Christliche Popmusik

Christliche Popmusik

Christliche Popmusik (auch: christliche Rockmusik) ist christliche Musik, die stilistisch in den Bereich der Pop- und Rockmusik einzuordnen ist. Oft wird auch der Begriff CCM (Contemporary Christian music, deutsch: Zeitgenössische christliche Musik) benutzt. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten hat sich dieser Begriff in Deutschland nur vereinzelt durchgesetzt. In der englischsprachigen Welt wird christliche Popularmusik auch als Gospel - abzugrenzen vom „Black Gospel“ bzw. „Traditional Gospel“ - oder christian music bezeichnet. Eng verwandt aber nicht identisch ist in Deutschland der sogenannte Sacropop, der moderne Kirchenlieder in deutscher Sprache bezeichnet. Einen ähnlichen aber weiter verbreiteten Bereich umfasst die Lob- und Anbetungsmusik (Praise- & Worship-Music) die mehr auf die Beziehung zu Gott ausgerichtet ist und musikalisch meist zwischen Soft-Pop, Akustik- und Rockmusik angesiedelt ist.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die christliche Rockmusik entstand in der Jesus-People-Bewegung der 1970er Jahre in den Vereinigten Staaten. Zu den ersten christlichen Rockgruppen und -sängern gehören 2nd Chapter of Acts, Love Song, Barry McGuire und Larry Norman, der mit dem gleichnamigen Lied das Motto der CCM-Szene Why should the devil have all the good music geprägt hat. Das Genre begann, als Ende der 1960er Jahre Musikkünstler und -gruppen sich zum Christentum bekannten und weiterhin in ihrem Stil Musik machten, aber ihren Liedern christliche Texte unterlegten. So entstand beispielsweise 1969 Upon this Rock – eines der ersten christlichen Rock-Alben – von Larry Norman, der vielen anderen Künstlern als Vorbild diente. Aus den ersten christlichen Rockgruppen entwickelte sich mit der Zeit der christliche Metal. Seitdem entstand eine Vielzahl christlicher Musikgruppen, die heute nahezu jeden populären Musikstil abdecken, von Hip-Hop über Folk, Ska, Punk, Techno bis hin zu Metal.

In Deutschland begann die Entwicklung und der Einsatz christlich geprägter Popmusik verstärkt zwischen 1960 und 1970. Vor allem im Bereich von Evangelisationsveranstaltungen wird mit moderner Musik gearbeitet. Erste Gruppen wie zum Beispiel Damaris Joy, Chöre wie Wasserträger (Musikgruppe) und Liedermacher wie Manfred Siebald wurden bundesweit bekannt. Seit Anfang 1980 organisierten sich Aktive auch in Initiativen in den beiden Großkirchen, sowie in verschiedenen Freikirchen. Seit 2000 gibt es in der Evangelischen Landeskirche in Bayern einen ersten Fachverband, den Verband für christliche Popularmusik in Bayern e.V[1].

Außerdem entstanden innerhalb der christlichen Gemeinden und Jugendgruppen in den letzten 25 Jahren „Lobpreis- und Anbetungslieder“ (englisch: Praise & Worship) als besonderes musikalisches und spirituelles Genre. Als eine Art Gegenpol zu traditionellen Kirchenchorälen und Gemeindeliedern ist diese Musikrichtung inzwischen sehr populär geworden, besonders unter den Christen der jungen und mittleren Generation. Die Lobpreis- und Anbetungslieder haben mancherorts die „Choräle“ verdrängt und eine neue und teilweise kritisierte christliche Liedkultur geschaffen.

Christliche Musikszene

Die Szene christlicher Popmusik ist ähnlich vielfältig wie die als „säkular“ bezeichnete, nicht explizit christliche Musikszene, nur wesentlich kleiner. Sie existiert parallel zu der weltlichen Musikszene und findet ihr Publikum bevorzugt in christlichen Kreisen. Die Texte der Lieder behandeln häufig Themen der Bibel und des christlichen Glaubens, aber auch gesellschaftliche oder Themen des Alltags. In den regulären Verkaufslisten wie etwa „Billboard“ in den Vereinigten Staaten und „Media Control“ in Deutschland erreichten einige Interpreten Platzierungen, darunter zum Beispiel Amy Grant, Michael W. Smith, Normal Generation?, Stacie Orrico, Beatbetrieb oder Allee der Kosmonauten.

