Louis Pasteur


Louis Pasteur
Louis Pasteur, 1878
Louis Pasteur in seinem Labor
Geburtshaus von Louis Pasteur in Dole

Louis Pasteur (* 27. Dezember 1822 in Dole im Département Jura; † 28. September 1895 in Villeneuve-L'Etang bei Paris) war ein französischer Naturwissenschaftler und (neben Robert Koch) einer der Begründer der Mikrobiologie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1822 in ärmlichen Verhältnissen geboren, wuchs Pasteur in Arbois auf. Nach einem geisteswissenschaftlichen und einem mathematischen Studienabschluss promovierte Pasteur 1847 in Paris in Physik. Von 1848 bis 1853 war er Chemieprofessor in Dijon und darauf in Straßburg, wo er Marie Laurent, die Tochter des Universitätsrektors, kennenlernte und 1849 heiratete. Von ihren fünf Kindern wurden nur zwei erwachsen, die drei anderen starben jung an Typhus.

1854 bis 1857 war Pasteur Professor in Lille, 1858 wurde er Direktor der École normale supérieure (Rue d'Ulm) in Paris. 1867 erhielt er einen Lehrstuhl an der Sorbonne; 1887/88 wurde Pasteur Gründer und erster Direktor des nach ihm benannten Institut Pasteur.

Werk

Durch die Racematspaltung eines Salzes der Para-Weinsäure legte und entdeckte Pasteur die Grundlagen der Stereochemie.

Pasteur entwickelte Impfstoffe gegen die Geflügelcholera, den Milzbrand, Rotlauf und die ohne Schutzimpfung stets tödlich verlaufene Tollwut. Als Schutzimpfung gegen Tollwut setzte Pasteur im Rückenmark von Kaninchen abgeschwächten Tollwutvirus ein. Die erste Tollwutimpfung bei einem Menschen führte Pasteur am 6. Juli 1885 bei dem neunjährigen Jungen Joseph Meister durch, der von einem tollwütigen Hund gebissen worden war. Zuvor hatte er seinen Impfstoff nur an Hunden getestet, doch die Behandlung des Jungen verlief erfolgreich.

Er entdeckte auch, dass durch das kurzzeitige Erhitzen von Lebensmitteln auf 60–70 °C ein Großteil der darin enthaltenen Keime abgetötet wird, dass Keime wie Krankheits- oder Fäulniserreger durch Pasteurisierung getötet werden können. Wie Robert Koch wies er nach, dass bestimmte Krankheiten von Mikroorganismen verursacht werden. Die Erkenntnis führte zur Entwicklung der Sterilisation, mit der man z. B. medizinische Instrumente keimfrei macht. Das von ihm entwickelte Verfahren, Milch durch kurzes Erhitzen auf etwa 60 °C haltbar zu machen („Pasteurisieren“), wird noch heute angewendet.

Im Laufe des Jahres 1857 – zu dieser Zeit war Pasteur Dekan und Professor für Chemie an der naturwissenschaftlichen Fakultät in Lille – entdeckte er das für die Milchsäuregärung verantwortliche Bakterium. Dies bestätigte zunächst seine 1860 geäußerte Vermutung, dass die Gärung ein von der lebenden Zelle abhängiger Prozess sei und widerlegte das bereits unter den Chemikern Justus von Liebig und Berzelius sowie der damaligen Wissenschaftsgemeinde etablierte Konzept einer ausschließlich chemischen Entität. Tatsächlich handelt es sich bei der Fermentation um einen chemischen Prozess in lebenden Organismen. Einer der wenigen Chemiker, die weder eine chemisch-mechanistische Deutung der Gärung wie Liebig noch eine überwiegend vitalistische Sicht (Protoplasmatheorie wie Schwann und Pasteur) hatten, war der deutsche Privatgelehrte Moritz Traube, mit dem Pasteur in fruchtbarer wissenschaftlicher Auseinandersetzung stand (Abhängigkeit der Gärung von zellulärer Integrität, Hefe im sauerstofffreien Milieu, Herstellung reiner Hefe). Erst Eduard Buchner entschied den Streit 1897 endgültig, indem er nachwies, dass die Gärung nicht an die Lebenstätigkeit von Organismen gebunden ist.

