Gothic Metal


Gothic Metal
Gothic Metal
Entstehungsphase: frühe 1990er Jahre
Herkunftsort: Großbritannien · Skandinavien
Stilistische Vorläufer
Doom Metal · Death Metal · Black Metal · Gothic Rock
Genretypische Instrumente
E-Gitarre · E-Bass · Schlagzeug · Keyboard
Stilistische Nachfolger
Dark Rock · Dark Metal

Gothic Metal [ˈɡɒθɪk ˈmɛtl] ist ein Musikstil, der in der ersten Hälfte der 1990er Jahre durch eine wechselseitige Beeinflussung der Genres Metal und Gothic Rock entstanden ist. Die Initiatoren des Genres wurzeln jedoch hauptsächlich im Metal-Umfeld. Hierbei bleibt Gothic Metal eine schwammige Stilbezeichnung, da die Ausdrucksformen vielseitig sind. Dies äußert sich besonders dadurch, dass einige Vertreter des Genres stilistisch eher zum Gothic Rock neigen, während bei anderen Künstlern hingegen der Metal-Anteil (bspw. das Growling) überwiegt.

Der Gothic Metal ist der erste und einzige Musikstil, der innerhalb seiner kurzzeitigen Popularität die beiden (zunächst als unvereinbar geltenden) Szenen Metal und Gothic in den 1990er Jahren sowohl stilistisch als auch subkulturell einander näher brachte.[1]

Inhaltsverzeichnis

Vordenker

1987 kombinierte die Schweizer Band Celtic Frost auf dem Album Into the Pandemonium Metal mit einer klassischen Sängerin, die an Christian Death erinnerte.[2] Danzig, das düstere Rock-Debüt des Ex-Misfits-Sängers Glenn Danzig, sowie das Album Sex & Drugs & Jesus Christ von Christian Death wiesen bereits 1988 den Weg, den später Bands des Gothic Metal beschreiten sollten. Etwa gleichzeitig und ähnlich einflussreich zeichnet sich die Arbeit der Gothic-Rock-Formation Fields of the Nephilim, die von Bands wie Moonspell[3][4][5] oder Tiamat[3][6][7] als Einfluss genannt wurde und klar hörbar in ihre Musik einfließt.

Entwicklung

Ursprung

Mitbegründer des Gothic Metals: My Dying Brides Sänger Aaron Stainthorpe

Im Besonderen zeichnete sich der englische Doom- und Death-Metal-Underground der frühen 1990er als Ursprung der Musikrichtung. Den Startschuss gaben Paradise Lost, die bereits 1991 damit begannen, auf dem für den Stil namensgebendem Album Gothic ihren schweren und fallweise als „Slow-Death“ bezeichneten Doom-/Death Metal nicht nur mit Keyboards zu untermalen, sondern auch mit klaren, weiblichen Gesangspassagen zu vereinen. Wesentliche Einflüsse bildeten dabei Gruppen wie The Sisters of Mercy und Dead Can Dance, aber auch Celtic Frost.

„We heard Celtic Frost’s Into Pandemonium [sic!] and Morbid Tales, and they were using orchestrations on metal music, and we thought that was cool to take it in another direction.“

„Wir hörten Celtic Frosts Into Pandemonium [sic!] und Morbid Tales, die nutzten eine Orchestrierung im Metal und wir dachten es wäre cool diese Idee in eine andere Richtung zu bringen.“

– Koerber, Scott: An Eternal Classic. The Making of Paradise Lost’s Gothic.[8]

Noch im selben Jahr brachten Tiamat mit The Astral Sleep und My Dying Bride mit Symphonaire Infernus et Spera Empyrium weitere grundlegende Bestandteile in die Musik ein. So zeichnete sich die schwermütige Stimmung der Musik sowie die Dichte der Arrangements für spätere Bands als wegweisend. Hinzu flossen, besonders durch die von My Dying Bride genutzte Geige, für den Death- und Doom Metal untypische Instrumente in die Musik ein.

