Daniel Spoerri


Daniel Spoerri
Daniel Spoerri, 2009

Daniel Spoerri (* 27. März 1930 in Galați, Rumänien als Daniel Isaac Feinstein) ist ein Schweizer bildender Künstler, Tänzer und Regisseur rumänischer Herkunft. Er ist Mitbegründer der Künstlergruppierung Nouveau Réalisme und gilt als Erfinder der Eat-Art.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Spoerri ist der Sohn des Missionars Isaac Feinstein und dessen Ehefrau Lydia Spoerri. Der Vater war nicht nur vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertiert, er arbeitete auch für die Norwegische Mission für Israel. Als im Sommer 1941 die Nationalsozialisten seinen Vater in ein Vernichtungslager verschleppten und ermordeten, flüchtete die Mutter, eine Schweizer Staatsbürgerin, 1942 mit dem Sohn in die Schweiz. Dort wurde Spoerri durch seinen Onkel, Theophil Spoerri, den Rektor der Universität Zürich, adoptiert. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete Spoerri unter anderem als Buchhändler, Obstverkäufer und Fotograf. In dieser Zeit machte er die Bekanntschaft mit Max Pfister-Terpis, der Spoerri zu einer Tanzausbildung riet.

Daniel Spoerri (1995), im Hintergrund ein „Fallenbild“ (Foto: Pantalaskas)

In Zürich und später in Paris studierte Spoerri von 1949 bis 1954 klassischen Tanz und Pantomime. Einige Zeit war er Schüler von Étienne Decroux. Nach seiner Rückkehr wurde er am Stadttheater Bern als Solotänzer engagiert, wo er Avantgardestücke von Eugène Ionesco, Pablo Picasso und Jean Tardieu inszenierte. Während dieser Zeit versuchte sich Spoerri bereits als Regisseur von Kurzfilmen. 1957 arbeitete er als Regieassistent bei Gustav Rudolf Sellner am Landestheater Darmstadt. In Darmstadt bildete sich um Spoerri, Emmett Williams und Claus Bremer ein Kreis konkreter Dichter. 1959 zog Spoerri nach Paris und machte dort bald Bekanntschaft mit Jean Tinguely, Arman, François Dufrêne und Yves Klein und gründete die Edition MAT, die die ersten Multiples herausgab. In Paris entstand Spoerris erste Objektkunst und vor allem seine Tableaux pièges (dt. Fallenbilder; Bilder bzw. Objekte, in denen wie in einer Falle ein Stück Realität gefangen ist). Am 27. Oktober 1960 wurde unter Mitwirkung Spoerris die Gruppe Nouveau Réalisme – Leitung Pierre Restany – gegründet. Weitere Gründungsmitglieder waren Jean Tinguely, Arman, François Dufrêne, Raymond Hains, Yves Klein, Jacques de la Villeglé und Martial Raysse. 1961 war Spoerri in der Ausstellung The Art of Assemblage im New Yorker Museum of Modern Art vertreten. Seine Arbeit „Kichkas Frühstück I“ (Kichka’s Breakfast I) wurde in der Folge vom MoMA angekauft.[1] 1962 war er einer von sechs Teilnehmern der Ausstellung Dylaby in Amsterdam.

1963 gründete Spoerri in der Galerie Dorothea Loehr in Frankfurt am Main das Dorotheanum – gemeinnütziges Institut für Selbstentleibung und nahm im gleichen Jahr am FESTUM FLUXORUM FLUXUS in der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf teil.[2] 1967/68 verbrachte Spoerri ein ganzes Jahr auf der griechischen Insel Symi. In diesem Jahr entstanden 25 Objekte unter dem Titel Gastronomisches Tagebuch – 25 objets de magie à la noix.

Im Jahr 1968 gründete Spoerri die Eat-Art Edition und eröffnete das Restaurant Spoerri in Düsseldorf, das er bis 1972 führte und in dem unter anderem Aktionen mit Joseph Beuys, Robert Filliou, Dieter Roth, Ben Vautier und Emmett Williams stattfanden.[3] 1970 eröffnete er die EAT-ART-Gallery, zusammen mit Hete Hünermann und Carlo Schröter, in der er in der Folgezeit EAT-ART-Bankette veranstaltete, so zum Beispiel Ultima Cema oder Banchetto funebre del Nuovo Realismo.

1978 wurde er als Professor für Dreidimensionale Gestaltung an die Kölner Werkschulen berufen und lehrte dort bis 1982. Dazwischen gründete er das Musée Sentimental in Köln. 1983 nahm er einen Ruf an die Akademie der bildenden Künste in München an und unterrichtete dort bis 1989. Während dieser Zeit veröffentlichte er auch mehrere Kochbücher, die aber eigentlich doch mehr Kunst als Kochen enthielten.

Il Giardino

Ab ungefähr 1990 ließ sich Spoerri in der Toskana nieder. In der Nähe von Monte Amiata kaufte Spoerri ein großes Areal, auf dem er sukzessive den Skulpturengarten Il Giardino errichtete. Für dieses Projekt, das von Spoerri bis zum heutigen Tag erweitert wird, schuf der Künstler selbst einen Großteil der Skulpturen.

Seit Anfang 2007 lebt Spoerri in Wien. Er ist dreimal geschieden.