Des Weiteren löste Pasteur im Jahre 1859 ein Problem bezüglich der Weinsäure. Bei natürlicher Weinsäure bemerkte er, dass sich polarisiertes Licht um 7 Grad dreht. Jedoch konnte er bei synthetisch hergestellter Weinsäure diesen Effekt nicht beobachten, obwohl sich beide Substanzen chemisch völlig identisch verhielten. Nach näheren Untersuchungen fand er heraus, dass natürliche Weinsäure nur eine Art von Kristallen enthält. Synthetisch hergestellte Weinsäure beinhaltet zwei Arten von Kristallen, wobei die eine Art Kristall lediglich ein Spiegelbild der anderen war (siehe Chiralität).

Würdigung und Nachwirkung

Wohnhaus und Labor von Louis Pasteur in Arbois (heute ein Museum)

Am 29. Dezember 1883 erhielt Pasteur für seine Arbeiten über den Wein und die Gärung den Mérite agricole.

Am 8. Juni 1886 verlieh der osmanische Sultan Abdülhamid II. Pasteur für seine Verdienste den Mecidiye-Orden I. Klasse sowie 10000 osmanische Lira.[1]

Die Erkenntnisse von Pasteur wurden durch wissenschaftsgeschichtliche Aufarbeitung in den letzten Jahren etwas relativiert, da seine Beweisführungen oft erzwungen wirkten (Gerald Geison: The Private Science of Louis Pasteur). Die Kritik ändert aber nichts an der Tatsache, dass Pasteur zu den bedeutendsten Wissenschaftlern der Geschichte gehört. In Frankreich ist er ein Nationalheld. Nach ihm sind das Institut Pasteur in Paris und der Asteroid (4804) Pasteur benannt.

Etwa 70 Jahre nach seinem Tod übergab die Familie Pasteurs 1964 seine privaten Aufzeichnungen (144 Notizbücher, davon 102 nutzbare) der Bibliothèque Nationale de Paris. Der Wissenschaftshistoriker Gerald L. Geison vom Historischen Institut der Universität Princeton in New Jersey, der etwa 20 Jahre lang die Aufzeichnungen von Pasteur studierte, entdeckte in den privaten Einträgen Pasteurs u. a. eine Reihe gravierender Abweichungen zu seinen tatsächlich publizierten Arbeiten. Laut Notizbuch benutzte Pasteur z. B. einen anderen Impfstoff gegen Milzbrand, als er in seinen Veröffentlichungen angegeben hatte. Durch die Veröffentlichung dieser Notizbücher geriet das Ansehen Pasteurs nachträglich etwas ins Wanken. Französische Zeitungen berichteten damals über Wissenschaftsbetrug.

1935 drehte William Dieterle unter dem Titel The Story of Louis Pasteur (dt. Louis Pasteur) eine Filmbiografie mit Paul Muni in der Titelrolle.

Siehe auch

Literatur

  • Patrice Debré: Louis Pasteur („Louis Pasteur“). Johns Hopkins University Press, Baltimore, Md. 1998, ISBN 0-8018-5808-9 (übersetzt durch Elborg Forster).
  • René Dubos: Louis Pasteur. Free Lance of Science. Da Capo Press, New York 1986, ISBN 0-306-80262-7.
  • Gerald Geison: The Private Science of Louis Pasteur. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1995, ISBN 0-691-03442-7.
  • Gerda Kirmse: Louis Pasteur. Ein Wohltäter der Menschheit. Pandion Verlag, Bad Kreuznach 1995, ISBN 3-922929-58-3.
  • John Hudson Tiner: Louis Pasteur: Founder of Modern Medicine. Mott Media, Milford, Mich. 1990. ISBN 0-88062-159-1 (Kinderbuch).

Einzelnachweise

  1. Sevan Nişanyan: Yanlış Cumhuriyet İstanbul: Kırmızı Yayınları 2009, S. 263.

Weblinks

 Commons: Louis Pasteur – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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