Weiterentwicklung

Ab diesem Zeitpunkt experimentierten diverse Bands mit den neu entdeckten Möglichkeiten oder wechselten ganz in den neuen Musikstil über. Von 1993 an bis etwa 1997 erschien eine Fülle von Alben und neuen Bands, besonders aus dem skandinavischem Raum und den Niederlanden, die das neue Genre ausloteten, so etwa die holländische Formation Celestial Season, die 1993 mit Forever Scarlet Passion die Brücke zwischen Paradise Lost und My Dying Bride schlug und die für ihre Single Flowerskin ganze Liedpassagen von Dead Can Dance samplete. Die Facetten des Stils fächerten sich in dieser Phase so weit, dass heute kaum noch eine einheitliche Definition des Musikstils möglich ist.

Was als Gemeinsamkeit gelten konnte, war die Kombination von Elementen aus Gothic Rock und Metal, insbesondere Death- bzw. Doom Metal. So arbeiteten beispielsweise Tiamat 1994 das von Pink Floyd inspirierte Konzeptalbum Wildhoney aus. Theatre of Tragedy vervollkommneten den bei Paradise Lost aufgekommenen Wechselgesang zwischen tiefen Männergrowls und weiblichen Soprangesang, und The 3rd and the Mortal versuchten sich 1993 als erstes daran, den Männergesang zur Gänze wegzulassen - eine Idee, die schließlich The Gathering mit einigem Erfolg aufgriffen.

Eine Reihe anderer Bands des noch jungen Genres arbeiteten dagegen, wie Lake of Tears, eine abgemilderte, melodischere Variante des rauhen männlichen Gesangs aus. Dieser wurde für Genrekollegen (wie Sentenced, Cemetary oder Darkseed) typisch. Auch die Genreväter Paradise Lost bauten das männlich-weibliche Gesangswechselspiel ab den mittleren 1990er Jahren nicht weiter aus, sondern setzten auf einprägsame männliche Gesangslinien im Spannungsfeld von Melodik und Ausdrucksstärke.

Eine der wenigen Bands, die den Musikstil zu größerer Popularität führte, waren Type O Negative, die 1993 (auch durch das Stimmvolumen von Frontmann Peter Steele) den wohl bekanntesten Gothic-Metal-Titel der ersten Phase des Genres, Black No. 1 (Little Miss Scare-All), auf dem Album Bloody Kisses, stellten. Darüber hinaus wurde der skandalumwitterte und hühnenhafte Steele schnell zu einer bekannten Person des Musikgeschäfts über das Genre des Gothic Metal hinaus und sorgte somit für zusätzliche Popularität des gesamten Musikstils.

Mit dem aufkeimenden Erfolg zwischen 1993 und 1996 entstanden mehrere Alben, auf denen auch mehrere Bands und Künstler aus dem Gothic-Rock-Umfeld mit dem neuen Stil experimentierten. Secret Discovery, die bereits auf ihrem ersten Werk Way to Salvation von 1989 Gothic Rock mit Punk und Metal kreuzten, veröffentlichten 1993 mit Into the Void ein Album, das starke Parallelen zu Paradise Losts Album Shades of God aufwies. Die Dreadful Shadows debütierten 1994 mit dem metal-lastigen Album Estrangement. Im selben Jahr begann die bisherige NDT-Band Lacrimosa auf der EP Schakal mit harten und schnellen Gitarren zu experimentieren und weitete diese Idee bis zum Album Stille 1997 aus. Lacrimosa waren ebenfalls eine der ersten Bands, die sich über die Grenzen der Genres Metal und Gothic hinwegsetzten und 1996 auf der On a Dark Winter’s Night-Festival-Tournee unter anderem mit Sentenced und The Gathering tourten. Die Gothic-Rock-Formation Love Like Blood wandte sich 1995 mit dem Album Exposure dem Gothic Metal zu, nur ein Jahr später veröffentlichte Carl McCoy, Sänger und Kopf der Fields of the Nephilim, das death- und industrial-metal-lastige Album Zoon unter der einmaligen Nutzung des Namens The Nefilim.

