Domowina

Domowina
Domowina Bund Lausitzer Sorben e. V.
Zwězk Łužyskich Serbow z. t.
Zwjazk Łužiskich Serbow z. t.
(DOMOWINA)
Symbol der Domowina
Zweck: Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen
Vorsitz: David Statnik
Gründungsdatum: 13. Oktober 1912
(10. Mai 1945/1946)
Mitgliederzahl: 7.000
Sitz: Bautzen
Website: domowina.de

Die Domowina – amtlich Zwězk Łužyskich Serbow z. t. (niedersorbisch), Zwjazk Łužiskich Serbow z. t. (obersorbisch), Bund Lausitzer Sorben e. V. – ist der Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen mit Sitz in Bautzen.

Ziel der Domowina ist es, die politischen und kulturellen Interessen der etwa 60.000 Sorben bzw. Wenden, die zumeist in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg leben, auf regionaler, Landes- und Bundesebene zu vertreten und die sorbisch/wendische Sprache und Kultur zu erhalten und zu fördern.

Inhaltsverzeichnis

Name

Das sorbische Wort Domowina ist ein poetischer Ausdruck für Heimat. Der Name wurde von einem der Hauptinitiatoren der Gründung, dem Nochtener Pfarrer und langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden, Bogumił Šwjela vorgeschlagen.

Geschichte

Deutsches Kaiserreich

Vorgeschichte

1848 wurde in Bautzen die Vereinigung wendischer Vereine gegründet. Er wurde aber nach einem Jahr wie alle Vaterlandsvereine verboten. Erneute Versuche schlugen 1898 ebenfalls fehl.

Gründung

Erst der Ländliche Wahlverein wagte im April 1912 den entscheidenden Vorstoß, in dessen Folge der Bund am 13. Oktober 1912 von 60 Vertretern aus 31 sorbischen Vereinen im ehemaligen Ball- und Gesellschaftshaus in der Braugasse 1[1] am Markt in Hoyerswerda gegründet wurde.[2] Beitreten konnte jeder Verein, der auf christlicher königs- und vaterlandstreuer Grundlage stand.[3] Sein erster Vorsitzender wurde, zunächst kommissarisch, Arnošt Bart-Brězynčanski.

Weimarer Republik

Durch den ersten Weltkrieg zur Untätigkeit gezwungen, nahm sie 1920 die Arbeit wieder auf. Am 21. Juli 1921 wurden die ersten drei Kreisverbände Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda gegründet, welchen später noch zwei weitere folgten. Zwischen 1925 und 1935 veranstaltete sie zahlreiche zentrale Verbandstreffen.

Nationalsozialistische Diktatur

Gleichschaltungsversuch

Während der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde zunächst versucht, die Domowina für machtpolitische Zwecke zu instrumentalisieren. Die Nationalsozialisten gestatteten es anfänglich, dass die Sorben ihre Sprach- und Volkstumspflege reduziert fortsetzten. Doch der Druck wuchs, die Sorben als deutschen Stamm anzusehen.

Verbot und Enteignung

Nachdem die Bestrebungen, sich im Statut als wendisch-sprechende Deutsche zu bezeichnen an der entschiedenen Politik des Vorsitzenden Pawoł Nedo wiederholt entschieden abgelehnt wurden, wurde sie nachdem sie sich 1934 auf Basis der Einzelmitgliedschaft reorganisierte am 18. März 1937 verboten und 1941 enteignet.

„E r ö f f n u n g.
Der Herr Amtshauptmann zu Bautzen eröffnete mir heute, den 18. März 1937 mündlich nachfolgendes:
‚Da sich die Domowina innerhalb der gestellten Frist nicht bereit erklärt hat, den ihn bereits im November 1936 vorgelegten Satzungsentwurf der Behörden anzunehmen, müssen in Zukunft alle öffentlichen und geschlossenen Veranstaltungen und Versammlungen der Domowina und aller ihr angeschlossenen Organisationen als gegen die Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung angesehen und deshalb auf Grund allgemeiner Polizeibefugnis verboten und notfalls aufgelöst werden. Eine Bekanntmachung dieser Eröffnung in der wendischen Presse darf nicht erfolgen.‘
Meine Anfrage, ob dieser Bescheid der Domowina noch schriftlich zugestellt würde, wurde verneint.
B a u t z e n, am 18. März 1937
gez. P. N e d o“

Interne Mitteilung der Domowina über das Verbot der Organisation 1937[4]

