St.-Anna-Kirche (Augsburg)


St.-Anna-Kirche (Augsburg)
St.-Anna-Kirche
Gotischer Kreuzgang, Nordflügel
Mittelschiff mit dem Hauptaltar

Die St.-Anna-Kirche in Augsburg ist ein historisches Kirchengebäude, das von Karmelitenmönchen im Jahr 1321 erbaut wurde.

Inhaltsverzeichnis

Bau

Etwas abseits vom Augsburger Dom und der Basilika St. Ulrich und Afra, den beiden bedeutendsten Kirchenbauten der Stadt, errichteten im 14. Jahrhundert Mönche an der heutigen Fußgängerzone Annastraße das Karmelitenkloster Augsburg mit zugehöriger Kirche. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche durch den Anbau einer Kapelle mit Wandmalereien erweitert. Im 16. Jahrhundert wurde das Gotteshaus nochmals umgestaltet und erhielt sehenswerte Gemälde, unter anderem von Lucas Cranach, Jörg Breu und Heinrich Eichler. Die Familie Fugger ließ sich eine Grabkapelle im Stil der Renaissance, den ersten deutschen Bau in dieser Stilrichtung, in der St.-Anna-Kirche errichten.

1531 wurde in den Räumen des aufgelassenen Klosters das Gymnasium bei St. Anna gegründet, baulich 1613 ergänzt um ein von Elias Holl neu erbautes Schulhaus und eine Bibliothek. In der Reformationszeit wurde die St.-Anna-Kirche als eine der ersten Kirchen in Augsburg evangelisch. Im Jahr 1607 erbaute der bekannte Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl den Kirchturm. 1747–1748 wurden das Mittel- und die Seitenschiffe barock ausgestaltet.

Martin Luther in Augsburg

Die größte geschichtliche Bedeutung erlangte die St.-Anna-Kirche, als Martin Luther 1518 im Kloster nächtigte, als er sich vor Kardinal Thomas Cajetan weigerte, seine Thesen zu widerrufen.

Nach dem Reichstag zu Augsburg musste Martin Luther vom 7. bis zum 20. Oktober 1518 in den Fuggerhäusern dem römischen Kardinal Cajetan zu seinen Thesen Rede und Antwort stehen. Augsburg galt damals als Hochburg der Katholiken. Der Papst verlangte von Luther über Cajetan den Widerruf seiner 95 Thesen. Luther übernachtete und wohnte während der Verhandlungszeit im Kloster der St.-Anna-Kirche. Als er den Widerruf verweigert hatte, floh Luther bei Nacht aus Augsburg, um nicht von kaiserlichen Soldaten festgenommen zu werden.

St. Anna-heute

St.-Anna-Kirche aus Sicht der Annastraße

Die St.-Anna-Kirche lag jahrzehntelang nicht im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Als durch die 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg der Tourismus in den 1980er Jahren einen starken Aufschwung nahm, gelangten etliche weniger besuchte Sehenswürdigkeiten, darunter die St.-Anna-Kirche, zu größerer Aufmerksamkeit. Auch wegen Luthers Übernachtungen ist dieses Gotteshaus nach dem Dom und St. Ulrich wohl die am meisten besuchte Kirche Augsburgs. Vielleicht weil sie nicht so groß und mächtig wirkt, wie die bekannteren Kirchenbauten, ist sie bei Augsburgern und Touristen sehr beliebt.

Der Innenhof zwischen der Fuggerstraße und Fußgängerzone, der so genannte Annahof, wurde in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, gleichzeitig aber modernisiert. Unter dem Platz existiert mittlerweile ein Parkhaus. Auf dem Platz, der an eine italienische Piazza erinnert, befindet sich ein Café. Umrahmt wird der Annahof vom Augustanasaal, im Norden vom Hollbau und im Westen vom Neubau des Anna-Gymnasiums, in dem heute die Außenstelle des Oberlandesgerichtes München untergebracht ist. Beim Bau des Parkhauses stieß man auf die Grundmauern der alten Stadtbibliothek.

Am 31. Oktober 1999 unterzeichneten in der St.-Anna-Kirche Vertreter der katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirchen die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Dies gilt als eines der wichtigsten Ereignisse für die Ökumenische Bewegung.

Weblinks

 Commons: St.-Anna Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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