Ladislaus Almásy


Ladislaus Almásy

Ladislaus Eduard (László Ede) Almásy [ˈlaːsloː ˈɛdɛ ˈɒlmaːʃi] (* 22. August 1895 in Bernstein, Burgenland; † 22. März 1951 in Salzburg) war ein Entdecker, Saharaforscher, Pilot, Automobilpionier und ein auf deutscher Seite tätiger Spion, Abwehr- und Geheimagent während des Zweiten Weltkrieges. Dank zahlreicher Expeditionen in Wüstenregionen sowie Geschäftsreisen nach Ägypten wurde er zu einem Kenner der östlichen Sahara. Als Offizier der Wehrmacht im Regiment Brandenburg schleuste er im Auftrag der deutschen Abwehr u. a. Spione durch die Wüste nach Ägypten.

Graf László Almásy

Inhaltsverzeichnis

Leben

Frühe Jahre

Almásy kam 1895 als Sohn des namhaften Ethnologen und Zoologen György Almásy auf Burg Bernstein im damals ungarischen Burgenland zur Welt. Er wurde von einem Privatlehrer im britischen Eastbourne erzogen, wo er von 1911 bis 1914 lebte. Aus dieser Zeit stammt auch seine Begeisterung für die Pfadfinderschaft.

Während des Ersten Weltkriegs diente Almásy in den k.u.k. Luftfahrtruppen. 1921 wurde Almásy internationaler Beauftragter des ungarischen Pfadfinderverbands. Nach dem Krieg kehrte Almásy zurück nach England, wo er am Eastbourne Technical Institute von November 1921 bis Juni 1922 studierte. Hier war er auch Mitglied im Eastbourne Flying Club.

Von Exkaiser Karl wurde er zum Dank dafür, dass er ihn 1921 zu dem gescheiterten Versuch, die ungarische Königskrone wiederzuerlangen, nach Budapest chauffiert hatte, in den Grafenstand erhoben, einen Titel den er aber nur außerhalb Ungarns führen durfte.

Expeditionen

Nach 1921 arbeitete Almásy als Vertreter für Steyr Automobile in Szombathely und gewann mehrere Autorennen für Steyr. In dieser Zeit organisierte er Jagdreisen für Europäer im Königreich Ägypten.

Während einer Fahrt von Ägypten in den Sudan entlang des Nils 1926 entwickelte Almásy größeres Interesse an der Region und kehrte später für Fahrten und Jagden wieder. Er testete Steyr-Fahrzeuge unter Wüstenbedingungen 1929 mit zwei Steyr LKW, womit er seine erste Wüstenexpedition startete.

1932 machte sich Almásy mit drei Briten, Sir Robert Clayton, Kommandant Penderel und Patrick Clayton, auf, das legendäre Zarzura, die „Oase der Vögel“, zu suchen. Die kombinierte Expedition zu Pkw und Flugzeug wurde von Prinz Kemal el Din finanziert. Bereits 1921 hatte dieser ägyptische Prinz für das National Geographic Magazine einen Beitrag über Gilf el-Kebir verfasst. Sie katalogisierten prähistorische Felszeichnungen, wie die Höhle der Schwimmer in Uwainat und Gilf el-Kebir. 1933 erklärte Almásy das dritte Tal von Zerzura im Wadi Talh gefunden zu haben. Almásy traf den Stamm der Magyarab in Nubien, die zwar Arabisch sprechen, jedoch als Nachfahren ungarischer (magyarischer) Soldaten in der osmanischen Armee des 16. Jahrhunderts angesehen werden.

Bei seinen Entdeckungen stützte er sich als einer der ersten auf kombinierte Erkundungen per Auto und Flugzeug. Auch wertete er die historischen Berichte antiker Schriftsteller wie Herodot aus. Almásy, von seinen Beduinenfreunden Abu Ramla ‚Vater der Sande‘ genannt, hielt seine Abenteuer im Buch Az ismeretlen Szahara fest, das 1934 in Budapest erstmals veröffentlicht wurde. Er schrieb es in deutscher Sprache unter dem Titel Unbekannte Sahara. Mit Flugzeug und Automobil in der Libyschen Wüste, veröffentlicht fünf Jahre später bei Brockhaus Leipzig. Es enthält Berichte der meisten seiner Entdeckungen wie der des Dschebel Uwainat (der höchste Berg der östlichen Sahara), der Felszeichnungen im Gilf el-Kebir und der verlorenen Oase von Zarzura, die er zusammen mit dem Piloten Penderel, Sir Robert Clayton und Richard A. Bermann entdeckte. Almásy wandelte sich damit vom Autodidakten zum ernstzunehmenden Entdecker.

