] Am 5. Februar 1966 wurden beide Mittelwellensender durch neue 300 kW Sender ersetzt. Anfang 2010 erhielt die Firma Transradio Berlin den Auftrag zum Ersatz eines MW-Senders durch einen effizienteren 100 kW-Sender[8] während andere deutsche Mittelwellensender abgeschaltet wurden.

Antennen[9], Frequenzen und Programme

AM-Rundfunk (MW)

Gesamtanlage (304 m-Mast mit drei Mittelwellenmasten im Hintergrund

Die AM-Sendeanlage besteht aus folgenden zwei Masten:

  • Abgespannter selbststrahlender Rohrmast. Dieser gegen Erde isolierte, 184 Meter hohe Sendemast mit einem Durchmesser von 1,5 Metern wurde 1962 gebaut und ist in 101 Meter Höhe als schwundmindernde Antenne durch einen Trennisolator geteilt. 53° 31′ 5,4″ N, 10° 6′ 46″ O53.51816111111110.112775

Am 15. September 2011 gesprengt[10] wurde ein abgespannter, gegen Erde isolierter Rohrmast von 121 Metern Höhe und 0,7 Meter Durchmesser. Er war ursprünglich 1963 vom NWDR in Osterloog (500 kHz-Sendeanlage von Norddeich Radio)[11] demontiert worden[12] und diente in Moorfleet als Reserve-Sendeantenne[13] für den 184 m hohen MW-Sendemast. 53° 31′ 15,7″ N, 10° 6′ 20,1″ O53.52101666666710.105583333333

Frequenz
(kHz)
Programm Regionalisierung ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
972 NDR Info Spezial 100 ND V

FM-Rundfunk[14] (UKW)

Im Jahr 1960 wurde die heutige FM-Antennenanlage für UKW-Hörfunk und Fernsehen errichtet, die aus einem abgespannten Stahlrohrmast besteht. Dieser Sendemast hat einen Durchmesser von zwei Metern 53° 31′ 9,2″ N, 10° 6′ 10,1″ O53.51921111111110.102805555556. Er war ursprünglich 255 Meter hoch und wurde inzwischen auf 304 Meter aufgestockt. Er ist das höchste Bauwerk in Hamburg .

Im Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Abstrahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad (azimut) angegeben.

Frequenz 
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung 
ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)
90,3 NDR 90,3 NDR_90,3 D451 80 ND H
89,5 NDR 1 Welle Nord NDR_1_SH D8E1 (regional), 
D3E1
Norderstedt 10 D (280°-40°) H
87,6 NDR 2 NDR_2_HH
_NDR_2__
D582 (regional), 
D382
Hamburg 80 ND H
99,2 NDR Kultur NDR_Kult D383 80 ND H
92,3 NDR Info NDR_Info D384 5 D (350°-310°) H
94,2 N-Joy _N-JOY__ D385 1 D (280°-40°) H
88,7 Deutschlandfunk __DLF___ D210 3,2 ND H
103,6 *1) Radio Hamburg RADIO_HH D358 80 ND H

*1): Dynamisch mit Musiktitelinformationen.

Digitales Radio (DAB)

DAB beziehungsweise DMB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Programmen ausgestrahlt.

Block Programme ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 1 ND Augsburg (Hotelturm),

Berlin (Alexanderplatz), Berlin (Scholzplatz),
Bonn (Venusberg),
Bremen,
Dresden (Wachwitz),
Dortmund,
Rheinturm,
Feldberg/Taunus, Frankfurt am Main,
Halle (Petersberg),
Heinrich-Hertz-Turm, Hamburg (Moorfleet),
Hannover (Telemax),
Heidelberg,
Ingolstadt (Gelbelsee),
Sender Kiel-Kronshagen,
Köln (Colonius),
Langenberg,
Leipzig (Stadtwerke),
Mainz-Kastel,
München (Olympiaturm),
Nürnberg,
Regensburg (Hohe Linie),
Saarbrücken (Schocksberg),
Stuttgart (Frauenkopf),
Weimar

Der Handy-TV-Betreiber MFD hat die Lizenzen für Digitales Mobiles Fernsehen (DMB) zurückgegeben. Alle Projekte in Deutschland, diesen Standard betreffend, sind eingestellt. Für die Übertragung von Handy-TV hat sich also DVB-H, nicht zuletzt aufgrund einer Befürwortung von DVB-H durch die EU-Kommission, durchgesetzt. Ein Testbetrieb ist zum 1. Juni 2008 gestartet. Der Betreiber heißt Mobile 3.0. Die verwendeten Sendefrequenzen werden im UKW- und VHF III-Band liegen.

Digitales Fernsehen[15] (DVB-T)

Die DVB-T-Ausstrahlungen vom Rohrmast des NDR laufen im Gleichwellenbetrieb (SFN = "Single Frequency Network") mit anderen Sendestandorten.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programm im Multiplex ERP 
(kW)
Antennen-
diagramm

rundum (ND) /
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H) /
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN mit
28 530 (UHF) ARD regional (NDR) Hamburg 100 D H 16-QAM 2/3 1/4 13,27
  • Sender Wedel
  • Sender Neumünster–Armstedt
  • Sender Mölln–Fuhlenhagen
  • Sender Lübeck–Berkenthin
  • Sender Lübeck–Stockelsdorf
54 738 (UHF) ARD regional (NDR) Hamburg 32 D V 64-QAM 1/2 1/8 16,59

Analoges Fernsehen

Die Abstrahlung der analogen Fernsehsender wurde mit der Einführung von DVB-T eingestellt. Zuletzt waren folgende Kanäle in Benutzung:

Kanalnummer Programmname ERP (kW)
9 Das Erste (NDR) 100
26 NDR Fernsehen (Schleswig-Holstein) 10
56 NDR Fernsehen (Niedersachsen) 500

Meteorologische Nutzung des Sendemastes

Seit 1967 betreibt das Meteorologische Institut der Universität Hamburg am 304 Meter hohen Mast Messgeräte für Temperatur, Luftfeuchte und Windgeschwindigkeit. Die Daten werden dabei in sechs Höhen am Mast (50, 70, 110, 175, 250 und 280 m) in hoher zeitlicher Auflösung erfasst, was insbesondere der Erforschung von Turbulenz dient, da so die turbulenten Flüsse von Impuls und Wärme bestimmt werden können. Die aktuellen Messwerte sind im Internet frei zugänglich.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Rundfunkchronik 1924
  2. Luzerner Wellenkonferenz 1933
  3. AM-Frequenzlisten 1926-1978
  4. Rundfunkchronik 1934
  5. Rundfunkchronik 1945
  6. TV-Chronik 1948-1954
  7. ARD-Chronik 1965
  8. Erneuerung des Mittelwellensenders in Hamburg-Moorfleet Pressemitteilung 19. Januar 2010
  9. Detaillierte Bebilderung der Antennenanlage
  10. Demontage des MW-Reservemastes 2011
  11. Sender Osterloog
  12. Umbau des Senders Osterloog für Seefunk
  13. MW-Reservemast
  14. Wittsmoor-Liste;UKW-Frequenzen Hamburg
  15. Wittsmoor-Liste;UHF-Frequenzen Hamburg;DVB-T - Liste für Hamburg und Schleswig-Holstein

Weblinks

Rundfunk

Meteorologie


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