Ökumenische Bewegung


Ökumenische Bewegung
Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky und Bischof Dr. Wolfgang Huber nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Rosenkranz-Basilika, Berlin, 9. April 2007

Die Ökumenische Bewegung (von Ökumene, griech. oikoumene, „Erdkreis, die ganze bewohnte Erde“) ist eine Bewegung von Christen, die eine weltweite Einigung und Zusammenarbeit der verschiedenen christlichen Kirchen anstrebt.

Die Bewegung begann, nach verschiedenen Ansätzen schon seit der frühen Neuzeit, zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie fand ihre institutionelle Gestalt vor allem im Ökumenischen Rat der Kirchen sowie den lokalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge der modernen ökumenischen Bewegung

Im 19. Jahrhundert entstanden verschiedene christliche Organisationen wie Missions- und Bibelgesellschaften, der Christliche Verein Junger Männer und der Christliche Studentenweltbund, die bereits ein Streben nach Einheit über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg erkennen ließen. Die moderne Ökumene wurde Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere von protestantischen Kirchen initiiert. Sie wurden gleichzeitig zur treibenden Kraft in dieser Bewegung.[1]

Als Beginn der modernen ökumenischen Bewegung wird die Weltmissionskonferenz in Edinburgh im Jahre 1910 angesehen. Drei Grundziele waren bestimmend:

  • Gemeinsames Handeln in der Mission
  • Einheit in der Verkündigung von Jesus Christus
  • Gemeinsamer Dienst an der Welt

Die ökumenische Bewegung und ihre Institutionen heute

Die ökumenische Bewegung hat vieles selbstverständlich werden lassen, was um die Mitte des 20. Jahrhunderts undenkbar war. Dazu gehören konfessionsübergreifende Gottesdienste, Bibel-, Gebets- und Gesprächskreise, Begegnungen und Gemeindefeste, auf Kirchenleitungsebene theologische Konsultationen, gemeinsame Erklärungen zu gesellschaftlichen Themen und gemeinsames diakonisches Handeln.

Die Bewegung wird heute u. a. durch den Ökumenischen Rat der Kirchen vertreten, dem die katholische Kirche aufgrund ihres Selbstverständnisses nur als Gast angehört.[2] Der Rat wurde 1948 gegründet; ihm gehören derzeit 349 Kirchen aus mehr als 120 Ländern an. Der Rat widmet sich den oben genannten drei Aufgaben.

Es gibt aber auch einige weitere ökumenische Bemühungen, die ebenfalls zu einer Institution gefunden haben. So ist etwa die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ein Zusammenschluss von 105 Kirchen auf der Grundlage der Leuenberger Konkordie mit gegenseitiger Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Grundlage der Konkordie ist die Einsicht, dass Bekenntnisverschiedenheit nicht notwendigerweise eine Kirchentrennung bedeuten muss.[3]

Daneben wird die ökumenische Bewegung auch von zahlreichen Basisinitiativen getragen. Die weltweit größte ökumenische Basisbewegung von Frauen ist beispielsweise der Weltgebetstag der Frauen.

Das Ziel der Bewegung

Das Ziel der ökumenischen Bewegung zu formulieren, ist selbst Teil des Prozesses. Es setzt einen gemeinsamen Kirchenbegriff voraus, der nicht einfach gegeben ist. Gewöhnlich wird als Leitbild eine organisatorische Zusammenführung der Kirchen, die gegenseitige Anerkennung ihrer rechten Lehre und die gemeinsame Feier des Herrenmahls angesehen.[4]

Doch das ist ein umstrittenes Ziel. Auch innerhalb der ökumenischen Bewegung werden immer wieder Stimmen laut, die eine Ökumene des Konsenses ablehnen und eine Ökumene des wechselseitigen Einspruchs fordern, da jede Kirche notwendigerweise das Recht haben muss, ihre eigenen Positionen zu vertreten. Dieses Umdenken basiert einerseits auf einem protestantischen Kirchenbegriff, der kirchliche Einheit wesentlich, nicht nur vorübergehend, als eine geistliche Zielvorstellung begreift, andererseits auf dem römisch-katholischen Kirchenbegriff, demzufolge die eine Kirche des Glaubensbekenntnisses in der römisch-katholischen Kirche, wenn auch durch Spaltungen geschwächt und verdunkelt, fortbesteht, so dass der Heilige Stuhl den Anspruch erhebt, die Stimme der Kirche zu repräsentieren. Weitere Schwierigkeiten bestehen u.a. darin, dass der Papst auch Oberhaupt eines weltlichen Staates ist, was seine Amtsführung beeinflusst.[5]

