Cohäsion

Cohäsion, nennt man diejenige Kraft, vermöge deren die kleinsten Theile eines jeden Körpers aneinander hängen. Es gehört eine Reihe von Vorstellungen dazu, um dasjenige, was der Physiker unter dem Worte Cohäsion versteht,zu begreifen. Diese alle zu entwickeln, ist in so beschränktem Raume unmöglich, wir müssen daher zu Beispielen unsere Zuflucht nehmen. Der Marmor ist gewiß Jedem bekannt, er ist ein fester, harter Stein, doch gehört nur das Glühen im gewöhnlichen Ofen dazu, um zu machen, daß er in Staub zerfällt; denn wie fest er auch ist, die Gluth des Ofens trennt die Bande der Cohäsion, welche seine einzelnen Theilchen zusammen hält; er löst sich in Kalkpulver auf. Das Eis ist ein ziemlich fester Körper; der milde Hauch des Frühlings sprengt die festen Brücken, welche der Winter über Bäche und Flüsse gewölbt, die Cohäsion verringert sich, das Eis wird mürbe, es löst sich in Wa sser auf. Das also, wodurch die wahrnehmbaren Körper als solche bestehen, ist die Cohäsion, eine Kraft, welche wir nicht definiren, deren Wirkungen wir nur warhnehmen können. Allein ob in ihrem geheimsten Innern auch unbekannt, hat der Mensch sie dennoch sich untergeordnet und bedient sich ihrer in hundert und tausend Fällen. Zwei Flächen möglich glatt – (wie Spiegelgläser z. B.) hängen, wenn man sie auf einander legt, mit nicht unbedeutender Kraft aneinander, noch viel mehr, wenn man eine Flüssigkeit dazwischen bringt; den höchsten Grad aber erreicht ihr Zusammenhang, wenn die dazwischen gebrachte Flüssigkeit nach einiger Zeit erstarrt. So wird die Cohäsion, überall angewendet, meistens aber ohne daß man es weiß; man nennt es Pappen, Leimen, Kleben, Löthen, Verschmelzen, Schweißen, etc. Der Maurer bedient sich des Mörtels, um die Steine zu verbinden, welche das Haus bilden sollen, und war der Mörtel gut, so müssen die Steine zerbröckeln, bevor sie von einander lassen. Der Kupferschmied verzinnt seine Geschirre, indem er das schmelzende Metall über das erhitzte Kupfer streicht; der Goldschmied vergoldet Messing und Silber etc. Immer ist es die Cohäsion, mittelst deren vollbracht wird, was man beabsichtigt.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Cohäsion — (v. lat.), 1) Zusammenhang; 2) (Phys.), die Art, wie die kleinsten Theile eines Körpers unter einander zusammenhängen. Den äußeren Zustand der Körper denkt man sich von dem Zusammenwirken zweier zwischen ihren kleinsten Theilen od. Molekülen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Cohäsion — die auf gegenseitiger Anziehungskraft der einzelnen Theilchen beruhende Eigenschaft aller Körper in bestimmter Form (krystallisirter oder nichtkrystallisirter) mehr oder weniger zusammenzuhalten. Je stärker die C.skraft, um so fester ist der… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Tropfbare Flüssigkeiten — Tropfbare Flüssigkeiten, Körper, deren Theilchen unter Anwendung der mindesten Kraft sich unter einander verschieben lassen, dabei aber ein unveränderliches Volumen behalten; durch die erste Eigenschaft bilden sie einen Gegensatz zu den festen,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Anziehung — (Attraction), 1) jede Kraft, die eine Annäherung zweier od. mehrerer Körper an einander bewirkt; entgegengesetzt der Abstoßung. Um die verschiedenen Erscheinungen der A. u. Cohäsion, der Haarröhrchenausdehnung, der Schwere u. Gravitation, der… …   Pierer's Universal-Lexikon

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  • Capillarität — (Haarröhrchenerscheinungen), die Erscheinung, daß die Oberfläche von Flüssigkeiten in eingetauchten Röhren von sehr geringem Durchmesser od. zwischen Platten, die in geringem Abstande von einander sich befinden, eine andere Form u. Höhe annimmt,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Elasticität — (v. gr.), das Bestreben der Körper, nach einer durch äußere Kraft ohne Trennung des Zusammenhangs erfolgten Verschiebung ihrer Theile, den vorigen Zustand der Cohäsion u. die vorige Anordnung der Theile von selbst wieder anzunehmen. Der Grund der …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Flüssigkeit — Flüssigkeit, ein Körper, dessen kleinste Theile od. Molecüle so unter einander verbunden sind, daß sie sich durch die mindeste Kraft gegen einander verschieben lassen. Die F en zerfallen a) in tropfbare, bei denen zwar die Gestalt von… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Полиморфизм химический — В начале текущего столетия Гаю установил закон, который гласил, что каждому химическому соединению в твердом состоянии соответствует одна определенная внешняя форма. Почти одновременно с этим начали накопляться факты, постепенно видоизменившие… …   Энциклопедический словарь Ф.А. Брокгауза и И.А. Ефрона

  • Смазочные материалы — (франц. graisse; англ. grease, smear, ungment; нем. Schmiermittel) представляют вещества различного происхождения и состава, при обыкновенной t° находящиеся в жидком, твердом и промежуточном между ними состоянии и предназначаемые для устранения… …   Энциклопедический словарь Ф.А. Брокгауза и И.А. Ефрона

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