John Boorman


John Boorman

John Boorman, CBE (* 18. Januar 1933 in Shepperton, Surrey, England) ist ein britischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Besuch einer katholischen Schule übte Boorman die unterschiedlichsten Berufe (Vertreter für Wäschetrockner, Autor einer Teenager-Zeitschrift) aus, bevor er 1955 als Cutter zur BBC kam. Dort arbeitete er sich bis 1962 zum Dokumentarfilmleiter von BBC-Bristol hoch. Seine erste Regiearbeit war der Film Fangt uns, wenn ihr könnt! (Catch Us If You Can) aus dem Jahr 1965. Obwohl der Film (mit den Mitgliedern der Popgruppe Dave Clark Five als Hauptdarsteller) nur mäßig erfolgreich war, wurde Hollywood auf ihn aufmerksam und Boorman konnte dort 1967 den Thriller Point Blank mit Lee Marvin in der Hauptrolle herausbringen.

1968 folgte das Kriegsdrama Die Hölle sind wir (Hell In The Pacific) um zwei während des Pazifikkrieges auf einer Insel gestrandete feindliche Soldaten. Boorman verdichtete den Konflikt zwischen Amerikanern und Japanern in einem Überlebenskampf der beiden Piloten (gespielt von Lee Marvin und Toshiro Mifune).

Boorman kehrte daraufhin nach England zurück, um dort 1970 die mäßig erfolgreiche Komödie Leo der Letzte (Leo The Last) zu drehen. Für diesen Film erhielt er allerdings den Regiepreis bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1970. Schon bald meldete er sich in Hollywood zurück, um den Actionfilm Beim Sterben ist jeder der Erste (Deliverance) (mit Jon Voight, Burt Reynolds und Ned Beatty in den Hauptrollen) zu drehen. Die spannungsgeladene Handlung kontrastiert Boorman hier mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen. Der Film wurde zu einem großen Erfolg, sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern. Letzteres zeigte sich in insgesamt drei Oscarnominierungen (für Bester Film, Bester Regisseur und Bester Schnitt) und ebensovielen Nominierungen für den Britischen Filmpreis. Dennoch ging er bei den Preisverleihungen leer aus.

Sein nächster Film, der ungewöhnliche Fantasy-Streifen Zardoz, wurde von Boorman 1974 mit einem vergleichsweise geringen Budget von 1 Million US-Dollar in Irland gedreht und entwickelte sich zum Publikumsflop, wurde aber von Kritikern (besonders in Europa) als „intelligente Science-Fiction“ gelobt. Erst nach unzähligen Wiederholungen im Abend- und Nachtprogramm des Fernsehens entwickelte sich eine kleine Fangemeinschaft. Um Zardoz zu drehen, lehnte Boorman sogar die Regie an Der Exorzist ab, da ihm an diesem Stoff so viel lag, wie er immer wieder betonte.

Der Exorzist wurde daraufhin von William Friedkin gedreht und entwickelte sich zum ersten Film der mehr als 100 Millionen US-Dollar einspielte. Das Studio gab daraufhin Boorman eine zweite Chance und beauftragte ihn mit der Regie bei der Fortsetzung Exorzist II – Der Ketzer. Das miserable Drehbuch, Konflikte innerhalb des Teams und zunehmende Alkoholprobleme von Richard Burton stellten die Dreharbeiten jedoch von Anfang an unter keinen guten Stern. Boorman versuchte zwar aus dem Projekt auszusteigen, wurde jedoch unter Androhung von Klagen davon abgehalten. Das Endprodukt war ein Film der vom Premierenpublikum ausgelacht wurde und weder künstlerisch noch finanziell an seinen Vorgänger heranzureichen wusste. Auf Listen der schlechtesten Fortsetzungen aller Zeiten ist Exorzist II oft in den oberen Rängen vertreten.

Nach diesem Fiasko nahm sich Boorman zunächst eine kleine Auszeit vom Kino und produzierte 1980 den Fernsehfilm The Hard Way über einen Auftragsmörder, der von seinem Boss zu einem letzten Auftrag gezwungen wird.

Nebenbei bereitete er eine Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Epos Der Herr der Ringe vor, musste aber enttäuscht vor den technischen und rechtlichen Problemen kapitulieren und drehte statt dessen Excalibur über die sagenumwobene Gestalt des König Artus: „Alles was ich lernte, die technischen Probleme die ich bei der Planung zu Herr der Ringe bewältigen musste, habe ich bei Excalibur angewandt. Das war meine Entschädigung.“[1]

Mit dieser Vorbereitung im Rücken gelang ihm ein erfolgreicher Abenteuerfilm, der seinen ramponierten Ruf wieder aufbesserte und ihm bei den Filmfestspielen von Cannes 1981 den Preis für den Besten künstlerischen Beitrag einbrachte. Bei den Oscars und dem British Academy Film Awards teilte Excalibur allerdings das Schicksal von Beim Sterben ist jeder der Erste – er wurde nominiert, konnte aber keinen Preis gewinnen.

Von der Welt der Legenden zog es John Boorman nun zur Verfilmung einer realen Geschichte – 1972 wurde im brasilianischen Urwald der Sohn eines peruanischen Ingenieurs gekidnappt und Jahre später von seinem Vater als vollwertiges Mitglied eines Amazonas-Stammes wieder gefunden. Boorman machte – mit einigen Änderungen an der wahren Begebenheit – aus diesem Stoff 1985 eine Abenteuergeschichte um den Konflikt zwischen der Zivilisation und unberührter Natur. Thematisch und filmisch kann Der Smaragdwald (The Emerald Forest) als eine Rückkehr zum Erfolgsrezept von Beim Sterben ist jeder der Erste gesehen werden. Er traf aber auch den Nerv der Zeit, da Mitte der 1980er Jahre das ökologische Bewusstsein einen Höhepunkt erreicht hatte (Save the forest, Sting). Die Hauptrolle übernahm Boormans Sohn Charley Boorman.