Sowjetische Besatzungszone

Wiedergründung

Bereits zwei Tage nach Kriegsende und nur fünf Tage nach Ende der letzten Kampfhandlungen in Crostwitz, am 10. Mai 1945, wurde die Domowina durch die Initiatoren Dr. Jan Cyž, Michał Čunka, Franc Natuš, Jurij Ješki und Mikławš Brězan im Hause Natusch in Crostwitz neu gegründet.[5] Nedo wurde erneut ihr Vorsitzender bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1950. Zur Wiedergründung der Domowina für die Niederlausitz kam es erst 1946 in Werben (Spreewald).[6] Erster Gebietsvorsitzender wurde dort Měto Lažki (1889–1972). Zunächst war sie nur in der Oberlausitz tätig, weil die Wiederaufnahme der Arbeit in der Niederlausitz auf Betreiben der Brandenburger SED-Leitung unter Friedrich Ebert sowie des Cottbusser Landrats Franz Saisowa (SED) bis 1949 im Hinblick auf ihre angeblich separatistischen Bestrebungen nicht zugelassen wurde. Sorbische Aktivitäten wurden dort zunächst systematisch unterdrückt.

Linientreue

Die Domowina setzte allerdings recht bald auf Zusammenarbeit mit den Behörden und ordnete sich ab März 1946 der politischen Linie der KPD unter. Im Herbst 1946 stimmte sie der Vereinigung von SPD und KPD zur SED und der Aufstellung einheitlicher Wahllisten zu.

DDR

Während der DDR wurde auch die Domowina, wie alle Parteien und Massenorganisationen, von der SED vereinnahmt. Seit dem VII. Bundeskongress 1969 bezeichnete sich die Domowina offiziell als sozialistische nationale Organisation der Sorben,[7] was die Akzeptanz bei Teilen der sorbischen Bevölkerung weiter schwinden ließ.

Im Minderheitenschutzartikel der DDR-Verfassung von 1949 wurden die Sorben als fremdsprachiger Volksteil anerkannt,[8] aber nicht als nationale Minderheit, wie von der Domowina gefordert. Die Bildung eigenständig sorbischer Positionen in Opposition zur Regierung war im Rahmen der Organisation im Wesentlichen nicht möglich. Die Domowina war Mitglied der Nationalen Front. Nedos Nachfolger wurde der Altkommunist und Stalinist Kurt Krjeńc.

Wende und Berliner Republik

Erneuerungsprozeß

Am 11. November 1989 rief die in Opposition zur linientreuen Domowina stehende „Sorbische Volksversammlung“ zum nationalen Dialog auf und forderte von der Domowina eine grundsätzliche Wende. Ein sorbischer Runder Tisch erarbeitete Positionen der Interessenvertreter der Sorben und bereitete den Erneuerungsprozess der Domowina vor. Auf einem außerordentlichen Bundeskongress am 17. März 1990 wurde ein neues Statut angenommen, in dem sich die Domowina zur politisch unabhängigen und selbstständigen nationalen Organisation des sorbischen Volkes erklärte. Delegierte wählten eine neue Führung und bekannten sich in einer Resolution zur Herstellung der deutschen Einheit. Ein Jahr später ermöglichte sie als eingetragener Verein neben der Einzelmitgliedschaft auch wieder den Beitritt sorbischer Vereine und Verbände. Damit knüpfte sie als juristische Nachfolgerin der alten Domowina an den Gründungskonsens des Jahres 1912 an. Auf der II. Hauptversammlung am 15. Juni 1991 fand der Erneuerungsprozess mit der Annahme eines neuen Programms, dem Beitritt sechs spezifischer sorbischer Vereine und der Wahl eines neuen ehrenamtlichen Vorsitzenden einen vorläufigen Abschluss.

Gegenwart

Die Domowina gehört der Gesellschaft für bedrohte Völker, dem Europäischen Büro für Sprachminderheiten (EBLUL) sowie der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) an. Gegenwärtig hat die Domowina – Bund Lausitzer Sorben e. V. rund 7.000 Mitglieder in 5 Regionalverbänden.

Vorsitzende

Den Vorsitz hatte von 1951 bis 1990 der Bundeskongress. An dessen Spitze stand seit 1973 der 1. Sekretär des Bundesvorstandes.

