Bäreninsel


Bäreninsel
Bäreninsel (Bjørnøya)
Karte der Bäreninsel
Karte der Bäreninsel
Gewässer Barentssee
Geographische Lage 74° 30′ N, 19° 0′ O74.519563Koordinaten: 74° 30′ N, 19° 0′ O
Bäreninsel (Bjørnøya) (Svalbard und Jan Mayen)
Bäreninsel (Bjørnøya)
Länge 19,7 km
Breite 13,2 km
Fläche 178 km²
Höchste Erhebung Urd, Miseryfjellet
563 m
Einwohner 9
<1 Einw./km²
Hauptort Herwighamna (meteorologische Station)
Lage
Lage

Die zu Norwegen gehörende 178 km² große Bäreninsel (norwegisch: Bjørnøya) liegt bei etwa 74°30' Nord und 19° Ost zwischen dem Nordkap und Spitzbergen in der Barentssee. Zusammen mit der Inselgruppe Spitzbergen bildet sie das Territorium Svalbards.

Die Bäreninsel wurde am 10. Juni 1596 von den niederländischen Seefahrern Willem Barents und Jacob van Heemskerk entdeckt. Sie wurde nach einem dort gesichteten Eisbären benannt. Die Insel galt bis zur Unterzeichnung des Spitzbergenvertrages von 1920, der die Insel der norwegischen Souveränität unterstellte, als Niemandsland.

Trotz der entlegenen Lage im Nordpolarmeer wurde die Insel im letzten Jahrhundert häufig Ziel industrieller Nutzung (Bergbau, Fischerei, Walfang). Allerdings bestand keine Siedlung für längere Zeit, die Insel ist heute unbewohnt, abgesehen von einigen Forschern der meteorologischen Station Herwighamna. Im Jahr 2002 wurde die Insel mitsamt den umliegenden Gewässern als Naturschutzgebiet deklariert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Überreste einer Walfangstation in der Walrossbucht im Südosten der Bäreninsel

Vermutlich war die Bäreninsel schon Seefahrern aus der Wikingerzeit bekannt, die erste dokumentierte Entdeckung gelang allerdings erst im Jahr 1596, als der niederländische Seefahrer Willem Barents die Insel auf seiner dritten Expedition sichtete.[1] Steven Bennet nahm in den Jahren 1603 und 1604 weitere Erkundungen der Insel vor und beobachtete eine große Population von Walrossen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts diente die Bäreninsel hauptsächlich als Stützpunkt für die Jagd von Walrossen und anderen Robbenarten. Bis zum Jahr 1971 wurden die Eier einiger Meeresvogelkolonien geplündert.[2]

Die Bäreninsel war nie stark besiedelt. Die Überreste einer Walfangstation aus dem frühen 20. Jahrhundert sind heute noch in der Walrossbucht (Hvalrossbukta) im Südosten zu finden. Von 1916 bis 1925 wurde in einer kleinen Siedlung im Nordosten, in Tunheim, Kohle gefördert. Da der Abbau jedoch sehr unprofitabel war, wurde die Siedlung bald wieder aufgegeben. Auch hier sind die Relikte der Vergangenheit aufgrund des kühlen, trockenen Klimas gut erhalten geblieben und noch heute vorhanden.

Der strategische Wert der Bäreninsel wurde im späten 19. Jahrhundert erkannt, als Russland sowie Deutschland Besitzansprüche auf die Insel stellten. Im Jahr 1899 entsandte das deutsche Reichsamt des Innern, unter dem Vorwand, die Reise zum Zwecke hydrographischer und ozeanographischer Forschung unter der Leitung des Deutschen Seefischerei-Vereins (DSV) vorzunehmen, das Kriegsschiff Olga. Die wissenschaftliche Besatzung an Bord diente lediglich der Tarnung. Der tatsächliche Plan wies den Kapitän und die Expeditionsleitung an, auf der Bäreninsel eine Basis für deutsche Fischdampfer anzulegen, vorläufig allerdings von einer Inbesitznahme der Insel abzusehen. In den Jahren 1898 und 1899 fand allerdings eine private Expedition unter der Leitung des Journalisten und Abenteurers Theodor Lerner statt. Als die Olga die Bäreninsel anlief, musste ihre Besatzung feststellen, dass Lerner und seine Besatzung der Helgoland bereits einen im Prinzip identischen, wenngleich privaten Plan bereits umgesetzt hatten, und die Insel für sich in Anspruch nahmen.[3]

Manuskriptkarte der Bäreninsel mit den handschriftlichen Grenzziehungen Theodor Lerners

