Hofkapellmeister


Hofkapellmeister

Der Hofkapellmeister war ein hohes musikalisches Amt auf europäischen Königs- und Fürstenhöfen ab etwa dem 15. Jahrhundert (Innsbruck, Kassel). Zunehmende Bedeutung erhielt es um die Mitte des 18. Jahrhundert, als der neue Stil der Frühklassik viele kunstsinnige Fürsten dazu anregte, sich ein Hoforchester zu halten oder das bestehende zu erweitern.

Vielfach waren die Kapellmeister auch komponierend tätig, und die Anstellung eines bekannten Komponisten konnte einem Hof besonderen Glanz verleihen. Beispielhaft dafür kann Nikolaus Fürst Esterházy und der bei ihm wirkende Joseph Haydn sein.

Inhaltsverzeichnis

Aufgabenbereich

Die Aufgabe eines Hofkapellmeisters war es neben der Leitung des Hoforchesters (bzw. der Kammermusik) auch, über die persönliche Lebensführung der Hofmusiker zu wachen und Musikstücke in geeignete Orchesterfassungen zu setzen. Viele Kapellmeister waren gleichzeitig als Komponist tätig – doch nur wenige errangen den Rang eines Hofkapellmeisters und die mit ihm meist verbundenen Privilegien.

Da ein guter Künstler nicht oft für Aufgaben der Verwaltung oder des Managements begabt ist, hatte mancher Hofkapellmeister schwer unter der Aufsichtspflicht für seine Musiker zu leiden. Bis etwa 1800 waren diese de facto Leibeigene ihres Dienstherrn und hatten sich eines soliden Lebenswandels zu befleißigen, an allen Proben teilzunehmen, oft mehrere Konzerte in der Woche oder auf Abendgesellschaften zu spielen – und dies häufig sehr kurzfristig oder auch bei Krankheit.

Erst in der Zeit Mozarts stiegen die Chancen, auch als freischaffender Künstler tätig sein zu können. Der heute übliche Brauch des gastierenden Dirigenten kam erst etwas später auf.

Ein Hofkapellmeister hatte meist auch die Aufgabe eines Musiklehrers für die jungen Adeligen. Überregional bekannte Meister waren bisweilen auch Mitglied der jeweiligen Akademie.

In manchen Bereichen kann die Stellung früherer Hofkapellmeister (bzw. einiger Hofkomponisten) mit jener von heutigen Kultur-Landesräten oder zumindest Kulturbeauftragten verglichen werden. Anerkannte Meister waren meist auch gesuchte Lehrer und hatten dadurch über ihre Kunst hinaus Einfluss auf die Gesellschaft. Dennoch war mancher in der höfischen Hierarchie dem Hilfspersonal zugeteilt, beispielsweise am Hofe der Salzburger Fürsterzbischöfe.

Bekannte Hoforchester

Eines der ersten europaweit bekannten Orchester war jenes von Kaiser Maximilian in Innsbruck, wo lange Zeit Heinrich Isaac wirkte, und etwas später die Münchner Hofkapelle unter Ludwig Senfl und vor allem Orlando di Lasso. Im Bereich der Kirchenmusik war in erster Linie die päpstliche Kapelle unter der Leitung von Giovanni Pierluigi da Palestrina von Bedeutung. In England wurde Nicholas Lanier 1626 zum "Master of the King's Music" ernannt. Zu den ältesten Kulturorchestern der Welt gehört das heutige Staatsorchester Braunschweig, das als herzogliche Hofkapelle 1587 gegründet wurde.

Ab 1700 hatte eine zunehmende Zahl von Fürstenhöfen Einfluss auf die stilistische Entwicklung der Musik, unter anderem:

Bedeutende Hoforchester blieben bis in die Gegenwart als Staatskapelle erhalten.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der Hoforchester langsam ab - obwohl manche Königshöfe bis heute ein eigenes besitzen. Mit der Gründerzeit ging die Entwicklung der Kunst vermehrt auf öffentliche Institutionen über, wofür zahlreiche Konzerthäuser und -Hallen errichtet wurden (siehe auch Musikverein und Musikdirektor).

Heute sind anstelle des selten gewordenen Hofkapellmeisters neue Formen entstanden, bei der berühmte Dirigent in loser Folge auch mehrere Orchester eines Landes betreuen können, oder auch mehrere Labels der Musikindustrie. Das frühere Amt des Hofkomponisten konnte sich hingegen allenfalls als "Composer-in-residence" halten (z.B. Kalevi Aho).

Bekannte Hofkomponisten

Bevor eine detaillierte Liste existiert,
siehe auch Liste bekannter Hofkomponisten


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