1912–1927 Arnošt Bart
Ernst August Barth
* 1870; † 1956 Kaufmann, Landwirt, Ortsvorsteher, Landtagsabgeordneter Mitbegründer und zunächst kommissarischer Vorsitzender
1927–1930 Jakub Šewčik
Jacob Schewtschik[9]
* 1867; † 1935 Pfarrer, Kulturhistoriker, Dichter
1930–1933 Jan Křižan
Johannes Zieschang[10]
Pfarrer, Kulturschaffender
1933–1950 Pawoł Nedo
Paul Nedo
* 1908; † 1984 Lehrer, Wissenschaftler, Publizist
1951–1973 Kurt Krjeńc
Kurt Krenz
* 1907; † 1978 Porzellandreher, Steinbrucharbeiter, Volkskammerabgeordneter
1964–1990 Jurij Grós
Jurij Groß
Tischler, Lehrer, Kreisrat 1. Sekretär des Bundesvorstandes der Domowina
1990–1991 Bjarnat Cyž
Bernhard Ziesch
Diplom-Ingenieur Elektrotechnik
1991–1992 Jan Pawoł Nagel
Jan Paul Nagel
* 1934; † 1997 Komponist
1993–2000 Jakub Brankačk
Jakob Brankatschk
Lehrer
2000–2011 Jan Nuk
Jan Nuck
* 1947 Diplom-Ingenieur Energiewirtschaft, Unternehmer
seit 2011 Dawid Statnik
David Statnik
* 1983 Meister für Veranstaltungstechnik FB Bühne/Studio/Tontechnik

Vereinssitz

Das Haus der Sorben (Serbski dom) – Sitz der Domowina am Bautzener Postplatz

Ihren Hauptsitz nahm die Domowina zunächst im 1904 eröffneten Wendischen Haus am Bautzener Lauengraben, ab 1956 im seinerzeit neu erbauten Haus der Sorben am Postplatz.

Geschäftsstellen

  • Haus der Sorben Bautzen (Serbski dom Budyšin)
  • Wendisches Haus Cottbus (Serbski dom Chośebuz)

Regionalbüros

  • Regionalbüro Kamenz in Crostwitz
  • Regionalbüro Hoyerswerda
  • Regionalbüro Bautzen
  • Regionalbüro Weißwasser/Niesky in Schleife

Regionalverbände „župa“

am 24. Juli 1921 in Bautzen gegründet
  • Domowina-Regionalverband „Michał Hórnik“ Kamenz mit Sitz in Crostwitz:
am 24. Juli 1921 gegründet
  • Domowina-Regionalverband „Handrij Zejler“ Hoyerswerda mit Sitz in Hoyerswerda:
am 24. Juli 1921 in Hoyerswerda gegründet
  • Domowina-Regionalverband Niederlausitz mit Sitz in Cottbus:
Vorgänger waren die früheren Gebiets- bzw. Kreisverbänden Cottbus (ab 1949/50), Guben/Forst (1954), Calau/Lübben (1955) und Spremberg (1956) und wurde am 31. Mai 1991 als heutige Regionalverband Niederlausitz e. V. gegründet.
  • Domowina-Regionalverband Weißwasser/Niesky mit Sitz in Schleife:
Der Domowina-Kreisverband Niesky wurde 1945 gegründet. 1957 erfolgte die Angleichung der Domowina-Struktur an die administrative Gliederung der DDR. Mit den neuen Bezirken entstanden die Domowina-Kreisverbände Weißwasser und Niesky. Die Wiedervereinigung erfolgte 1991

Mitgliedsvereinigungen

Dem Bund der Domowina gehören folgende Vereinigungen an:

Symbol und Abzeichen „Lipa“ (Linde)

Das Symbol der Domowina

Der Bundesvorstand der Domowina hat sich in seiner Tagung am 25. August 1949 mit dem symbolischen Zeichen der Domowina befasst. Unter 20 eingereichten Vorschlägen fiel die Wahl einstimmig auf den Entwurf der sorbischen Malerin und Grafikerin Hanka Krawcec (Hannah Schneider) (1901–1988).

„Das Symbol der Domowina zeigt auf rotem Untergrund drei silberne Lindenblätter, welche aus einem Baumstamm mit acht Wurzeln erwachsen.“[12] Ein abgebrochener, aber noch festverwurzelter Stamm treibt neue Blätter. Ein Sinnbild für die durch den Nationalsozialismus stark beeinträchtigte, aber wiedererstarkende sorbische Nationalität.