Keineswegs wurde Gilf el-Kebir von Almásy entdeckt. Die Beduinen kannten sie, mieden diese aber, außer bei Suche nach verirrtem Vieh. Sie verbanden die Höhlenmalereien mit Dschinn oder unbekannten Geistern. Almásy kartierte die Höhlen und skizzierte die Höhlenmalereien ab.

Mitte der 1930er Jahre ging die Zeit für Forschung und Abenteuer zu Ende: Sein ehemaliger Förderer Clayton war 1932 gestorben, jedoch nicht, wie in Der englische Patient kolportiert, wegen einer Bruchlandung, sondern am Biss einer Wüstenfliege im Gilf el-Kebir. Claytons Frau starb ein Jahr später bei einem ungeklärten Flugzeugabsturz.

Gemeinsam mit Graf Pál Teleki unterstützte er die Vorbereitung des 4. World Scout Jamboree im ungarischen Gödöllő, bei welchem er am 9. August 1933 dem Gründer Robert Baden-Powell die Air Scouts präsentierte.

Zweiter Weltkrieg

Während der Abessinienkrise 1935 soll Almásy dem italienischen Generalgouverneur von Italienisch-Nordafrika (Africa Settentrionale Italiana), Marschall Italo Balbo, mit nachrichtendienstlichen Informationen gedient haben, indem er die Machbarkeit des Vorstoßes in den Sudan und Ägypten untersuchte.

Später leitete Almásy archäologische und ethnographische Expeditionen mit den deutschen Ethnologen Leo Frobenius und Hans Rhotert. Am Flugplatz Al Maza (Ägypten) arbeitete er als Fluglehrer.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste er 1939 nach Ungarn zurückkehren, da die Briten ihn als Spion der Italiener verdächtigten und umgekehrt. Als Ungar hatte er zuvor immer für jene Kolonialmacht gearbeitet, die ihm jeweils den besten Erkundungsauftrag gewährte.

Ungarn trat den Achsenmächten mit der Ratifizierung des Dreimächtepakts am 20. November 1940 formell bei. Die deutsche Abwehr engagierte den in Budapest weilenden Almásy. Der ungarische Reserveoffizier wurde als Hauptmann in die Luftwaffe übernommen und dem Afrika-Korps zugeteilt. 1941 und 1942 nutzte diese unter dem Kommando Erwin Rommels stehende Truppe seine Wüstenerfahrung.

Almásy dürfte in der Abwehrspezialeinheit Division Brandenburg gedient haben. Da die Geschichte der Division Brandenburg noch nicht abschließend erforscht ist, bleiben Almásys Tätigkeiten aber unklar. Gesichert ist die Episode eines Transports durch die Wüste wie sie im Buch Rommel ruft Kairo des deutschen Spions John W. Eppler (alias Husain Gafaar) geschildert wird, der von Almásy durch die ägyptische Wüste geschleust wurde.

Während der Operation Salaam im April und Juni 1942 infiltrierte Almásy mit zwei deutschen Spionen durch feindliche Linien in britisch kontrolliertes Gebiet (Ägypten) auf ähnliche Weise wie die gegnerische Allied Long Range Desert Group. Die Operation Salaam war keine verdeckte Operation, denn Almásy und sein Team trugen deutsche Uniformen. Sie benutzten aber amerikanische Autos und einen Lkw mit deutschen Hoheitszeichen, welche in den Fahrzeugtarnungen versteckt waren. Almásy brachte die deutschen Agenten der Abwehr, Johannes Eppler und den Funker Hans-Gerd Sandstede nach Kairo,[1] wofür er zum Major befördert wurde und das Eiserne Kreuz verliehen bekam.