Das Russische Reich bekam von diesem Verwirrspiel in der Barentssee ebenfalls etwas mit und entsandte den Kreuzer Svetlana, um die Vorgänge auf der Insel zu beobachten. Am 21. Juli 1899 setzten die Russen ihre Flagge im Norden der Insel, woraufhin es seitens Lerners heftige Proteste gab. Der Konflikt wurde allerdings unblutig beendet und endete diplomatisch damit, dass von keinem Staat Souveränitätsansprüche gestellt wurden.[1] Die gesamte Insel war zwischen 1918 und 1932 im vollständigen Privatbesitz des Bergbauunternehmens Bjørnøen AS, als der Norwegische Staat das Unternehmen durch den Aufkauf sämtlicher Aktien übernahm. Im Jahr 1919 wurde im Norden der Insel in Herwighamna eine Radiostation errichtet (Bjørnøya Radio, Rufzeichen: LJB[4]), die später erweitert wurde, um eine meteorologische Station darin unterzubringen.

Der Insel kam während des Zweiten Weltkriegs und dem Kalten Krieg eine wichtige strategische Bedeutung zu, da die Schiffsrouten von Murmansk und Häfen am Weißen Meer in den Atlantischen Ozean durch die Gewässer nahe der Bäreninsel verliefen. Auch wenn Svalbard während des Zweiten Weltkriegs nicht von Deutschland besetzt wurde, errichtete die Wehrmacht zahlreiche Wetterstationen. Im Jahr 1941 wurde auf der Bäreninsel eine automatisierte Funkstation eingerichtet.

Südspitze der Bäreninsel mit Schiff der norwegischen Küstenwacht

Deutsche Streitkräfte attackierten zahlreiche militärische Nachschublieferungen von und in die Sowjetunion in den Gewässern um die Bäreninsel. So kam es Anfang Juli 1942 während des Unternehmens Rösselsprung östlich der Bäreninsel zu großen Verlusten seitens der Sowjetunion. Auch die Schlacht in der Barentssee Ende Dezember 1942 fand unmittelbar südlich der Bäreninsel statt. Im Jahr 1943 fanden weitere Seeschlachten südöstlich der Insel statt. Im November 1944 unterbreitete die Sowjetunion der Vorschlag, den Svalbard-Vertrag zu annullieren. Verhandlungen mit der norwegischen Exilregierung unter Trygve Lie führten allerdings bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu keiner Einigung und die sowjetischen Vorschläge wurden niemals umgesetzt.[1] Trotzdem hielt die Sowjetunion (und später Russland) ihre Präsenz auf Svalbard aufrecht (unter anderem mit der russischen Siedlung Barentsburg auf Spitzbergen).

Im Jahr 2002 wurde die Insel zum Naturschutzgebiet erklärt (mit Ausnahme einer 1,2 km² großen Fläche um die meteorologische Station). Das Naturschutzgebiet umfasst auch die umliegenden Gewässer in einer angrenzenden Zone von 4 Seemeilen (7,4 km) um die Küste. Im Jahr 2008 wurde die Schutzzone auf 12 Seemeilen (22 km) erweitert. Das Naturschutzgebiet umfasst heute 177 km² am Land und 2.805 km² auf offenem Meer.[5]

Heute ist die Insel mit Ausnahme einiger weniger Personen zur Betreuung der meteorologischen Station und des Funksenders in Herwighamna unbewohnt. Die Station unterhält zudem eine Landestation für Hubschrauber der Norwegischen Küstenwache. Das Norwegische Polarinstitut unternimmt jährliche Expeditionen auf die Bäreninsel, hauptsächlich zum Zwecke der ornithologischen Forschung. Andere Forschungsprojekte, vor allem die physische Geographie oder die Klimatologie betreffend, finden nicht regelmäßig statt.

Für Privatpersonen gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten, um auf die Bäreninsel zu gelangen, da nur sehr wenige Yachten und Kreuzfahrtschiffe hier Halt machen. Tourismus ist auf der Insel so gut wie nicht vorhanden. Die Bäreninsel war 1979 Schauplatz des britisch-kanadischen Kinofilms Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis.