Vereinszeitschrift „Naša Domowina“ (Unsere Domowina)

Die Vereinszeitschrift trägt den Namen Naša Domowina. Sie wurde noch 1935 als selbständige Beilage der Zeitung Serbske nowiny von Pawoł Nedo gegründet. Heute trägt sie den Namen Naša Domowina – Informacije třěšneho zwjazka * Informacije kšywowego zwězka * Informationen des Dachverbandes und wird von der Geschäftsstelle in Bautzen herausgegeben.

Preise

Die Domowina verleiht seit 1990 verdienstvollen Persönlichkeiten den Domowina-Preis (Myto Domowiny), den Domowina-Nachwuchspreis (Myto Domowiny za dorost) sowie seit 1959 das Ehrenabzeichen (Čestne znamješko). Mit dem Preis der Domowina werden Persönlichkeiten geehrt, die sich zielstrebig und erfolgreich für die Entwicklung der sorbischen Kultur und Sprache einsetzen. Der Domowina-Nachwuchspreis wird an Jugendliche oder eine Jugendgruppe verliehen, die sich in besonderer Weise für sorbische Belange engagieren. Verdienste bei der Verwirklichung des Programms und der Richtlinien der Domowina werden mit dem Ehrenabzeichen der Domowina gewürdigt. Von 1961 bis 1989 wurden der Literaturpreis und der Kunstpreis der Domowina verliehen.

Einzelnachweise

  1. Braugasse 1 e. V.: Die Historie.
  2. www.hoyerswerda.de: Gründung der Domowina.
  3. Siegmund Musiat: Sorbische/Wendische Vereine 1716–1937. Ein Handbuch. Bautzen 2001, S. 335
  4. Peter Kunze: Kurze Geschichte der Sorben. Ein kulturhistorischer Überblick in 10 Kapiteln. Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Dresden 1995 (durch die Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung vom Domowina-Verlag, Bautzen übernommene Ausgabe), S. 70, ISBN 3-7420-1633-4
  5. www.crostwitz.de: Chronik.
  6. www.domowina.de: Zur Geschichte des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz.
  7. Thomas Pastor: Die rechtliche Stellung der Sorben in Deutschland. Bautzen 1997, S. 39
  8. Thomas Pastor: Die rechtliche Stellung der Sorben in Deutschland. Bautzen 1997, S. 32
  9. Jan Šołta: Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow. (sorbisch), Domowina, Budyšin [Bautzen] 1984
  10. Jan Šołta: Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow. (sorbisch), Domowina, Budyšin [Bautzen] 1984
  11. Krabatmühlen-Verein neu im Domowina-Regionalverband. Lausitzer Rundschau, Online-Ausgabe Hoyerswerda, vom 30. November 2010
  12. Art. 1 Abs. 2 Satzung der Domowina – Bund Lausitzer Sorben e. V. (beschlossen auf der 12. Hauptversammlung am 5. März 2005 in Bautzen)

Weblinks

siehe auch


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См. также в других словарях:

  • Domowina — Le siège de la Domowina à Bautzen. Lieu où fut fondée la Domo …   Wikipédia en Français

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  • Domowina — Dọmowina   [sorbisch »Heimat«], 1912 gegründete nationale Organisation der Sorben zur Pflege der sorbischen Kultur und Sprache; 1937 verboten, 1945 in der DDR wieder gegründet; konstituierte sich als Dachverband sorbischer Vereinigungen 1991 neu …   Universal-Lexikon

  • Domowina — Do|mo|wi|na [auch dɔ...], die; <sorbisch, »Heimat«> (Organisation der sorbischen Minderheit in Deutschland) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Sorben — Die Lausitz – Heimat der Sorben Flagge der Sorben …   Deutsch Wikipedia

  • Верхнелужицкий язык — Самоназвание: Hornjoserbšćina Страны: Германия …   Википедия

  • Sorbe — Die Lausitz – Heimat der Sorben – in Europa Flagge der Sorben …   Deutsch Wikipedia

  • Surbi — Die Lausitz – Heimat der Sorben – in Europa Flagge der Sorben …   Deutsch Wikipedia

  • Alfred Mietzschke — Frido Mětšk (* 4. Oktober 1916 in Annaberg; † 9. Juli 1990 in Bautzen, deutsch Alfred Mietzschke) war ein deutscher Schriftsteller niedersorbischer Sprache, außerdem Historiker, Herausgeber, Erzähler, Lyriker und Übersetzer. Inhaltsverzeichnis 1… …   Deutsch Wikipedia


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