Noch im Jahr 1944 war Almásy an der Operation Dora beteiligt, eine von Griechenland aus durchgeführte Operation, um einen aufgegebenen italienischen Flugplatz in der Libyschen Wüste zurückzuerobern. Die Basis hätte benutzt werden sollen, damit deutsche Agenten in Nordafrika Horchposten errichten sollten. Diese Aktion scheiterte.

Nach dem Ende des Afrikafeldzugs wurde Almásy in die Türkei versetzt, wo er an der Vorbereitung eines Aufstandes in Ägypten beteiligt war, der nie stattfand.

Er kehrte schließlich nach Budapest zurück, wo er seine Kontakte zur katholischen Kirche nutzte, um einige jüdische Familien vor ihrer Deportation in Konzentrationslager zu retten.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurde Almásy in Ungarn festgenommen und kam in sowjetische Gefangenschaft. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Ungarn wurde Almásy wegen Hochverrat vor einem Volksgericht angeklagt, jedoch freigesprochen. Später verließ er Ungarn, angeblich unter Mitwirkung des britischen Geheimdienstes. Die Briten sollen ihn in ihre Besatzungszone in Österreich verbracht und später bei der Weiterreise nach Ägypten unterstützt haben.

Almásy weilte auf Einladung von König Farouk in Ägypten und wurde Technischer Direktor des neugegründeten Wüstenforschungsinstitutes, welches heute im Al-Matariyyah-Distrikt von Kairo steht.

Tod

Während eines Besuches in Österreich erkrankte Almásy 1951. Er starb an Amöbenruhr in einem Krankenhaus in Salzburg, wo er auch begraben wurde. Sein Grabmal, welches von ungarischen „Patrioten“ erst 1995 errichtet wurde, ehrt ihn als Pilot, Saharaforscher und Entdecker der Oase Zarzura.

Sonstiges

Im Roman Der englische Patient von Michael Ondaatje ist seine Vita die Vorlage des Titelhelden; die dort beschriebene Geschichte hat jedoch nur entfernt mit Almásy zu tun. Die im Buch beschriebene (und vor allem in der Verfilmung zentral thematisierte) Affäre mit Katherine Clifton entbehrt jeglicher Grundlage, da Almásy homosexuell war[2]. Auch stirbt er im Roman in der italienischen Toskana an den Folgen eines Flugzeugabsturzes.[3]

Werke

  • Az ismeretlen szahara, Budapest, 1934
  • Levegőben, homokon, Budapest, 1937
    • Deutsche Übersetzung (beide zus., gekürzt): Unbekannte Sahara. Brockhaus, Wuppertal 1939
      • Neuauflage als Schwimmer in der Wüste. Haymon, Innsbruck 1997
  • Mit Rommels Armee in Libyen 1943
    • Neuauflage: Mit Rommels Korps in Libyen, Belleville, München 2010 ISBN 3936298173

Literatur

  • Walter Grond: Almasy. Roman. Ungekürzte Taschenbuch-Ausgabe. dtv, München 2005 ISBN 3-423-20821-X
  • John W. Eppler: "Rommel ruft Kairo." Aus dem Tagebuch eines Spions. Bertelsmann, München 1959
  • John Bierman: The Secret Life of Laszlo Almasy. The Real English Patient.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Anja Stehmeyer: Rommels Spion – Saddams Geisel. In: Hamburger Abendblatt (17. Oktober 1990). Zugegriffen am 4. April 2010.
  2. http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a6741/l0/l0/F.html#featuredEntry
  3. Für weitere Information über die literarische Verarbeitung von Almásy siehe: Will the Real Almásy Please Stand Up! – Transporting Central European Orientalism via The English Patient. (http://cssaame.com/issues/24_2/sensenig.pdf) Eugene Sensenig-Dabbous – Notre Dame University (www.ndu.edu.lb), Lebanon; in: COMPARATIVE STUDIES of SOUTH ASIA, AFRICA and the MIDDLE EAST (CSSAAME) Volume 24 | No. 2| 2004 - German Orientalism (http://www.cssaame.ilstu.edu) – In Memory of Annemarie Schimmel Guest Editor: Jennifer Jenkins, Associate Professor, Canada Research Chair in Modern German History, Department of History, University of Toronto.

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