Hydrographie, Geographie und Klima

Küstenkliff mit Vogelkolonie auf der südlichen Bäreninsel
Der mit 563 Meter Seehöhe höchste Berg der Bäreninsel: Miseryfjellet

Die Bäreninsel liegt 235 Kilometer südlich von Spitzbergen als ein Teil von Svalbard und 397 Kilometer NNW von Ingøy auf dem norwegischen Festland. Die Insel liegt im westlichsten Teil der Barentssee auf der Spitsbergen Bank, die sich in südlicher Richtung von Spitsbergen und Edgeøya erstreckt, als Teil des Kontinentalschelfs. Die Wassertiefe in der Nähe der Insel bzw. östlich davon beträgt nicht viel mehr als 100 Meter, allerdings ist die Wassertiefe im Süden und speziell im Westen, wo der Kontinentalschelf tief in die Norwegische See und die Grönlandsee absinkt, sehr viel größer.

Der Umriss der Insel ähnelt einem unregelmäßigen Dreieck mit der nach Süden gerichteten Spitze und einer maximalen Nord-Süd-Ausdehnung von 20 Kilometern sowie einer maximale Ost-West-Ausdehnung von 15,5 Kilometern. Die Fläche der Insel beträgt 178 km². Die südliche Küste der Bäreninsel ist gebirgig mit einer maximalen Erhebung, dem Miseryfjellet, von 563 Meter über Meeresspiegel. Andere nennenswerte Berge sind der Antarcticfjellet im Südosten sowie die Berge Fuglefjellet, Hambergfjellet und Alfredfjellet im Südwesten.[6] Den nördlichen Teil der Insel bildet eine flache Ebene, die flächenmäßig ca. zwei Drittel der Insel ausmacht. Die flachen Gebiete der Bäreninsel sind mit seichten Süßwasserseen übersät, die zusammen eine Fläche von ungefähr 19 km² einnehmen. Zahlreiche Flüsse gelangen an den steilen Küstenabschnitten über Wasserfälle in das Meer. Die Bäreninsel ist nicht vergletschert.

Abgesehen von einigen wenigen Flachküstenabschnitten, die als Anlegestellen oder Landungszonen dienen, besteht die Küste der Bäreninsel aus steilen Küstenabschnitten mit deutlichen Erosionsspuren. In Herwighamna an der Nordküste existiert ein kleiner Hafen.

Durch die Ausläufer des Nordatlantikstroms gelangen warme Wassermassen bis nach Svalbard die hier für ein weit milderes Klima sorgen, als an anderen Standorten in ähnlichen Breitengraden zu erwarten wäre. Das Klima auf der Bäreninsel ist maritim-polar geprägt mit relativ milden Temperaturen während des Winters. Der kälteste Monat, Januar, weist eine Durchschnittstemperatur von -8,1 °C auf (gemessen im Zeitraum 1961–1990). Die wärmsten Monate, Juli und August, verzeichnen eine Durchschnittstemperatur von 4,4 °C. Der Jahresniederschlag fällt mit 371 Millimeter im nördlichen Flachland gering aus. Die Wetterlage kann während der Sommermonate relativ stabil sein, auch wenn an 20 % der Tage nebelige Verhältnisse herrschen.

Durch die Grenzlage der Bäreninsel zwischen kalten Polargewässern und warmem atlantischen Wasser kann die Wassertemperatur innerhalb weniger Seemeilen sehr variabel ausfallen. So können die Wassertemperaturen im Sommer 10 °C erreichen. Über die Barentssee gelangt jeden Winter Packeis bis an die Bäreninsel, manchmal schon im Oktober, die größte Ausdehnung des Packeises erfolgt allerdings nicht vor Februar.

Polarnacht auf der Bäreninsel herrscht vom 8. November bis 3. Februar, Mitternachtssonne vom 2. Mai bis 11. August.

Flora und Fauna

Der Gegenblättrige Steinbrech hat sich gut an das raue Klima der Bäreninsel angepasst

Aufgrund der klimatischen Bedingungen gibt es auf der Insel nur ein geringes Pflanzenwachstum, hauptsächlich bestehend aus Moosen und Löffelkräutern, jedoch keine Bäume. Die einzigen einheimischen Säugetiere sind einige wenige Polarfüchse. Trotz ihres Namens ist die Bäreninsel nicht permanent von Eisbären bewohnt, allerdings kann es vorkommen, dass in den Wintermonaten zahlreiche Eisbären über das Packeis über das Meer auf die Insel gelangen. Vereinzelt schaffen es die Bären nach dem Rückgang der Packeisgrenze nicht rechtzeitig zurück und verbringen den kurzen Sommer auf der Insel.[7] Ringelrobben und Bartrobben die in den umliegenden Gewässern der Bäreninsel leben, dienen den Eisbären als Beute. Die früher so zahlreichen Walrosse sind heute nur noch vereinzelt anzutreffen. Die einzigen Landvögel auf der Insel sind die Schneeammern und Alpenschneehühner, allerdings sind die Steilküsten dicht bewohnt mit zahlreichen Trottellummen, Papageientauchern, Eissturmvögeln, Dreizehenmöwen, Eismöwen und anderen Meeresvögeln. Die Kurzschnabelgänse und andere Zugvögel machen auf der Insel Rast während ihrer saisonalen Wanderung zwischen den nördlicheren Inseln Svalbards und Festlandeuropa. In den Süßwasserseen der Insel lebt der Seesaibling.