Eat Art & Ab Art

2009 erwarb Spoerri in Hadersdorf am Kamp zwei am Hauptplatz gelegene Häuser.[4] Das alte Kino (Hauptplatz 16) wurde zum Esslokal Eat Art, das aus dem 13. Jahrhundert stammende ehemalige Kloster (Hauptplatz 23) zum Kunststaulager und Ausstellungshaus umgestaltet. Spoerri gab ihm den Namen Ab Art. Im Jahr 2010 errichtete Spoerri eine Stiftung bei der das Land Niederösterreich als Letztbegünstigter bestimmt ist. Das Ziel der Stiftung ist zeitgenössische Kunst und Kultur an Schüler und Jugendliche zu vermitteln. Dabei schenkte er dem Land Niederösterreich 39 seiner Werke im Wert von 3,5 Millionen Euro.[5][6]

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1972: Retrospektive in Amsterdam, Paris und Zürich.
  • 1990: Retrospektive in Paris, Antibes, Wien, München, Genf und Solothurn.
  • 1992: Expo ’92, Schweizer Pavillon, Sevilla.
  • 1995: Stadthaus Ulm, Ulm
  • 1999–2000: SAMMLUNG ESSL – the first view, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
  • 2001: FALLOBST – Witz Ironie Kunst, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
  • 2001: Retrospektive im Museum Jean Tinguely, Basel
  • 2001: Kunsthalle Villa Kobe, Halle (Saale)
  • 2003–2004: Permanent 04 – Werke aus der Sammlung Essl, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
  • 2005: Esslsbrücke – FotografInnen im Dialog mit Werken der Sammlung Essl, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
  • 2007: Passion for Art, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien
  • 2009: Ludwig Museum, Koblenz
  • 2010: Städtische Galerie, Kunsthalle Jesuitenkirche, Aschaffenburg
  • 2010: Schloss Achberg, Landkreis Ravensburg
  • 2010: Weißt du? Schwarzt du? Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen
  • 2011–2012: Schönheit und Vergänglichkeit. Immendorff. Kounellis. Music. Quinn. Spoerri. Tàpies, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien

Öffentliche Sammlungen

Australien

  • Queensland Art Gallery/Gallery of Modern Art, Brisbane, QLD

Belgien

Deutschland

Dänemark

  • KUNSTEN Museum of Modern Art Aalborg (former Nordjyllands Kunstmuseum), Aalborg
  • Randers kunstmuseum, Randers
  • Museet for Samtidskunst, Roskilde

Frankreich

Island

  • Safn, Reykjavik

Italien

  • La Serpara, Civitella d’Agliano
  • MART- Museo d'Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, Rovereto

Japan

  • Toyota Municipal Museum of Art, Toyota Aichi

Österreich

Portugal

  • Berardo Museum - Collection of Modern and Contemporary Art, Lissabon

Schweden

Schweiz

Spanien

Ungarn

  • Ludwig Museum - Museum of Contemporary Art - Budapest, Budapest

Vereinigte Staaten

Vereinigtes Königreich

Auszeichnungen

  • 1993 - Grand Prix de la Sculpture, Paris
  • 2008 - Abrogino d'oro, Mailand
  • 2008 - Eckart Witzigmann-Preis[7]
  • 2009 - Michelangelo-Preis[8]

Literatur

  • René Block, Gabriele Knapstein (Konzept): Eine lange Geschichte mit vielen Knoten. Fluxus in Deutschland. 1962–1994. Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1995
  • Dieter Honisch (Vorw.): 1945 1985. Kunst in der Bundesrepublik Deutschland, (Nationalgalerie, Staatliche Museen, Preußischer Kulturbesitz, Berlin), Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1985, ISBN 3-87584-158-1
  • Beitrag von Barbara Räderscheidt in: Vincent Klink und Thomas Vilgis: Journal Culinaire, Band 2: Wissenschaft und Kultur des Essens - Essen in der Kunst.
  • Heidi E. Violand-Hobi: Daniel Spoerri. Biographie und Werk. München, London, New York 1998, ISBN 3-7913-2033-5
  • Stephan Geiger: The Art of Assemblage. The Museum of Modern Art, 1961. Die neue Realität der Kunst in den frühen sechziger Jahren. München 2008, ISBN 978-3-88960-098-1
  • Daniel Spoerri. Ein Augenblick für die Ewigkeit, Hrsg. Kunsthalle Krems/Hans-Peter Wipplinger, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst, 2010, ISBN 978-3-86984-166-3

Weblinks

 Commons: Daniel Spoerri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. MoMA, Inv.-Nr. 391.1961, abgerufen am 31. Mai 2011
  2. René Block, Gabriele Knapstein (Konzept): Eine lange Geschichte mit vielen Knoten. Fluxus in Deutschland. 1962–1994. Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1995, S. 95
  3. Dieter Honisch (Vorw.): 1945 1985. Kunst in der Bundesrepublik Deutschland, (Nationalgalerie, Staatliche Museen, Preußischer Kulturbesitz, Berlin), Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1985, S. 435
  4. http://noe.orf.at/stories/369369/
  5. Spoerri verschenkt Werke an Land NÖ auf ORF-Niederösterreich vom 18. Juli 2010; abgerufen am 18. Juli 2010
  6. "Es geht mir um eine In-Frage-Stellung" Interview mit Barbara Räderscheidt in: Wiener Zeitung vom 21. August 2010; abgerufen am 26. August 2010
  7. Daniel Spoerri erhält den Eckart Witzigmann-Preis 2007 vom 15. Jänner 2008 abgerufen am 18. Juli 2010
  8. News von Daniel Spoerri vom 18. Juli 2010

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