Falsch kategorisierte Bands

Aufgrund der als düster wahrgenommenen Musik, der Texte oder der Videos werden Bands, die nur entfernt etwas mit Gothic Metal zu tun haben oder gänzlich unabhängig von diesem agieren, dem Gothic Metal zugeordnet. Beispiele hierfür sind Oomph! oder Rammstein, die der Neuen Deutschen Härte zuzuordnen sind. Darüber hinaus kommt es vor, dass Dark- oder Sleaze-Rock-Bands wie HIM, Lacrimas Profundere und The 69 Eyes oder Dark-Metal-Bands wie Cradle of Filth aufgrund ihres visuellen Auftretens fälschlich dem Gothic Metal zugeordnet werden.

Häufig werden durch kommerziell orientierte Medien (z. B. Orkus, Sonic Seducer etc.) Bands wie Nightwish, Within Temptation oder Xandria aus vermarktungsstrategischen Gründen dem Gothic Metal zugerechnet, wodurch sich eine breite Angriffsfläche für Kritik entwickelte, da viele Kritiker diesen Stil eher als Power Metal mit Frauengesang verstehen oder als klassischen Heavy Metal bis Hard Rock begreifen, der auf den Ideen von Doro Pesch und Warlock fußt. Tatsächlich verzichten diese Bands vollständig auf die genre-typischen Gothic-Rock-Elemente sowie den Einsatz männlicher Growls und sind – mit Ausnahme der Frühwerke von Within Temptation – stilistisch im Symphonic Metal anzusiedeln.

Stilprägende Werke

Mit kulturellem Ursprung im Metal-Bereich
Mit kulturellem Ursprung im Gothic-Bereich

Siehe auch

  • Kategorie:Gothic-Metal-Band

Einzelnachweise

  1. Thomas Vogel · Interview mit der ehemaligen Gothic-Metal-Band Paradise Lost · Sonic Seducer, Sommer-Ausgabe 1995 · Seite 30.
  2. Mirai Kawashima: SIGH's Mirai Kawashima on Celtic Frost's 'Into The Pandemonium'. Abgerufen am 31. August 2010 (englisch).
  3. a b Micha Kite: Sumerland: Press: Pit Magazine: Carl McCoy interview. In: Pit Magazine #55. Sommer 2006, abgerufen am 31. August 2010 (englisch): „For 10,000 moments the great beast writhed in the works of TYPE O NEGATIVE, MOONSPELL, TIAMAT, LACUNA COIL (as well as countless others) as all were heavily worshiping at the feet of FOTN (MOONSPELL even blatantly sampled the spoken work from Alister [sic!] Crowley). But even as these false idols cast their shadows across Nod there was no sign of Leviathan's return.“
  4. Jackie Smit: Under the Spell of the Antidote. Chronicles of Chaos, 25. Januar 2004, abgerufen am 31. August 2010 (englisch): „We'd like to be remembered more along the lines of bands like Fields of the Nephilim; as a cult band.“
  5. Sin: Moonspell: Art is made to discover. Gothtronic, abgerufen am 31. August 2010 (englisch): „A band that really makes my kind of Gothic Metal is Fields of the Nephilim. They have a sound like Slayer but it’s very dark. And they are a very big inspiration for what we do now.“
  6. Nocturnal Euphony 2007. 2007, abgerufen am 31. August 2010 (englisch): „There was a moment when I realized the dark and gloomy atmosphere of bands such as The Cure and Fields of the Nephilim and this was something I thought I had found in metal music... But pretty much at the same time I realized that Iron Maiden was a bit too candy coloured for my taste and I got into Possessed, Bathory, Venom, Celtic Frost etc., I also got into the darker gothic/new wave scene of England in the late 80's.“
  7. Rachendrachen: TIAMAT: Ruf mal wieder Muttern an... vampster, 8. Februar 2002, abgerufen am 31. August 2010: „Ich denke, dass sich der Einfluss von Bands wie THE SISTERS OF MERCY, THE MISSION und FIELDS OF THE NEPHILIM hauptsächlich in Johans Stimme wiederfindet. Und da glaube ich, dass er genauso singen würde, wenn er nie von Andrew Eldritch gehört hätte.“
  8. Koerber, Scott: An Eternal Classic. In Mudrian, Albert: Precious Metal. Cambridge 2009 S.121. ISBN 978-0-306-81806-6

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