Die Bäreninsel war in den frühen 1920er Jahren einer der Untersuchungsstandorte, an denen der Ökologe Charles Elton zusammen mit Victor Summerhayes Teile des Konzepts der Nahrungskette definierte.[8]

Umweltprobleme

Obwohl es auf der Bäreninsel und in ihrer unmittelbaren Nähe keine industriellen Aktivitäten gibt, gelangen giftige und radioaktive Substanzen über die Luftverschmutzung von weit her auf die Insel. Die Erkundung neuer Erdölfelder in der Barentssee oder die jüngste Entwicklung am Snøhvit Gasfeld vor der nordnorwegischen Küste zeigen, dass die ökologisch empfindlichen polaren und subpolaren Gebiete Norwegens und der Barentssee in das Blickfeld der Erdöl- und Erdgasindustrie gerückt ist.[9]

Die Umweltschutzorganisation Bellona hat bemängelt, dass die norwegische Regierung die Freigabe für die Prospektion leichtfertig erteilt habe, ohne zuvor ausreichend die ökologischen Auswirkungen zu untersuchen.[10] So konnten auf der Bäreninsel im Süßwassersee Ellasjøen organische Giftstoffe, insbesondere PCBs, in hohen Konzentrationen in biologischen Proben (vor allem im Seesaibling) nachgewiesen werden.[11] Am 7. April 1989 sank ca. 190 km südwestlich der Bäreninsel das sowjetische Atom-U-Boot Komsomolez. Eine Bergung war bis heute nicht möglich, allerdings wurde 1994 der Torpedoschacht provisorisch versiegelt.[12] Trotz der Versiegelung treten geringe Mengen radioaktiven Materials aus der Havarie. Austritt von radioaktivem Material aus dem Reaktor und massive Umweltbelastung der umgebenden Gewässer könnten in naher Zukunft zu gravierenden Schäden im marinen Ökosystem führen.[13]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c Arloy, Thor B.: Svalbards historie (norwegisch). Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2003, ISBN 82-519-1851-0.
  2. Seabird harvest regimes in the circumpolar nations. (PDF, englisch) Circumpolar Seabird Working Group (2001), S. 41. Abgerufen am: 5. Mai 2009
  3. K. Barthelmess: Bäreninsel 1898 und 1899: Wie Theodor Lerner eine Geheimmission des Deutschen Seefischerei-Vereins zur Schaffung einer deutschen Arktis-Kolonie unwissentlich durchkreuzte. In: Polarforschung – Die Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung. 78 (2009), 1/2, S. 68 f.
  4. Liste der Küstenfunkstellen PDF Abgerufen am: 5. Mai 2009
  5. barentsobserver.com: Expanding nature reserve in the Barents Sea. (englisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009
  6. D. Worsley et al. (2001): The geological evolution of Bjørnøya, Arctic Norway: implications for the Barents Shelf. Norsk Geologisk Tidsskrift Vol. 81, pp.195–234. (englisch) Abgerufen am: 12. März 2010
  7. nettavisen.no: Eisbärenfamilie auf Bjørnøya gefangen. (norwegisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009
  8. Are high Arctic terrestrial food chains really that simple? - The Bear Island food web revisited. (Abstract) (englisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009
  9. Norwegian Petroleum Directorate (2005): Barents Sea exploration celebrates 25 years. (englisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009
  10. Buch, Cato (2002): Snøhvit: Reasons for Bellona's opposition. (englisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009
  11. Evenest, A., G.N. Christensen, R. Kallenborn (2005): Selected chlorobornanes, polychlorinated naphthalenes and brominated flame retardants in Bjørnøya (Bear Island) freshwater biota. (Abstract) (englisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009
  12. The Komsomolets Disaster (PDF, englisch) Abgerufen am: 12. Mai 2009
  13. Gwynn, J.P, M. Dowdall, B. Lind (2004): The Radiological Environment of Svalbard (englisch) Abgerufen am: 5. Mai 2009

Weblinks

 Commons: Bäreninsel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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