Sein nächster Film, Hope And Glory von 1987, trug eindeutig autobiographische Züge. Erzählt wird die Geschichte eines neunjährigen Londoner Jungen, der im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges aufwächst und dem Schrecken des Krieges mit Abenteuerlust und britischem Humor begegnet (so freut er sich zum Beispiel riesig als seine Schule von einer deutschen Bombe zerstört wird – Schulfrei!). Boorman gelingt die Balance zwischen dem Schrecken des Krieges und dem humorvollen Umgang damit. Es folgten Nominierungen für den Oscar (als Bester Regisseur, Bester Film und Bestes Drehbuch) und für den British Academy Film Award. John Boorman ging jedoch – wieder einmal – leer aus, allein Susan Wooldridge konnte einen BAFTA Award als beste Nebendarstellerin gewinnen.

1990 folgte die Komödie Die Zeit der bunten Vögel (Where The Heart Lies). Ein Immobilienmogul wirft seine verwöhnten Kinder aus dem Elternhaus und lässt sie mit wenigen finanziellen Mitteln in einem heruntergekommenen Haus wohnen, damit sie den Wert ehrlicher Arbeit zu schätzen lernen. Nicht nur die Kinder reagierten darauf mit Enttäuschung und Empörung − auch Publikum und Kritiker waren von diesem Film nicht begeistert.

In den folgenden vier Jahren wandte er sich mit I Dreamt I Woke Up, Two Nudes Bathing und Lumiére Et Compagnie vorübergehend dem Genre des Filmessays zu. 1995 kehrte er mit Rangoon (Beyond Rangoon) auf die große Leinwand zurück. Patricia Arquette spielt hierin eine vom Mord an ihrem Mann und ihren Kinder traumatisierte Mutter, die mit einem Urlaub in Birma diesen Schrecken verarbeiten will. Dort gerät sie jedoch in die Wirren von Studentenprotesten gegen die herrschende Militärdiktatur, begegnet Aung San Suu Kyi und versucht, nach Thailand zu fliehen. Wie zuvor in Der Smaragdwald liegt dem Film eine starke Aussage zu Grunde, wenn auch eher politischer Natur. Rangoon war 1995 im Wettbewerb um die Goldene Palme von Cannes vertreten.

Ging er 1995 in Cannes noch leer aus, so konnte er doch mit seinem nächsten Film, Der General (The General) von 1998, den Preis als Bester Regisseur bei den Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1998 gewinnen. Die in Nordirland spielende Geschichte dreht sich um einen modernen Robin Hood (gespielt vom Nordiren Brendan Gleeson), der in die Fänge der IRA gerät. Die Hauptfigur basiert auf Martin Cahill, der auch bei Boorman eingebrochen war und Vorbild des gleichzeitig entstandenen Filmes Ein ganz gewöhnlicher Dieb mit Kevin Spacey war.

Im Jahr 2001 brachte Boorman den Spionagefilm Der Schneider von Panama (The Tailor Of Panama) mit Pierce Brosnan, Jamie Lee Curtis und Geoffrey Rush in den Hauptrollen heraus. Basierend auf einem Roman von John le Carré erzählt er die Geschichte eines geltungssüchtigen britischen Agenten (Brosnan), der in Panama den Lügen eines Schneiders Glauben schenkt und damit eine militärische Invasion der Vereinigten Staaten heraufbeschwört.

Sein nächster Spielfilm, Country of My Skull/In My Country (2004), behandelt die schwierige Aussöhnung zwischen den Tätern und Opfern des Apartheid-Regimes in Südafrika und feierte auf der Berlinale 2004 Premiere, auf der Boorman auch als Pate des Berlinale Talent Campus fungierte.

2005/2006 dreht er mit Brendan Gleeson und Kim Cattrall einen Film über einen skrupellosen Immobilientycoon in Dublin unter dem Titel The Tiger's Tail.

Weiteres

Eine Autobiographie veröffentlichte er 2003 mit dem Titel Adventures of a Suburban Boy (übersetzt: Abenteuer eines Vorstadtjungen).

Boorman hat sich auch der Förderung junger Talente verschrieben, so ist er Präsident der Young Irish Film Makers, einer Organisation, die sich um die Ausbildung angehender Filmemacher kümmert, mit Sitz in Kilkenny, Irland, wo er auch ein Anwesen besitzt.

Er hat vier Kinder – Katrine, die Zwillinge Charley und Daisy sowie Telsche Boorman (letztere lebt nicht mehr), die auch kleinere Rollen in seinen Filmen übernahmen, wobei sein Sohn Charley eine Hauptrolle in Der Smaragdwald spielte.

Filmografie

Weblinks

Literatur

  • Rolf Giesen, John Boorman: John Boorman – Hope and Glory * Hoffnung und Ruhm. Das Portrait des Kino-Magiers. Goldmann, München 1987, ISBN 3-442-08984-0
  • John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003 ISBN 0-571-216951 (englisch)

Einzelnachweise

  1. "Everything I learned, the technical problems I had to resolve in planning for 'The Lord Of The Rings,' I applied to 'Excalibur.' That was my recompense."

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