In Nordamerika sind unter anderen die Booth Brothers Vertreter dieses Genres. Eine Reihe weiterer Interpreten sind Christen, die teilweise auch christliche Texte benutzen, ihre Produktionen aber bei säkularen Labels veröffentlichen wie etwa Xavier Naidoo und U2. Diese werden meist nicht der Szene zugerechnet. Weitere Interpreten lassen ihre Platten sowohl bei einem christlichen Label für den christlichen Markt, als auch bei einem säkularen Label produzieren und vermarkten. Plattenfirmen und Verlage, die sich auf christliche Musik spezialisiert haben, sind im deutschsprachigen Raum zum Beispiel ABAKUS Musik, Asaph Music, Free Records, Gerth Medien, J-Star, JesusRockrecords.de, Ruuf Records und Royal Family Records, sowie ForeFront Records, Gotee Records, Sparrow Records, Tooth & Nail Records und andere in den USA.

Kritik

Innerhalb der christlichen Konfessionen ist die Berechtigung, Verwendung und Ausdehnung „christlicher Rockmusik“ von jeher umstritten. Insbesondere konservative Kreise stehen dieser Musikform skeptisch bis ablehnend gegenüber, weil es ihnen ein zu großer Tribut an den Zeitgeist darstellt und sie unbiblische Anpassung fürchten. Dem wird von Befürwortern entgegengehalten, dass traditionelles Kirchenliedgut bei seiner Entstehung musikalisch ebenfalls dem Zeitgeist entsprach. Befürworter und Förderer christlicher Rockmusik vertreten eine pragmatische Auffassung und führen ins Feld, dadurch Werbung für den christlichen Glauben zu machen und letztlich mehr Menschen missionarisch zu erreichen. Unter anderem durch zahlreiche Buchveröffentlichungen wurde diese theologische und kulturelle Auseinandersetzung in den letzten 30 Jahren von beiden Seiten mitunter erbittert geführt. Befürworter der modernen Musik zitieren oft Bibelstellen, in denen steht singt dem Herrn ein neues Lied wie zum Beispiel in den Psalm 33, 3/40, 4/96, 1/98 und 1.

Siehe auch

Veranstaltungen

Bekannte Veranstaltungen im Bereich der christlichen Popmusik:

Literatur

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Publikationen im wissenschaftlichen Bereich, die sich mit dem Thema „Christliche Popularmusik“ befassen. Oftmals sind sie aus theologischer oder religionspädagogischer Sicht geschrieben. Eine ausführliche Publikationsliste findet man in folgenden Veröffentlichungen:

  • Wolfgang Kabus (Herausgeber): Popularmusik und Kirche – kein Widerspruch. Frankfurt am Main et al: Peter Lang 2001, ISBN 3-631-38472-6
  • Wolfgang Kabus (Herausgeber): Popularmusik und Kirche – Positionen, Ansprüche, Widersprüche. Frankfurt am Main et al 2003, ISBN 3-631-50880-8
  • Thomas Feist: Musik als Kulturfaktor. Zur Theorie und Empirie christlicher Popularmusik, Frankfurt am Main et al: Peter Lang 2005, ISBN 3-631-53976-2

Eigenständige regelmäßig erscheinende Musikmagazine gab und gibt es immer wieder wie zum Beispiel Exact. Seit 1996 ist musik&message, das Musikmagazin des Verbandes für christliche Popularmusik in Bayern e.V. am Markt. Das Magazin erscheint vierteljährlich mit einem ausführlichen Thementeil und ist derzeit das älteste und erfolgreichste Medium.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.popularmusikverband.de

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