Crostwitz

Crostwitz
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Crostwitz
Crostwitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Crostwitz hervorgehoben
51.23833333333314.244166666667170
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Dresden
Landkreis: Bautzen
Verwaltungsverband: Am Klosterwasser
Höhe: 170 m ü. NN
Fläche: 13,32 km²
Einwohner:

1.069 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01920
Vorwahl: 035796
Kfz-Kennzeichen: BZ
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 080
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Hirtenquell 4
01920 Crostwitz
Webpräsenz: www.crostwitz.de
Bürgermeister: Matthias Brützke (CDU)
Lage der Gemeinde Crostwitz im Landkreis Bautzen
Polen Tschechien Brandenburg Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf (Oberlausitz) Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz/Oberlausitz Großröhrsdorf Guttau Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wiednitz Wilthen WittichenauKarte
Über dieses Bild

Crostwitz, obersorbisch Chrósćicy, ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde im Zentrum des ostsächsischen Landkreises Bautzen und befindet sich ca. 12 km östlich der Stadt Kamenz. Die Gemeinde zählt zur Oberlausitz und ist Mitglied im Verwaltungsverband Am Klosterwasser. Crostwitz ist eines der Zentren des sorbischen Siedlungsgebietes in Sachsen.

Der Ortsname ist – wie bei Crostau – vom altslawischen Wort chróst für „Gebüsch“ abgeleitet (vgl. obersorbisch chrósćina = Gestrüpp, Buschwerk).[2]

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Ort Crostwitz liegt zwischen 160 und 180 m ü. NN an beiden Seiten des Baches Satkula, der etwas nördlich des Ortes in das Klosterwasser mündet. Gemeinsam mit Panschwitz-Kuckau zählt die Gemeinde zum sogenannten „Oberland“ (sorb. Horjany) der ehemaligen Klosterpflege St. Marienstern. Im östlichen Teil der Siedlung, südlich und westlich umflossen vom Bach, befindet sich der Kirchberg mit der Katholischen Kirche, dem Crostwitzer Friedhof, der Schule und einigen älteren Wohn- teils Fachwerkhäusern. Der größere Teil des Ortes erstreckt sich jedoch auf der Westseite der Satkula in Richtung Panschwitz-Kuckau. Die nächste höhere Erhebung ist der Galgenberg am nordöstlichen Ortsausgang in Richtung Jeßnitz (216 m).

Ortsgliederung

Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:

  • Caseritz (Kozarcy), 44 Einwohner
  • Crostwitz, 591 Einwohner
  • Horka (Hórki), 286 Einwohner

Geschichte

Crostwitz auf einem Meßtischblatt, Sekt. Kloster Marienstern, 1884

In der Nähe des Ortsteils Kopschin befinden sich die Reste einer alten slawischen Burgwallanlage, die sogenannte Kopschiner Schanze.

Der Ort wurde bereits 1225 als Herrensitz des Henricus de Crostiz urkundlich erwähnt. Die Pfarrkirche von Crostwitz hatte seit dem 13. Jahrhundert eine große Bedeutung für die Region zwischen Panschwitz, Storcha und Rosenthal. Die meisten anderen Kirchen in dieser Gegend wurden erst später errichtet.

Die Planungen für die Sächsische Nordostbahn sahen eine Streckenführung von Bautzen über Crostwitz in Richtung Kamenz vor. Mit dem ausbrechenden Ersten Weltkrieg und nicht zuletzt auch aufgrund heftiger Widerstände in der Bevölkerung wurde der Bau jedoch abgebrochen und nicht wieder aufgenommen.

Im April 1945, als anderswo der Zweite Weltkrieg bereits vorbei war, fanden in der Region schwere Gefechte zwischen der Heeresgruppe Süd, einigen SS-Verbänden und der Roten Armee statt. Ein auf einem Hügel errichtetes Mahnmal erinnert an die vielen Opfer. In Crostwitz wurde am 10. Mai 1945 (nur fünf Tage nach Ende der letzten Kampfhandlungen) der Dachverband der sorbischen Vereine, die Domowina, neugegründet.

1957 wurde das benachbarte Caseritz, 1974 Horka und Nucknitz eingemeindet.

Bevölkerung

Crostwitz liegt im Südosten des sorbischen Kernsiedlungsgebietes und ist eines von dessen Zentren. Im Jahre 2001 sprachen 84,4 % der Einwohner der Gemeinde Obersorbisch.[4] Die Bevölkerungsmehrheit ist zudem katholischen Glaubens.

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts für den Ort eine Bevölkerungszahl von 538 Einwohnern; davon waren 523 Sorben (97 %) und 15 Deutsche.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Blick über Crostwitz nach Westen
Katholische Kirche
Typisches Wegkreuz an der Straße nach Siebitz

Überall an den Wegrändern zeugen Kreuze, Betsäulen und sorbische Beschriftungen (an Straßenschildern, Geschäften, Schulen etc.) davon, dass die sorbische Sprache und Kultur, in der Oberlausitz katholisch geprägt, hier noch lebendig ist.

Im Ortsteil Nucknitz findet jeden Sommer das sorbische Rockmusikfestival Nukstock statt; in Crostwitz selbst zudem aller zwei Jahre das Internationale Folklorefestival.

