Zeichenkörper


Zeichenkörper

Als Zeichenkörper bezeichnet man in bestimmten semiotischen Auffassungen die materielle „Trägermaterie“, die das Zeichen wahrnehmbar macht. Ein Wort in einem Buch besteht aus geformter Druckerschwärze und ist ein dreidimensionaler Gegenstand, also ein Körper, der auf der Buchseite liegt. Es gibt sehr viele Formen von Zeichenkörpern, beispielsweise Computerbildschirme, geformte Neonlichtröhren (Reklameschriften), bemalte Blechtafeln (Verkehrszeichen), gestanzte Lochkarten usw.

Alle Zeichenkörper steuern Signale. Buchstaben aus Druckerschwärze, Graphit oder Kreide reflektieren das Licht, das ins Auge des Lesers fällt, in unterschiedlicher Weise und dienen so der Signalübertragung.

Inhaltsverzeichnis

Zeichenkörper in der Semiotik

In der Semiotik existieren mehrere Ansätze, die einen Zeichenkörper implizieren. Im semiotischen Dreieck wird vom Signifikanten gesprochen, wobei dessen sinnliche Qualität meistens nicht thematisiert wird.

Im Empirismus existieren Zeichenkörper als akustische oder visuelle Phänomene, die sich mittels psychologischer Vorgänge auf sinnlich feststellbare Gegenstände beziehen.

Zeichenkörper in der Typographie

Die Typographie gestaltet unter anderem Glyphen, d.h. die Zeichenkörper von Schriftzeichen, mithin die Gestalt einer konkreten Schrift, etwa Arial oder Courier.

Textstellen

„Jedes Zeichen hat zwei Aspekte, den Aspekt seines Funktionierens in einem Zeichensystem, kraft dessen es sich überhaupt erst auf einen bestimmten Sinn beziehen kann, und den Aspekt seiner sinnlichen Erscheinungsform, kraft deren es diesen Sinn überhaupt erst zur Erscheinung bringen kann. Unter dem Begriff der Semantizität sei der erste Aspekt bezeichnet und alles zusammengefaßt, was für das Funktionieren des Zeichens als Zeichen unabdingbar wichtig ist. Unter dem Begriff der Materialität wollen wir den zweiten Aspekt bezeichnen und alles zusammenfassen, was als sinnliche 'Trägermaterie' dient und so oder anders beschaffen sein kann, ohne daß die Funktionalität des Zeichens davon beeinträchtigt sein muß.“

J. Assmann in: Gumbrecht/Pfeiffer: Materialität der Kommunikation

Literatur

Weblink

Siehe auch


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