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Die Ökumenische Bewegung auf kerber.net
  2. Sie ist jedoch Vollmitglied in den Kommissionen Glauben und Kirchenverfassung sowie Weltmission und Evangelisation.
  3. Michael Bünker, Generalsekretär der GEKE, über die Leuenberger Kirchengemeinschaft auf leuenberg.eu
  4. http://www.oikoumene.org/de/programme/der-oerk-und-die-oekumenische-bewegung-im-21-jahrhundert.html
  5. Ulrich Körtner: Wohin steuert die Ökumene?. Vom Konsens- zum Differenzmodell, Göttingen 2005, S. 244ff

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • ökumenische Bewegung — ökumenische Bewegung,   Bezeichnung für die im 19. Jahrhundert beginnenden, im 20. Jahrhundert eigene Institutionen ausbildenden Bestrebungen innerhalb der christlichen Kirchen, die konfessionelle Trennung des Christentums zu überwinden. Die… …   Universal-Lexikon

  • ökumenische Bewegung: Zueinander und miteinander —   Der Mangel einer sichtbaren Einheit der Christenheit zieht sich als roter Faden durch die gesamte Kirchengeschichte bis zum heutigen Tag. Die christlichen Gemeinschaften, die Kirchen, besitzen zwar eine gemeinsame Basis: den Glauben, dass sich… …   Universal-Lexikon

  • Ökumenische Rat der Kirchen — Der Ökumenische Rat der Kirchen / ÖRK (auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches / WCC) wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet und gilt seitdem als zentrales Organ der ökumenischen Bewegung. Er ist ein weltweiter… …   Deutsch Wikipedia

  • Ökumenische Theologie —    ist eine im 20. Jh. aus der Konfessionskunde u. aus der ökumenischen Bewegung entstandene theol. Fachwissenschaft, die Glaubens u. Lehrunterschiede der getrennten Kirchen im dialogischen (lernbereiten) Geist zu verstehen, ihrer Herkunft nach… …   Neues Theologisches Wörterbuch

  • Häretische Bewegung — Der Titel Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen dieser Chronologie ist bewusst gewählt. Er verzichtet auf den im kirchlichen Sprachgebrauch nicht mehr gebräuchlichen Begriff Sekte, der im entsprechenden Wikipedia… …   Deutsch Wikipedia

  • Hochkirchliche Bewegung — Die hochkirchliche Bewegung bezeichnet eine theologische und geistliche Richtung innerhalb der evangelischen, insbesondere der lutherischen Kirche. Die Wurzeln der evangelischen hochkirchlichen Bewegung liegen im Neuluthertum des 19. Jahrhunderts …   Deutsch Wikipedia

  • Charismatische Bewegung — Die charismatische Bewegung oder charismatische Erneuerung ist eine christliche, konfessionsübergreifende geistige Strömung. Sie beansprucht die besonderen Gnadengaben („Charisma“) bzw. Gaben des Heiligen Geistes hervorzuheben, die nach… …   Deutsch Wikipedia

  • Berneuchener Bewegung — Die Berneuchener Bewegung ist eine kirchliche evangelische Bewegung, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Ziele der Bewegung sind: Reform der Kirche und ihres gottesdienstlichen Lebens sowie gegenseitige seelsorgerliche… …   Deutsch Wikipedia

  • Rimê-Bewegung — Rime in tibetischer Schrift Rime (tib.: ris med; deutsch: ohne Unterschied; englisch: without distinction) bezeichnet eine ökumenische Bewegung innerhalb des tibetischen Buddhismus, die im 19. Jahrhundert durch buddhistische Meister wie Jamyang… …   Deutsch Wikipedia

  • Neue Geistliche Bewegung — Die Neuen Geistlichen Bewegungen sind im weiteren Sinne christliche Erneuerungsbewegungen, die im 20. Jahrhundert in mehreren christlichen Konfessionen entstanden sind. Dazu zählt der christliche Zweig der Jugendbewegung (z. B. der CVJM),… …   Deutsch Wikipedia