Crostwitz liegt am Radwanderweg „Auf den Spuren des Krabat“.

Kirche

Bevor die Region unter Bischof Benno von Meißen christianisiert wurde, befand sich an der Stelle der jetzigen Kirche ein heidnischer Tempel. Nachdem der katholische Glaube Einzug hielt, wurde dort zu Ehren der heiligen Apostel Simon und Juda Thaddäus eine kleine Holzkirche errichtet.

Die Pfarrkirche „St. Simon und Juda Thaddäus“ (Swj. Symana a Judy Tadeja) wurde in ihrer heutigen Form von 1769-1771 im Barockstil errichtet und am 27. Oktober 1771 durch den aus Crostwitz stammenden Bischof Jakob Wosky von Bärenstamm geweiht.[6]

Sie ist alljährlich der Ausgangspunkt einer Osterreiterprozession. Nachdem die Reiter gemeinsam am Ostergottesdienst teilgenommen haben, reiten sie über Siebitz in die Nachbargemeinde Panschwitz-Kuckau, wo sie von den Ordensschwestern des Kloster St. Marienstern empfangen werden.

Der aktuell leitende Pfarrer ist Clemens Rehor. Zu Fronleichnam 2010 übertrug die ARD die durch ihn gefeierte Messe live.

Auf dem Crostwitzer Kirchhof liegt der sorbische Schriftsteller Jurij Brězan begraben.

Sport

Die in Crostwitz ansässige Sportgemeinschaft Crostwitz 1981 (Sportowa Jednotka Chrósćicy) ging aus dem ältesten sorbischen Sportverein, der 1896 gegründeten Serbowka hervor und ist heute der größte Verein der Gemeinde. Ab den 1930er Jahren hatte Crostwitz mit Sokoł Chrósćicy eine eigene Fußballmannschaft. Heute spielen die Männer- und die Frauenmannschaft jeweils in der Kreisliga.

Politik

Der Crostwitzer Gemeinderat besteht aus zwölf Mitgliedern - darunter zehn Männer und zwei Frauen - und tagt in sorbischer Sprache. Die Kommunalwahl 2009 ergab folgende Stimm- bzw. Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften 2009 2004
 % Sitze  % Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 61,0 7 51,2 7
Freie Wählervereinigung Crostwitz/Prautitz (FWV) 39,0 5 48,8 5
gesamt 100,0 12 100,0 12
Wahlbeteiligung 54,6 % 53,8 %

Eine zum 1. Juli 2011 angestrebte Gemeindefusion mit der Nachbargemeinde Panschwitz-Kuckau scheiterte an Meinungsverschiedenheiten der Gemeinderäte, u.a. die künftige Tagungssprache betreffend.

Bildung

Sorbische Schule Jurij Chěžka

Die Gemeinde Crostwitz verfügt über die sorbische Grundschule Jurij Chěžka mit 73 Schülern im Schuljahr 2008/09.[7]

Im Jahr 2001 kam es zu einem Streit zwischen der Gemeinde Crostwitz und zahlreichen Vertretern der Sorben auf der einen sowie dem sächsischen Kultusministerium, dem Regionalschulamt und dem Landkreis Kamenz auf der anderen Seite. Das Ministerium wollte für die Mittelschule Crostwitz als eine von damals sechs sorbischen Mittelschulen in der Oberlausitz für 2001/02 keine neue fünfte Klasse genehmigen.

Lehrer, Eltern und Schüler verweigerten sich jedoch dieser Entscheidung und begannen am 9. August auf eigene Faust mit dem neuen Schuljahr. Bis Mitte September wurde der Unterricht mit 17 Schülern in der Schule fortgesetzt, während sich in Crostwitz Landtags-, Bundestags- und Europa-Abgeordnete mit der sorbischen Bevölkerung trafen und Demonstrationen sowie ein allgemeiner sorbischer Schulstreik organisiert wurden. Seitens der Behörden wurden jeder Familie 2500 DM Bußgeld und die Wiederholung des 5. Schuljahres im nächsten Jahr angedroht. Ungeachtet der Proteste seitens sorbischer und kirchlicher Organisationen, der Nachbarländer Tschechien und Polen und des Europarates blieb das Ministerium bei seiner Entscheidung und schloss zudem die Mittelschule Crostwitz zum Schuljahresende 2003.

Die offizielle Begründung der Schließung war, dass die Mindestanzahl von 20 Schülern pro Klasse nicht erreicht werden konnte. Auf den Vorschlag einer Sonderregelung für die sorbische Minderheit – wie es sie zum Beispiel für die Deutschen in Rumänien (8 Schüler) gibt – wollten weder Ministerium noch Landkreis eingehen.[8]

Persönlichkeiten

Belege

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
  2. Ernst Eichler/Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Akademie-Verlag. Berlin 1975.
  3. Angaben für 2010 von am-klosterwasser.de
  4. Martin Walde: Demographisch-statistische Betrachtungen im Gemeindeverband „Am Klosterwasser“. In: Lětopis. Band 51, 2004, Heft 1
  5. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 96.
  6. Internetseite der Gemeinde Crostwitz
  7. Angabe des Schulleiters
  8. Zusammenfassung des Schulstreits (WITAJ-Sprachzentrum)

Weblinks

 Commons: Crostwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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